Industrie 4.0
11.06.2019

Bitkom: Logistik muss Digitalisierung stärker vorantreiben

Digitale Technologien verändern derzeit die Logistik. Die große Mehrheit der deutschen Unternehmen, die Waren transportieren, sehen zahleiche Vorteile digitaler Anwendungen in ihrer Branche und viele nutzen diese bereits in der Praxis. Zurückhaltung zeigt sich allerdings noch bei neueren Technologien, wie 3D-Druck, Blockchain oder KI. Das ist das Ergebnis einer repräsentativen Befragung unter mehr als 500 Unternehmen mit Logistikprozessen im Auftrag des Digitalverbands Bitkom.

 

Im Zuge der Bitkom-Befragung gaben vier von fünf Unternehmen (79 %) an, dass sie die Digitalisierung der Logistik vor Herausforderungen stellt, vor zwei Jahren waren es 74 %. Nur Mautgebühren (80 %) sowie Treibstoff- und Energiepreise (91 %) werden häufiger als Herausforderungen genannt. Die Digitalisierung liegt damit vor hohen Personalkosten (72 %) und fehlenden Fachkräften (70 %) und wird auch deutlich häufiger genannt als Standortnachteile gegenüber ausländischen Wettbewerbern (45 %). „Die Digitalisierung bietet enorme Chancen für die Logistik“, sagt Bitkom-Hauptgeschäftsführer Dr. Bernhard Rohleder. „Ein effizienter Transport von Rohstoffen, Bauteilen und Waren ist gleichermaßen betriebswirtschaftlich sinnvoll wie volkswirtschaftlich und ökologisch notwendig. Die Digitalisierung hilft den CO2-Ausstoß in der Logistik zu senken und das Klima zu schützen.“

Eine große Mehrheit sieht viele praktische Vorteile digitaler Technologien beim Warentransport: Beschleunigung des Transports (92 %), langfristig sinkende Logistikkosten (85 %) und weniger anfällige Transportketten (79 %). Mehr als zwei Drittel (69 %) sind zudem überzeugt, dass digitale Technologien einen umweltschonenden Transport ermöglichen (69 %) – das ist eine deutliche Zunahme zu 2017 mit 58 %. Dagegen sagen nur 14 %, digitale Technologien lohnen sich allein für größere Unternehmen und kein Unternehmen gibt an, digitale Technologien seien überflüssig.

Lager ist bereits digital

Wie die Befragung weiter zeigt, setzen schon heute viele Unternehmen mit Logistikprozessen vor allem im Lager auf digitale Technologien. So nutzen vier von fünf Unternehmen mit Logistikprozessen (80 %) Warehouse-Management-Systeme oder planen aktuell den Einsatz, drei Viertel (72 %) setzen Sensortechnologien wie RFID-Chips ein oder haben das vor, etwa um schnell eine Inventur durchführen zu können. Jedes zweite Unternehmen hat elektronische Frachtbegleitdokumente (54 %) oder Tablet Computer und Smartphones (53 %) statt Zettel und Klemmbrett im Lager eingeführt oder plant dies. Und rund jedes dritte Unternehmen hat bereits fahrerlose Staplersysteme (38 %), Geräte mit Augmented Reality (35 %) oder Lagerroboter (30 %) im Einsatz oder in Planung. „Vor allem Technologien, die schon einige Jahre auf dem Markt sind, sind in den Lagerhallen im Praxiseinsatz“, so Dr. B. Rohleder. „Wir sehen derzeit unter anderem ein sehr großes Interesse an elektronischen Frachtbegleitdokumenten. Hier bremsen nicht die Unternehmen, es bremst die Politik. Der Gesetzgeber zwingt die Logistiker, immer kiloschwere Aktenordner mit Papierformularen mitzuführen. Frachtpapiere gehören abgeschafft und durch den elektronischen Frachtbrief ersetzt.“

Einfluss von digitalen Plattformen und KI

Die große Mehrheit der Logistiker ist sich sicher: Die Digitalisierung wird den Warentransport in den kommenden Jahren grundlegend verändern. So erwarten sieben von zehn (71 %), dass bis 2030 Künstliche Intelligenz viele Aufgaben übernehmen wird, etwa die Planung von Routen. Sechs von zehn (59 %) sind überzeugt, dass Waren mit autonomen Lieferwagen zwischen Unternehmen transportiert werden und vier von zehn (42 %) gehen davon aus, dass die Waren mit autonomen Drohnen bis zum Endkunden geliefert werden. Drei Viertel (76 %) sagen, dass Plattformanbieter in zehn Jahren bedeutende Player in der Logistikbranche sein werden, vor einem Jahr lag der Anteil mit 66 % noch darunter. Dennoch sagt jeder Dritte (32 %), dass digitale Plattformen für das eigene Unternehmen aktuell kein Thema sind. Jeder Vierte (23 %) gibt an, dass Plattformen gerade erst diskutiert werden. Immerhin jedes fünfte Unternehmen (19 %) plant, selbst eine digitale Plattform anzubieten oder zu nutzen und jedes vierte (23 %) hat diesen Schritt bereits hinter sich. Dr. B. Rohleder: „Digitale Plattformen sind der große Game-Changer in der Logistik. Deutsche Unternehmen sollten die Chance ergreifen und nicht nur als Nutzer sondern ebenso als Anbieter von Plattformen aktiv werden.“

Trotz der weit verbreiteten Erkenntnis, welche bedeutende Rolle gerade neuere digitale Technologien haben, sind die Unternehmen in der Praxis aktuell eher zurückhaltend. So setzt nur jedes fünfte Unternehmen (20 %) Datenanalysen ein, nur etwas mehr (21 %) plant dies aktuell. Jedes zehnte Unternehmen (10 %) nutzt Software für vorausschauende Wartung, 15 % planen dies. Und ebenfalls nur 10 % nutzen 3D-Druck, 8 % sind derzeit in der Planungsphase. Eine Minderheit von 6 % nutzt Künstliche Intelligenz, 8 % planen dies. Blockchain ist nur bei 4 % im Einsatz, weitere 3 % wollen die Technologie einsetzen. Und auf Drohnen setzen aktuell 2 %, 4 % wollen dies bald tun. „Künstliche Intelligenz und Blockchain haben das Potenzial, die Logistik nicht nur effizienter zu machen, sondern komplett zu verändern“, sagte Dr. B. Rohleder.

Als Hemmschuh für den Einsatz digitaler Anwendungen in der Logistik werden vor allem die hohen Kosten angegeben. So sagen drei von fünf (62 %), Kosten für den Datenschutz seien der größte Nachteil digitaler Lösungen. Rund jeder Zweite beklagt allgemein hohe Investitionskosten (53 %) und die Gefahr der Spionage, etwa von Betriebsdaten (47 %). Rund jeder Vierte sieht einen Nachteil in einem möglichen Verlust von Arbeitsplätzen (27 %) und dem steigenden Bedarf an höher qualifizierten Fachkräften (26 %). Dr. B. Rohleder: „Deutsche Logistikunternehmen sind nicht nur international führend, die Logistik ist auch ein bedeutender Arbeitgeber. Die Arbeit wird sich in den kommenden Jahren stark verändern.“

Mehr Digitalkompetenz gefordert

Zwei Drittel der Unternehmen (67 %) sind zudem überzeugt, dass Beschäftigte in der Logistik künftig weniger einfache Tätigkeiten verrichten, aber dafür mehr Entscheidungen treffen werden. Und jeder Zweite (54 %) sagt, dass Roboter und andere technische Hilfsmittel den Großteil der körperlichen Arbeit übernehmen werden. Drei Viertel (72 %) sind sicher, dass die Logistik auch in zehn Jahren ein attraktiver Arbeitgeber für Berufseinsteiger ist. Mit Blick auf die Anzahl der Arbeitsplätze in der Logistik sagen sieben von zehn Unternehmen (70 %), dass es in zehn Jahren in ihrem Unternehmen weniger Logistikjobs mit unterstützender Tätigkeit geben wird, nur 8 % rechnen hier mit einem Anstieg. Gleichzeitig sagen aber sogar acht von zehn Unternehmen (80 %), dass die Anzahl der Arbeitsplätze für Fachkräfte mit einer entsprechenden Ausbildung steigen wird, nur 1 % erwartet hier einen Rückgang. Dr. B. Rohleder: „Wenn wir über Arbeit 4.0 in der Logistik sprechen, dann sprechen wir vor allem über Qualifizierung. Hier ist neben der Aus- vor allem die Weiterbildung gefordert. Sie muss Digitalkompetenz vermitteln.“

Eine breite Mehrheit von drei Viertel (74 %) der Unternehmen, die Waren transportieren, ist sicher, dass Digitalkompetenz für Beschäftigte in der Logistik stark an Bedeutung gewinnen wird. Und fast alle (95 %) sagen, dass Unternehmen ihre Logistikmitarbeiter in Digitalisierungsfragen intensiver weiterbilden müssen. In der Praxis ist diese Erkenntnis allerdings noch nicht überall angekommen. Nicht einmal jedes vierte Unternehmen (23 %) vermittelt allen Mitarbeitern oder zumindest einem Großteil der Mitarbeiter gezielt Digitalkompetenz, in weiteren 44 % der Unternehmen wird Digitalkompetenz aber an einzelne Mitarbeiter weitergegeben. Demgegenüber ist die Vermittlung von Digitalkompetenz in jedem siebten Unternehmen (14 %) kein Thema, weitere 16 % tun zwar noch nichts, denken aber zumindest darüber nach.

www.bitkom.org

20 Jahre openautomation

Die Grundidee bleibt, die Dimensionen wachsen

„Eine Branche im Umbruch: Anwender fordern in aller Deutlichkeit kostensenkende, flexible und offene Automatisierungslösungen sowie Durchgängigkeit vom Sensor bis zum Management“ – dieser Grundanspruch hat sich über die letzten 20 Jahre nicht geändert, aber die Dimensionen, die neue Technologien mit sich bringen, lassen die Industrie 4.0 Wirklichkeit werden. Immer im Mittelpunkt dabei: Daten – das viel gepriesene Öl des 21. Jahrhunderts. Die Grundidee der vertikalen Integration bleibt, nur das Wording ändert sich heute.

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(Mann überlegt, wer hier nun der Vollidiot ist.)
Copyright © VDE VERLAG GMBH, zuletzt aktualisiert am 18.06.2019