Industrie 4.0
02.04.2015

Hannover Messe 2015: Integrated Industry – Join the network!

Vom 13. bis 17. April findet die Hannover Messe 2015 statt. In diesem Jahr vereint sie zehn Leitmessen unter einem Dach und folgt dem Leitthema „Integrated Industry – Join the network!“. Über Details und Hintergründe berichtet Dr. Jochen Köckler, Vorstand der Deutschen Messe AG, im Interview.

Dr. Jochen Köckler, Vorstand der Deutschen Messe AG: „Die wesentlichen Herausforderungen von Industrie 4.0 sind nur im Netzwerk zu bewältigen: Maschinenbau, Elektrotechnik und IT müssen kommunizieren und kooperieren.“

Herr Dr. Köckler, Sie führen nun im dritten Jahr als Leitthema der Hannover Messe „Integrated Industry“ mit. Im letzten Jahr erhielt es den Zusatz „Next Steps“, in diesem „Join the network!“. Bitte erläutern Sie kurz, was Sie zur Wahl des diesjährigen Leitthemas bewogen hat und welcher Intention es folgt.

Dr. J. Köckler: Integrated Industry ist das zentrale Industriethema unserer Zeit. Wir stehen am Beginn der vierten industriellen Revolution. Dass wir in Hannover bereits zum dritten Mal unser Leitthema in diesen Zusammenhang stellen, zeigt, dass die Hannover Messe die Entwicklungen schon früh begleitet hat und seitdem konsequent vorantreibt. Konkret steht „Integrated Industry – Join the network“ dafür, dass die wesentlichen Herausforderungen von Industrie 4.0 nur im Netzwerk zu bewältigen sind: Maschinenbau, Elektrotechnik und IT müssen kommunizieren und kooperieren. Gleichzeitig steckt in unserem Leitthema aber auch der Aufruf an sämtliche Unternehmen der industriellen Branchen, Teil der Bewegung zu werden und sich zu fragen, inwieweit sie selbst fit für Industrie 4.0 sind. Aktuelle Umfragen zeigen, dass sich erst ein Viertel der Unternehmen mit den durch Industrie 4.0 anstehenden Veränderungen beschäftigt. Das ist zu wenig. Und das will die Hannover Messe ändern!

Mit „Next Steps“ wurden im letzten Jahr die nächsten Schritte in Richtung intelligenter, sich selbst organi­sierender Fabrik beschritten. Das ließ den potenziellen Hannover-Messe-Besucher technologische Innovationen im Zusammenhang mit Industrie 4.0 erwarten. Was erwartet ihn konkret im Zusammenhang mit dem diesjährigen Schwerpunkt?

Dr. J. Köckler: Das Spektrum handfester Beispiele aus der Anwendung ist mittlerweile sehr groß. Stichwort Smart Factory: Die Hannover Messe zeigt, was heute in der Produktion dank Wireless-Sensoren, Machine-to-Machine-Kommunikation, Big Data oder Cloud-Lösungen technologisch möglich ist. Oder nehmen Sie Roboter­systeme, die aufgrund ihrer flexiblen Einsetzbarkeit in der Produktion zukünftig noch stärker eingesetzt werden. Auf der Hannover Messe sind Roboter zu sehen, die mit neuester Sensorik ausgestattet sind, sich möglichst einfach programmieren und intuitiv per Touchpad steuern lassen. Ebenfalls ein wichtiges Thema im Zusammenhang mit Industrie 4.0 sind Smart-Grid-Technologien und das intelligente Zusammenspiel von konventio­neller und regenerativer Energie. In Hannover werden Produkte und Lösungen gezeigt, die den Wandel des Energiesystems hin zu einer zuverlässigen und wettbewerbsfähigen Versorgung ermöglichen. Auch Additive Manufacturing, der sogenannte 3D-Druck, wird eines der Hauptthemen der kommenden Hannover Messe sein. Er ist ein wichtiger Teil von Industrie 4.0, weil er viele Ansatzpunkte für neue Geschäftsmodelle und Kooperationen eröffnet.

(Wie) wird das Megathema Industrie 4.0, bei dem Networking, die Entwicklung neuer Geschäftsmodelle und die Veränderung im Denk- und Handlungsprozess von Mitarbeitern zunehmend Bedeutung erlangen, auch den Charakter der Hannover Messe als weltweit größte Industriemesse verändern?

Dr. J. Köckler: Die Hannover Messe ist als weltweit wichtigste Industriemesse ein Spiegelbild ihrer Märkte und verändert sich mit ihnen, indem sie sich neuen Bedürfnissen und Herausforderungen flexibel anpasst. Insofern ist es sogar notwendig, dass ein Megathema wie Industrie 4.0 diese Weltleitmesse prägt. Darüber hinaus ist eine Messe dieser Größenordnung aber auch ein bedeutender Impulsgeber für zentrale Themen und Diskussionen, die über die einzelnen Branchen hinausreichen. In diesem Zusammenhang passt das Thema Integrated Industry mit seinem Networking-Gedanken besonders gut zur Hannover Messe, deren wichtigstes Ziel ja ist, Gemeinsamkeiten und Synergien aufzuzeigen, um im Ergebnis Angebot und Nachfrage oder auch Interessierte und Partner zusammenzubringen.

Wenn wir gerade beim Blick in die Glaskugel sind: Inwieweit erwarten Sie, dass der Hannover Messe aus den Themen Industrie 4.0 oder Internet of Things zukünftig neue Leitmessen erwachsen werden?

Dr. J. Köckler: Das Besondere an dem Leitthema ist ja, dass es eine Relevanz für sämtliche auf der Hannover Messe vertretenen Branchen hat. Mit Industrieautomation und IT, mit Energie und Umwelttechnologien, mit industrieller Zulieferung und Produktionstechno­logien, mit Antriebs- und Fluidtechnik sowie mit Forschung und Entwicklung haben wir fünf Ausstellungsschwerpunkte, in denen die vernetzte Produktion eine wesentliche Rolle spielt. Die Herausforderungen sind überall ähnlich:. Es geht darum, die Vernetzung organisatorisch in den Unternehmen umzusetzen, Arbeits­abläufe zu verändern, Mitarbeiter müssen qualifiziert werden, es braucht eine Einigung auf Standards und gemeinsame Antworten auf Fragen der Verarbeitung großer Datenmengen oder auch in Bezug auf die Datensicherheit. Beim Blick auf die Digitalisierung der Industrie und der Produktionstechnik ist die Hannover Messe das Industrie-4.0-Kompetenzzentrum. Insofern wird es uns in Zukunft weniger darum gehen, neuen Messen aus dem Thema zu entwickeln, sondern Industrie 4.0 weiterhin konsequent zu besetzen und mit der Industrie, den Verbänden und der Politik voranzutreiben.

Im letzten Jahr hatten Sie Besuchern erstmals geführte Industrie-4.0-Touren angeboten. Dabei wurde ihnen auf verschiedenen Messeständen an Demonstratoren aufgezeigt, wie sich Produkte selbstständig durch Anlagen steuern, um anschließend individuell bearbeitet zu werden. Was erwartet den Besucher in diesem Jahr auf den Touren mit Blick auf „Join the Network!“?

Dr. J. Köckler: Im Gegensatz zum Vorjahr sind wir einen bedeutenden Schritt weiter. Erstmals werden Produkte im Rahmen von Industrie 4.0 gezeigt, die ein Kunde auch kaufen und direkt in seine Maschinen und Anlagen einbauen kann. Als Beispiel hierfür sei „SmartFactoryKL“ genannt, die zweifellos ein Highlight der Industrie-4.0-Touren in diesem Jahr sein wird. Die „SmartFactoryKL“-Partner werden eine auf mittlerweile acht Module erweiterte Demonstrationsanlage zeigen, mit der kundenspezifische Bauteile auf Zuruf hergestellt und im laufenden Betrieb per plug-and-play umkonfiguriert werden. Das Projekt dient den 17 Partnern als Erprobungsplattform. Und das mit Erfolg: Mehrere der Unternehmen beweisen, dass der Schritt von der Vision zur praktischen Nutzung gemacht ist, indem sie erstmals Produkte zum Kauf anbieten. Das Potenzial ist enorm. Laut einer Studie von Pricewaterhouse Coopers wollen deutsche Unternehmen bis 2020 rund 40 Mrd. € in Industrie 4.0 investieren. Im Maschinen- und Anlage­bau liegt der Digitalisierungsgrad heute bei 19 %. In fünf Jahren soll er bei 85 % liegen. Das sind große Chancen für die Unternehmen auf der Hannover Messe.

www.hannovermesse.de

 

 

Normen

DIN-VDE-Normen einfach online nutzen

Normen aus dem VDE VERLAG

» Mehr Informationen ...

Zum Schmunzeln

Mann beim Bäcker: „Ich hätte gerne vier Brötchen.“
Bäcker: „Wenn Sie nur drei nehmen, gibt es eins umsonst!“
(Mann überlegt, wer hier nun der Vollidiot ist.)
Copyright © VDE VERLAG GMBH, zuletzt aktualisiert am 18.03.2019