Industrie 4.0
05.08.2015

Im Innovationsdialog mit dem Kunden

Von Reaction Technology über Scalability+ bis hin zu Mapp Technology hat B&R in den letzten Jahren viele innovative Technologien auf den Markt gebracht. Nun möchte das deutsche Team diese seinen Kunden und Interessenten noch näher bringen. Auf den Innovation Days in Bad Homburg sowie in Innovation Workshops sollen Entscheidern und Anwendern diese erlebbar gemacht werden. openautomation sprach mit Markus Sandhöfner, Geschäftsführer B&R Deutschland, über die Details, Inhalte und Ziele.

Markus Sandhöfner ist Geschäftsführer von B&R Deutschland (Bild: B&R)

Herr Sandhöfner, am 29. und 30. September veranstalten Sie erstmals die Innovation Days in Bad Homburg. Sind diese als deutsches Pendant zum jährlich stattfindenden B&R User Meeting in Salzburg zu verstehen – also mit einem ähnlichen Angebotsspektrum, oder worin unterscheiden sich die beiden Veranstaltungen voneinander?

M. Sandhöfner: Die Innovation Days stellen eine Ergänzung zum bereits seit vielen Jahren etablierten B&R User Meeting in Salzburg dar. An diesem nahmen aus deutschen Reihen bislang vorwiegend Kunden aus dem süddeutschen Raum teil. Mit den Innovation Days möchten wir nun alle deutschsprachigen Kunden zu einem zen­tral gelegenen Veranstaltungsort einladen, sich über neue Technologien zu informieren, ihr Wissen zu vertiefen, Anregungen für die tägliche Arbeit mitzunehmen und Networking zu betreiben.

Hinsichtlich des Programms und der technischen Inhalte lehnen wir uns an dem Erfolgsmodell des User Meetings an: Das zweitägige Programm setzt sich im Wesentlichen aus Gastvorträgen, Referaten von B&R-Entwicklern sowie Workshops zusammen. Im Unterschied zum User Meeting werden wir uns bei den Gastrednern auf Vertreter von deutschen Universitäten und Referenzkunden konzentrieren. Außerdem gibt es einen größeren Ausstellungsbereich mit Live-Vorführungen.
Wichtig ist es uns, in jedem einzelnen Vortrag und Workshop einen Praxisbezug herzustellen und dem Teilnehmer den konkreten Nutzen der Technologie aufzuzeigen. Die Teilnehmer sollen am Ende der zwei Tage nach Hause gehen und etwas für ihre tägliche Arbeit mitnehmen. Unser übergreifendes Motto lautet dabei: Umsetzung von Automatisierung unter dem Zeichen von Industrie 4.0 in der Praxis. Im Fokus stehen dabei die Themen Software und Software Engineering, modulare Sicher­heitstechnik und Industrie 4.0.

Bitte nennen Sie einige Highlight-Vorträge zum Stichwort Industrie 4.0.

M. Sandhöfner: Wir spannen mit dem Auftakt- und dem Schlussvortrag sozusagen einen Industrie-4.0-Bogen. Dabei befasst sich Prof. Jürgen Fleischer von der Universität Karlsruhe in seiner Keynote ganz allgemein mit dem Thema „Wie lässt sich Industrie 4.0 in der Praxis umsetzen?“.

Im Abschlussvortrag am zweiten Tag erläutert Prof. Michael Burmester von der Stuttgart Media University konkreter das Thema „User Interface im Zeichen von Industrie 4.0“. In diesem gibt er Kunden und Interessenten Tipps und Anregungen, wie beispielsweise zukünftige Benutzeroberflächen gestaltet sein müssen, um die Datenflut, die die Digitalisierung innerhalb der gesamten Maschine mit sich bringt, optimal abzubilden. Die Teilnehmer erfahren, wie durch ein einfach und intuitiv zu bedienendes User Interface die Effizienz und Effektivität der Maschine gesteigert werden können.  

Der dritte Industrie-4.0-Highlight-Vortrag kommt aus unserem Haus. In diesem beleuchten B&R-Experten die eigene Fertigung in Eggelsberg unter dem Industrie-4.0-Gesichtspunkt. Hier leben wir Industrie 4.0 bereits in der Praxis. Das klingt zunächst vermessen, ich gebe aber gern ein Beispiel: Wir haben seit Jahren die Automation-PC-910-Reihe im Sortiment. In Summe gibt es alleine für diese Reihe 2,5 Mrd. verschiedene Konfigurationsmöglichkeiten. Die Produktdaten liegen in digitalisierter Form in unserer Datenbank vor. Alle Daten, die bei der automatischen Prüfung gewonnen werden, werden zurück ins System gespielt und stehen dort ebenfalls zur Weiterverarbeitung zur Verfügung. Das heißt, bei uns existiert bereits eine vollständige Integration von Shop Floor und ERP-System. In Bezug auf die Datenhaltung und Auswertung nimmt dabei unser Leitsystem Aprol eine Schlüsselposition ein. Aber natürlich kommen auch alle anderen relevanten Produkte und Technologien aus unserem Haus in Eggelsberg zum Einsatz. Alle Details erfahren Interessierte auf den Innovation Days.

Welche Auswirkungen hat der Industrie-4.0-Gedanke aus Ihrer Sicht auf künftige Maschinenkonzepte und inwieweit sind OEM und Automatisierer schon heute für die künftigen Anforderungen gerüstet?

M. Sandhöfner: Für den Maschinenbauer besteht die große Herausforderung darin, seine Maschine für die Losgröße-1-Fertigung optimal auszulegen. Das bedeutet, flexible Anpassbarkeit an permanent wechselnde Anforderungen. Dem können Maschinenbauer aus unserer Sicht nur durch einen hohen Modularisierungsgrad ihrer Maschine entsprechen. Und die Aufgabe von uns Automatisierungstechnikanbietern ist es, sie dabei mit optimalen Produkten und Lösungen zu unterstützen.

Stand heute ist, dass nur die wenigsten Maschinenbauer über echte Modulbaukästen verfügen, aus denen sie eine Maschine den Anforderungen entsprechend schnell realisieren lässt. In der Regel orientieren sich OEM bei Neuaufträgen an bereits realisierten Maschinen. Sie verwenden deren Basiskonzept und passen es an die neue Applikation an. Hier muss mit dem weiteren Voranschreiten der Umsetzung von Industrie 4.0 noch einiges getan werden.
Von Automatisierungsseite begegnen wir den geänderten Anforderungen mit modularen, skalierbaren Hardware- und Softwarekonzepten, liefern vorgefertigte und getestete Funktionsbausteine, sinnvolle Kommunikationslösungen usw. Im Hinblick auf die weiter zunehmenden Datenmengen spielen zudem Lösungen zur Erfassung und Auswertung der Daten inklusive Energie- und Condition Monitoring eine wichtige Rolle. Aber mit die größten Optimierungspotenziale sehen wir im Engineering, bei Simulation und Modellierung. Auch dahin gehend bieten wir passende Lösungen.

 

Inwieweit werden diese Themen nun innerhalb der Innovation Days aufgegriffen und Lösungen vorgestellt?

M. Sandhöfner: Bleiben wir beim Thema Datenhaltung, -aufbereitung und -visualisierung und damit bei unserem eingangs erwähnten Leitsystem Aprol. In zwei der fünf Workshops wird dieses bei den Innovation Days im Fokus stehen – am ersten Tag mit Bezug zur Factory Automation, am zweiten mit Schwerpunkt Process Industry. Entwickelt wurde das Leitsystem ursprünglich mit dem klassischen Fokus auf die Anforderungen in der Prozessindustrie. Aufgrund des immer weiter gesteigerten Funktionsumfangs sowie vielen erfolgreich realisierten Projekten konnten wir bis heute auch viele große Endkunden aus der Prozess- und Verfahrenstechnik von unserem System überzeugen. Es löst für sie Fragen, wie: Wie lassen sich Daten einfach zusammenführen und die Prozessdaten übersichtlich darstellen? Mit „EnMon“ und „ConMon“ bringt es zudem optimale Lösungen für Energie- und Condition Monitoring gleich mit, was wiederum auch für die Factory Automation interessant ist. Darüber hinaus bietet Aprol vielfältige Möglichkeiten zur Anbindung an weitere Tools. In unseren Workshops möchten wir den Kunden und Interessenten die Funktionalität nahe bringen und die Möglichkeit bieten, das System selbst zu testen.

Mit dem Fokus Factory Automa­tion sprechen wir weniger den Endkunden, sondern den Maschinenbauer an, der zukünftig immer stärker gefordert sein wird, auch eine zentrale Lösung für das Datenmanagement mitzuliefern. Das Stichwort hier lautet Linienmanagement. Hintergrund ist, dass früher jede Maschine separat eingerichtet und ihre Daten ausgelesen wurden. Heute möchte der Endanwender in einer Software alle Daten verfügbar und den Prozess im Blick haben. Außerdem möchte er den Produk­tionsprozess von zentraler Stelle aus starten und gegebenenfalls  Parameter neu einspielen können. Diese Möglichkeit bieten wir ihm mit Aprol.  

Parallel zum Workshop Aprol Factory Automation findet der Workshop Mapp Technology statt. Diese Technologie wurde Ende letzten Jahres in den Markt eingeführt. Wie ist die bisherige Kundenresonanz und wo wird der Schwerpunkt im Workshop liegen?

M. Sandhöfner: Aktuell bieten wir weit über 100 Mapp-Funktionsblöcke an. In den Workshops wollen wir einen Überblick über das Angebotsspektrum geben und darüber hinaus aufzeigen, wie mit dem übergreifenden Framework insgesamt Entwicklungszeit gespart werden kann. Letztgenannter Aspekt ist uns dabei sehr wichtig, weil wir uns darin deutlich von der Baustein-Strategie anderer Hersteller unterscheiden: Das Framework bildet die Basis, auf der die Funk­tionsblöcke aufsetzen. Über dieses ist auch ein Datenaustausch untereinander möglich.

Der Nutzen lässt sich aber am besten an einem Beispiel aufzeigen. Nehmen wir das aktuelle Thema Energiedatenerfassung: B&R bietet dazu zum einen Strommessmodule an. Auf der anderen Seite sind in unseren Acopos-Servoverstärkern Messpunkte hinterlegt, an denen von vornherein Leistung bzw. Strom gemessen wird. Entsprechende Funktionsblöcke für Acopos haben wir schon länger im Programm. Die weiterführende Idee war es nun, mit dem Framework die Möglichkeit zu schaffen, alle Stromdaten, die innerhalb einer Maschine anfallen – also von allen Acopos-Servos sowie den Strommessmodulen usw. – nicht einzeln abgreifen und zusammenführen zu müssen, sondern übergreifend und automatisch. Der Nutzen für den Kunden resultiert also darin, dass er keine einzige Zeile Code schreiben muss, um eine Energiebetrachtung seiner gesamten Maschine bzw. Anlage zu realisieren. Dies realisieren wir durch die Zusammenführung der Daten aus den jeweiligen Funktionsblöcken über das Framework. Gleichzeitig profitiert der Kunde von einer zugehörigen Visualisierung der Daten sowie den Diagnosemöglichkeiten.

Im Workshop wird dem Teilnehmer das Framework mit seinen Funktionsblöcken live vorgeführt und aufgezeigt, wie einfach und schnell die Daten aus einer Applikation verfügbar sind. Dabei bieten wir auch viel Raum für Fragen und Anregungen.
Dazu vielleicht noch ein Hinweis in eigener Sache: Wir sehen das Workshop-Modell auch über die Innovations Days hinaus als geeignetes Mittel, um noch näher am Kunden zu sein und neue Technologien mit ihm diskutieren zu können. Deshalb bieten wir seit Mitte des Jahres deutschlandweit Innovation Workshops an.

Finden die Innovation Workshops als Ergänzung zu Ihrem bisherigen Seminarprogramm statt und welche Themen werden angeboten?

M. Sandhöfner: Die Innovation Workshops werden an unseren dezentralen Vertriebsstandorten durchgeführt. Insgesamt wurden 15 Büros in Deutschland ausgewählt, in denen B&R-Applikationsingenieure Kunden Innovationen, wie Mapp Technology, modulare Sicherheitstechnik, Reaction Technology usw., nahe bringen. Im Fokus stehen Innovationen, die B&R vor ein bis zwei Jahren in den Markt eingeführt hat, und um die es von Kundenseite möglicherweise noch Informationsbedarf gibt. Dabei vermitteln jeweils die bekannten Ansprechpartner vor Ort das Wissen. Anders als bei den im deutschen Headquarter in Bad Homburg durchgeführten Seminaren stehen dabei innovative Themen im Fokus, die nicht an der Standard-Schulungstechnik vermittelt werden können. Mit den Innovation Workshops sind wir in der Lage, schneller und sehr viel näher am Kunden zu agieren.

Auch hier vielleicht wieder ein Beispiel zum besseren Verständnis: Im Zusammenhang mit unserer Reaction Technology zeigen unsere Applikationsingenieure, wie diese in der Praxis programmiert wird und wo sie eingesetzt werden kann. Auch das Thema Automation Studio, was wir in einer Vortragsreihe auf den Innovation Days behandeln, werden wir im Innovation Workshop weiter vertiefen. Hier können wir dann noch intensiver mit einzelnen Kunden in Dialog treten und gegenseitige Optionen erörtern. Wichtig ist uns dabei auch, das Feedback vom Kunden in weitere Entwicklungen einfließen zu lassen.
Damit greifen die beiden Veranstaltungsangebote, also Innovation Days und Innovation Workshops, optimal ineinander. Die Innovation Workshops sollen zukünftig im vierteljährlichen Rhythmus stattfinden.

Was zeichnet die Innovation Days besonders aus, was kostet die Teilnahme und werden diese nun jährlich stattfinden?

M. Sandhöfner: Ganz oben auf der Agenda unserer Innovation Days steht neben dem Praxisbezug das Networking. Das gemischte Programm mit Referenten von Hochschulen, B&R-Entwicklern sowie Vertriebsexperten bietet viel Raum für Diskussionen über die verschiedensten Themen. Innerhalb der Workshops regen wir zudem durch die direkte Zusammenarbeit und das gemeinsame Erarbeiten von Lösungen zu einem ungezwungenen Austausch „unter Gleichgesinnten“ an. Abgerundet wird das Ganze von einem Ausstellungsbereich, der den Teilnehmern als Anlaufstelle dient, um weitere Details rund um die Produkte zu erfahren oder mit den Referenten ins Gespräch zu kommen. Zudem wird es hier Live-Vorführungen geben – also ein gewisser Messecharakter erzeugt. Mit einer interessanten Abendveranstaltung in Frankfurt bieten wir darüber hinaus einen ungezwungenen Rahmen für den weiteren Austausch.

Die Teilnahme an der Veranstaltung ist kostenfrei, lediglich die Übernachtungskosten für das Hotel sind von den Teilnehmern selbst zu tragen. Es ist unser Ziel, die Innovation Days jährlich zu veranstalten.

Weitere Informationen und eine Agenda unter www.br-innovation-days.de.

Allgemeine Informationen unter www.br-automation.com

Lesen Sie dazu auch die Meldung: B&R veranstaltet erstmals Innovation Days in Deutschland

 

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20 Jahre openautomation

Die Grundidee bleibt, die Dimensionen wachsen

„Eine Branche im Umbruch: Anwender fordern in aller Deutlichkeit kostensenkende, flexible und offene Automatisierungslösungen sowie Durchgängigkeit vom Sensor bis zum Management“ – dieser Grundanspruch hat sich über die letzten 20 Jahre nicht geändert, aber die Dimensionen, die neue Technologien mit sich bringen, lassen die Industrie 4.0 Wirklichkeit werden. Immer im Mittelpunkt dabei: Daten – das viel gepriesene Öl des 21. Jahrhunderts. Die Grundidee der vertikalen Integration bleibt, nur das Wording ändert sich heute.

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Copyright © VDE VERLAG GMBH, zuletzt aktualisiert am 18.08.2019