Data Processing & Analytics
27.02.2019

Multifunktions-Tool für Profiwerkzeuge

Der Motorsägen- und Motorgerätehersteller Stihl hat sich seit seiner Gründung vor mehr als 90 Jahren vom Einmann-Betrieb zu einem international tätigen Hersteller entwickelt. Die Produktion erfolgt heute weltweit in sieben Ländern. Dabei müssen die Anlagenbetreiber und Instandhalter in ­jeder Fertigungsstätte den Überblick behalten. Das gilt auch im Hinblick auf die Softwareversionen oder Anlagendokumentationen. Hier setzt das Traditionsunternehmen auf eine Softwarelösung aus dem Haus Auvesy.

Motorsägen von Stihl: Kraftpakete und Profi-Werkzeuge (Bild: Andreas Stihl AG & Co. KG, Waiblingen)

Motorsägen von Stihl: Kraftpakete und Profi-Werkzeuge (Bild: Andreas Stihl AG & Co. KG, Waiblingen)

Die Stihl-Gruppe entwickelt, fertigt und vertreibt motorbetriebene Geräte für die Forst- und Landwirtschaft sowie für die Landschaftspflege, die Bauwirtschaft und private Gartenbesitzer. 2017 haben die 15.875 Mitarbeiter weltweit einen Umsatz von rund 3,8 Mrd. € erwirtschaftet. Dabei werden die Produkte grundsätzlich über den servicegebenden Fachhandel vertrieben. Produktionsstandorte finden sich in Deutschland, USA, Brasilien, Schweiz, Österreich, China und auf den Philippinen. Stammsitz ist Waiblingen.

Die Ausgangssituation

Die Instandhaltung ist in den Stihl-Fertigungsstätten zweiteilig organisiert: Jeder Produktionsbereich hat seine Instandhalter-Teams, die mit hoher Anlagenkenntnis das „Tagesgeschäft“ betreuen. Übergeordnet gibt es einen zentralen Instandhalter-Pool mit Spezialisten, welche die Teams vor Ort unterstützen, wenn es zeitlich eng wird oder spezielles Know-how gefordert ist. Ein Austausch zwischen den Instandhaltern der Werke in Waiblingen und Ludwigsburg ist aufgrund der räumlichen Nähe einfach. Mit den Instandhaltern in der Schweiz, den USA, Brasilien oder China gibt es ­einen weniger häufigen, allerdings nicht weniger intensiven Austausch, beispielsweise in Workshops oder durch die Mitarbeiter des hauseigenen Betriebsmittelbaus.

Der hauseigene Betriebsmittelbau, der Fertigungsmittel und Anlagen für die einzelnen in- und aus­ländischen Werke entwickelt und realisiert, wird als einer der Wettbewerbsvorteile von Stihl angegeben. Im Betrieb gilt es als Vorteil, „dass der Anlagenbauer im Haus und daher schnell verfügbar ist“, wie Thomas Ruppmann, seit 1991 bei Stihl in der zentralen Elektrokonstruk­tion tätig, bemerkt. „Wenn wir eine Anlage bauen, dann sind wir ein Maschinen­leben lang in der Verantwortung. Von daher haben wir schon bei der Planung und beim Bau ein Interesse daran, dass die Anlage qualitativ hochwertig ist und wenig Probleme bereitet.“ Ziel ist es, eine möglichst hohe Verfügbarkeit der Produktionsanlagen zu erreichen.

Datenarchivierung – früher und heute

Der hauseigene Betriebsmittelbau wird als wichtiger Wettbewerbsvorteil bei Stihl gesehen (Bild: Andreas Stihl AG & Co. KG, Waiblingen)Der hauseigene Betriebsmittelbau wird als wichtiger Wettbewerbsvorteil bei Stihl gesehen (Bild: Andreas Stihl AG & Co. KG, Waiblingen)

T. Ruppmann erinnert sich noch gut an den Beginn des Sicherungszeitalters. Seinerzeit sei die Datenverwaltung noch kein Problem gewesen, „zumindest, wenn es um die Suche nach der aktuellsten Softwareversion ging“, sagt er. Damals habe es sehr voluminöse Programmiergeräte gegeben, die auf eigenen Wagen in die Fertigung gefahren wurden. „Es war klar, wo sich die Daten befinden“, erinnert er sich. Mit Beginn der Datensicherung auf Diskette, erst recht mit den USB-Sticks, wurde es schwieriger: Es bestand das Risiko, Datenträger zu verlieren.

2009 führte Stihl dann die Ver­sions- und Datenmanagementsoftware Versiondog von Auvesy ein.Der Grund damals war allerdings weniger der Leidensdruck bei der Suche nach der jeweils aktuellen Softwareversion, sondern vielmehr das Bestreben, Prozesse zu optimieren. „Wir wollten auch an dieser Stelle besser werden“, sagt T. Rupp­mann, der zu den Versiondog-Anwendern der ersten Stunde zählt. Zuvor hatte er mit dem Vorgängerprodukt Version-Works gearbeitet und begleitete den Umstieg auf Versiondog.

Nach und nach wurden alle Anlagen und Bereiche der Produktion in Versiondog implementiert. Heute sind es etwa 220 User, die am Stihl-Stammsitz in Waiblingen mit der Software arbeiten. Hier geht es aber nicht nur um die Fertigung selbst, auch wenn Produktionsanlagen den Schwerpunkt bei der Versiondog-Nutzung ausmachen. Auch die Gebäudetechnik arbeitet damit: Schaltpläne sind ebenso abgelegt wie Programme zur Lüftungs- oder Lichtsteuerung. Da­rüber hinaus legen die Verantwortlichen für die Qualitätssicherung Prüfvorschriften ab.

Die Anforderungen an diese Bereiche sind differenziert. Entsprechend unterschiedlich sind die Zugriffsrechte vergeben. So braucht das ­Facility Management andere Informa­tionen als die Fertigung. Deshalb ist es wichtig, dass mit Ver­siondog die Vergabe unterschiedlicher Zugriffsrechte möglich ist. Besonders restriktiv werden die Zugriffsrechte im Betriebsmittelbau gehandhabt, vor allem wenn es um Know-how-trächtige Anlagen geht. Daher kommt Versiondog nicht erst in der lau­fenden Anlage zum Einsatz, wie T. Ruppmann berichtet: „Wir nutzen das System im Betriebsmittelbau schon bei der Anlagenerstellung, um Zwischenstände zu archivieren.“ Manchmal stelle sich im Laufe der Inbetriebnahme heraus, dass ein Abschnitt neu programmiert werden müsse. Dann sei es vorteilhaft, wenn auf eine Vorgängerversion zurückgegriffen werden könne.

Einsatz als Multifunktions-Tool

„Auf jeden Fall haben wir ein Tool, mit dem wir an Ort und Stelle auf alle erforderlichen Informationen über die Anlage zugreifen können. Und oft reduziert dieser schnelle Zugriff auch die Stillstandszeiten einer Anlage“, sagt T. Ruppmann. Mithilfe eines flächendeckenden WLAN sind über die Software nicht nur die Programmstände der jeweiligen SPS, sondern auch elektrische und pneumatische Schaltpläne, sogenannte „Quicktipps“, in allen Produktionsbereichen vor Ort verfügbar. Also Einstellhinweise oder Unterlagen mehr oder weniger exotischer Baugruppen.

Gestartet hatte man das Versiondog-Projekt klassisch mit der Sicherung von SPS-Software. Je sicherer man bei der Handhabung und Bedienung wurde, desto mehr Möglichkeiten haben sich den Anwendern gezeigt. Außerdem wird als Vorteil herausgestellt, dass auch die benötigten Editoren inte­griert sind und in gewohnter Umgebung gearbeitet werden kann. „Wir mussten lediglich die Verzeichnis- bzw. Ablagestruktur definieren. Vom System her war kein Programmieraufwand notwendig“, berichtet T. Ruppmann.

Die visualisierte Dartstellung der Versionsunterschiede zeigt Änderungen auf einen BlickDie visualisierte Dartstellung der Versionsunterschiede zeigt Änderungen auf einen Blick

Inzwischen sind in allen deutschen Stihl-Werken rund 3.000 Anlagen in Versiondog archiviert, in der Summe sind das circa 7.600 Komponenten. Als Standard wurden für jede Anlage drei Komponenten definiert: die Software, das heißt das Steuerungsprogramm, Schaltpläne und die Dokumenta­tion. Bei Bedarf lassen sich die Komponenten weiter mit Unterverzeichnissen strukturieren oder durch Komponenten für eine Roboter- oder Schraubersteuerung ergänzen. Unter „Dokumentation“ können sich vielerlei Informationen verbergen: PDF-Dokumente ebenso wie Exceltabellen – alles, was (steuerungstechnisch) als Dateiformat vorkommen kann. Seit Beginn der Datenaufzeichnung wurden insgesamt mehr als 46.000 Versionen im Archiv gespeichert. Der Speicherbedarf auf dem Server beträgt weniger als 1,5 GB. Standardmäßig wird bei Stihl immer nur die letzte Version heruntergeladen.
Die Anlagensicherung erfolgt täglich. Zusätzlich ermöglichen es die Back-ups, unbeabsichtigte Änderungen zu detektieren. Sie laufen im Hintergrund; müssen also nicht gezielt beobachtet werden. Bei Auffälligkeiten wird sofort ein Mitarbeiter aus dem zuständigen Team per E-Mail benachrichtigt.
Zur qualitätsorientierten Arbeit gehört es im Unternehmen, auch bei der Datenmanagementsoftware mit der jeweils neuesten Version zu arbeiten. Updates werden zeitnah eingespielt.

Fazit und Ausblick

Insgesamt ist bei Stihl durch die Einführung von Versiondog die ­Datenhaltung einfacher und sicherer geworden. Durch die zentrale Daten­ablage in Versiondog besteht nun auch kein Verlustri­siko von
Datenträgern mehr. T. Ruppmann bilanziert: „Versiondog ist ein rundes Tool, das uns die Arbeit immens ­erleichtert. Funktionalitäten wie der Versionsvergleich sind sogar deutlich besser als die Lösungen der einzelnen Gerätehersteller. Das macht Ver­siondog so attraktiv.“

Aufgrund der aktuellen Entwicklungen verändern sich Planung und Fertigung extrem schnell, sodass auch die Instandhaltung flexibler aufgestellt sein muss (Bild: Andreas Stihl AG & Co. KG, Waiblingen)Aufgrund der aktuellen Entwicklungen verändern sich Planung und Fertigung extrem schnell, sodass auch die Instandhaltung flexibler aufgestellt sein muss (Bild: Andreas Stihl AG & Co. KG, Waiblingen)

Aktuell noch nicht bei Stihl genutzt wird das Feature des webbasierten Anlagenstatus. Damit lassen sich hilfreiche aktuelle Zusatzinformationen, wie installierte Firm­ware, MLFB-Nummern, Force-Werte, Speicherauslastung oder auch Zykluszeitüberschreitungen, anzeigen und lokalisieren. Bei der großen Komponentenanzahl klingt die Lösung für T. Ruppmann jedoch sehr inte­ressant. „Gerne nutzen wir die Möglichkeit, den Anlagenstatus einmal testweise einzusetzen“, freut er sich auf die weitere Zusammenarbeit.

www.versiondog.de

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Die Grundidee bleibt, die Dimensionen wachsen

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Mann beim Bäcker: „Ich hätte gerne vier Brötchen.“
Bäcker: „Wenn Sie nur drei nehmen, gibt es eins umsonst!“
(Mann überlegt, wer hier nun der Vollidiot ist.)
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