Scada & Prozessleitsysteme
24.03.2014

Wachstumsstrategie basierend auf Innovationen

Mit innovativer Technologie wird B&R Deutschland den Wettbewerbsvorsprung seiner Kunden weiter ausbauen, neue Märkte erschließen und vor­handene Märkte systematisch ausbauen. openautomation sprach mit dem neuen Geschäftsführer Markus Sandhöfner über die Wachstumsstrategie.

Stabwechsel bei B&R: Frank Winter übergibt die Geschäftsführung an Markus Sandhöfner

Das Unternehmen B&R sieht sich als Vorreiter für moderne Steuerungs- und Visualisierungskonzepte und gehört zu den führenden Innovationstreibern in der Automatisierungstechnik. Nach gut 30 Jahren stand nun ein Stabwechsel in der Geschäftsführung an: Markus Sandhöfner (47) ist seit Anfang des Jahres neuer Geschäftsführer von B&R Deutschland und tritt die Nachfolge von Frank Winter (66) an, der dem Unternehmen weiterhin beratend zur Seite stehen wird. M. Sandhöfner ist seit 13 Jahren in unterschiedlichen Positionen im Unternehmen B&R tätig, seit 2010 bereits als Mitglied der Geschäftsführung B&R Deutschland. Der gebürtige Baden-Württemberger bringt 20 Jahre Erfahrung im Maschinenbau mit.

Kompakte X20-Steuerung und integrierte IO-Module mit Reaction Technology

Wettbewerbsvorsprung weiter ausbauen

„Wir wollen gemeinsam mit unseren Kunden unsere starke Position am Markt weiter ausbauen", definiert M. Sandhöfner das Ziel von B&R Deutschland für die nächsten Jahre. Auch die Nähe zu den Kunden und das umfassende Service­angebot werden zentrale Elemente bleiben. M. Sandhöfner versichert, dass sich die Geschwindigkeit der Erfolgsgeschichte nicht reduzieren wird. Dabei stellt der neue Geschäftsführer heraus, dass nur zusammen mit den Mitarbeitern das Tempo beibehalten werden kann.

Wie soll zukünftig weiteres Wachstum realisiert werden? Mit seinem umfassenden Portfolio bietet B&R Lösungen für den Maschinen- und Anlagenbau, für die Fabrikautomatisierung und für die Prozessindustrie. „Wir unterscheiden uns in diesem Punkt wesentlich von unseren Marktbegleitern", so M. Sandhöfner. „Wir bieten mehr. Mit Aprol und mit Automation Studio eröffnen wir einen durchgängigen Zugang für bislang getrennte Welten." B&R durchdringt einerseits die Automatisierungspyramide von der Aktorik bis hinauf zur MES-Ebene. Andererseits können mit dem Prozessleitsystem Aprol komplette Leitwarten ausgestattet werden.

Wichtig ist nach Meinung von M. Sandhöfner das direkte Gespräch mit den produzierenden Endkunden: „Die Durchgängigkeit unserer Lösungen bietet Fabrikbetreibern wertvolle Vorteile." Hier spielen in der Fabrikautomatisierung die Maschinen- und Anlagenvernetzung, das Energiemonitoring oder -management sowie die Wartung ohne unnötige Stillstände die entscheidende Rolle.

Lösung für Wartung, Energiemanagement Vernetzung von Informationen

„Unser Schlüsselprodukt hierfür ist Aprol, welches die Lösung sowohl für die Prozessautomation, die Fabrikautomation, Gebäudeautomation und Anlagenautomatisierung ist „Gerade in der Fabrikautomatisierung geht es heute immer mehr darum, Betriebsdaten zu erfassen, die Wartung auf den Punkt zu bringen, Energiemanagement nach ISO 50001, sogar mit aktiver Abschaltung, einzuführen", schließt M. Sandhöfner an.

Vom Antrieb bis zum Leitsystem: Integrierte Auto­ma­tisierung aus einer Hand

Speziell für diese Anwendungen wurden auf Aprol-Seite unterschiedliche Solution-Pakete, zum Beispiel für Energiemonitoring, Condition Monitoring, und die Prozessdatenerfassung, entwickelt. Es handelt sich dabei um Out-of-the-box-Lösungen, die auf einem Box-PC der Serie Automation PC 910 laufen. Anwender müssen lediglich Parameter einstellen und können die Lösung anschließend einsetzen. Die Erweiterung von Aprol zu einem kompletten Prozessleitsystem ist jederzeit möglich. „Heute führen Systembrüche zu immensen Mehraufwänden auf der Softwareseite", betont der B&R-Manager. „Mit Aprol steht eine durchgängige Software für alle Projekte zur Verfügung, die sich gerade auch für die Anforderungen der Endkunden hervorragend eignet."

Anwender mit kleineren Applikationen können auf eines der Solution-Pakete zurückgreifen. Wer eine umfassende Anlage automatisiert, kann direkt das Prozessleitsystem Aprol verwenden. Damit ist „B&R für alle Automatisierungsbelange der ideale Partner", so M. Sandhöfner.

Mit dem Softwaresystem Aprol lassen sich die neuen Anforderungen laut dem Manager einfach realisieren. Das Engineering wird effektiver. Die Skalierbarkeit ermöglicht die schrittweise Anpassung an wachsende Anforderungen, auch für größte Applikationen. Dabei basiert das System auf Linux, welches sich durch hohe Stabilität auszeichnet. „Darüber hinaus hilft es den Maschinenbauern, wenn B&R-Produkte in den Spezifikationen der Produktionswerke enthalten sind." M. Sandhöfner ist sich sicher, dass Maschinenbauer und Endkunden zusammen mit B&R „die Herausforderungen der Zukunft meistern".

Komplette Lösungen für Fabrikautomation

Ein Beispiel für ein solches erfolgreiches Projekt hat der langjährige B&R-Systempartner AEM August Elektrotechnik GmbH aus Hohenroda realisiert, der komplette Lösungen für die Fabrikautomation anbietet. Laut dem AEM-Geschäftsführer Robert Simla ging es darum, ein Plattformkonzept zu nutzen, mit dem sich unterschiedliche Anforderungen der Maschinen realisieren lassen. „Wir haben dafür das gesamte Portfolio von B&R integriert", betont R. Simla. Aprol ist dabei die Basis für das Data Information System Logiq. „Logiq unterscheidet sich von anderen Lösungen auf dem Markt durch das Reporting zwischen Arbeitsvorbereitung, Produktion, Instandhaltung, Qualitätsmanagement und vieles mehr."

Als Referenzprojekt nennt R. Simla das Stammwerk des Hightech-Herstellers für Traktoren der Premium Marke Fendt. „Ziel war hier, die effizienteste Schlepperproduktion der Welt zu realisieren." Der Systempartner war früh in die Entscheidungsprozesse eingebunden. Das System Logiq wurde dabei in Fendt View überführt, eine kundenspezifische Ausprägung von Logiq, welche für die unterschiedlichen Anlagentypen, wie Lackiertechnik, verfahrenstechnische Anlage, Tankstellen und vieles mehr, zum Einsatz kommt. Dafür wurde ein eigener Bedienbus auf Basis von Ethernet eingerichtet. R. Simla: „Wir visualisieren dabei jede Anlage bis in die Sensorebene." Das Scada-System Logiq übernimmt selbst Aufgaben von MES, zum Beispiel die Auftragssteuerung. „Auch der Geschäftsführer hat ein Terminal und sieht genau, was in der Produktion läuft", stellt R. Simla heraus. Die Störzeiten wurden um 95 % reduziert und vorbeugende Instandhaltungsmaßnahmen ermöglicht. Die Anlagenverfügbarkeit wird deutlich erhöht.

„Die Zusammenarbeit mit B&R hat uns als AEM in den Bereichen Prozessautomation mit Aprol und der Industrieautomation neue Wege, Möglichkeiten und somit neues Kundenpotenzial eröffnet", schließt R. Simla ab. „Die Zusammenarbeit wird weiter ausgebaut."

Schnell, lüfterlos und flexibel – Panel PC 900 Multitouch

Generic Motion Control – Basis für neue ­Maschinenkonzepte

Wachstumsmöglichkeiten für sein Unternehmen sieht M. Sandhöfner weiterhin auch im Maschinenbau, vor allem durch neue Maschinenkonzepte. Der ganzheitliche Generic-Motion-Control-Ansatz (GMC) von B&R verbindet Einzelachsbewegungen, Getriebe-, Kurvenscheibenfunktionen, CNC und Robotik – vervollständigt durch eine netzwerkbasierte reaktionsschnelle Sicherheitstechnik. Vorgefertigte Technologiefunktionen, wie Zugspannungs-, Druckmarkenregelung oder Querschneider, ermöglichen dem Maschinenbauer die Fokussierung auf seine Kernkompetenzen.

Die moderne Architektur von Software und Hardware unterstützt modulare Maschinenkonzepte. M. Sandhöfner nennt ein Beispiel für die hohe Flexibilität von GMC: „Wenn eine Maschine mit unterschiedlichen Antriebstechnologien, wie Frequenzumrichter, Schritt- und Servoantriebe sowie Hydraulikachsen, programmiert werden muss, kam es bisher zum Systembruch. Nicht aber mit unserer GMC-Technologie. Mit identischem Code können alle Antriebsarten realisiert werden." Damit werden Kosten im Engineering gespart. Auch führt laut dem Geschäftsführer das Zusammenspiel von Motion Control, Safety und industrieller Bildverarbeitung zu neuen Lösungen.

Ebenso werden Einzelaufgaben mit Bravour gelöst, wie das Beispiel der neuen Lackierrobotergeneration T1 X5 von b+m Surface Systems zeigt. Lackierungen werden immer aufwendiger. Um verschiedene Lacksysteme mit höchster Präzision auftragen zu können, bedarf es hochflexibler Anlagen für schnelle Farbwechsel und geringen Lackverbrauch bei gleichbleibenden Oberflächenqualitäten. Der Lackierroboter spielt dabei eine zentrale Rolle. „Wesentliche Ziele bei der Entwicklung unserer neuen Robotergeneration waren unter anderem die optimale Nutzung moderner Antriebs- und Regelungstechnik sowie die Einführung eines ­neuen Bedien­konzepts. Dies erforderte den Einsatz einer neuen Robotersteuerung. Mit B&R konnte ein Steuerungslieferant gewonnen werden, der alle Hardware- und Softwareanforderungen vollumfänglich erfüllt", resümiert Sebas­tian Merz, geschäftsführender Gesellschafter von b+m.

M. Sandhöfner schließt an: „Mit unserer Technologie erreichen wir ganz neue Anwendungsfelder, wie das Beispiel b+m zeigt. Im Robotikbereich sind wir ebenso vertreten wie in neuen Fügeverfahren für die Automobiltechnik, in der Gussbearbeitung und im Handhabungsbereich." Er ergänzt: „Unsere Technologie setzt sich zunehmend in neuen Anwendungen durch, für welche B&R vor wenigen Jahren noch nicht bekannt war. Oder wir erweitern erfolgreich bestehende Applikationen."

Die dezentrale und integrierte Sicherheitstechnik des Unternehmens unterstützt laut M. Sandhöfner neue Sicherheitskonzepte für Maschinen. Das integrierte Sicherheitskonzept Smart Safe Reaction und die integrierte Antriebstechnik Safe Motion Control beschleunigen die Inbetriebnahme und erlauben dem Maschinenbauer, flexiblere und energiesparende Lösungen umzusetzen: „Die funktionale Sicherheit wird einmal programmiert und aus einem Softwareprojekt werden unterschiedliche Module erstellt, die bei der Inbetriebnahme über den Bildschirm in beliebiger Kombination ausgewählt werden können."

Darüber hinaus können Maschinen in einer sicheren, reduzierten Geschwindigkeit weiterlaufen, während manuell in den Prozess eingegriffen wird. Im Anschluss an die Behebung des Fehlers beschleunigt die Maschine sofort wieder auf Produktionsgeschwindigkeit. Ohne die Maschine komplett abzuschalten, werden Fehler schnell behoben. „Ebenso können sicherheitsgerichtete Module in der Anlage einfach ausgetauscht werden, alles andere inklusive der Überprüfung läuft automatisch", ergänzt der B&R-Mann.

Neue Dimension der Geschwindigkeit

Als weiteres Beispiel für neue Anwendungen nennt M. Sandhöfner die Reaction Technology: Überall, wo schnellste Reaktionen erforderlich sind, bietet sich die in IO-Modulen der X20- und der X67-Reihe integrierte Reaction Technology an, mit der Zykluszeiten von 1 µs realisiert werden. „Wir erreichen hinsichtlich der Geschwindigkeit eine neue Di­men­sion, die vorher nicht möglich war", betont der Geschäftsführer. „Mit anderen Lösungen im Markt wird entweder nicht unsere Geschwindigkeit erzielt oder es gibt Einschränkungen bei Flexibilität und Modularität."

Wie auch GMC ist die Reaction Technology ein wichtiger Bestandteil des So­lu­tion-Pro­gramms Scalability+: „Mit unserem Programm gelingt es Ma­schi­nen­bauern, neben dem Highend-Bereich auch das mittlere Spektrum zu besetzen, ohne bei der Automatisierungstechnik Systembrüche hinnehmen zu müssen", stellt der Manager heraus. Die einmal geschriebene Software können Maschinenbauer für eine Erweiterung der Maschinenfamilie wiederverwenden und unterschiedliche Leistungsausprägungen ihrer Maschinen generieren. So können sie sehr effizient Märkte bedienen, in denen die Highend-Maschinen zu ­teuer wären. Auf dieser Basis erschließen sich Maschinenbauer mit minimalem Investment in Midrange-Maschinen neue Märkte und bereiten dort den Weg für den zukünftigen Verkauf ihrer Topmaschinen. Automatisierungstechnik von B&R ist damit nicht nur selbst hochflexibel und an die Anforderungen der Kunden anpassbar, sondern ermöglicht gerade deswegen einen skalierbaren Maschinenbau.

www.br-automation.com

 

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20 Jahre openautomation

Die Grundidee bleibt, die Dimensionen wachsen

„Eine Branche im Umbruch: Anwender fordern in aller Deutlichkeit kostensenkende, flexible und offene Automatisierungslösungen sowie Durchgängigkeit vom Sensor bis zum Management“ – dieser Grundanspruch hat sich über die letzten 20 Jahre nicht geändert, aber die Dimensionen, die neue Technologien mit sich bringen, lassen die Industrie 4.0 Wirklichkeit werden. Immer im Mittelpunkt dabei: Daten – das viel gepriesene Öl des 21. Jahrhunderts. Die Grundidee der vertikalen Integration bleibt, nur das Wording ändert sich heute.

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(Mann überlegt, wer hier nun der Vollidiot ist.)
Copyright © VDE VERLAG GMBH, zuletzt aktualisiert am 17.10.2019