Management & Business
12.07.2018

Roland Berger: Unternehmenszentralen auf schlechtem Digitalisierungskurs

In einer aktuellen Studie hat Roland Berger herausgefunden, dass rund ein Viertel der Unternehmen mit ihrem Headquarter nicht zufrieden sind. Hauptgrund: Unternehmenszentralen seien den Anforderungen der digitalen Transformation und dem Innovationsdruck nicht gewachsen. So klaffen der Anspruch der Firmenzentralen, moderne, digitale Strukturen und Prozesse zu unterstützen, und die Wirklichkeit auseinander.

"Anders als vermutet, spielen geopolitische Herausforderungen, wie Brexit, Krisengebiete und Wirtschaftssanktionen, in der Gestaltung der Unternehmenszentralen eher eine untergeordnete Rolle", sagt  Roland-Berger-Partner Tim Zimmermann. "Sogar die Globalisierung und das Talent-Management stehen für Headquarters nicht mehr ganz oben auf der Prioritätenliste. Zentralen müssen sich heute vor allem mit den drängenden Fragen der Digitalisierung und der Innovationsfähigkeit ihres Unternehmens auseinandersetzen."

Doch genau das klappt nicht immer. So sind 23 % der befragten Top-Manager mit ihren Headquarters nicht zufrieden. Sie bezweifeln, dass ihre Firmenzentralen die richtigen Weichen für eine erfolgreiche Zukunft gestellt haben. "Besonders groß ist die Diskrepanz zwischen den Erwartungen und tatsächlichen Leistungen der Firmenzentralen bei den Fähigkeiten und der Nutzung digitaler Technologien", bemängelt Roland Berger-Partner Fabian Huhle.

So sehen die mehr als 300 Befragten aus elf Ländern enorme Defizite in den Bereichen Automation, also bei der Nutzung von Robotik und künstlicher Intelligenz, sowie bei der unternehmensweiten Vernetzung über Kollaborationsplattformen, soziale Netzwerke und Apps. Auch bei Big Data und Internet der Dinge gibt es großen Nachholbedarf.

Die Zentrale der Zukunft

Was Größe und organisatorischen Zuschnitt der Zentralen in der Zukunft angeht, zeichnet die Untersuchung ein differenziertes Bild: Der Trend zu Shared Services Centern und zur Bündelung transaktions-intensiver Supportaufgaben nimmt weiter zu. Strategische Funktionen werden dagegen immer öfter in dezentrale Firmeneinheiten verlegt. "Hier setzen Unternehmen allerdings nicht so sehr auf eine geografische Dezentralisierung", erklärt T. Zimmermann. "Vielmehr geht es um die Vernetzung dezentraler strategischer Kompetenz über organisatorische Grenzen hinweg, orchestriert durch die Headquarters."

Insgesamt sehen mittlerweile 56 % der Studienteilnehmer die Rolle der Firmenzentralen eher kritisch: Ihrer Meinung nach wird die Bedeutung der Headquarters in Zukunft abnehmen.

"Was wir erleben, ist zwar keine endgültige Erosion der Unternehmenszentrale, aber die große Herausforderung, sich auf permanenten Wandel einzustellen", fasst Fabian Huhle das Ergebnis zusammen. "Headquarters sollten sich daher verstärkt mit wichtigen disruptiven Trends auseinandersetzen und hier als Wegweiser für ihr gesamtes Unternehmen agieren, wenn sie ihre Position in Zukunft nicht verlieren wollen."

www.rolandberger.de

 

 

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