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13.11.2012

Den Nutzen der Anwender im Vordergrund

Beitrag aus openautomation 6/2012 Konsequent baut das Verler Unternehmen Beckhoff Automation seine Automatisierungsplattform, bestehend aus PC-basierter Steuerungstechnik, IO-Systemen und Antriebstechnik, aus, um den Anwendern größtmöglichen Nutzen zu garantieren...

Beitrag aus openautomation 6/2012

 

Konsequent baut das Verler Unternehmen Beckhoff Automation seine Automatisierungsplattform, bestehend aus PC-basierter Steuerungstechnik, IO-Systemen und Antriebstechnik, aus, um den Anwendern größtmöglichen Nutzen zu garantieren. openautomation sprach mit Geschäftsführer Hans Beckhoff über aktuelle und zukünftige Entwicklungen.

Hans Beckhoff ist Geschäftsführer der Beckhoff Automation GmbH in Verl

Hans Beckhoff ist Geschäftsführer der Beckhoff Automation GmbH in Verl

„Unsere leistungsfähige PC-basierte Steuerungstechnik mit dezentralen IO und Antriebstechnik bildet die ideale Grundlage, um eine Vielzahl an Marktsegmenten abzudecken“, beschreibt Hans Beckhoff die Strategie seines Unter­nehmens. Als beispielhafte Einsatzmöglichkeiten nennt er so verschiedene Bereiche wie den Hochleistungsmaschinenbau, die Wasseraufbereitung und die Bühnenautomation. „Unsere Kunden sollen dabei höchsten Nutzen generieren können und – basierend auf unserer Plattform – ihre eigenen Lösungen ­abbilden.“

 

Das Unternehmen ist in Bezug auf seine Kunden breit aufgestellt: Neben den Bereichen der alternativen Energien, wie Windenergie und Solarmaschinen, gehören vor allem der komplette Maschinenbau und die Gebäudeautomation dazu. „Wir sind in erster Linie ein Plattform­anbieter und stellen für ausgewählte Branchen auch Speziallösungen zur Verfügung“, fasst der Geschäftsführer zusammen.

 

Beckhoff Automation ist in den letzten Jahren stark gewachsen. Entsprechend hat sich die Struktur des Unternehmens diesem Wachstum angepasst. Mit dem Bezug von zusätzlichen Gebäuden am Unternehmenssitz in Verl werden nun die vorhandenen Strukturen gestärkt und es steht deutlich mehr Raum für die Mitarbeiter zur Verfügung. „Konstanz hat einen hohen Wert bei uns“, setzt H. Beckhoff fort. „Dynamische Anpassung kombiniert mit Beständigkeit bildet eine gute Arbeitsgrundlage für Kunden und Mitarbeiter. Das Prinzip der dauerhaften Veränderung als Selbstzweck halten wir nicht für zielführend.“

 

Einfachheit der IT in Automatisierungstechnik übertragen

„Unsere PC-basierte Maschinensteuerungen zeichnen sich durch äußerste Leistungsfähigkeit aber auch durch technologische Stabilität und eine lange Lieferverfügbarkeit aus“, stellt der Visionär heraus. „In den Anfangsjahren von PC-Control wurde die Leistung sofort akzeptiert, jedoch erschien die Technologie manchem Anwender als recht schnell­lebig. Nun aber, nach 26 Jahren Praxis­erfahrung, wissen wir, dass die lange Verfügbarkeit gerade auch zu den Vorzügen von PC-Control zählt. Eine lange Original-Produktlebensdauer kombiniert mit dem Prinzip des funktionalen Replacements sichert insgesamt eine sehr lange Lösungsverfügbarkeit mit langfristigem Investi­tionsschutz. Hierbei hilft es uns natürlich, dass wir zum Beispiel für alle unsere Produkte eigene Motherboards, die auf Langzeitverfügbarkeit optimiert sind, im eigenen Hause entwickeln und fertigen“, erläutert H. Beckhoff. „Eine vernünftig abgestimmte Live-Cycle-Politik bietet ­viele Vorteile.“

 

Das Ziel von Beckhoff ist es, die zunehmende Einfachheit der IT in die Automatisierungstechnik zu übertragen. Für viele Anwendungen wird die Automatisierung damit verständlicher: Es muss nur noch eingestellt oder parametriert werden und die Applikation kann starten. Der Hochleistungsmaschinenbau stellt allerdings höhere Anforderungen: „Hier wird die Software als Differenzierungsmerkmal benötigt“, bestätigt H. Beckhoff. „Individuelle Automatisierung wird im Maschinenbau immer eine wichtige Rolle spielen.“ Aber auch hier werde die Automatisierung weniger komplex, da sich die Engineering-Tool-Ketten vereinfachen. „Die Automation der Automatisierung ist technisch und kommerziell für die weitere Entwicklung der Automatisierung entscheidend“, so der Geschäftsführer mit Blick in die Zukunft.

 

„Mit dem idealen Automatisierungs-Tool wird der Funktionsumfang grob beschrieben, schrittweise verfeinert und daraus kompiliert sich das Programm“, setzt er fort. Die Vereinfachung des Engineerings gehört zu den Kernaufgaben der Automatisierungstechniker.

 

Neue Version Twincat 3.1

Auf der SPS IPC Drives wird Twincat in der Version 3.1 vorgestellt

Auf der SPS IPC Drives wird Twincat in der Version 3.1 vorgestellt

Die Erfüllung dieser Vision setzt die Konvergenz von IT und Automatisierungstechnik, die ebenso Grundlage der gesamten Beckhoff-Technologie ist, zwingend voraus. Mit Twincat 3 wird diese Konvergenz massiv vorangetrieben. Twincat 3 unterstützt durch die Modularität die

Wiederverwendbarkeit von Softwaremodulen. Darauf aufbauend gibt es bereits erste applikationsspezifische Wizards und Frameworks.

 

Twincat 3 bietet bereits heute viele Features, um den Entwicklern in der Automatisierungstechnik mehr Möglichkeiten für ihre Arbeit zur Verfügung zu stellen. Neben dem konsequent objektorien­tierten Ansatz zählt auch die Nutzung von Visual Studio als Framework dazu. H. Beckhoff: „Da wir für Twincat kein spezielles Framework nutzen, erleichtern wir vielen Ingenieuren den Zugang zur Automatisierung. Visual Studio ist als Entwicklungsumgebung für Software weltweit bekannt und beliebt. Dies bietet erhebliches Einsparpotenzial im Engineering.“

 

Zur SPS IPC Drives wird die neue Version Twincat 3.1 vorgestellt. Diese zeichnet sich vor allem durch konsequente Unterstützung von 64-bit-Windows-Beriebssystemen aus. Darüber hinaus u­mfasst die Version 3.1 viele neue und weiter ausgebaute Funktionalitäten. H. Beckhoff findet hier besonders die Integration von Matlab/Simulink in Twincat 3 sehr gelungen. So lassen sich IEC 61131-3, C++ und Matlab/Simulink beliebig mischen, auch Teilsimulationen mit Echtzeit- und Nicht-Echtzeitanteilen sind möglich. Ebenso gibt es im Bereich der PC-Control-Messtechnik weitere Fortschritte. Twincat Scope ermöglicht nun zum Beispiel vielfältige Langzeitaufnahmen und kann in kundenspezifische HMI-­Projekte eingebunden werden.

 

Schon immer Industrie 4.0

Auch das derzeitige Trendthema Industrie 4.0 bezieht sich laut H. Beckhoff auf die Konvergenz von IT und Automatisierung: „Industrie 4.0 entspricht genau unseren Vorstellungen und ist eine griffige Beschreibung für das, was wir seit mehr als 25 Jahren machen. Unsere Steuerungsarchitekturen sind so aufgebaut, dass durchgängige Kommunikation immer möglich ist.“ Nur an eine rein dezentrale Struktur möchte der Geschäftsführer weiter nicht glauben: „Eine vollständig dezentrale Intelligenz in Automatisierungsarchitekturen ist kein zielführendes Konzept. In den 90er-Jahren des vorigen Jahrhunderts wurden eine Zeit lang vollständig dezentrale intelligente Automatisierungsstrukturen unter dem Begriff ‚holone Agenten‘ diskutiert – ohne reale Erfolge!“ Wie in der Natur üblich, benötige auch die Automatisierung eine klare, funktionale, hierarchische Gliederung mit einer Verdichtung der Informa­tion nach oben.

 

Ein „guter Umsatzträger“ für das Unternehmen Beckhoff ist der Bereich der funktionalen Sicherheit. „Safety ist heute ein Muss für Steuerungslieferanten“, betont der Geschäftsführer. „Für uns war bereits mit der Einführung des IO-Klemmensystems im Jahr 1995 klar, dass die Sicherheitstechnik mit integriert werden muss.“ Sehr gute Akzeptanz erfahre mittler­weile die integrierte Sicherheits­lösung Twinsafe, die sicherheitsrelevante Kommunikation in nicht sicherheitsgerichteten Systemen ermöglicht und sich daher natürlich auch für Ethercat sehr gut eigne. Bei Twinsafe handelt es sich um ein offenes Sicherheitsprotokoll, das prinzipiell über unterschiedliche Kommunikationssysteme getunnelt werden kann. Es wird innerhalb der Ethercat Technology Group als Ethercat-Standard-Safety-Protokoll empfohlen und kann über Lizenzen auch von Drittfirmen genutzt werden.

 

„Ethercat eignet sich übrigens auch hervorragend für Redundanzkonzepte“, schließt der Geschäftsführer an. Die Anwender nutzen es in vielen Anwendungen. Neben der vorhandenen Lösung für eine Kabel-Redundanz wird es in absehbarer Zeit auch eine Master-Redundanz für Twincat geben.

 

Beim Spitzencluster vorn dabei

Lineares Transportsystem XTS als „richtige Erfolgsstory“

Lineares Transportsystem XTS als „richtige Erfolgsstory“

Beckhoff gehört zu den treibenden Unternehmen für den Spitzencluster „Intelligente Technische Systeme Ostwest­falen-Lippe“ – in Kurzform: „it’s OWL“. Mit dem Spitzenclusterwettbewerb, einem Flaggschiff der Hightech-Strategie der Bundesregierung, unterstützt das Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) die leistungsfähigsten Technologiecluster aus Wirtschaft und Wissenschaft. In der Zeit von 2007 bis 2012 wurden in drei Wettbewerbsrunden 15 Spitzencluster ausgewählt, die jeweils über fünf Jahre mit bis zu 40 Mio. € gefördert werden. Im Mittelpunkt der Spitzencluster stehen technologische Entwicklungen zur Lösung gesellschaftlich relevanter Bedarfsfelder für die Zukunft. Der Cluster „it´s OWL“ wurde in der dritten Wettbewerbsrunde im Januar 2012 als Spitzencluster ausgezeichnet.

 

Eines der von Beckhoff dabei initiierten Projekte lautet „ScAut“ und wird vom Heinz-Nixdorf-Institut an der Universität Paderborn betreut und gemeinsam mit Industriepartnern in die Praxis umgesetzt. „Wir wollen eine weltweite Wissensdatenbank über Automatisierungs-Know-how aufbauen“, so H. Beckhoff. Es gehe darum, universitäres Automatisierungs-Wissenschafts-Know-how zu katalogisieren. „Besonders spannende Themen wollen wir in Twincat implementieren und in Form von Softwarebibliotheken verfügbar machen“, setzt er fort. „Wir sehen darin eine gute Möglichkeit, den oft beklagten Abstand zwischen Praxis und Wissenschaft zu verkürzen.“ Das Projekt ist auf zunächst vier Jahre ausgelegt, wobei in den ersten beiden Jahren vor allem die entsprechenden Daten zusammengetragen werden. „Was leistet die Wissenschaft, woraus wir praktischen Nutzen ziehen können? – Diese Frage können wir dann beantworten“, ist der studierte Physiker überzeugt.

 

Auf dem Weg zur Motion Technology Company

Noch eine gute Nachricht: Das Joint-Venture-Unternehmen Fertig Motors „wächst und gedeiht“, so H. Beckhoff, und bezieht aktuell größere Entwicklungs- und Produktionsgebäude in Marktheidenfeld. Die Standard-Motorenreihe und die Edelstahlmotoren sind nun bereits eine Weile am Markt. „Vor allem die Vorteile der Einkabeltechnik wissen die Anwender zu schätzen“, so der Geschäftsführer. Neu hinzugekommen sind inzwischen Servomotoren im kleineren und höheren Leistungsbereich. Um der Nachfrage nach größeren Leistungen gerecht zu werden, ist die Baureihe AM8000 nun auch mit Fremdbelüftung lieferbar, welche die Performance der ­Motoren um bis zu 50 % steigert. Für CNC-Applikationen in Werkzeug- und Holzbearbeitungsmaschinen bietet man nun mit den AM8500 eine komplette Baureihe von Motoren mit erhöhter Rotorträgheit an. Auch das lineare Transportsystem XTS basiert auf der Zusammenarbeit mit Fertig Motors. „Das Joint Venture ist eine fantastische Verstärkung für unser Unternehmen“, ist H. Beckhoff überzeugt. Geplant ist, dass der gesamte Motion-­Bereich, bestehend aus Motoren und Antrieben, im Jahr 2020 einen 30-%-Umsatzanteil erzielen wird.

 

„XTS ist eine richtige Erfolgsstory“, setzt der Unternehmer fort. „Eine Vielzahl von Maschinenbauern haben Interesse angemeldet. XTS eröffnet eine komplett neue Dimension für konstruktive Vereinfachungen, zum Beispiel in der Transporttechnik, in Verpackungsmaschinen und in der Drucktechnik.“ Bereits jetzt gibt es einige Maschinenbauer, die das neue System einsetzen werden. Auch ein innovatives Unternehmen wie Beckhoff kann solche revolutionäre Technologien wie das XTS nicht tagtäglich herausbringen. „Eine Idee muss eine kritische Dichte bekommen, getrieben von technischer Machbarkeit sowie konkreter Kundenforderung“, so das Statement von H. Beckhoff.

 

Ronald Heinze

 

Weitere Informationen unter www.beckhoff.de als PDF downloaden

20 Jahre openautomation

Die Grundidee bleibt, die Dimensionen wachsen

„Eine Branche im Umbruch: Anwender fordern in aller Deutlichkeit kostensenkende, flexible und offene Automatisierungslösungen sowie Durchgängigkeit vom Sensor bis zum Management“ – dieser Grundanspruch hat sich über die letzten 20 Jahre nicht geändert, aber die Dimensionen, die neue Technologien mit sich bringen, lassen die Industrie 4.0 Wirklichkeit werden. Immer im Mittelpunkt dabei: Daten – das viel gepriesene Öl des 21. Jahrhunderts. Die Grundidee der vertikalen Integration bleibt, nur das Wording ändert sich heute.

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Normen

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Zum Schmunzeln

Mann beim Bäcker: „Ich hätte gerne vier Brötchen.“
Bäcker: „Wenn Sie nur drei nehmen, gibt es eins umsonst!“
(Mann überlegt, wer hier nun der Vollidiot ist.)
Copyright © VDE VERLAG GMBH, zuletzt aktualisiert am 18.08.2019