Industrie 4.0
02.04.2015

Mit RAMI 4.0 und Industrie-4.0-Kom­ponente wichtige Zwischenziele erreicht

Die deutsche Elektotechnik- und Elektronikindustrie nimmt eine Schlüsselposition im Zusammenhang mit Industrie 4.0 ein. Über die Schwerpunkte des ZVEI-Führungskreises Industrie 4.0, Details zur Industrie-4.0-Komponente und zum Modell einer Referenzarchitektur sowie zu Use Cases informiert Gunther Koschnick, Geschäftsführer ZVEI-Fachverband Automation.

Gunther Koschnick ist Geschäftsführer des ZVEI-Fachverbands Automation (Bild: ZVEI)

Herr Koschnick, das Thema Industrie 4.0 beschäftigt nun seit gut drei Jahren intensiv die Branchen. Die großen Verbände, wie ZVEI, VDMA und Bitkom, haben in diesem Zusammenhang Handlungsfelder für sich definiert und Arbeitskreise gebildet. Bitte erläutern Sie zunächst die Schwerpunkte, die Sie im „Führungskreis Industrie 4.0“ innerhalb des ZVEI angehen.

G. Koschnick: Bevor ich zu den Schwerpunkten unserer Arbeit an Industrie 4.0 komme, lassen Sie mich eins vorweg sagen: Das vergangene Jahr war für die Elektroindustrie und den ZVEI im Bereich Industrie 4.0 ­erfolgreich. Die im ZVEI, dem Zentralverband der ­Elektrotechnik- und Elektronikindustrie, organisierten Mitgliedsunternehmen sehen Industrie 4.0 als große Chance. Eine Umfrage belegt, dass mehr als dreiviertel der Befragten erste Ansätze und Projekte zu Indus­trie 4.0 im eigenen Unternehmen realisieren oder sich als Anbieter von Komponenten für Industrie 4.0 auf dem Markt positionieren. Über fertige Lösungen verfügen nach eigenen Angaben aber erst gut 7?%. Vor allem einige große Unternehmen der Branche haben bereits aus eigener Kraft Industrie-4.0-Lösungen etabliert. Anstelle von Komplettlösungen handelt es sich aber eher noch um Insellösungen.

Das Ergebnis der Umfrage ist nicht verwunderlich. Die Elektroindustrie ist der Impulsgeber für jede dritte Innovation im Verarbeitenden Gewerbe. Sie schöpft ein Drittel ihrer Erlöse aus Produktneuheiten. Im Jahr 2013 lagen ihre Aufwendungen für Forschung und Entwicklung mit 14,4 Mrd. € auf Rekordniveau. Damit investierte sie mehr in Forschung und Entwicklung als die deutsche Chemieindustrie, die mit 10 Mrd. € an zweiter Stelle folgt. Das sind gute Voraussetzungen, um die Digitalisierung kompletter industrieller Wertschöpfungsketten, also Industrie 4.0, voranzutreiben.

Deshalb hat im Juni 2014 der ZVEI-Führungskreis als gemeinsames Sprachrohr der Unternehmen der Elektroindustrie zu Industrie 4.0 seine Arbeit aufgenommen. Seine Aufgabe ist es, die Nahtstelle zur Informations- und Kommunikationstechnologie (IKT) aus Sicht des Shop Floors zu definieren und die dabei entstehenden Modelle anhand von Use Cases, konkreter Fallstudien zur praktischen Anwendbarkeit von Industrie-4.0-Technologien, zu erproben. Anhand dieser Fallbeispiele lässt sich der direkte Nutzen der neuen Technologien auf­zeigen.

Ziel ist, die notwendigen Standards für Industrie-4.0-Anwendungen aus Sicht der Elektroindustrie mitzugestalten und voranzutreiben. Gleichzeitig stellen wir den weiteren Forschungsbedarf fest.

Unsere Stärke: Im Verband sind vom Sensor-/Aktor-Hersteller über Steuerungstechnikanbieter bis hin zu Leitsystem- und Industrie-Software-Anbietern alle Unternehmen organisiert, die auf die Ausgestaltung von Indus­trie-4.0-Anwendungen Einfluss nehmen. So lässt sich die gesamte Bandbreite des Shop Floors abbilden.

Bitte geben Sie einen kurzen Überblick über die bisherigen Meilensteine.

G. Koschnick: Vor der Hannover Messe können wir über wichtige Fortschritte berichten. Entgegen dem Vorwurf, die Standardisierung ginge beim Thema Industrie 4.0 nicht schnell genug voran, beweist der ZVEI zusammen mit seinen Partnern das Gegenteil. Über Verbandsgrenzen hinweg, in enger Zusammenarbeit mit Bitkom, VDMA und den Experten der Automatisierungsbranche (VDI/VDE-GMA, DKE und ZVEI), haben wir ein wich­tiges Zwischenziel erreicht: Es wurde ein Modell einer Referenzarchitektur für Industrie 4.0, das sogenannte RAMI 4.0, ausgearbeitet, an dem Anwendungen und Standards überprüft und der Standardisierungsbedarf festgestellt werden kann. Die Definition der „Industrie-4.0-Komponente“ beschreibt das reale Produkt mit ihrer IT-Verwaltungsschale, in der alle relevanten Daten verwaltet werden und die die Schnittstelle in das „Internet of Things und Services“ (IoT) bildet. Beides zusammen dient den Unternehmen als Basis zur Entwicklung zukünftiger Produkte und Geschäftsmodelle.

Der Fortschritt macht die Arbeit an den ZVEI-Use-Cases, die der Verband gemeinsam mit Vertretern der Anwenderindustrien vorantreibt, umso wichtiger. In den Use Cases werden die oben genannten Modelle auf Praxistauglichkeit getestet. Gleichzeitig wird der ZVEI den Nutzen der Industrie-4.0-Lösungen an konkreten Anwendungsfällen aus dem Produktionsumfeld von Endanwendern zeigen. Es freut uns sehr, dass wir das Fraunhofer-Institut für Produktionstechnik und Automatisierung für die Umsetzung der ZVEI-Use-Cases gewinnen konnten. Die Details dazu werden wir Interessenten in unseren ZVEI-Vorträgen im Forum Industrie 4.0 und im Forum Industrial Automation auf der kommenden Hannover Messe präsentieren.

Neben diesen „Einzelaktivitäten“ innerhalb Ihres Verbands gibt es innerhalb der Plattform Industrie 4.0, die von den drei zuvor genannten Verbänden gegründet wurde, ebenfalls Arbeitsgruppen. Dem Unbeteiligten mag die Abgrenzung nicht ganz klar sein. Können Sie hier etwas Licht ins Dunkel bringen?!

G. Koschnick: „Abgrenzung“ ist hier das falsche Wort. Die Plattform Industrie 4.0 und der ZVEI-Führungskreis grenzen sich mit ihrem Aufbau nicht voneinander ab. Denn Industrie 4.0 kann nur industrie- und verbändeübergreifend zum Erfolg geführt werden. Zwischen den Gremien des ZVEI-Führungskreises und der Plattform Industrie 4.0 findet ein reger Austausch statt.

Organisiert wird dieser Austausch seitens des ZVEI in den vier Gremien des Führungskreises, die den Aufbau der Verbändeplattform spiegeln. Hier haben wir auch eine Personalunion hergestellt: Die Mitglieder der Spiegelgremien sind auch in den jeweiligen Arbeitskreisen der Plattform aktiv. So können wir den konstanten Informationsfluss zwischen beiden Instanzen gewährleisten. Das ist der Beitrag der Elektroindustrie zur Arbeitseffizienzsteigerung in der Plattform.

Die vier Gremien sind dabei aber nicht nur Spiegel, sondern wachsen zu dem einheitlichen Sprachrohr der Elektroindustrie in der Verbändeplattform Industrie 4.0 heran: Der Führungskreis Industrie 4.0 sorgt für Austausch zwischen Elektroindustrie, IT-Branche und Anwendern. Dazu schafft er den Raum, den die Elektro­industrie braucht, um industrieinterne Lösungsansätze erarbeiten zu können
Das Spiegelgremium Strategie und Framework (SG1) steuert dabei die Arbeit der anderen Gremien im Führungskreis. Den Vorsitz im Führungskreis hat Prof. Dr. Dieter Wegener von der Siemens AG übernommen.

Welche konkreten Aufgaben hat der ZVEI im Zusammenhang mit der Plattform Industrie 4.0?

G. Koschnick: Dafür habe ich ein sehr aktuelles Beispiel: Wir haben in den letzten Wochen den Input für das Modell der Referenzarchitektur, das sogenannte RAMI 4.0, und die Industrie-4.0-Komponente aus Sicht der ZVEI-Automatisierungsunternehmen in der SG2, zuständig für Referenzarchitektur, Standards und Normung im ZVEI-Führungskreis, erarbeitet und in die Arbeitsgremien der Plattform weitergegeben.

 

 

Definition der Industrie-4.0-Komponente

www.zvei.org

 

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