Automation World
11.07.2019

Die digitale Transformation von Autowaschstraßen

Daten, Daten, Daten – diese fallen heute in großen Mengen auch in den weitgehend automatisierten Textilwaschstraßen der Marke Soft Car Wash an. Der dahinter stehende Schweizer Komplettanbieter setzt für eine offene Kommunikation zwischen Steuerung und SQL-Datenbank auf den „SQL4automation Connector“ von Inasoft Systems.

Autowaschstraßen werden heute konsequent automatisiert, standardisiert und digitalisiert (Bild: Soft Car Wash)

Autowaschstraßen werden heute konsequent automatisiert, standardisiert und digitalisiert (Bild: Soft Car Wash)

Bereits 1997, nachdem Unternehmer Martin Dellenbach in den väterlichen Garagenbetrieb eingestiegen war, hatte er das ­Potenzial der Autowäsche erkannt. Seither hat er gemeinsam mit Lieferanten ein einzigartiges Textil-Waschstraßenkonzept entwickelt. Heute steht seine Firmengruppe hinter rund 40 Waschanlagen in der ganzen Schweiz sowie in Süddeutschland: Soft Car Wash aus Oberwil/Schweiz ist der größte Betreiber von Autowaschstraßen in der Schweiz. „Die Autowäsche ist ein Massengeschäft, bei dem eine hohe Frequenz zählt. Mit einer hohen Automatisierung und Qualität können wir den Durchlauf einer Anlage von 25.000 auf über 50.000 Autos pro Jahr verdoppeln und die Waschstraßen dadurch hochrentabel betreiben“, stellt M. Dellenbach heraus.

Als europaweit einziger Hersteller kann Soft Car Wash heute schlüsselfertige Anlagen von der Planung bis zum Betrieb liefern. Zur Firmengruppe gehört die Autowaschtechnik AWT AG, die sich auf die Entwicklung und die Herstellung der hochwertigen Textilwaschstraßen spezialisiert hat. Die 40 m bis 50 m langen Waschstraßen sind weitgehend automatisiert. Ein Bediener scannt den Barcode der Kunden und beantwortet eventuelle Fragen der Nutzer. Ergänzt um Selbstbedienungs-Wasch- und -Saugerplätzen werden die Waschstraßen schlüsselfertig unter dem Markennamen Soft Car Wash angeboten und errichtet.

AWT hat sich mittlerweile zum Komplettanbieter entwickelt, der alles „aus einer Hand“ liefern kann. Dazu gehört neben der laufenden Wartung im Rahmen von Full-Service-Verträgen vor allem auch die Zurverfügungstellung des dahinterstehenden Betreiber-Know-hows. Die reibungslose Funktion der ­Anlagen wird mit einem langfristigen Wartungsvertrag sichergestellt: Verschleißteile lassen sich automatisch austauschen und Neu- oder Weiterentwicklungen auch in bestehenden ­Anlagen nachrüsten. Gleichbleibend gute Waschergebnisse werden gewährleistet, Ausfallzeiten vermieden und der Wert­­erhalt der Anlagen sichergestellt.


Martin Delllenbach ist Gründer und Geschäftsführer der Soft Car Wash AG und der Autowaschtechnik AWT AG

Martin Delllenbach ist Gründer und Geschäftsführer der Soft Car Wash AG und der Autowaschtechnik AWT AG


Smartes Datenmanagement

Voraussetzung für das Erfolgsmodell der Unternehmens­gruppe ist eine leistungsfähige Automatisierungstechnik und ein entsprechendes smartes Datenmanagement. In einer An­lage sind Waschstraße, Selbstbedienungs- und Saugerplätze mit je einer Steuerung ausgerüstet. „Die neue Steuerungs­generation besteht aus Industriecomputern von Janz Tec sowie Codesys-Soft-SPS“, berichtet M. Dellenbach. „Wir nutzen Codesys auch für die Erstellung der Visualisierungsscreens.“ Die Lösung wird nun nach und nach auch in den Bestandsanlagen eingeführt. Die Idee dahinter: Alle Anlagen sind technisch auf dem gleichen Stand. „In unseren Anlagen ist alles bis zum Lichtschalter herunter standardisiert“, schließt er an. „Wir nutzen nur Komponenten, die ohne Wenn und Aber sofort ­passen und sich durch Offenheit auszeichnen“, berichtet der Unternehmenschef. „Wir gehen hier keine Kompromisse ein. Diese Offenheit erhöht signifikant unsere Flexibilität.“ Sein wichtigstes Credo für die Anlagen: „Die eingesetzten Komponenten dürfen uns nicht einschränken.“

Eine sehr offene Lösung ist der „SQL4automation Connector“ von Inasoft Systems, der zur Standardausrüstung einer jeden Waschanlage gehört. Damit wird komfortabel, sicher und einfach die Steuerung mit der SQL-Datenbank verbunden. AWT nutzt die Lösung bereits seit zehn Jahren. Für jede Komplettwaschanlage ist eine Softwarelizenz in der Ultimate-Version mit 40 Verbindungen vorgesehen. Damit lassen sich mehrere Datenanfragen parallel von allen drei Steuerungen einer An­lage realisieren.


Debugger-Oberfläche von „SQL4automation“ (Bild: Soft Car Wash)

Debugger-Oberfläche von „SQL4automation“ (Bild: Soft Car Wash)


Schrittweise Optimierung

Auf den Waschstraßen werden Unmengen an Daten gesammelt: Dazu gehören Waschzahlen wie Waschstraße, Selbstbedienungswaschplätze, Staubsauger, Umsatz, Statistik, Verkauf sowie der über Dosierpumpen erfasste Verbrauch von Chemikalien und Wasser sowie vieles mehr – selbst die Größe der Fahrzeuge. Über die erfassten Daten kann zum Beispiel der Bestellvorgang benötigter Verbrauchsmaterialen automatisiert werden. „Viele Anwendungen haben sich erst mit der Zeit ergeben“, setzt M. Dellenbach fort. „Die Offenheit der ,SQL4au­tomation‘-Lösung lässt nachträgliche Erweiterungen problemlos zu.“ Für ihn ist die Lösung ideal, um Daten zu sammeln und später nutzbar zu machen. So wird eine schrittweise Optimierung einfach möglich. Genau erfasst wird auch der Verschleiß von Bauteilen. So wird die Laufzeit des Kettenmotors, der die Autos durch die Waschstraßen zieht, registriert. Auch die Nutzungszeit der Waschbürsten wird erfasst, und zwar nur die tatsächliche Eingriffszeit der Bürsten am Auto. So kann genau auf den Verschleiß rückgeschlossen werden. „Für uns sind alle ­Informationen relevant“, ergänzt der Schweizer. „Auch die Wetteraufzeichnungen werden mit abgespeichert.“

Der Support der 40 laufenden Anlagen wird von AWT geleistet. Daher ist es sehr hilfreich, dass auch Meldungen und Alarme an die Zen­trale über eine VPN-Verbindung geschickt werden. Wenn früher Techniker vor Ort nachschauen mussten, warum eine Anlage nicht funktioniert, kann nun die Fehlerdiagnose und das Monitoring aus der Ferne durch AWT realisiert werden. Nützlich ist auch die Auflistung, in welcher Anlage, welche Alarme auftreten. „Da wir in allen Waschstraßen die gleichen Komponenten verbauen, ist eine hohe Vergleichbarkeit sichergestellt“, ist der Unternehmer stolz. „Die Laufzeiten sowie die Betriebs- und Reparaturstatistiken sind wertvolle Informationen zur weiteren Optimierung der Anlagen.“ Auch eine Qualitätskontrolle der verwendeten Materialien wird ermöglicht. Alle anlagenspezifischen Daten werden über „SQL4automation“ aus der Datenbank ausgelesen. Diese Daten sind unter anderem Portal-Anordnungen, Dosiermengen, Chemikalientypen sowie anlagenspezifische Einstellungen. Mit diesen Informationen wird unter anderem eine sehr schnelle Inbetriebnahme eines neuen Waschcenters gewährleistet. Die Anlagen sind keinesfalls identisch, sondern kundenspezifisch an bauliche Gegebenheiten angepasst. So ist zum Beispiel eine Waschstraße im Tessin nur 35 m lang, da sich diese in einer Tiefgarage befindet.


Konfigurator-Oberfläche von „SQL4automation“ (Bild: Soft Car Wash)

Konfigurator-Oberfläche von „SQL4automation“ (Bild: Soft Car Wash)


Bidirektionale Verbindung zwischen Steuerung und Datenbank

Die Verbindung zwischen Steuerung und Datenbank sowie zwischen zentraler und anlagenspezifischer Datenbank ist über den „SQL4automation Connector“ bidirektional. Aus den erfassten Daten werden zum Beispiel automatische Bestellungen neuer Chemikalien generiert. „Auch Anwendungen wie die Wechselautomaten und das kontaktlose Zahlen wurden erst nachträglich implementiert“, so M. Dellenbach. Alarmmeldungen werden direkt an die Wartungsverantwortlichen gesendet. Andererseits wird die Datenbank als Schnittstelle für die Kommunika­tionen mit dem Bediener vor Ort verwendet. So lassen sich auch Nachrichten an den Anlagenbediener über diese Verbindung von der Zentrale schicken.

Flotten- bzw. Firmenkunden können dank der Datenbankanbindung mittels Monatsrechnung die bezogenen Leistungen ihrer Mitarbeiter begleichen. So kann die umständliche Einzelabrechnung eingespart werden. Auch die lokalen Tagesabrechnungen werden aus den gesammelten Daten generiert. Diese lassen sich gleich ausdrucken. Die entsprechende Kommunikation dazu ist besonders datenintensiv. Ein ähn­liches Bezahlmodell soll jetzt auch für Privatkunden im Prepaid-Modus eingeführt werden. Die sogenannten „Member-Kunden“ kön­­-nen dann mit einem Datamatrix-Code, der vom Bediener gescannt wird, schnell ihre Autowäsche starten. Dies ist auch ein wichtiger Beitrag zur Kundenbindung. „Diese neuen Anwendungen wachsen aus der Praxis heraus“, freut sich M. Dellenbach. „Die Offenheit von ,SQL4automation‘ lässt solche Erweiterungen problemlos zu.“ Auch bestimmte Aktionen zum Beispiel für temporäre Vergünstigungen lassen sich aus den gewonnenen Informationen steuern.

Reports informieren die Geschäftsleitung über die erzielten Umsätze und die Nutzung der Anlagen. Die generierten Informationen können dann in einer zentralen Datenbank zusammengefasst werden. Über die Steuerung können die Zeiten der maximalen und minimalen Nutzung der Anlagen ausgelesen werden. Hieraus kann das Management Rückschlüsse für zukünftige Öffnungszeiten ziehen. Wenn zu bestimmten Zeiten nur ganz wenige Kunden kommen, muss die Anlage nicht in Betrieb sein. Auch Feiertage können selbstverständlich eingestellt werden. Die Datenbank mit ihrer direkten Verbindung zur Steuerung leistet so einen entscheidenden Beitrag für eine ­höhere Effizienz. Außerdem lobt er die hohe Stabilität von „SQL4automation“. „Das erwartet man von einer IT-Lösung eigentlich gar nicht.“

„Nicht zuletzt die hohe Datentransparenz unserer Anlagen ermöglicht unser schnelles Wachstum“, schließt M. Dellenbach ab. „Wir sind Europas am schnellsten wachsender Autowaschstraßenbetreiber – jedes Jahr kommen sechs bis acht Anlagen dazu.“ Der „SQL4automation Connector“ ist immer mit dabei.

www.sql4automation.com

20 Jahre openautomation

Die Grundidee bleibt, die Dimensionen wachsen

„Eine Branche im Umbruch: Anwender fordern in aller Deutlichkeit kostensenkende, flexible und offene Automatisierungslösungen sowie Durchgängigkeit vom Sensor bis zum Management“ – dieser Grundanspruch hat sich über die letzten 20 Jahre nicht geändert, aber die Dimensionen, die neue Technologien mit sich bringen, lassen die Industrie 4.0 Wirklichkeit werden. Immer im Mittelpunkt dabei: Daten – das viel gepriesene Öl des 21. Jahrhunderts. Die Grundidee der vertikalen Integration bleibt, nur das Wording ändert sich heute.

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