Data Processing & Analytics
15.10.2019

Gesamtheitliches Automatisierungs- und Digitalisierungsangebot

Der Weidmüller-Kurs in Richtung Automatisierung und Digitalisierung trägt weiter Früchte: Die Division Automation Products & Solutions ist im letzten Geschäftsjahr um 24 % gewachsen. Über die Besonderheiten des gesamtheitlichen Portfolios, die Kundenvorteile sowie aktuellen Entwicklungen sprach openautomation mit Vertriebsvorstand Dr. Timo Berger und Divisionsleiter Michael Matthesius.

Bild von Dr. Timo Berger und Michael Matthesius von Weidmüller

Bild 1: Dr. Timo Berger (links) ist seit dem 1. September 2019 Vertriebsvorstand der Weidmüller-Gruppe. Seit 2005 im Unternehmen tätig, verantwortete er zuletzt als Geschäftsführer und Regional Manager den Vertrieb in Deutschland und der Region Zentraleuropa. Michael Matthesius (rechts) ist seit 2013 bei Weidmüller und leitet seit Anfang 2017 die Division Automation Products & Solutions (Quelle: Weidmüller)

„Unser eingeschlagener Weg, Automatisierung und Digitalisierung zu verbinden, ist erfolgreich: Wir haben die für 2018 ­gesteckten Ziele mit einem Umsatzwachstum von 24 % voll erfüllt und rechnen auch für das laufende Jahr mit einer ­Umsatzsteigerung im zweistelligen Bereich in dieser Division“, sagt M. Matthesius. Getragen wird das Wachstum aus seiner Sicht von den weiter anhaltenden Trendthemen Digitalisierung und IoT. Dabei scheint die aktuell schwierige konjunkturelle Lage im Maschinen- und Anlagenbau die Detmolder im ­Moment noch wenig zu beeindrucken. „Natürlich wird das wirtschaftliche Marktumfeld nicht einfacher und wir spüren die Unsicherheiten, allerdings hatten wir in den letzten zwei Jahren sehr viele Produktlaunches in den Bereichen Automatisierung und IoT, sodass wir unser Wachstumsziel weiterhin realistisch sehen“, sagt Dr. T. Berger. Zudem verweist er darauf: „Es war schon in der Vergangenheit so, dass gerade in Zeiten, in denen es betriebswirtschaftlich schwieriger wurde und Effizienz eine größere Rolle spielte, die Automatisierung sowie weitere Lösungen zur Effizienzsteigerung wichtige Investi­tionsfelder waren. Das bedeutet konkret: Selbst, wenn sich die wirtschaftliche Lage weiter verschlechtern sollte, werden ­Unternehmen über besagte Hebel daran arbeiten, sich noch besser für die Zukunft aufzustellen. Und hier stehen wir gerne als Partner bereit.“ Zusätzlich verweist er auf die breite Branchenaufstellung Weidmüllers bis hinein in die Windindustrie und Photovoltaik sowie die internationale Aufstellung der ­Unternehmensgruppe, durch die Schwächen in einzelnen Branchen und Regionen ebenfalls abgefangen würden. Konkret rechnet Dr. T. Berger beim Gruppenumsatz für 2019 mit ­einem Wachstum im einstelligen Bereich.

Rundes Hardwareportfolio

Wesentliche Wachstumsimpulse im Bereich der Automatisierung gingen bei Weidmüller im letzten Jahr vom IO-Geschäft aus. „Seit knapp zwei Jahren ist unser IO-Portfolio rund, sodass wir unsere Kunden optimal hinsichtlich ihrer Anforderungen bis hin zu Spezialanwendungen bedienen können. Diese Positionierung wird unser Wachstum auch in den nächsten Jahren weiter treiben“, so Dr. T. Berger „Unser U-Remote-System umfasst Standard- und Safety-IO-Module sowie Feldbuskoppler für alle etablierten Bussysteme. Und auch Spezialentwicklungen, wie Module mit Messtechnikfunktion, haben wir auf Kundenwunsch umgesetzt“, konkretisiert M. Matthesius. Er verweist außerdem auf die Komplettierung des Portfolios in Richtung Steuerungstechnik mit web- oder Codesys-basierter Engineering-Plattform. Aktuell wird als Kopfsteuerung die U-Control 2000 angeboten, „deren Performance dank inte­griertem Dual-Core-ARM-9-Prozessor unsere derzeit anvisierten Zielapplikationen gut abdeckt“, erklärt der Divisionsleiter. Ein weiterer Ausbau des Steuerungsportfolios sei nach wie vor angedacht, hänge allerdings davon ab, wie der Markt dieses für Weidmüller noch recht neue Thema annimmt. „Mit unserem aktuellen Hardwareangebot an IO-Modulen, Steuerungs- und Visualisierungstechnik sehen wir uns sehr gut aufgestellt. Nun ist es ­unsere vornehmliche Aufgabe, dieses noch stärker an den Kunden heranzuführen und damit weitere Wachstumspotenziale auszuschöpfen“, sagt M. Matthesius.


Abbildung des Portfolio von Weidmüller

Das Automatisierungs- und Digitalisierungsportfolio von Weidmüller (Quelle: Weidmüller)


Ausbau des Softwareportfolios

Während sich die Detmolder im Hardwarebereich aktuell optimal positioniert sehen, liegt der Fokus beim Ausbau des Angebots im Softwarebereich. „Aus unserer Sicht ist es wichtig, die klassischen Automatisierungskomponenten um Software­lösungen zu ergänzen, die die Schnittstelle zum IoT-Portfolio ­bilden. Dabei ist es unser vornehmliches Ziel, die Integration von Automatisierung und Digitalisierung weiter voranzutreiben“, informiert Dr. T. Berger. Er erklärt, dass in der Fertigung heute immer noch zwei Architekturen – Hardware und Software – das Bild prägen. Diese Struktur würde jedoch weiter aufgelöst und beide Ansätze integriert. „Im klassischen Automatisierungsumfeld treffen wir auf ein etabliertes Umfeld. Was das Thema Digitalisierung und damit die Software anbelangt, formiert sich der Markt hier gerade neu. Und genau dort sehen wir optimale Ansätze, uns differenziert zu positionieren“, verdeutlicht er weiter. Er stellt heraus, dass mit dem Thema Digitalisierung eine neue Komplexität auf den Kunden zukomme. Und hier wolle man von Weidmüller-Seite kompetenter Beratungspartner sein. „Das fängt beim Mitarbeiter an, der heute nach IEC 61131-3 programmiert. Er kann noch lange nicht in Hochsprachen programmieren, eine Cloudanbindung realisieren oder dafür sorgen, dass die Daten im richtigen Format am richtigen Ort vorliegen. An dieser Stelle müssen wir die beiden Welten zusammenbringen. Und ich denke, hier haben wir gute Karten, weil wir nicht über ein seit 15 oder 20 Jahren gewachsenes Portfolio verfügen, bei dem wir auf Abwärtskompatibi­lität achten müssen. Dort können wir uns technologisch freier bewegen“, so Dr. T. Berger.

Wie dies in der praktischen Umsetzung aussieht, führt M. Matthesius an einem Beispiel aus: „Wir verwenden unsere Hardwareplattform, also Steuerung und Feldbuskoppler, und realisieren daraus einen IoT-Controller bzw. ein IoT-Gateway. Auf Basis unserer Webarchitektur lassen sich gewünschte ­IoT-Funktionalitäten per Softwarebausteinen ergänzen. ­Aufgrund des Open-Source-Ansatz profitiert der Kunde von ­einer offenen und zukunftsorientierten Lösung.“ In diesem ­Zusammenhang verweist er auf die Node-Red-Implementierung, über die der Kunde Daten sammeln, vorverarbeiten und gegebenenfalls in einer Datenbank ablegen kann. Da Node-Red im Automatisierungsumfeld noch recht jung ist und das grafische Entwicklungswerkzeug nicht von jedem beherrscht wird, sagt er: „Deshalb bieten wir zusätzlich vorgefertigte ­Lösungen für die einfache Datentransmission und -Vorverarbeitung an. Diese kann der Kunde ohne großen eigenen Aufwand als IoT-Komplettlösung einsetzen.“ Kunden sollen somit in die Lage versetzt werden, eigenständig erste Schritte eines IoT-Projekts in Angriff nehmen und daraus eine 90%-ige bis 95%-ige Lösung generieren zu können.

Das Analytics-Angebot ausgebaut

Einen deutlichen Schwerpunkt in ihrem Digitalisierungsangebot legen die Experten auf das Thema Data Analytics. Im Gegensatz zu vielen anderen Automatisierungstechnikanbietern wurden dazu Data Scientists engagiert. Gebündelt wird das Angebot aus Software und Beratungsleistung unter dem ­Namen Industrial Analytics. Zur Hannover Messe wurde ­dieses um das Automated Machine Learning Tool (Auto-ML-Tool) ergänzt. Zum Hintergrund der Entwicklung berichtet M. Matthesius: „Gespräche mit Kunden haben uns gezeigt, dass einige die Datenanalyse gern selbst in die Hand nehmen möchten. Oftmals fehlen ihnen dazu allerdings die Experten im eigenen Haus. Diesen bieten wir mit unserem neuen Software-Tool eine Alternative an.“ Die Vorgehensweise gestaltet sich dabei wie folgt: Zunächst werden die Daten in einem bestimmten Format erhoben und anschließend dem Tool automatisch zugeführt. Das Tool analysiert alle im Datenpool vorgehaltenen Daten und leitet daraus eigenständig ein Modell der Applika­tion ab. Anschließend schlägt es mehrere auf die Applikation hin optimierte Lösungen vor. Diese unterscheiden sich im Grad der Wahrscheinlichkeit. „Der Kunde kann nun selbst entscheiden, welche vom Tool vorgeschlagene Lösung er verwenden möchte oder ob er weitere Verfeinerungen anstrebt“, so M. Matthesius. Er stellt heraus, dass man sich mit dem Tool auf Shopfloor-Applikationen konzentriere. Als Abgrenzung zwischen Industrial Analytics und Auto-ML-Tool gibt er an, dass die Komplexität der Applikation und die gewünschte Aussagewahrscheinlichkeit die Wahl bestimmen. „Für komplexe Robotikapplikationen mit einer Fehlertoleranz von nahezu Null und somit hoher Aussagefähigkeit ist Industrial Analytics mit entsprechender Beratungsleistung vonseiten unserer Analytics-Experten die richtige Wahl.“


Abbildung des Automated Machine Learning Tool (Auto-ML-Tool) von Weidmüller

Das  Automated Machine Learning Tool (Auto-ML-Tool) ermöglicht ein assistiertes Erzeugen von Modellen mittels künstlicher Intelligenz (KI) (Quelle: Weidmüller)


Smart-Sensor-Plattform liefert weitere Daten

Um Kunden zukünftig auch bei der Erhebung der Daten noch besser unterstützen zu können, führt Weidmüller aktuell eine Smart-Sensor-Plattform ein. Nach den Details dieser ebenfalls auf der Hannover Messe erstmals vorgestellten Lösung gefragt, stellt Dr. T. Berger zunächst heraus: „Wir wollen nicht in den allgemeinen Sensormarkt einsteigen. Unser Ziel ist es, unseren Kunden die Sensorik bereitzustellen, die das Datenbild in der Maschine insbesondere im Nachrüstfall bereichert und Werte für Condition Monitoring oder Predictive Maintenance liefert. Dies sind in der Regel MEMS für unterschiedliche Messgrößen, wie Temperatur, Vibration, Feuchtigkeit usw. Sie müssen einfach applizierbar sowie industriegerecht designt und geschützt sein und kommunizieren können. Adaptiert wurde diese Idee aus dem Windbereich, wo Weidmüller bereits seit einigen Jahren mit Blade Control eine ähnliche Lösung anbietet. Hier ist entsprechende Spezialsensorik in den Rotorblättern von Windenergieanlagen verbaut und liefert Informationen zur Zustandsüberwachung. „Mit unserer zur Hannover Messe vorgestellten Sensorplattform möchten wir diesen Ansatz auf eine breitere Basis stellen und damit vor allem den Markt des Retrofittings angehen“, berichtet M. Matthesius. Auch er verweist noch einmal auf den Vorteil der industriegerechten Ausführung der Sensoren, die sich vor allem aufgrund der elektromechanischen Eigenschaften von vielen anderen Lösungen am Markt unterscheiden.

Hier schließt sich natürlich die Frage nach der Positionierung beim Thema industrieller Bildverarbeitung bzw. Vision-Systeme an: Einige Automatisierungstechnikanbieter haben bereits den Weg in diese Richtung eingeschlagen. Nach den dahin ­gehenden Weidmüller-Einschätzungen und -Plänen gefragt, antwortet Dr. T. Berger: „Wir sehen die IBV als Spezialsensorikfeld, das für uns weniger relevant ist. Die Kamera als Datenlieferant betrachtet, liegt hingegen in unserem Fokus. Ent­sprechende Applikationen haben wir bereits realisiert“.

M. Matthesius ergänzt: „Wir arbeiten gerne mit Kamerahersteller zusammen und nutzen im Bereich der Analytics Informa­tionen, die von Kameras bereitgestellt oder auch vorverarbeitet werden.“ In diesem Zusammenhang stellt er heraus, dass ­Industrial Analytics nicht bedeute, alle Rohdaten zu analysieren. „Stattdessen können wir auch Teilergebnisse, die zum Beispiel aus der Vorverarbeitung von Vision-Systemen stammen, in unsere Analytics-Lösung integrieren.“


Abbildung der Smart-Sensor-Plattform mit Drives Applikation von Weidmüller

Auf der Hannover Messe hatte Weidmüller erstmals seine Smart-Sensor-Plattform – hier mit Drives-Applikation – vorgestellt (Quelle: Weidmüller)


Die Besonderheiten

Insgesamt möchte sich Weidmüller mit seinem Automatisierungs- und Digitalisierungsangebot bei seinen Kunden als erstklassiger IoT-Partner positionieren, der ihm entsprechend ­seiner Wünsche ein skalierbares Angebot bereitstellt. Als ­Besonderheit des IoT-Angebots stellt Dr. T. Berger heraus, ­sowohl die Dienstleistung als auch die Software anzubieten, die den Kunden dabei unterstützt, Mehrwert aus seinen Daten zu generieren. „Dabei kann dies sowohl die Steigerung der ­Anlagenverfügbarkeit als auch die Optimierung von Servicestrukturen bedeuten“, erklärt er. „Insgesamt liefern wir ein Komplett­angebot von der Sensorik über das klassische Weidmüller-Feld der Infrastrukturkomponenten bis hin zur Analytics Software inklusive Softwareunterstützung.“ „Durch die Vielzahl unserer in den letzten Jahren realisierten Projekte und unsere daraus gewonnenen Erfahrungen sind wir heute in der Lage, Kunden – die hier noch unsicher sind – auf ihrem Weg als beratender Partner zu begleiten“, so M. Matthesius.

Der Überzeugungsweg

Mit diesem starken Fokus auf Data Analytics stellt sich die ­Frage, wie die Ergebnisse der eigens erstellten und im Frühjahr 2019 veröffentlichten Studie „Industrial Analytics 2020“ diese Ausrichtung beeinflussen. So zeigt diese, dass sich der OEM noch immer schwer tut beim Thema „Mehrwert aus Daten generieren“. Was bedeutet dieses Ergebnis nun für die Vertriebsarbeit, wie werden Kunden von der Notwendigkeit der Indus­trial Analytics überzeugt? Dr. T. Berger: „Das ist kein Feld, das sich aus Technologiebegeisterung trägt. Das mag in der Industrie-4.0-Anfangswelle so gewesen sein, aber heute zählen die Zahlen. Ganz entscheidend ist also der betriebswirtschaftliche Effekt. Wir zeigen dem Kunden auf, dass er durch Datenana­lyse seine Effizienz verbessern, seinen Profit steigern und sein Geschäftsmodell optimieren kann.“ Das bedeute für die Vertriebsarbeit, dass man recht tief einsteigen und das Geschäft des Kunden verstehen müsse. Nur so ließen sich gemeinsam neue Servicemodelle erarbeiten und umsetzen. „Dieses Vorgehen funktioniert nur begrenzt auf der Ebene, auf der wir im Vertrieb traditionell unterwegs sind. Stattdessen müssen wir verstärkt die Entscheider erreichen“, sagt der Vertriebschef. Dahingehend sieht er sich auf einem guten Weg, plant allerdings, weitere Experten im Vertrieb zu installieren. Diese sollen Hand-in-Hand mit dem klassischen Vertrieb zusammenarbeiten. Dr. T. Berger stellt heraus, dass das klassische Vertriebs­team nach wie vor eine entscheidende Rolle bei Weidmüller spiele. „Mit dem Ausbau unseres Portfolios in Richtung Automatisierung und Digitalisierung stellen wir uns für die Zukunft auf. Aktuell generieren allerdings die wenigsten Unternehmen mit Digitalisierungsprojekten nennenswerten Profit. Entsprechend wichtig ist der Bestandsvertrieb, der den Weg in die ­Zukunft mit ebnet“, so Dr. T. Berger. Seine Strategie ist es, den Bestandsvertrieb durch Weiterbildung an die neuen Themen heranzuführen, damit sie die Basics beherrschen. Bei Interesse von Kundenseite an IoT-Projekten, geben sie dies an den entsprechenden Vertriebsmitarbeiter weiter, der speziell für diese Projekte zuständig und ausgebildet ist. „Dementsprechend wichtig ist es, den Vertrieb stärker auf Teamarbeit und Offenheit – Stichwort Teamselling – untereinander zu schulen“, nennt er als Wegrichtung. Als persönliches Ziel hat er sich für sein „neues Schaffensfeld“ gesteckt, ein Vertriebsnetzwerk zu etablieren, in dem sich die Vertriebsmitarbeiter offen und zielführend untereinander austauschen und unterstützen. „Ansonsten wird es uns auf Dauer nicht gelingen, unsere Themenvielfalt beim Kunden erfolgreich zu platzieren“, gibt er an.

Zurückkommend zur Studie sagt Dr. T. Berger: „Unsere Zielkunden erkennen langsam aber sicher, dass die nächsten Produktivitätshebel in der Datenanalyse liegen. Dieser Zug ist jetzt angefahren und nimmt stetig an Fahrt auf.“ Dabei weist er noch einmal explizit darauf hin, dass der Weidmüller-Fokus auf dem mittelständischen Maschinenbau liege, denn „viele große ­Maschinenbauer mit Milliardenumsätzen sind sowohl in der Lage als auch Willens, diese Kompetenzen selbst aufzubauen“, sagt er.

„Viele Kunden sind momentan noch recht zurückhaltend, wenn es darum geht, ihre oder die Daten ihrer Kunden in die Cloud zu transferieren. Hier müssen wir Beratungsleistung ­bezüglich der Sicherheit der Daten und der Datenhoheit leisten“, führt M. Matthesius weiter aus. „Aus diesem Grund haben wir uns mit unseren Lösungen komplett skalierbar aufgestellt. Das heißt, unsere Softwarepakete, zum Beispiel für Kommunika­tion oder Industrial Analytics, sind in sogenannten Software-Containern verpackt und damit recht einfach auf verschiedene Betriebssystemen portierbar. Daraus ergibt sich die Skalierbarkeit von einer On-Premise-Lösung – bei der ein Analytics-Algorithmus auf einem kleinen Industrie-PC gerechnet wird – über einen Server- bis hin zu einer Cloudapplikation. Dadurch bieten wir unseren Kunden auch eine gewisse Zukunftssicherheit: Sie können mit einer On-Premise-Lösung starten und in dem Moment, in dem ihre Kunden offener für das Thema Cloud­anbindung sind, relativ einfach diesen Schritt weitergehen.“ Das Thema Cloud deckt Weidmüller nach wie vor mit Partnern, wie Microsoft, ab. Nach einer eigenen Weidmüller-IoT-Plattform gefragt, sagt Dr. T. Berger: „Aus unserer Sicht ist es wichtig, auf den bereits am Markt verfügbaren offenen IoT-Plattformen dabei zu sein und unsere Hardware für die Anbindung an diese zu ertüchtigen.“ Freuen würde er sich, wenn sich unter den vielen Lösungen einige wenige herauskristallisieren würden. „Ich bin fest davon überzeugt, dass es auch hier in absehbarer Zeit einen Konzentrationsprozess geben wird“, sagt er. Als wichtig zum aktuellen Zeitpunkt erachtet er es, mit Pilotkunden eine IoT-Lösung inklusive Cloudangebot, zum Beispiel auf Basis der Microsoft Azure, umzusetzen. M. Matthe­sius verweist auch hier noch einmal auf den gesamtheitlichen Ansatz: „Wir liefern dem Kunden sowohl die Hardware als auch das Prozess-Know-how sowie die Cloudplattform – wenn er diese wünscht – bis hin zur Industrial-Analytics-Lösung, die dann ­On-Premise oder in der Cloud laufen können. Und dieses gesamtheitliche Angebot ist es, das uns von unseren Marktbegleitern unterscheidet.“ Nach seinen Angaben honoriere der Markt diesen Ansatz bereits: „Als Feedback geben uns unsere Kunden, dass sie – im Vergleich zur Zusammenarbeit mit Start-ups, die oftmals lediglich die Softwareschiene abdecken, – bei uns auch industriegerechte Hardware usw. erhalten.“


Abbildung von Kommunikation mittels aufsteckbarem Modul Pro Com von Weidmüller

Nach und nach werden alle elektronischen Weidmüller-Komponenten kommunikationsfähig. So kann beispielsweise die Stromversorgung Protop mittels des aufsteckbaren Moduls Pro Com kommunikationsfähig gemacht werden. Damit ermöglicht Weidmüller eine durchgängige Kommunikation von der Feldebene bis zur Cloud (Quelle: Weidmüller)


Der Länderfokus

Mit dem Digitalisierungsangebot wird zunächst der deutsche Maschinenbau angesprochen. In den nächsten Steps sollen Europa und der asiatische Raum – hier primär China – angegangen werden. „Wir befinden uns in China bereits in Gesprächen mit potenziellen Kunden und Partnern, um ein erstes Feedback einzuholen. Dabei stellen wir prinzipiell fest, dass man in China schnell bereit ist, eine neue Technik auszuprobieren. Über den konkreten Nutzen wird erst in zweiter Linie nachgedacht“, sagt M. Matthesius. In Deutschland sei der Ansatz ein anderer: „Hier denken die Entscheider erst darüber nach, welchen Nutzen bzw. Mehrwert die Lösung bringt und erst danach wird die Technik implementiert“, berichtet er weiter. Dabei sind aus seiner Sicht beide Ansätze legitim und tragen Erfolgs­potenzial.  

So geht es weiter

Als Schlüssel für die nächsten Jahre gibt Dr. T. Berger an, die Softwarepakete nah zusammenzubringen und dem Kunden damit die Nutzung noch weiter zu vereinfachen. „Letztendlich ist es unser Ziel, dass der Kunde nicht mit mehreren Softwaretools und unterschiedlichen Datenpools arbeitet, sondern mit einer integrierten Lösung“, erklärt er.

Als übergreifende Trends, die auch die eigenen Entwicklungen beeinflussen, führt M. Matthesius TSN und 5G an. Als spannende Fragen in diesem Zusammenhang formuliert er: „Erst die Zukunft wird zeigen, wie viel Steuerungssoftware tatsächlich einmal in der Cloud liegen und wie viel nach wie vor dezentral vorgehalten werden wird. Oder: Inwiefern Wireless-Netze die Fabrikkommunikation dominieren werden.“ Er selbst ist von Hybridlösungen überzeugt. „Es wird keine Schwarz-Weiß-Entscheidungen geben: Die digitale Transformation ist ein evolutionärer Prozess, der über viele Jahre Mischformen bedingt“, lautet seine Sicht. Er sagt aber auch: „Der Trend hin zu Cloudlösungen wird weiter anhalten.“

„Manchmal muss man gar nicht so weit in die Zukunft blicken, sondern kann aus bestehenden Ansätzen Mehrwert für neue Lösungen schaffen“, ergänzt Dr. T. Berger. Als Beispiel führt er den auf der Hannover Messe vorgestellten Smart Connector an. Mit diesem ist es möglich, auf einfache Weise Daten und Signale nachträglich im Feld zu generieren und drahtlos zu übertragen. „Das sind Anwendungsfelder, die wir parallel zu allen neuen Technologien und Plattformen suchen müssen. Kurz gesagt: Wir müssen unsere traditionellen Kompetenzen um neue Möglichkeiten anreichern, um Mehrwert in den Applikationen zu schaffen. Unsere Kunden honorieren diese Vorgehensweise, weil sie kein neues Gerät in den Schaltschrank implementieren müssen, sondern einfach zum Beispiel einen bestehenden Steckverbinder ersetzen können.“ Dabei wird der Weg, etablierte Geräte und Lösungen kommunikationsfähig zu machen, nicht nur bei Steckverbindern gegangen. M. ­Matthesius: „In der Reinform von Industrie 4.0 werden auch die elek­tronischen Komponenten, zum Beispiel Switches, Stromversorgungen, Messtechnik usw., immer intelligenter. Wir sind den ersten Schritt gegangen und haben diese Lösungen kommunikationsfähig gemacht. Das heißt, man kann an einem 24-V-Netzteil Daten abgreifen bzw. einspielen. Und diesen Weg beschreiten wir weiter.“ Dabei weist er zusätzlich auf die neuen Strukturen und Möglichkeiten durch ein Auflösen der Automatisierungspyramide hin. „Zukünftig werden alle Netzwerkteilnehmer untereinander kommunizieren. Inwiefern sich dann Intelligenzen verteilen, das wird die Zukunft zeigen.“

Mit Blick auf die SPS im November in Nürnberg halten sich die Experten mit Aussagen zu Neuheiten noch zurück. Als allgemeine Schwerpunkte erläutert M. Matthesius: „Wir werden im Komponentengeschäft viele Neuheiten zeigen, zum Beispiel im Bereich Netzteile, das wir aktuell stark ausbauen. Auch im Bereich der Switches und Router haben wir das Portfolio ­weiterentwickelt und uns mit einem Partner breiter aufgestellt. Darüber hinaus werden wir weitere Softwarefunktionen rund um die Automation, Analytics und IoT präsentieren.“

www.weidmueller.de

20 Jahre openautomation

Die Grundidee bleibt, die Dimensionen wachsen

„Eine Branche im Umbruch: Anwender fordern in aller Deutlichkeit kostensenkende, flexible und offene Automatisierungslösungen sowie Durchgängigkeit vom Sensor bis zum Management“ – dieser Grundanspruch hat sich über die letzten 20 Jahre nicht geändert, aber die Dimensionen, die neue Technologien mit sich bringen, lassen die Industrie 4.0 Wirklichkeit werden. Immer im Mittelpunkt dabei: Daten – das viel gepriesene Öl des 21. Jahrhunderts. Die Grundidee der vertikalen Integration bleibt, nur das Wording ändert sich heute.

» Weiterlesen ...

Normen

DIN-VDE-Normen einfach online nutzen

Normen aus dem VDE VERLAG

» Mehr Informationen ...

Zum Schmunzeln

Mann beim Bäcker: „Ich hätte gerne vier Brötchen.“
Bäcker: „Wenn Sie nur drei nehmen, gibt es eins umsonst!“
(Mann überlegt, wer hier nun der Vollidiot ist.)
Copyright © VDE VERLAG GMBH, zuletzt aktualisiert am 19.11.2019