Management & Business
30.11.2018

OPC Foundation/Siemens: OPC UA mit TSN bis in die Feldebene

Auf der SPS IPC Drives gab die OPC Foundation eine Reihe von Details rund um das Thema OPC UA over TSN bekannt: Zum einen weitet sie die Standardisierungs- und Harmonisierungsaktivitäten für OPC UA nun auch auf TSN-fähige Ethernetnetzwerke für die Feldebene aus. Zum anderen konnte sie Siemens für dieses Vorhaben gewinnen. Damit wird die nun bei der OPC Foundation aufgehängte Field Level Communications Initative auf einen soliden Boden mit breitem Unterstützerkreis gestellt.

Auf einer Pressekonferenz während der SPS IPC Drives freute sich OPC-Foundation-Chef Stefan Hoppe (links), dass Vertreter großer Unternehmen, wie Mitsubishi Electric, Siemens und Rockwell Automation, nun gemeinsam an der Etablierung eines übergreifenden IIoT-Kommunikationsstandards "from Sensor to Cloud" mitwirken (Bild: VDE Verlag)

Insgesamt wird das Thema OPC UA over TSN damit nun von insgesamt 22 Firmen unterstützt: ABB, Beckhoff, Bosch-Rexroth, B&R, Cisco, Hilscher, Hirschmann, Huawei, Intel, Kalycito, Kuka, Mitsubishi Electric, Molex, Omron, Phoenix Contact, Pilz, Rockwell Automation, Schneider Electric, Siemens, TTTech, Wago und Yokogawa.

Siemens mit an Bord

Lange ersehnt wurde die Bekenntnis von Siemens zu OPC UA over TSN bis in den Feldbereich. In einer aktuellen Pressemitteilung verweist das Unternehmen unter anderem auf seine umfangreiche Erfahrungen und eine lange Tradition in der Entwicklung und Standardisierung industrieller Kommunikationssysteme. So würde man in allen relevanten Standardisierungsgremien, wie IEEE, IEC, IETF, PNO bis hin zur OPC Foundation, sowohl als Editor als auch oftmals als Convenor bzw. Leiter von Arbeitsgruppen mitarbeiten. Als jüngstes Beispiel wird auf die Gründung der internationalen Standardisierungsgruppe IEC/IEEE 60802 durch das eigene Haus hingewiesen. Diese Gruppe standardisiert das „TSN-IA Profile“, das TSN-Profil für die industrielle Automatisierung. Hierdurch soll ein konvergentes TSN-Netzwerk für die industrielle Automatisierung sichergestellt werden: unterschiedliche Applikationen und Protokolle wie OPC UA, Profinet, Ethernet/IP, usw. können von verschiedenen Herstellern über ein gemeinsames Netzwerk betrieben werden. Zusätzlich wird eine geeignete Auswahl von IEEE-Basisstandards getroffen, sodass verschiedene Protokolle auf ein und derselben Hardwarebasis betreibbar sind.

Um den Anwendungsbereich von OPC UA bis auf die Feldebene erweitern zu können, will Siemens nun seinen Beitrag in den künftigen Arbeitsgruppen der OPC Foundation bzgl. Informationsmodellen für Geräte, erforderlichen Anpassungen der OPC-UA-Kernstandards, Anwendungsprofilen usw. leisten. "Anwendungsfälle, die in industriellen Kommunikationssystemen bisher noch nicht ausreichend berücksichtigt wurden, wie die herstellerübergreifende Kommunikation zwischen Steuerungen oder die vertikale Kommunikation von Geräten zu übergeordneten Systemen über OPC UA, werden sich zuerst im Markt etablieren", ist man sich im Haus Siemens sicher. Aus diesem Grund seien vor einigen Monaten gemeinsame Arbeitsgruppen zwischen Mitgliedern der PNO und OPC Foundation eingerichtet worden. Dort sollen nun Themen wie Safety over OPC UA auf der Basis von Profisafe-Mechanismen für die Kommunikation zwischen Steuerungen oder die Abbildung von Profinet auf das OPC-UA-Informationsmodell z. B. für Asset Management und Diagnose standardisiert werden. "Kunden können zeitnah von diesen Innovationen profitieren, ohne auf TSN warten zu müssen, indem sie OPC UA einfach parallel in bestehenden Profinet-Netzwerkinstallationen betreiben. Die PNO bringt ihr technologisches Wissen in die OPC Foundation ein, zum Beispiel durch das Öffnen der Profisafe-Mechanismen für die Verwendung über OPC UA oder durch Erweiterung der entsprechenden Nutzerrechte auf die Mitglieder der OPC Foundation", heißt es in der Pressemeldung.

Außerdem verweist Siemens darauf, dass Applikationen in der Feldebene, wie die zyklische IO-Kommunikation, Motion Control und Safety, ein etabliertes Ökosystem mit Stack-Providern, Zertifizierungsverfahren, Tools und vieles mehr erfordern. Organisationen, wie die PNO und die ODVA, würden viel Wert auf Vollständigkeit und Qualität der Spezifikationen, Konformitätsprüfungen oder die Pflege einer Hersteller- und Anwender-Community legen. "Wir erwarten einen ähnlichen Ansatz mit der neuen Ausrichtung der OPC Foundation", heißt es dazu von Siemens-Seite.

Siemens hat darüber hinaus angekündigt, auch weiterhin die Profinet-Technologie voranzutreiben, um die Investitionen seiner Kunden zu schützen und um weiteren Kundennutzen für Profinet auf der Basis von TSN zu generieren. "Das konvergente TSN-Netzwerk und eine gemeinsame Hardwarebasis für Profinet und OPC UA ermöglichen eine nahtlose Migration in die neue TSN-Welt. Zusätzlich stellen wir sicher, dass mit OPC UA und TSN die Grundprinzipien der Feldgerätekommunikation, Projektierung, Konformitätsprüfungen, Diagnosen, usw. beibehalten werden. Am Ende entscheiden unsere Kunden, ob und wo sie die OPC-UA- oder Profinet-Technologie für ihre individuellen Anwendungen einsetzen", lautet die Siemens-Sicht.

Die Roadmap

 

(Bild: VDE Verlag, Quelle: OPC Foundation)

www.opcfoundation.org

www.siemens.com

Normen

DIN-VDE-Normen einfach online nutzen

Normen aus dem VDE VERLAG

» Mehr Informationen ...

Zum Schmunzeln

„Natürlich führe ich Selbstgespräche. Manchmal braucht man eben eine Expertenmeinung!“

Copyright © VDE VERLAG GMBH, zuletzt aktualisiert am 17.01.2019