Industrie 4.0
02.08.2018

Siemens: Neue Konzernstruktur mit Operating und Strategic Companies

Siemens verschlankt seine Konzernstruktur erneut und führt drei "Operating Companies" mit "Gas and Power", "Smart Infrastructure" sowie "Digital Industries" neben den "Strategic Companies" Siemens Healthineers, Siemens Gamesa Renewable Energy und der geplanten Siemens Alstom ein. Das Ziel: Mehr unternehmerische Freiheit der einzelnen Geschäfte für beschleunigtes Wachstum. Gleichzeitig wurden die Umsatz- und Margenziele angehoben. Mit der ebenfalls bekannt gegebenen Übernahme von Mendix ist ein weiterer Ausbau des Digitalisierungsgeschäfts geplant.

Joe Kaeser ist Vorsitzender des Vorstands der Siemens AG (Bild: www.siemens.com/presse)

Das im Jahr 2014 initiierte Strategieprogramm "Vision 2020" ist größtenteils abgeschlossen – erfolgreicher und schneller als geplant. "Wir haben in den vergangenen vier Jahren hart gearbeitet. Fast alle Geschäfte sind heute deutlich ertragsstärker, die Kundenzufriedenheit ist auf einem Rekordniveau und unsere Digital Factory ist Marktführer in der Industriellen Digitalisierung", sagte Joe Kaeser, Vorsitzender des Vorstands der Siemens AG.

Nun folgt Vision 2020+: Mit einer vereinfachten und schlankeren Konzernstruktur will Siemens die Weichen für dauerhafte Wertschaffung durch beschleunigtes Wachstum und Stärkung der Ertragskraft stellen. Kern der neuen Unternehmensstrategie ist, den einzelnen Geschäften mehr unternehmerische Freiheit unter der Marke Siemens zu geben und damit den Fokus auf die jeweiligen Märkte zu schärfen. Außerdem ist geplant, mit Investitionen in neue Wachstumsgebiete, wie den IoT-Services, dezentrales Energiemanagement oder infrastrukturelle Elektromobilität, das Wachstumsportfolio zu stärken. Dazu soll  auch der konzentrierte Ausbau der industriellen Digitalisierung beitragen, in der Siemens nach eigenen Angaben schon jetzt weltweit führend ist. Damit sollen mittelfristig die jährliche Wachstumsrate des Umsatzes und die Gewinnmarge des industriellen Geschäfts um jeweils zwei Prozentpunkte steigen. Das Ergebnis je Aktie soll mittelfristig stärker wachsen als der Umsatz.

"Der Aufsichtsrat unterstützt die strategische Weiterentwicklung und ist davon überzeugt, dass die Vision 2020+ ein hervorragendes Konzept ist, um Siemens aus einer Position der Stärke heraus schneller weiterzuentwickeln und für die nächste Dekade zu stärken", sagte Siemens-Aufsichtsratschef Jim Hagemann Snabe.

"Es wäre unverantwortlich, wenn wir uns jetzt auf den erreichten Erfolgen ausruhten", kommentierte J. Kaeser weiter. "Die Geschwindigkeit und Mächtigkeit der globalen Veränderungen nehmen zu und wir haben die Pflicht, diese zu antizipieren. Wir sind davon überzeugt, dass nun die richtige Zeit ist, unsere Zukunft nachhaltig zu gestalten." Der Siemens-Vorstandschef bezeichnete die Digitalisierung, oft auch als die Vierte Industrielle Revolution beschrieben, als die größte Veränderung der Industriegeschichte.

"Nicht die größten Unternehmen werden überleben, sondern die anpassungsfähigsten. Deshalb werden wir das Verständnis für unsere Eigentümerkultur weiter ausbauen und unseren Geschäften deutlich mehr unternehmerische Selbständigkeit einräumen als bisher. Dazu gehört auch die direkte Zuordnung von geschäftsnahen Funktionen", so J. Kaeser. Gleichzeitig vollziehen sich aus Siemens-Sicht in den Absatzmärkten durch Megatrends, wie Elektromobilität und dezentralisierte Energiesysteme, große Paradigmenwechsel, die das Unternehmen nutzen und aktiv mitgestalten will.

"Wir werden unsere Kunden noch schneller und kompetenter – nicht nur bei Digitalisierung – in ihren Zielen unterstützen und beraten können. Für unsere Mitarbeiter bedeutet das Siemens der nächsten Generation mehr individuelle Freiheit, Gestaltungsspielraum und Übernahme von Verantwortung. Unsere Investoren profitieren ebenso, weil wir den Geschäften alle Instrumente an die Hand geben, um in ihrem jeweiligen Marktumfeld die Besten zu sein. Ein noch stärkeres Siemens kann auch seiner gesellschaftlichen Verantwortung besser gerecht werden", erklärte J. Kaeser.

Die neue Struktur

Um die genannte größere unternehmerische Freiheit für die einzelnen Geschäfte zu erreichen, werden die Organisationsebene der bisherigen Divisionen gestrichen, die Landesorganisationen für noch mehr Kundenorientierung neu geordnet und die Konzernzentrale schlanker aufgestellt. "Mit der Weiterentwicklung unserer Strategie bauen wir jetzt die nächste Generation Siemens. Weniger Steuerung durch die Zentrale und mehr Freiheit für die Geschäfte machen uns stärker und flexibler", sagte J. Kaeser.

Unterhalb der Konzernebene soll es künftig drei Operating Companies und drei Strategic Companies geben. Mit der Neuausrichtung will man sich stärker auf die Kunden fokussieren und an den Erfordernissen seiner Branchen konzentrieren. "Die Zeiten, in denen wir Projektgeschäft-, Produkt-, Software- und Dienstleistungsunternehmen mit ihren unterschiedlichen Anforderungen zentral und effizient steuern konnten, sind vorbei", sagte der Siemens-CEO.

Die neue Struktur tritt zum neuen Geschäftsjahr am 1. Oktober 2018 in Kraft. Die Umsetzung erfolgt schrittweise und soll bis 31. März 2019 abgeschlossen sein. In den drei neuen Operating Companies gehen die Divisionen Building Technologies (BT), Energy Management (EM), Power and Gas (PG), große Teile der Process Industries & Drives (PD) und Digital Factory (DF) auf. Die Business Units des Unternehmens werden ebenfalls neu und fokussierter aufgestellt und den drei Operating Companies zugeordnet.

Die Operating Companies im Detail:

Gas and Power (GP)

  • Sitz: Houston / USA
  • CEO: Lisa Davis
  • COO: Tim Holt
  • CFO: Michael Becker
  • Das Unternehmen erwirtschaftet mit ca. 71.000 Mitarbeitern weltweit etwa 21 Mrd. € Umsatz und eine Gewinnmarge von rund 9 % (Geschäftsjahr 2017).

Smart Infrastructure (SI)

  • Sitz: Zug / Schweiz
  • CEO: Cedrik Neike
  • COO: Matthias Rebellius
  • CFO: Axel Meier
  • Das Unternehmen erwirtschaftet mit ca. 71.000 Mitarbeitern weltweit etwa 14 Mrd. € Umsatz und eine Gewinnmarge von rund 11 % (Geschäftsjahr 2017).

Digital Industries (DI)

  • Sitz: Nürnberg / Deutschland
  • CEO: Klaus Helmrich
  • COO: Jan Mrosik
  • CFO: Maria Ferraro
  • Das Unternehmen erwirtschaftet mit ca. 78.000 Mitarbeitern weltweit etwa 14 Mrd. € Umsatz und eine Gewinnmarge von rund 16 % (Geschäftsjahr 2017).

Die CEOs der neu formierten Operating Companies bleiben unverändert auch Mitglieder des Konzernvorstands.

Zu den Strategic Companies zählen die voll konsolidierten Mehrheitsbeteiligungen Siemens Healthineers, Siemens Gamesa Renewable Energy sowie bis zum geplanten Vollzug des Zusammenschlusses mit Alstom die Mobilitätssparte von Siemens.

Die ehemalige Division Financial Services wird im Bereich "Service Companies" zusammen mit "Global Business Services" und "Real Estate Services" geführt. Die Optimierung des Service-Portfolios soll zu einer Effizienzsteigerung führen.

Im Bereich "Corporate Development" werden neben der Konzernforschung unter anderem auch die kleinen und mittelgroßen Unternehmen ("Small and Medium- Enterprises – SME") zentral geführt. Bei den SME handelt es sich zum einen um die zuvor in CMPA gehaltenen Beteiligungen und zum anderen um operative Geschäfte. Die operativen Geschäfte stammen im Wesentlichen aus der ehemaligen Division PD. Aber auch die zuvor in CMPA enthaltene "Siemens Postal Parcel & Airport Logistics" sowie das Subsea-Geschäft der Division EM sind nun in SME enthalten. Circa 21.000 Mitarbeiter erwirtschaften in den SMEs aktuell rund fünf Milliarden Euro Umsatz. Der Jahresfehlbetrag lag im Geschäftsjahr 2017 bei über 300 Mio. €. Bis zum Jahr 2023 sollen die SMEs eine Marge von 5 % erwirtschaften. Die Leitung der SME wird Jochen Eickholt übertragen.

Die Konzernzentrale soll künftig ebenfalls schlanker werden und Aufgaben und Mitarbeiter an andere Einheiten abgeben. Sie soll  sich auf Kernaufgaben beschränken (Finanzen, Governance & Markets, Recht und Compliance, Personalwesen und Kommunikation).

Ausbau des Digitalisierungsgeschäfts

Mit der Übernahme von Mendix sowie dem Einstieg in das Geschäftsfeld "IoT Integration Services" will Siemens seine selbst ausgewiesene Marktführerschaft in der Industriellen Digitalisierung ausbauen. Mendix ist im Bereich der sogenannten "low code"-Programmierplattformen aktiv. Unter anderem sollen Apps mithilfe der Mendix-Technologie nach Siemens-Angaben bis zu zehn Mal schneller programmiert und implementiert werden können. Dadurch sollen Mindsphere-Kunden in die Lage versetzt werden, schneller und kostengünstiger eigene Apps zu entwickeln. Der Kaufpreis wird mit 600 Mio. € angegeben. Der Abschluss der Transaktion wird – vorbehaltlich der Zustimmung der Wettbewerbsbehörden – für das erste Quartal des Geschäftsjahres 2019 erwartet. 

Mit der neu geschaffenen Geschäftseinheit rund um das Thema "IoT Integration Services" will Siemens seine Kunden in Zukunft ganzheitlich bei deren digitaler Transformation begleiten. Auf der Basis von langjähriger Erfahrung in verschiedenen Industrien sowie Technologien wie Künstlicher Intelligenz und Cyber Security plant Siemens Beratungs-, Design-, Prototyping- und Implementierungs-Services anzubieten. Der weltweite Markt für IoT-Integrationsdienstleistungen soll dem Konzern zufolge bis zum Jahr 2025 um 10-15 % wachsen. Siemens plant, bis 2025 rund 10.000 Mitarbeiter in diesem Geschäft einzustellen.

www.siemens.com

 

 

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