Scada & Prozessleitsysteme
04.10.2007

HMI/Scada- Systeme run Vista

Am Scada-Markt tut sich was: Einige neue Software-Versionen sind in diesem Jahr bereits auf den Markt gebracht worden, andere stehen kurz vor der Herausgabe...

Am Scada-Markt tut sich was: Einige neue Software-Versionen sind in diesem Jahr bereits auf den Markt gebracht worden, andere stehen kurz vor der Herausgabe. Ein großes Thema stellt hier unter anderem das neue Windows-Betriebssystem Vista dar. Einige Neuheiten im Überblick ...

Zenon 6.21 hat das Zertifikat für Windows Vista erhalten

Zenon 6.21 hat das Zertifikat für Windows Vista erhalten

Besonders stolz war Copa-Data, Mitte des Jahres nicht nur die neue Version seiner HMI/Scada-Software Zenon präsentieren zu können, sondern für diese gleichzeitig als erster Anbieter in diesem Marktsegment das Zertifikat „Certified for Windows Vista“ in Händen zu halten. Insgesamt ein Jahr Entwicklungsarbeit hat das Unternehmen in die Wünsche seiner Anwender investiert und präsentierte Zenon 6.21 mit einer neuen Oberfläche. „Drag-and-drop und ein starkes Kontextmenü machen das Projektieren so einfach und flexibel wie die Arbeit mit einem Office-Programm“, erklärt Produktmanager Reinhard Mayr. Außerdem eröffnet die Version 6.21 neue Freiheiten, erlaubt individuelle Arbeitsweisen und verkürzt Arbeitsschritte, zum Beispiel beim Erstellen und Bearbeiten von Grafiken. So basieren die Bilder auf Schablonen, vergleichbar mit Frames auf Webseiten. Diese lassen sich mit der Maus aufziehen und pixelgenau positionieren. Features, wie flexible Zooms oder erweiterte Funktionen zum Kopieren und Einfügen, unterstützen die individuellen Arbeitsflüsse. Hierzu kommen bei Symbolen und Grafiken Funktionen, wie grafische Vorschau und freie Filtermöglichkeiten, für eine schnelle Auswahl.

Bezüglich der Zertifizierung für Windows Vista erklärt R. Mayr: „Vista bringt neue wichtige Sicherheitsfunktionen für sensible Arbeitsumgebungen. Software, die damit nicht zurechtkommt, schaltet diese Sicherheit einfach ab. Nur zertifizierte Applikationen wie Zenon garantieren volle Sicherheit. Wir unterstützen Vistas neuen Sicherheitsmechanismen zu 100 %.“ Der Hintergrund: Mit seiner neuen User Account Control (UAC) wehrt Vista Schad-Software ab. Hacker, Viren und irrtümliche Eingriffe ins System sollen damit keinen großen Schaden mehr verursachen können. Auch Administratoren haben damit nur noch eingeschränkten Zugriff auf das System. Jede Aktion, die eine potenzielle Gefahr darstellt, muss der Benutzer zusätzlich über eine Meldung am Bildschirm bestätigen. „Das bedeutet aber nicht, dass der Benutzer von Zenon 6.21 ständig Meldungen wegklicken muss“, klärt Produktmanagerin Heike Sommerfeld auf und ergänzt: „Wir wissen, dass Vista über kurz oder lang auf vielen PC landen wird. Und weil wir die neue UAC als wichtigen Beitrag zur Systemsicherheit verstehen, haben wir frühzeitig reagiert. Seit Mitte Juni dieses Jahres bieten wir unseren Kunden eine Zenon-Version an, die wir perfekt auf das Sicherheitskonzept von Vista abgestimmt haben.“ So läuft diese ohne Administratorenrechte und akzeptiert die Regeln des Betriebssystems. Es startet also keine verbotenen Dienste und nutzt nur zulässige Speicherorte. Anwender arbeiten auch mit eingeschränkten Accounts wie gewohnt; alle nötigen Dienste starten direkt – ohne vorherige Sicherheitsabfragen der UAC. „Das ist nicht selbstverständlich. Denn manch anderes Programm funktioniert unter Vista nur dann reibungslos, wenn die Windows UAC abgeschaltet wird. Das bedeutet, freiwillig auf wichtige Systemsicherheit zu verzichten“, stellt H. Sommerfeld heraus.

Zenon 6.21 steht Anwendern seit Mitte Juni zur Verfügung. Interessenten, die noch kein Update installieren möchten, können auch die Vorgängerversion 6.20 für den voll kompatiblen Betrieb unter Vista fit machen.

 

Webfactory: Webbasierte Prozessvisualisierung

Zwar nicht als erste zertifizierte Scada-Software, aber als erste, die auch Windows-Vista unterstützt, gibt Webfactory an, mit ihrer gleichnamigen Software am Markt gewesen zu sein. „Unsere Software zur webbasierten Prozessvisualisierung war Ende 2006 als erste Anwendung in der Automatisierung unter Windows-Vista verfügbar – noch vor der Freigabe des Betriebssystems für den deutschen Markt“, stellt das Unternehmen explizit heraus. Seit 20. April 2007 ist nun die neue Release 1.6 von „Webfactory 2006“ verfügbar. Sie bringt neben der Unterstützung von Windows Vista und den damit einhergehenden grafischen und sicherheitsbedingten Verbesserungen zusätzliche Neuerungen mit, die die webbasierte Prozessvisualisierung in der Automatisierung für Webfactory-Anwender noch einfacher machen sollen. „Sei es die einfachere Verwaltung von Log-Daten zur effektiven Auslastung der eingesetzten Hardware, die automatisierte Active-X-Aktivierung zur übersichtlichen Verwaltung und der weiteren Verkürzung von Ladezeiten oder die globale und überschaubare Variablenabbildung aller existierenden Prozesssignale – mit dem Release 1.6 werden wir die führende Rolle von Webfactory 2006 in der Anlagenautomatisierung weiter stärken", gibt sich Bernhard Böhrer, Geschäftsführer der Webfactory GmbH, selbstsicher.

Release 1.6 von Webfactory 2006 bietet erweiterte Sicherheitsstufen bei Bedienhandlungen

Release 1.6 von Webfactory 2006 bietet erweiterte Sicherheitsstufen bei Bedienhandlungen

Neben der einfachen Implementierung der Software, auch in heterogene Umgebungen mit proprietären Systemen, wurde die Netzwerk-Konnektivität im Release 1.6 verbessert. Zudem wurde die Leistungsfähigkeit des Systems optimiert. Es profitieren vor allem Automatisierungssysteme, die über eine hohe Anzahl an Prozessvariablen verfügen, von der Reduzierung der Startphase des Webfactory-Servers. Zur ergänzenden Entlastung des Servers wird mit dem Release 1.6 zudem die Kommunikation unabhängig von Firewalls und Routern realisiert, da über die Webfactory-Kommunikationsvariante bei Inetpro die Daten per http übermittelt werden.

Automatisierte Anlagen arbeiten auf Basis oft umfassender Prozessgrößen, deren Management übersichtlich gestaltet sein sollte. Deshalb wurden für die einfache und flexible Verwaltung von Zugriffsrechten zum Ändern dieser Daten nun „Schreibgruppen“ in die Software implementiert. „Eine Schreibgruppe bezeichnet eine logische Gruppe von Prozessgrößen, die durch einen Benutzer verändert werden dürfen. Auf Basis der neuen Zugriffsrechte können Schreibrechte nun unabhängig von der Signalgruppenzugehörigkeit separat für jedes Signal einzeln vergeben werden“, heißt es dazu von Unternehmensseite.

Durch ein verbessertes Sicherheitskonzept lässt sich Webfactory 2006 V1.6 auch als Low-Level-Security-Applikation starten. Das bedeutet, dass auch Anwender mit sehr eingeschränkten Rechten die Webfactory-Applikation betreiben können. Eine bessere Systemüberwachung ist außerdem durch die erweiterte Scripting-Schnittstelle des Action-Managers möglich, über die zusätzliche Routinen zur Überwachung von Systemereignissen zur Verfügung stehen. Die damit einhergehenden Zusatzfunktionen des Action-Managers werden auch im Multiserver-Betrieb vollständig unterstützt.

Mit der Unterstützung von Windows Vista erlaubt Webfactory 2006 Version 1.6 auch die Anwendung von Expression WEB, dem Nachfolger des HTML-Editors Front Page, und des Microsoft Internet Explorer 7.

 

Inosoft: Mit Microsoft-Standards auf Erfolgskurs

Insosoft setzt bei ihrer neuen Software-Version neben Vista auch auf eine Reihe weiterer Microsoft-Standards, die dem Anwender die Gestaltung seiner Visualisierungsoberfläche erleichtern sollen. Die neue Version von Visiwinnet vereint das Extensible Application Markup Language (XAML) und Windows Presentation Foundation (WPF). Für die Lauffähigkeit unter Windows XP ist die Installation des .Net-Framework 3.0, das bei Vista bereits integriert ist, Voraussetzung. Die auf XML basierende Beschreibungssprache XAML dient der Definition und Erstellung von Bedienoberflächen über WPF. XAML und WPF bilden eine einheitliche Technologie für alle Anforderungen von der dezentralen Visualisierung bis zur Fernwartung, die zudem auch mit Firewalls und Routern funktioniert.

Inosoft demonstriert mit Visiwinnet neue .Net-Technologien

Inosoft demonstriert mit Visiwinnet neue .Net-Technologien

Außerdem vereinfachen die neuen Standards bei der aktuellen Visiwinnet-Version die Gestaltung von Visualisierungsoberflächen, da Oberflächendesign und Programmlogik strikt getrennt sind. Designer und Konstukteure können ihre Arbeit unabhängig voneinander verrichten und jederzeit beliebige nachträgliche Änderungen vornehmen, ohne dass sie die Programmebenen neu aufeinander abstimmen müssen. Wenn Designer GUI entwerfen und optimieren, brauchen sie sich nicht mehr um die darunter agierende Programmlogik zu kümmern. Dynamische Anzeigen, die zuvor aufwendig programmiert werden mussten, lassen sich nun mit wenigen Zeilen Text generieren. „Wir sind bester Laune: Microsoft hat mit .Net 3.0, Vista und WPF/XAML ein dickes Ass aus dem Ärmel gezogen – Inosoft nutzt die neuen Standards für Visiwinnet selbstverständlich, um dem Anwender noch mehr Flexibilität im Bereich der Visualisierung zu geben“, freut sich Peter Tanneberg, einer der beiden Inosoft-Geschäftsführer. „Mit dem neuen Visiwinnet bieten wir dem Anwender ein Maximum an Funktionalität und Bedienerfreundlichkeit. Man kann auf der gleichen Grundlage praktisch kein vergleichbares Produkt entwicklen, ohne unseres zu imitieren“, ist P. Tanneberg überzeugt.

 

GE Fanuc setzt auf Benutzerfreundlichkeit

„GE Fanuc hat sich bei der neuen i-Fix-Version darauf konzentriert, Verbesserungen der Architektur und im Bereich Benutzerfreundlichkeit umzusetzen und hat einige interessante neue Möglichkeiten hinzugefügt“, erklärt Dieter Barelmann, Geschäftsführer der Videc GmbH, die das Produkt im Vertrieb hat. Als eine wichtige Verbesserung nennt er die Verdopplung der möglichen Verbindungen in großen i-Client-Architekturen. So werden nun bis zu 200 ständige Client-Verbindungen zu einem einzelnen Scada-Server unterstützt.

Proficy HMI/Scada – i-Fix 4.5: Architektur und Benutzerfreundlichkeit wurden verbessert

Proficy HMI/Scada – i-Fix 4.5: Architektur und Benutzerfreundlichkeit wurden verbessert

Außerdem ermöglicht i-Fix 4.5 ein neuartiges Dynamo Management: die Fähigkeit, Dynamos aus der Dynamo-Bibliothek zu laden und eine Verknüpfung mit dem Master-Dynamo in der Bibliothek herzustellen. „Damit lassen sich alle verknüpften Dynamos zu einem späteren Zeitpunkt leicht aktualisieren. Werden sie in der Bibliothek geändert, kann die gesamte Anwendung oder Bilder durchsucht und die verlinkten Dynamo-Instanzen automatisch aktualisiert werden“, so D. Barelmann. Mit Blick auf die Praxis berichtet er: „Die Erstellung einer Visualisierung, die sich über mehrere Monitore erstreckt, ist eine Herausforderung. i-Fix 4.5 bietet verschiedene Funktionen, die das erleichtern.“ So greift die

i-Fix Work Space in einer Multi-Monitor-Umgebung automatisch auf mehrere Monitore zu. Die neue Version bietet zusätzlich die Möglichkeit, Mehrfachinstanzen einer Grafik oder eines Bilds zu erzeugen, wobei jede (durch Verwendung von Tag-Gruppen) über einen eigenen Satz Tags verfügt. Das bedeutet, dass nur eine Grafik für eine Fertigungslinie oder einen PID-Regler erstellt werden muss und diese dann so oft wie erforderlich geöffnet werden kann, um zum Beispiel mehrere Produktionslinien gleichzeitig anzuzeigen oder mehrere PID-Regler parallel zu parametrieren.

Bezüglich der Verbesserungen der Bedienbarkeit sagt D. Barelmann: „i-Fix unterstützt jetzt bis zu 24-bit Farbtiefe sowie die direkte Bearbeitung von Textfeldern in der Entwicklungsumgebung. Die Zeitstempelgenauigkeit beträgt jetzt Millisekunden, die zum Beispiel verwendet werden, um aus dem Proficy Historian Alarme mit Millisekunden-Zeitstempel abzurufen und anzuzeigen.“ Außerdem wurde die SCU auf den neuesten Stand gebracht, um sich dem Stil des Windows-Desktops anzupassen. Die Freigabe der Rechtsklick-Funktion für den Zugriff auf den Tag-Status und die Quick-Trends wird jetzt über die i-Fix-Security gesteuert. Darüber hinaus unterstützt die Software weiterhin den Fix-Desktop, der jetzt damit für Microsoft Vista verfügbar ist und einen idealen Migrationspfad für bestehende Fix-Installationen bietet. „i-Fix 4.5 läuft unter Microsoft Windows Vista und übernimmt automatisch in allen Menüs und Dialogen die Oberfläche und Benutzerführung des neuen Betriebssystems. Der Anwender kann problemlos neue i-Fix-Clients unter Vista in ein bestehendes Netzwerk mit älteren Betriebssystemen und -versionen integrieren. Die Version 4.5 ist rückwärtskompatibel im Netzwerk und lässt sich problemlos zu früheren Versionen von i-Fix-Scada-Servern verbinden“, stellt der Videc-Geschäftsführer abschließend heraus.

 

Zusammenfassung und Ausblick

Stellvertretend für eine Reihe weiterer HMI/Scada-Systeme am Markt zeigen die aufgeführten Beispiele, dass vor allem der Bedienfreundlichkeit bei den neuen Software-Versionen Rechnung getragen wird. Effizientere Abläufe stehen dabei ebenfalls im Fokus. Zudem ist der Sicherheitsaspekt durch Windows Vista noch einmal stärker in die Diskussion eingeflossen.

Im Herbst werden weitere neue Software Releases den genannten folgen. So kündigte Wonderware Intouch 10.0 an. Das Unternehmen spricht bei der neuen Version, die auch Windows Vista unterstützen wird, von einem Evolutionssprung. Sie ist integraler Bestandteil der Wonderware System Platform 3.0.

Ebenfalls auf den Vista-Zug aufspringen wird 3S mit seiner Software Codesys. Momentan wird Vista von Codesys nicht unterstützt. Nach Unternehmensangaben haben Testläufe im Support aber ergeben, dass die Version 2.3 zufriedenstellend funktioniert, wenn der Setup als Administrator durchgeführt wird. Allerdings gebe es Einschränkungen: RTE und ENI laufen nicht. Eine offizielle Freigabe der Unterstützung von Vista durch Codesys V2.3 und V3.0 ist für Ende 2007 geplant. Ab diesem Zeitpunkt soll auch Support angeboten werden.

Auch Siemens will Win-CC, das derzeit noch nicht unter Windows Vista läuft, entsprechend ertüchtigen. Die Umstellung ist für das erste Halbjahr 2008 geplant.

 

Inge Hübner

 

Weitere Informationen unter

www.copadata.de,

www.gefanuc.com,

www.inosoft.com,

www.videc.de,

www.webfactory-world.de.

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