Industrie 4.0
11.07.2019

Korn-Ferry-Untersuchung: Weltweit steigen Gehaltsunterschiede

Der Lohnunterschied von einfachen Angestellten und von erfahrenen Führungskräften ist in den vergangenen zehn Jahren weltweit um 21,6 % gewachsen. Mit gerade einmal 1,6 % hat Europa darin die niedrigsten Steigerungen verzeichnet, Deutschland liegt bei 0,5 %. Zum Vergleich: im Vereinigten Königreich ist der Gehaltsabstand um 9,3 % gestiegen, in den USA um 12,2 %. Das ist das Ergebnis einer aktuellen weltweiten Untersuchung der Personal- und Organisationsberatung Korn Ferry.

(Bild: fotolia_kwanchaift)

In einigen europäischen Ländern hat sich der Abstand zwischen Gering- und Spitzenverdienern laut der Korn-Ferry-Untersuchung verringert. Dazu zählen unter anderem Polen (-13,4 %), Frankreich und Luxemburg (beide -5,8 %), Österreich (-4,1 %), die Schweiz (-3,7 %) und Italien (-3,1 %). Die stärksten Steigerungen wurden in Griechenland (10,9 %), Portugal (10,4 %) und im Vereinigten Königreich (9,3 %) verzeichnet.

„Die Gehaltsschere geht zwar weltweit immer deutlicher auseinander, nicht aber in diesem Maße in Europa und insbesondere auch nicht in Deutschland“, sagt Christine Seibel, Vergütungsexpertin bei Korn Ferry. „Das sollte allerdings nicht mit den Vermögensverhältnissen gleichgesetzt werden. Es wurde hier nicht der Reichtum, sondern einzig die Veränderung des Lohnunterschieds zwischen zwei deutlich voneinander entfernt liegenden Hierarchieebenen untersucht. Nicht eingeschlossen in die Untersuchung sind Vorstände und Geschäftsführungen. Das würde das Bild deutlich verändern.“

Spitzenreiter: Naher Osten und Afrika

Spitzenreiter in einem wachsenden Lohnunterschied ist weltweit der Nahe Osten. Dort ist der Verdienstunterschied von Angestellten zu Führungskräften um 57,8 % gewachsen, dicht gefolgt von Afrika mit 48,5 %. In Asien betrug das Wachstum 15,3 %, in Südamerika 12,5 %, in Nordamerika 9 % und im Pazifischen Raum einschließlich Australien und Neuseeland 6,5 %.

„Der Bedarf an Arbeitskräften ist in den Schwellenländern mit steigender Produktion deutlich gewachsen“, sagt C. Seibel. „Die Einstiegsgehälter sind gestiegen, teils gibt es einen Mindestlohn und Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer verhandeln immer mehr auf institutionalisiertem Wege ihre Löhne und Gehälter. Das führt dazu, dass vor allem in Gesellschaften mit ohnehin vorherrschender großer Ungleichheit, bei denen nur kleine Eliten am Wachstum partizipieren, der Lohnunterschied deutlich stärker wächst als in Gesellschaften, in denen immer mehr Menschen vom wachsenden Wohlstand partizipieren. Das hat es diesen Gesellschaften teils durch niedrige Löhne allerdings auch ermöglicht, ihr gesamtgesellschaftliches Wachstum schneller voran zu treiben.“

Stabilität geht zu Lasten der Innovationsfähigkeit

In China hat sich der Gehaltsunterschied nur um 2,6 % verändert, in Indien (66 %), Ägypten (60 %) oder Saudi-Arabien (55,3 %) aber ganz deutlich. Der Vereinigten Staaten von Amerika führen mit 12,2 % die westlichen Industrienationen an. 

C. Seibel: „Die USA stehen seit jeher für das Zulassen von teils drastischer Ungleichheit. Das ist zum einen Kern ihres gesellschaftlichen Antriebs, zum anderen immer wieder ein Kritikpunkt auch im Besonderen aus Europa gewesen. Über die Weltwirtschaftskrise sind die Löhne für Einsteiger und einfache Angestellte nicht im gleichen Maße gestiegen wie für Spezialisten und Führungskräfte, insbesondere im boomenden Digitalbereich in Kalifornien.“

„Deutschland dagegen steht mit einer minimalen Steigerung für das, was man aus der Sicht eines Dritten erwarten würde: Stabilität“, sagt C. Seibel. „Durch diese Stabilität fehlt Deutschland gleichzeitig immer auch ein stückweit die Flexibilität, mit der auf geänderte Rahmenbedingungen rasch reagiert werden kann. Für die Zukunft gilt es zu schauen, welche Top-Experten deutsche Unternehmen am Weltmarkt einkaufen müssen. Und genau zu prüfen: Welches Gehalt ist attraktiv, um den Arbeits- und Lebensmittelpunkt nach Deutschland zu verlegen. Das kann zu einer Steigerung der Ungleichheit in der Bezahlung führen, für die Innovationskraft des Landes jedoch von höchster Bedeutung sein.“

Hintergründe zur Untersuchung

Seit 1970 untersucht Korn Ferry jährlich branchenübergreifend global Löhne und Gehälter. Basis der Untersuchung ist die Gehaltsdatenbank Korn Ferry Pay, die Lohndaten von mehr als 20 Millionen Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmern in 25.000 Unternehmen weltweit enthält. Für diese Untersuchungen wurden die Gehälter der Job-Level 12 (Einsteiger/einfacher Angestellter) und 20 (Führungskraft – keine Geschäftsführung oder Vorstand) zwischen den Jahren 2008-2017 miteinander verglichen.

www.kornferry.com

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