Industrie 4.0
02.05.2018

Plattform Industrie 4.0: Meilensteine bei Standardisierung

Die Plattform Industrie 4.0 und ihre Partner haben in den letzten zwölf Monaten viele Ergebnisse erzielt: Es wurden Meilensteine auf dem Weg zur Interoperabilität gesetzt, Fortschritte bei globalen IT-Sicherheitsansätzen gemacht, Praxistransfer in verschiedene Anwendungsfelder geleistet sowie enge Kooperationen mit Partnern aus China, Europa und den USA gelegt und ausgebaut. Für 2018 stehen die Themen Datenökonomie, Organisation und Qualifikation auf der Agenda.

(Bild: Plattform Industrie 4.0/Reitz)

DIN-Vorstandsvorsitzender Christoph Winterhalter, ZVEI-Präsident Michael Ziesemer, SAP-Vorstandsmitglied Bernd Leukert, Fraunhofer-Präsident Reimund Neugebauer, Forschungsministerin Anja Karliczek, Wirtschaftsminister Peter ­Altmeier, T-Systems-CEO Adel Al-Saleh, CEO der Siemens-Division Digital Factory Jan Michael Mrosik, BDI-Präsident ­Dieter Kempf und IG ­Metall-Vorsitzender Jörg Hofmann (v. l.)

 

Mit der Verwaltungsschale wird die reibungslose Einbindung eines Geräts in die Industrie-4.0-Welt gesichert – über Unternehmens- und Branchengrenzen hinweg. Dazu ist sie mit allen Informationen einer Maschine, wie Merkmale, Messwerte und Fähigkeiten, ausgestattet und gilt als ihre digitale „Schnittstelle“. Definiert wurde die Verwaltungsschale von Expertinnen und Experten der Plattform Industrie 4.0. Nun bringen sie sie in die Praxis und legen damit eine wichtige Grundlage für die Interoperabilität in digitalen Ökosystemen.

Auf der Hannover Messe hat die Plattform am eigenen Stand und am Stand des Bundesministeriums für Wirtschaft und Energie vier Exponate mit konkreten Umsetzungsprojekten der Verwaltungsschale für verschiedene Anwendungsfelder gezeigt. Zudem stellte die Plattform das Konzept einer Sprache („openAAS“ – open Asset Administration Shell) vor, mit deren Hilfe Maschinen zukünftig interagieren können. Im Sommer 2018 sollen weitere Details zur Verwaltungsschale veröffentlicht werden, mit deren Hilfe Unternehmen selbst Verwaltungsschalen für ihre Komponenten entwickeln und implementieren können.

Globale Grundlagen für Industrie 4.0 schaffen

Parallel hat die Plattform Industrie 4.0 ihre Konzepte in internationale Kooperationen eingebracht und fortentwickelt. Greif­bare Fortschritte wurden nach eigenen Angaben in der Zusammenarbeit mit China und in der trilateralen Kooperation mit Frankreich und Italien erzielt: Nationale Standardisierungsansätze wurden harmonisiert und die Konzepte der Plattform (RAMI 4.0 und Verwaltungsschale) als tragende Elemente der internationalen Normierung platziert. Diese werden als „echte Meilensteine“ auf dem Weg zu globalen Industrie-4.0-Lösungen angegeben. Außerdem steht die Zusammenarbeit mit den USA, unter anderem mit dem IIC, weiterhin ganz oben auf der Agenda. Konkrete Aktivitäten mit den Partnern aus den USA sind auf der IMTS/Hannover Messe vom 10. bis 15. September 2018 in Chicago vorgesehen. Gemeinsam mit Japan setzt sich die Plattform für internationale Zusammenarbeit im Bereich IT-Security ein.

IT-Security mit Internationalisierungsansatz

IT-Sicherheit wird „Enabler“ für zukünftige Industrie-4.0-Ökosysteme angegeben. Am 14. und 15. Mai 2018 laden das Bundeswirtschaftsministerium und die Plattform Industrie 4.0 zur internationalen Konferenz „Securing Global Industrial Value Networks“ ein. Die Plattform will ihre Konzepte zur Diskussion stellen und mit denen anderer Länder vergleichen. Als Ziel wird angegeben, einen internationalen Prozess zur Harmonisierung von IT-Security-Konzepten bis hin zu Standardisierungserfordernissen einzuleiten. Input der Plattform sind die Konzepte zur Integrität von Daten, Vertrauenswürdigkeit und sicheren Kommunikation.
Die Plattform hält es insgesamt für erforderlich, IT-Security als Qualitätsmerkmal zu verankern – in Standards, Unternehmen sowie Aus- und Weiterbildung.

Recht und Bildung im Fokus

Die Plattform Industrie 4.0 hat jüngst die Arbeitsgruppe „Digitale Geschäftsmodelle in der Industrie 4.0“ gegründet und damit ihr Spektrum um ein zentrales Thema der Digitalisierung erweitert. Die Leitung übernimmt Prof. Dr. Svenja Falk, Managing ­Director bei Accenture. Die Arbeitsgruppe soll zentrale Wirkprinzipien der Daten- und Plattformökonomie untersuchen und an Use Cases veranschaulichen.

Geschäftsmodelle stehen im engen Kontext zu Plattformen und der intelligenten Nutzung von Daten. Mit den rechtlichen Themen befassen sich in der Plattform Rechtsexpertinnen und -experten. Aktuell haben sie kartellrechtliche Fragestellungen untersucht und Handlungsempfehlungen veröffentlicht. Für die neue Legislaturperiode hält die Plattform es für erforderlich, das AGB-Recht zu flexibilisieren. In einer digitalen Welt führe das deutsche AGB-Recht im B2B-Bereich im internationalen Wettbewerb zu Nachteilen.

Eine weitere dringende Notwendigkeit wird darin gesehen, die Kompetenzen von Beschäftigten und Arbeitsorganisation in ­Unternehmen zu erneuern. Hierbei sieht die Plattform den ­Menschen im Mittelpunkt und hebt den hohen Wert eines ­sozialpartnerschaftlichen Austauschs hervor. Eines der nächsten Themen, die gesellschaftlich vorangetrieben werden müssen, ist nach Auffassung der Plattform-Mitstreiter die Zukunft der akademischen Ausbildung insbesondere im Ingenieur­bereich.

Transfer in den Mittelstand

Der Erfolg der digitalen Transformation hängt maßgeblich am Mittelstand. Dieser wünscht sich praxisrelevante Unterstützung. Die Plattform ist Teil des Transfer-Netzwerks Industrie 4.0. Weitere Partner sind Bundesregierung, Länder, Kammern, Verbände, die alle mit zahlreichen Aktivitäten und Maßnahmen den Mittelstand unterstützen. Ziel ist es, durch das Transfernetzwerk Synergien zu nutzen. Die Geschäftsstelle der Plattform Industrie 4.0 ist vom Bundeswirtschaftsministerium zur organisatorischen Unterstützung beauftragt worden und dient als Ansprechpartner. Die Netzwerkpartner wollen nun gemeinsam Projekte angehen und das Know-how der Industrie 4.0 für Unternehmen verständlich aufbereiten.

www.plattform-i40.de

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