Industrie 4.0 Guide: Software, IT, Digitalisierung
13.03.2019

Digitalisierung ­ganzheitlich betrachtet

Digitalisierung ganzheitlich betrachtet – so lautet der strategische Ansatz im Hause Wago. Dies beinhaltet nicht nur Produkte und Lösungen für die digitale Transformation, die sich durch Flexibilität und Offenheit auszeichnen, sondern schließt auch die Kundenschnittstellen und die interne Unternehmenskultur ein. Die Redaktion ließ sich die Strategie von Christian Sallach, CDO und CMO des Unternehmens, erläutern.

Christian Sallach ist CDO und CMO bei Wago Kontakttechnik

Christian Sallach ist CDO und CMO bei Wago Kontakttechnik

Digitalisierung und Vernetzung bieten große Chancen. Um sie zu nutzen, muss jedes Unternehmen seine Hausaufgaben machen. Denn die Herausforderungen sind ebenso vielfältig und unterschiedlich wie es die Unternehmen selbst sind. Die Alles-in-einem-Lösung gibt es nicht. „Digitalisierung ist kein heiliger Gral oder Selbstzweck“, betont C. Sallach. „Es gibt viele neue Möglichkeiten, aber auch die Komplexität steigt.“ Für ihn ist das „Agieren auf Augenhöhe“ mit den Kunden und Anwendern wichtig.

Enabler für die digitale Transformation

Erforderlich sind laut C. Sallach individuelle, flexible und offene Lösungen und weniger solche „von der Stange“. „Basierend auf einer offenen Plattform müssen Kunden flexibel und individuell beraten und in ihren unterschiedlichen Anwendungen unterstützt werden“, so der CDO. „Wir sehen uns mit unseren Produkten und Lösungen als Enabler für die digitale Transformation.“ Er schließt an: „Auf Basis unserer offenen Plattform mit ihren modularen Produkten ermöglichen wir – vergleichbar mit den Lego-Bausteinen – Konzepte für unzählige Anwendungsfälle.“ Proprietären Systemen gibt er bei den neuen Anforderungen keine Chance.

Mit dem Wago-I/O-System – bestehend aus über 500 verschiedenen Modulen – werden die Signale ganz unten in der Automatisierungspyramide eingesammelt. Das System steht für Vielseitigkeit und Flexibilität. Der Controller PFC200 mit seinen vielfältigen Schnittstellen und flexibler Software ermöglicht IoT-Lösungen als Gateway.

„Aktuell bieten wir mit dem neu entwickelten IoT-Gateway einen Controller mit standardisierten Funktionen in allen Umgebungen an, der nach dem Plug-and-Play-Prinzip besonders einfach einzubinden ist“, berichtet der Wago-Manager. „Diese Linux-basierende IoT-Box mit vielen Schnittstellen wird zur SPS IPC Drives neu vorgestellt. Mit der Box können Daten sicher gesammelt und vorverarbeitet werden.“ Das IoT-Gateway ermöglicht einfach und schnell die Cloud Connectivity – nicht zuletzt dank integrierter Kommunikationsstandards, wie OPC UA und MQTT. „Einfaches Plug-and-play und kein Programmieraufwand sind schlagende Argumente für unsere Box“, findet der Manager. „Alle Maschinen und Applikationen können flexibel angeschlossen werden.“ Wago bleibt sich dabei seiner strategischen Positionierung treu: keine abgeschlossenen Systeme, sondern Offenheit für alle.


Die IoT-Box wird neu auf der SPS IPC Drives 2018 vorgestellt

Die IoT-Box wurde neu auf der SPS IPC Drives 2018 vorgestellt


C. Sallach ist überzeugt, dass der Markt für IoT-Gateways stark wachsen wird. Seiner Einschätzung nach werden im Zuge zunehmender Vernetzung immer mehr Lösungen erforderlich, die ein Maximum an Kundennutzen hinsichtlich der Performance bei einfacher Installation bieten. Vor allem auch die digitale Transformation von Brownfield-Anlagen erfordert eine einfache Anbindung und entsprechend eine schnelle Vernetzung. „Mit unserer Lösung wird eine Maschine dank intuitiver Bedienoberfläche des IoT-Gateways ohne spezifische Programmierkenntnisse sehr schnell in die Cloud gebracht. Unser Konzept bietet hohe Sicherheit ohne Barrieren“, fasst er die Vorteile zusammen.

Die vorverarbeiteten Daten können dann in der Cloud weiterverarbeitet werden – entweder in Public-Cloud-Lösungen, wie Azure, AWS oder IBM Cloud oder via Schnittstelle auch in kundenspezifischen Clouds. Ein wichtiger Partner aus Sicht des CDO ist das Unternehmen Microsoft: Sowohl die Wago Cloud als auch individuelle Lösungen werden auf Basis der Azure-Plattform realisiert.

Offenheit als Grundprinzip

„In einer Welt, die sich exponentiell und mit hoher Geschwindigkeit entwickelt, fahren wir mit einer offenen Plattform sehr viel besser, da sie nicht zuletzt auch Zukunftssicherheit hinsichtlich der Investitionen bietet“, ist C. Sallach überzeugt.

Diese Offenheit von Wago bezieht sich auch auf die Auswahl der Partner, mit denen man zusammenarbeitet. „Die komplexen Anforderungen der Digitalisierung sind kaum allein zu bewältigen“, so C. Sallach. „Generell sind wir hinsichtlich Partnerschaften immer offen – allein schon, um flexibler zu sein.“


C. Sallach: „Die digitale Transformation ist für uns ein wichtiger ­Erfolgsfaktor.“

C. Sallach: „Die digitale Transformation ist für uns ein wichtiger ­Erfolgsfaktor.“


Eine wichtige Rolle spielt auch das Start-up-Screening, welches Wago mit externer Unterstützung intensiv betreibt. Trotzdem wurden bis dato keine Start-ups gekauft, sondern „die bewusste Entscheidung getroffen, die Digitalisierung aus dem Unternehmen von innen heraus voranzutreiben“, so C. Sallach. Damit soll auch die Kultur des mittelständischen Familienunternehmens erhalten werden. An Stellen, an denen Wago bei der digitalen Transformation Unterstützung benötigt, will das Unternehmen partnerschaftlich mit Start-ups zusammenarbeiten und sein Know-how im Zuge der Kooperationen ergänzen.

Für die Digitalisierung hat man hausintern drei Haupttreiber evaluiert: „Die exponentiell voranschreitende Entwicklung ist auch durch Veränderungen an der Kundenschnittstelle und im Kundenverhalten begründet“, so C. Sallach. Ein weiterer Treiber ist das Start-up-Umfeld. An erster Stelle steht aber die Technologieentwicklung, die die Digitalisierung erst ermöglicht. „Elementare Voraussetzung und Enabler für die Digitalisierung in der Produktion ist die Automatisierung“, betont der CDO. Die immer höhere Komplexität in Unternehmen ist seiner Ansicht nach nur noch durch Automatisierung beherrschbar: „Automatisierung und Digitalisierung sind kein Gegensatz, sondern sie beeinflussen sich gegenseitig und bedingen einander.“


C. Sallach: „„Automatisierung und Digitalisierung sind kein Gegensatz, sondern sie beeinflussen sich gegenseitig und bedingen einander.“

C. Sallach: „„Automatisierung und Digitalisierung sind kein Gegensatz, sondern sie beeinflussen sich gegenseitig und bedingen einander.“


Digitalisierung als ganzheitlicher Ansatz

„Für uns ist Digitalisierung nicht nur Technologie-Know-how, sondern viel mehr,“ meint C. Sallach. Auch interne Abläufe sind betroffen. Sein ganzheitlicher Ansatz umfasst neben neuen Angeboten, Geschäftsmodellen und Services auch die interne Unternehmenskultur – das Mitnehmen der Mitarbeiter – und die Kundenschnittstellen. Die große Bedeutung des Themas Digitalisierung für Wago zeigt sich daran, dass das Unternehmen die digitale Transformation direkt auf Ebene der Geschäftsleitung vorantreibt. Das Digital Transformation Office bündelt die Digitalthemen und stellt die Entwicklung neuer Produkte und Services in den Vordergrund. C. Sallach ist überzeugt, dass die interne Organisation allein schon durch die Strukturierung der Herangehensweise, die Einbeziehung aller Mitarbeiter und eine einheitliche Definition der Digitalisierung partizipiert. Ein konkretes Beispiel bei Wago sind digitale Lernplattformen und Lehrinhalte für die Mitarbeiter. Für C. Sallach ist der ganzheitliche Ansatz von entscheidender Bedeutung. „Man kann nicht über neue Geschäftsmodelle nachdenken, ohne bestehende Prozesse und die Unternehmenskultur zu berücksichtigen“, schließt er an.

„Auch hinsichtlich der Stammdaten bieten wir alle Schnittstellen an, die für einen digitalen Zwilling erforderlich werden“, setzt C. ­Sallach fort. In Kürze beginnt das Rollout für ein Product Information Management System (PIM), welches weiteren Mehrwert bietet. Für den Wago-Manager wird die Kundenschnittstelle entscheidend für den Unternehmenserfolg: „Die Unterstützung des Kunden bei seiner Wertschöpfung gewinnt an Bedeutung.“

„Es ist wichtig, dass unsere Produkte einfach zu identifizieren und kontextspezifische Informationen einzubinden sind“, setzt C. Sallach fort. Solche Services sind zukünftig entscheidend für den Kauf. Zukünftig wird in diesem Zusammenhang auch Künstliche Intelligenz immer wichtiger: In Zukunft ist es sogar vorstellbar, dass sich Bots unterschiedlicher Unternehmen unterhalten und die Bestell- bis hin zu den Preisverhandlungen untereinander abwickeln. Auch Wago beschäftigt sich mit KI zur Verbesserung der Kundenschnittstelle, zum Beispiel in Bezug auf Bilderkennung und -verarbeitung. „Allerdings liegt der Ersatz von Menschen durch KI noch weit in der Zukunft“, setzt er fort. „KI ist nicht intuitiv, genauso wie ein Taschenrechner noch kein Mathematiker ist. Die Stärke der KI resultiert aus dem Zusammenspiel mit dem Menschen und die Kombination KI und Mensch ist erfolgreicher als jedes der Systeme für sich selbst.“ Der CDO schließt an: „Wir beschäftigen uns intensiv mit KI, um mehr Effizienz und eine höhere Qualität zu erreichen.“

Fazit

Wago treibt die Digitalisierung in den Unternehmen seiner Kunden und auch intern so voran, dass alle Beteiligten davon profitieren. Das ist das erklärte strategische Ziel. „Die digitale Transformation ist für uns ein wichtiger Erfolgsfaktor“, schließt C. Sallach ab.

www.wago.com

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Zum Schmunzeln

Mann beim Bäcker: „Ich hätte gerne vier Brötchen.“
Bäcker: „Wenn Sie nur drei nehmen, gibt es eins umsonst!“
(Mann überlegt, wer hier nun der Vollidiot ist.)
Copyright © VDE VERLAG GMBH, zuletzt aktualisiert am 18.03.2019