Industrie 4.0
12.07.2018

Bain: 2020er-Jahre werden eine Dekade der Arbeitsmarktextreme

In den 2020er-Jahren treffen eine rapide alternde Bevölkerung, ein Technologieboom und zunehmende Ungleichheit aufeinander und sorgen für Turbulenzen sowie Instabilität in Wirtschaft und Gesellschaft. Vor diesem Hintergrund prognostiziert die internationale Managementberatung Bain & Company in ihrer Studie „Labor 2030: The Collision of Demographics, Automation and Inequality“ eine lang anhaltende Phase massiver ökonomischer und politischer Umwälzungen.

 

„Die kommende Dekade wird geprägt sein durch ein ungewöhnlich hohes Niveau an Volatilität“, betont Walter Sinn, Deutschlandchef von Bain & Company. Schon zu Beginn der 2020er-Jahre sollen Arbeitskräfte zur Mangelware werden. In den USA nimmt die Zahl der Erwerbstätigen dann nur noch minimal zu, in Westeuropa geht sie sogar zurück.

Um das Defizit am Arbeitsmarkt zu kompensieren, werden die Unternehmen nach Bain-Einschätzung in neue Technologien investieren. Es wird erwartet, dass die Digitalisierung von Produktion und Dienstleistungssektor die Arbeitsproduktivität gegenüber 2015 im Schnitt um 30 % steigert. Da die Nachfrage deutlich langsamer wächst als das Produktionspotenzial, gehen Arbeitsplätze verloren. Bis zu 25 % aller Jobs könnten in den USA abgebaut werden, vermuten die Berater.

Für Deutschland gehen die Experten davon aus, dass es sich von diesem Negativtrend signifikant abhebt: Die heimische Industrie liefert Maschinen und Anlagen für die Modernisierung der Weltwirtschaft. Von der Digitalisierung profitieren indes auch hierzulande nur etwa 20 % der Berufstätigen. Das sind diejenigen, die für die Anforderungen der Zukunft passgenau qualifiziert sind. Während ihre Gehälter deutlich steigen, gerät die breite Mittelschicht in der kommenden Dekade immer stärker unter Druck. Die schon heute bestehende Ungleichheit bei den Einkommen und damit auch bei den Vermögen wird weiter zunehmen.

Die Erosion der Mittelschicht macht sich nach Experteneinschätzung gegen Ende der 2020er-Jahre als Wachstumsbremse bemerkbar. Flaut dann auch noch die Investitionstätigkeit ab, weil die Mehrheit der Unternehmen modernisiert ist, würden weltweit Stagnation oder gar Rezession drohen.

Risiken für Unternehmen

"Die turbulenten 2020er-Jahre bergen hohe Risiken für Unternehmen. So besteht beispielsweise die Gefahr erheblicher Zinsschwankungen. Der Investitionsboom könnte zunächst einen abrupten Zinsanstieg auslösen. Doch schwächt sich die Wirtschaft zum Ende der Dekade ab, sinken die Zinsen wieder in Richtung Nulllinie", heißt es in einer Pressemeldung weiter.

Auch die sozialen Folgen von Alterung, Arbeitslosigkeit und Ungleichheit stellen laut Bain eine Bedrohung dar. Zudem könne es durch die schnell wachsende Zahl von Rentnern, die von immer weniger Berufstätigen unterhalten werden müssen, zu ernsthaften Finanzierungsproblemen in den Sozialsystemen kommen. Derartige Generationenkonflikte würden die durch die steigende Ungleichverteilung der Einkommen ohnehin instabile politische Situation weiter verschlechtern. Regierungen dürften darauf mit strikterer Regulierung der Märkte, verschärftem Kartellrecht oder höheren Steuern reagieren.

„Unternehmen können sich auf die extreme Volatilität der 2020er-Jahre vorbereiten“, erklärt Sinn. „Gefragt sind Flexibilität und Widerstandsfähigkeit. Und sie müssen insbesondere mit ihrem Produktportfolio ein breiteres sozioökonomisches Spektrum abdecken. Sich rein auf die Nachfrage einer relativ wohlhabenden Mittelschicht zu verlassen, reicht dann nicht mehr aus.“

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