Kurzmeldungen
12.10.2019

VDMA sieht Erfolg von Industrie 4.0 in Gefahr

Digitaler Protektionismus hat laut dem VDMA in den letzten Jahren immer stärker an Bedeutung gewonnen. Die digitale Marktabschottung sei zu einer großen Bedrohung für den freien Datenverkehr geworden. Der Erfolg des deutschen Maschinen- und Anlagenbaus hängt nach Aussage des Branchenverbands jedoch immer häufiger von weltweit verfügbaren und zuverlässigen digitalen Geschäftsmodellen ab. Diese sind auf den ungehinderten, sicheren Datenfluss angewiesen. Besonders der Mittelstand leidet unter dem zunehmenden digitalen Protektionismus. Das ist ein Ergebnis einer neuen Impuls-Stiftung des VDMA – erstellt von Bird & Bird LLP. Sie zeigt die bedenklichen bis gravierenden Auswirkungen von Protektionismus auf Industrie 4.0 und Digitalisierung im Maschinen- und Anlagenbau.

(Bild: fotolia_kwanchaift)

Im Rahmen der Studie wurde untersucht, wie sich der freie Datenfluss mit Fokus auf EU, USA, Russland sowie China darstellt. Ein Ergebnis der Studie lautet: Die Auswirkungen von protektionistischen Maßnahmen spüren die Unternehmen sowohl in den weltweiten Absatzmärkten ihrer Maschinen als auch auf dem Heimatmarkt EU. Hohe Aufwände für lokale Datenspeicherung, lokale Prüfvorschriften und die Sorge um die Offenlegung von Geschäftsgeheimnissen erschweren besonders kleinen und mittelständischen Unternehmen den Marktzugang. Die Unternehmen sind folglich gefordert, mit einem asymmetrischen Regulierungsumfeld umzugehen. Die Politik im Bund und in der EU muss Barrieren für einen freien Datenfluss abbauen und künftig vermeiden – vor der eigenen Haustür und im globalen Maßstab.

Weitere Studienergebnisse

Auch mit Industrie 4.0 einhergehende digitale Geschäftsmodelle stehen unter „Beobachtung“ des europäischen Datenschutzrechts. Der weite Anwendungsbereich der Datenschutz-Grundverordnung führt bei der Verarbeitung von Maschinendaten zu erheblichen, teils überzogenen Anforderungen an Dokumentations- und Informationspflichten; zugleich fehlt es an ausreichenden Erleichterungen zur Verarbeitung pseudonymer Daten. Dies gilt insbesondere für Daten aus der Interaktion von Mensch und Maschine (HMI-Daten).

China entwickelt mit der Cyber-Gesetzgebung (Cyber Security Law) ein dichtes Regelwerk mit großen Auswirkungen auf den freien Austausch von Maschinendaten. Es betrifft alle Unternehmen, die digital vernetzte Produkte auf dem chinesischen Markt in Verkehr bringen. Angesichts der hohen Bedeutung des chinesischen Markts für die Industrie besteht großer Bedarf für einen politischen Dialog. Ziel muss hier sein, neue digitale Geschäftsmodelle im Maschinen- und Anlagenbau durch einen freien und sicheren Datenfluss auch aus China in die EU zu ermöglichen.

In Russland können die Anforderungen an Lokalisierung personenbezogener Daten von russischen Staatsbürgern eine beachtliche Beschränkung darstellen. Dasselbe gilt für Anforderungen an die Nutzung lokaler Internetknoten. Es ist, wie in China auch, mit einem hohen lokalen Umsetzungsaufwand für digitale Dienste (zum Beispiel Cloudservices) zu rechnen. Unternehmen benötigen eine klare Strategie, wie sie mit diesen (lokalen) Beschränkungen umgehen und ihre Geschäftsmodelle darauf anpassen können.

In den USA bestehen grundsätzlich keine erheblichen regulatorischen Beschränkungen, die sich unmittelbar auf Digitalisierungsvorhaben der Industrie auswirken. Allerdings können sich Regelungen der Ausfuhrkontrolle und Handelssanktionen mittelbar auf den grenzüberschreitenden Datenaustausch auswirken – zum Beispiel dann, wenn Verschlüsselungstechnologien aus den USA stammen und auch in den Zielmärkten Russland und China eingesetzt werden sollen. Zusätzliche Entwicklungskosten für technologische Alternativen können oft nur von großen Unternehmen getragen werden.

... Security im Fokus

Hinzu kommen zunehmende Regulierungen im Bereich der Cyber-Sicherheit, die primär auf den Schutz sogenannter „Kritischer Infrastrukturen“ abzielen. Diese können beiläufig – soweit die Lieferbeziehung mit einem Betreiber einer Kritischen Infrastruktur besteht – oder auch unmittelbar den Maschinen- und Anlagenbau erfassen. In China können Maschinen- und Anlagenbauer bereits nach der bestehenden Rechtslage als Netzwerkbetreiber gelten und von damit verbundenen hohen regulatorischen Auflagen betroffen sein. Ein freier Fluss von Maschinendaten nach Europa erscheint hier kaum umsetzbar.

Unternehmen müssen sich bereits in der Entwicklung digital vernetzter Produkte mit den Anforderungen und Vorgaben für den cyber-sicheren Betrieb beschäftigen. Mit einem sorgfältigen Konzept für Security by Design werden technische Anforderungen und Marktansprüche frühzeitig in Produkte, Systeme und Dienste integriert. Die damit verbundene Cyber-Resilienz hilft, dass Maschinen und Anlagen im Dauerbetrieb robust genug sind, Angriffen zu widerstehen. Das Maschinenbau-Institut (MBI) des VDMA hat ein hierfür passendes Konzept zur Weiterbildung entworfen.

VDMA unterstützt Unternehmen

Der VDMA bietet seinen Mitgliedsunternehmen Unterstützung im Feld der digitalen Dienste. Im Mittelpunkt hierbei steht die Hilfe zur Selbsthilfe, zur Formulierung technischer Regelwerke, zum Erfahrungsaustausch sowie zur politischen Unterstützung auf nationaler und internationaler Ebene. Mehrere Gremien, umfassende Publikationen und Veranstaltungen rund um Security, OPC UA, 5G, KI und Industrie 4.0 stehen Mitgliedern offen. Auch vor Ort im Ausland bietet der VDMA gezielte Hilfe für Unternehmen.

Das VDMA Competence Center Industrial Security in Frankfurt bündelt zudem die Verbandsaktivitäten des VDMA und seiner 3.200 Mitgliedsunternehmen zur Informationssicherheit, zu Security in der Produktion und zur Security in den Maschinenbauprodukten. Das Competence Center ist erster Ansprechpartner für Mitglieder, Behörden und Politik.


Die vollständige Studie mit detaillierten Ergebnissen ist abrufbar unter www.impuls-stiftung.de

20 Jahre openautomation

Die Grundidee bleibt, die Dimensionen wachsen

„Eine Branche im Umbruch: Anwender fordern in aller Deutlichkeit kostensenkende, flexible und offene Automatisierungslösungen sowie Durchgängigkeit vom Sensor bis zum Management“ – dieser Grundanspruch hat sich über die letzten 20 Jahre nicht geändert, aber die Dimensionen, die neue Technologien mit sich bringen, lassen die Industrie 4.0 Wirklichkeit werden. Immer im Mittelpunkt dabei: Daten – das viel gepriesene Öl des 21. Jahrhunderts. Die Grundidee der vertikalen Integration bleibt, nur das Wording ändert sich heute.

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Zum Schmunzeln

Mann beim Bäcker: „Ich hätte gerne vier Brötchen.“
Bäcker: „Wenn Sie nur drei nehmen, gibt es eins umsonst!“
(Mann überlegt, wer hier nun der Vollidiot ist.)
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