Industrie 4.0
12.04.2016

Industrie 4.0 – Bedeutung für Deutschland

Zur Hannover Messe wird das Thema „Industrie 4.0“ wieder stärker von politischer Seite aus bestrahlt. Wo positioniert sich Deutschland beim Thema Digitalisierung im Ländervergleich, auf welchen Feldern ist der Handlungsbedarf am größten und welche Auswirkungen hat das Thema auf die Arbeitswelt von morgen? Im Exklusivinterview gibt Bundesforschungsministerin Prof. Dr. rer. nat. Johanna Wanka Antworten auf diese und weitere Fragen.

Frau Prof. Dr. Wanka, der ursprünglich von der deutschen Bundesregierung ins Leben gerufene Begriff „Industrie 4.0“ hat mittlerweile weltweite Verbreitung gefunden. Wo sehen Sie Deutschland im Vergleich zu den USA, Japan und China beim Thema Industrial Internet of Things/Industrie 4.0/Digitalisierung positioniert?

Prof. J. Wanka (Bild: Presse- und Informationsamt der Bundesregierung):  Wir setzen in Deutschland klare Schwerpunkte, wie auch beim Weltwirtschaftsgipfel zu hören war: „Deutschland kann IT – bei Industrie 4.0“. Japan setzt auf die Robotik, um mit einer alternden Erwerbsbevölkerung produktiv zu bleiben. Die USA versuchen, ihre Stärken bei der Internet-Technologie aus­zuspielen, und setzen beim Internet der Dinge auf Alltagsanwendungen in intelligenten Umgebungen. Wir in Deutschland wollen unsere Produktions- und Systemkompetenz erhalten und ausbauen, um unseren Produktionsstandort dauerhaft zu sichern. Alle mit uns konkurrierenden Industrienationen wissen, dass Deutschland technologisch und organisatorisch über die Voraussetzungen verfügt, Industrie 4.0 umzusetzen. Und sie trauen uns auch zu, Industrie 4.0 zu einem Erfolgsmodell zu machen.

In welchen Industrie-4.0-Forschungsbereichen sehen Sie aktuell den größten Handlungsbedarf und wie reagiert das BMBF darauf?

Prof. J. Wanka: Fast 90 % der Unternehmen vor allem im Mittelstand haben Bedenken bei der IT-Sicherheit bei Industrie 4.0 und dem Schutz ihrer sensiblen Daten. Wir haben daher ein großes Forschungsprogramm zu dem Thema gestartet. Und mit dem Nationalen Referenz­projekt für IT-Sicherheit in der Industrie wollen wir erreichen, dass Forschungsergebnisse schnell Anwendung finden.

Auf der letztjährigen Hannover Messe hatten Sie und Wirtschaftsminister Sigmar Gabriel eine stärkere Zusammenarbeit beim Thema Industrie 4.0 auf europäischer Ebene angekündigt. Bitte geben Sie einen kurzen Einblick in den Stand der Dinge.

Prof. J. Wanka: Wir treiben die Internationalisierung  stark voran. Insbesondere mit Frankreich, Italien und der Tschechischen Republik stärken wir gerade die Kooperation, aber auch mit den Niederlanden, den Briten und natürlich der EU-Kommission entwickeln wir Industrie 4.0 in Europa weiter. Ein wichtiges Thema dabei ist neben der Forschung der Bereich der Standardisierung. Wirtschafts- und Forschungsressort stimmen ihre Aktivitäten zu Industrie 4.0 sehr eng ab.

Bei einem großen Teil der deutschen Bevölkerung gilt Industrie 4.0 nach wie vor als Jobkiller. Und sogar in der Industrie fürchten viele Beschäftigte mit zunehmender Umsetzung der Industrie 4.0 um ihren Arbeitsplatz. Wie lautet Ihre Argumentation zu diesem Thema?

Prof. J. Wanka: Furcht ist ein schlechter Ratgeber. Ein Blick in die Geschichte zeigt, dass mit jeder industriellen Revolution auch völlig neue Beschäftigungsfelder entstanden sind. Sie müssen aber frühzeitig identifiziert werden, um sie nutzen zu können. Daher hat die Bundesregierung in der Hightech-Strategie das Thema Zukunft der Arbeit zu einem Schwerpunkt gemacht. Unser Ziel ist es, den Wandel in der Produktion aktiv und nach unseren Vorstellungen zu gestalten. Wir wollen fundiert mitreden, wenn es darum geht, auch in der Zukunft gute und viele Arbeitsplätze in Deutschland zu haben. Da sind wir dran und ich bin zuversichtlich, dass wir das Potenzial von Industrie 4.0 heben und den Umbruch zu unserem Vorteil gestalten können.

Der IT-Gipfel im Herbst 2015 hat sehr deutlich die Bedeutung der Aus- und Weiterbildung rund um das Thema Industrie 4.0 aufgezeigt. Was wird von politischer Seite aus getan, um hierauf zeitnah zu reagieren?

Prof. J. Wanka: Das BMBF unterstützt natürlich auch die Modernisierung der Aus- und Weiterbildung. Das Stichwort hier lautet „Initiative Berufsbildung 4.0“ zur Modernisierung der Ausbildungsberufe. Mit den Unternehmen sollen veränderte Anforderungen an die Qualifikation der Facharbeiter und Facharbeiterinnen erkannt, die quantitativen und qualitativen Auswirkungen erfasst und abgeschätzt werden. Ziel ist die Ableitung entsprechender Handlungsempfehlungen. Die berufliche Aus- und Weiterbildung muss mit der wachsenden Dynamik veränderter Qualifikationsanforderungen nicht nur Schritt halten, sondern aktiv die berufliche Handlungsfähigkeit sichern – das ist gemeint mit „Berufsbildung 4.0“.

Die diesjährige Hannover Messe erfährt aufgrund des Obama-Besuchs höchste Aufmerksamkeit. Wie wird die Plattform Industrie 4.0 diese nutzen, um die deutsche Industrie-4.0-Kompetenz in die Welt zu tragen?

Prof. J. Wanka: Die Plattform Industrie 4.0 sehe ich sehr gut vorbereitet. Sie ist einer der Organisatoren des Forums Industrie 4.0, bestreitet das Programm am ganzen zweiten Messetag und bei diversen Veranstaltungen danach und sie ist vernetzt mit ihren Mitgliedern, die sich als ausstellende Unternehmen auf dem gesamten Messegelände präsentieren.

Für mich ist die wichtigste Botschaft der Messe, dass auf vielen Messeständen schon Produkte zu sehen sind, die Industrie 4.0 ermöglichen. Die Landkarte der Plattform mit über 200 Anwendungsbeispielen hat schon zum IT-Gipfel gezeigt, wie weit Industrie 4.0 in Deutschland heute in der Praxis ist. Die Maschinen, Anlagen und die Komponenten für Industrie 4.0 gibt es heute schon. Viele neue und innovative Ansätze werden auf der Hannover Messe zu sehen sein.

Die USA sind Partnerland der Hannover Messe. Werden sich die Plattform Industrie 4.0 und das IIC in Hannover ebenfalls als Partner präsentieren – und in welcher Form?

Prof. J. Wanka: Die Plattform Industrie 4.0 und das Industrial Internet Consortium haben Anfang März ihre Kooperationspläne vorgestellt. Die Amerikaner wollen das Internet der Dinge in der Breite abdecken, die deutschen Partner haben schon ein vergleichsweise detailliertes Modell für den Industriesektor entwickelt, das weltweit Interesse gefunden hat. Beide Initiativen sehen, dass sich das gut ergänzt, und wollen ihre bisherigen Ergebnisse nun gemeinsam nutzen und vorantreiben.

Autor: Inge Hübner

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Kompetenzbündelung im Forum Industrie 4.0

Auf der diesjährigen Hannover Messe wird mit dem Forum Industrie 4.0 das voraussichtlich weltweit größte Forum zur Digitalisierung in der Produktion präsentiert. Erstmals kooperieren VDMA, ZVEI und die Plattform Industrie 4.0 in diesem Jahr mit dem Industrial Internet Consortium (IIC) bei der Ausrichtung des Forums. Die Schirmherrschaft haben das BMBF und das BMWi übernommen.

„Gemeinsam mit unseren Partnern bieten wir eine Plattform zum Erfahrungsaustausch und zur Diskussion“, erläutert Marc Siemering, Geschäftsbereichsleiter der Hannover Messe, das Ziel des Forums. „Dank der Zusammenarbeit der deutschen Verbände mit dem IIC kommen in diesem Jahr die wichtigsten Treiber der industriellen Vernetzung in Hannover zusammen. Für den Besucher bedeutet dies: Er bekommt den globalen Überblick über Strategien, Standards, Geschäftsmodelle und Datensicherheit in Sachen Indus­trie 4.0.“ 

Ein Schwerpunkt des Forums wird die Diskussion über Standards für die Kommunikation im industriellen Internet der Dinge sein. Industrie 4.0 ermöglicht die firmenübergreifende Vernetzung und die Integration verschiedener Wertschöpfungsnetzwerke. Hierzu sind Normen und Standards von grundlegender Bedeutung. Gleichzeitig heißt es aber auch „security first“. Die IT-Sicherheit ist für den geschützten Betrieb unternehmensübergreifender Fertigungsprozesse essenziell. Das Forum Industrie 4.0 widmet sich unterschiedlichen Cloud-Lösungen und der Fragestellung, wie Unternehmensdaten gesichert werden können. Für den Anwender bieten sich durch Industrie 4.0 große Potenziale zur Steigerung von Effizienz, Qualität und Flexibilität. Das Auswerten und Zusammenbringen der Daten, die im IT-gesteuerten Produktionsprozess entstehen, sehen viele als den Schlüssel zu neuen Geschäftsmodellen. Deshalb steht auch dieses Thema auf der Tagesordnung des Forums. 

Roadmap von IIC und Plattform Industrie 4.0

Anfang März hatten die Plattform Industrie 4.0 und das IIC ihre Zusammenarbeit bekanntgegeben: Die beiden Initiativen wollen bei der Standardisierung kooperieren und gemeinsame Testumgebungen nutzen. Außerdem sollen die beiden Architekturmodelle RAMI (Referenzarchitekturmodel für Industrie 4.0) und IIRA (Industrial Internet Referenzarchitektur) einander angeglichen werden, um eine künftige Interoperabilität der Systeme sicherzustellen. Dazu wurde eine gemeinsame Roadmap entworfen. Detaillierte Informationen dazu gibt es auf dem Forum.

Das Forum Industrie 4.0 findet an allen Messetagen in der Zeit von 10.00 Uhr bis 18.00 Uhr in Halle 8, Stand D19 statt. Die Eröffnung erfolgt durch Prof. Dr. Johanna Wanka am ersten Messetag um 10.00 Uhr. Das Programm steht auf www.hannovermesse.de zur Verfügung.

 

 

 

20 Jahre openautomation

Die Grundidee bleibt, die Dimensionen wachsen

„Eine Branche im Umbruch: Anwender fordern in aller Deutlichkeit kostensenkende, flexible und offene Automatisierungslösungen sowie Durchgängigkeit vom Sensor bis zum Management“ – dieser Grundanspruch hat sich über die letzten 20 Jahre nicht geändert, aber die Dimensionen, die neue Technologien mit sich bringen, lassen die Industrie 4.0 Wirklichkeit werden. Immer im Mittelpunkt dabei: Daten – das viel gepriesene Öl des 21. Jahrhunderts. Die Grundidee der vertikalen Integration bleibt, nur das Wording ändert sich heute.

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Zum Schmunzeln

Mann beim Bäcker: „Ich hätte gerne vier Brötchen.“
Bäcker: „Wenn Sie nur drei nehmen, gibt es eins umsonst!“
(Mann überlegt, wer hier nun der Vollidiot ist.)
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