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26.04.2012

VDMA. Deutschland bleibt 2011 Exportweltmeister

Auf seiner Pressekonferenz während der Hannover Messe zog der VDMA eine positive Bilanz für 2011 und prognostizierte für 2012 ein Nullwachstum...

Auf seiner Pressekonferenz während der Hannover Messe zog der VDMA eine positive Bilanz für 2011 und prognostizierte für 2012 ein Nullwachstum. „Die Auftragseingangsentwicklung der letzten Monate bestätigt uns in unserer Einschätzung, dass die deutsche Maschinenproduktion nach der Delle im ersten Halbjahr dank des dann wieder einsetzenden Wachstums das Vorjahresniveau erreichen kann“, sagte VDMA-Hauptgeschäftsführer Dr. Hannes Hesse. So erlebe die Maschinen- und Anlagenbranche derzeit eine zyklische Abschwächung, die im Sommer 2011 eingesetzt habe, nach derzeitigem Stand jedoch moderat ausfalle. Zudem habe sie sich in Summe in den letzten Monaten nicht weiter fortgesetzt. "Alles in allem dürfte der Bestelleingang im Maschinenbau dennoch bei tendenziell freundlicherem Klima spätestens zur Jahresmitte hin wieder auf Wachstumskurs einschwenken“, so Dr. H. Hesse.

 

Bei der Produktion rechnet der Branchenverband nur für wenige Monate des Jahres mit kleinen Minusraten. "Sie dürften im Jahresverlauf leicht wieder auszubügeln sein. Es bleibt also bei unserem Bild von real 0 % Wachstum für 2012“, betonte der VDMA-Hauptgeschäftsführer. In den ersten beiden Monaten 2012 wuchs die Produktion um 9 %. Geglättet ergibt sich für die letzten drei statistisch erfassten Monate (Dezember 2011 bis Februar 2012) im Vorjahresvergleich ein Produktionsplus von 5,3 %. Aktuell hat der Maschinenbau 962.000 Beschäftigte (Stand: Februar 2012), 14.000 mehr als im Dezember 2011.

 

Weltweites Wachstum verlangsamt

Die VDMA-Volkswirte gehen davon aus, dass es in allen wichtigen Wettbewerbsländern im Maschinenbau 2012 zu einer Wachstumsverlangsamung kommt. Während Österreich und Schweden aller Voraussicht nach ihre Maschinenumsätze auf dem Vorjahresniveau halten können, werden sie in den EU-Peripheriestaaten schrumpfen. Rückgänge von real 4 % bzw. 5 % werden nach jetzigem Kenntnisstand in Italien, Spanien und Portugal erwartet. Aber auch im Vereinigten Königreich, in Frankreich und der Schweiz dürfte ein kleines Minus nicht zu vermeiden sein. Daraus schließt der VDMA, dass der EU-Maschinenbau in Summe um real rund 2 % schrumpfen wird.

 

"Ein abermaliges Wachstum der Maschinenindustrie, wenngleich mit deutlich geringerer Dynamik als im Vorjahr, sehen wir in Japan, den USA und China. Vor allem das Umsatzplus in den USA um real 6 % dürfte für viele die eigentliche Überraschung sein, da die gesamtwirtschaftlichen Nachrichten doch immer noch eher verhalten ausfallen", meinte Dr. H. Hesse. Aus Sicht der Investitionsgüterindustrie würde aber deutlich, dass die Investitionstätigkeit in den USA hoch ist, wobei es sich vor allem um Ersatzinvestitionen handelt. Hiervon hat der deutsche Maschinenbau als Anbieter hochwertiger Produkte und Dienstleistungen bereits im letzten Jahr profitiert. „Unsere Maschinenexporte in die USA expandierten 2011 ohne spürbaren Tempoverlust um mehr als ein Fünftel (21,4 %). Wachstumsspitzenreiter dürfte abermals der Maschinenbau am Standort China sein. Ein Plus von real 12 % ist hier realistisch. Aber auch dies ist eine deutliche Wachstumsverlangsamung, da bislang Zuwachsraten jenseits der 20 % Normalität waren“, betonte VDMA-Hauptgeschäftsführer.

 

Positive Bilanz für 2011

Trotz Krisen und Katastrophen im Jahr 2011 hat die Produktion im Maschinen- und Anlagenbau in Deutschland nahezu unbeeindruckt um preisbereinigt 12,4 % auf 186,5 Mrd. Euro (2010: 163,2 Mrd. Euro) zugelegt. Der Produktionszuwachs der Jahre 2010 und 2011 summiert sich auf 22 %. "Die Maschinen- und Anlagenbauer beschäftigten dabei den größten Teil der industriellen Arbeitnehmer: Im Dezember waren es 948.000 Beschäftigte, 35.000 mehr als zu Beginn des Jahres. Die Kapazitätsauslastung lag im Schnitt bei 88,7 % (2010: 84 %)", so Dr. H. Hesse.

 

Die Im- und Exporte

Die deutschen Maschinenexporte nahmen zunächst im ersten Quartal 2011 mit nominalen Zuwachsraten über 20 % den Schwung des Vorjahres mit. Im vierten Quartal wurden aber nur noch 8,2 % verzeichnet, sodass sich der Jahresdurchschnitt auf plus 14 % nivellierte. "Absolut wurde mit 142,2 Mrd. Euro das Vorkrisenniveau knapp verfehlt", informiert Dr. H. Hesse. "Exportmarkt Nummer 1 war 2011 – wenig überraschend – China. Und das obwohl dessen Wachstum zum Jahresende deutlich schwächer ausfiel", sagte er weiter. Deutliche Plusraten habe es wieder in Russland (32,9 %), der Türkei (28,4 %) und Brasilien (22,3 %) gegeben. Indien liegt mit 17,3 % im Mittelfeld. "Die Summe der EU-27-Länder erreicht nur ein Plus von 10,2 %. Damit gehen erstmals weniger als 40 % des deutschen Exports in die EU-Länder. Die Euro-17-Staaten wuchsen trotz Minusraten in Südeuropa um immerhin 8 %. Ihr Anteil fiel allerdings unter ein Viertel. Die Bedeutung der asiatischen Märkte blieb konstant", so der Branchenexperte.

 

„Mit einer nominalen Importzunahme von 17,5 % (real 14,5 %), die damit die Steigerung des Exports übertraf, leistete der deutsche Maschinenimport wieder einmal seinen Beitrag zur internationalen Konjunktur“, so Dr. H. Hesse. Mehr als die Hälfte des Imports kam aus den Partnerländern der EU-27. Die Schweiz setzte sich als größter Lieferant vor Italien. "Das Kunststück, mehr Maschinenbauprodukte nach Deutschland zu exportieren als von dort zu importieren, gelang außer der Schweiz noch Japan und der Slowakei", sagte er weiter.

Deutschland bleibt Exportweltmeister

Der Welthandel mit Maschinen war im Jahr 2010 nach den krisenhaften Entwicklungen des Jahres 2009 von einer Aufholbewegung geprägt, die die einzelnen Regionen unterschiedlich schnell und kräftig erfasste. In weiten Teilen Asiens und Südamerikas erreichten die Märkte wieder Vorkrisenniveau. "Wer dorthin liefert, konnte hohe Steigerungsraten verbuchen", kommentiert Dr. H. Hesse. So vor allem Japan und China selbst. Japan (12,1 %) schob sich als Exporteur knapp vor die USA (12,0 %) auf Rang 2, China (9,7 %) überholte Italien (7,9 %) und war 2010 Exporteur Nr.4, während Deutschland mit einem auf 16,8 % gefallenen Anteil „Exportweltmeister“ blieb.

International sind die deutschen Hersteller nach wie vor führend: in 29 von 32 international vergleichbaren Fachzweigen sind deutsche Firmen unter den Top-3 Anbietern, bei der Hälfte sogar Weltmarktführer. Nur in drei Teilbranchen schafften es die Deutschen 2010 nicht aufs Siegertreppchen.

 

China: wichtigster Absatzmarkt für Maschinenbauer

China ist heute mit Abstand größter Maschinenproduzent. Das Land ist viertgrößter Maschinenexporteur, Tendenz stark steigend. China ist auf den weltweiten Absatzmärkten aktiv und beispielsweise in den USA Lieferant Nr. 2. Bereits in acht von 32 Fachzweigen ist China führende Exportnation. „Treiber des chinesischen Wettbewerbs sind verschiedene Faktoren. So ist die Aufnahmefähigkeit des lokalen Marktes häufig für Ausländer nicht erfassbar. Das Volumen umfasst oft ein Mehrfaches des europäischen oder amerikanischen Markts. Chinesische Unternehmen können deshalb bei der Produktion erhebliche Kostenvorteile realisieren“, sagte der VDMA-Hauptgeschäftsführer. „Der neue Fünf-Jahres-Plan für den Maschinenbau zeigt zusammen mit Chinas Technologie- und Innovationspolitik die Richtung auf: Der Weg führt weg von einem mengenmäßigen Wachstum hin zu einem qualitativen Wachstum. Damit soll im Maschinenbau mittelfristig die Abhängigkeit von ausländischen Technologien verringert werden.“ Auch auf den Exportmärkten sollen die deutschen Maschinenbauer den chinesischen Wettbewerb in Zukunft stärker spüren. Gefördert durch staatliche Banken und abgesichert durch die staatliche Exportkreditversicherung werden vor allem die Entwicklungsländer in Afrika sowie Schwellenländer in Asien und Lateinamerika systematisch bearbeitet. „Und dies alles ohne die Einhaltung der international abgestimmten Standards bei Exportfinanzierungen“, erklärte Dr. H. Hesse. „Der deutsche Maschinen- und Anlagenbau muss also hart an sich arbeiten, um die passenden Antworten auf die chinesische Herausforderung zu finden.“

 

Megatrends bieten große Chancen

„Die globalen Megatrends eröffnen dem Maschinenbau enorme Chancen. Denn die Maschinenbauer sind es, die mit ihren Einzellösungen den neuen Blick auf die Welt des 21. Jahrhunderts liefern. Globalisierung, Bevölkerungswachstum, die weiter wachsende Urbanisierung und die Veränderungen des Klimas sind die großen Herausforderungen der Welt, denen sich auch die Hannover Messe in diesem Jahr mit ihrem Motto „GreenTelligence“ widmet“, erklärte der Experte. „Insbesondere in Asien und Lateinamerika wird der Bedarf an Energie und an industriell hergestellten Produkten immens steigen, und damit für Maschinen, die die Güter des täglichen Gebrauchs produzieren, für Maschinen, die den effizienten Einsatz erneuerbarer Energien oder den steigenden Bedarf an Mobilität und eine intelligente Infrastruktur garantieren.“

 

Produktpiraterie weiter gestiegen

„Wir schätzen den Umsatzverlust, der den deutschen Maschinen- und Anlagenbauern 2011 durch Produktpiraterie entstanden ist, auf 7,9 Mrd. Euro, eine Steigerung um 24 % (2009: 6,4 Mrd. Euro). Ein Umsatz in dieser Schadenhöhe würde der Branche knapp 37.000 Arbeitsplätze sichern“, so das Ergebnis der aktuellen VDMA-Studie zur Produktpiraterie, die der Verband im März unter seinen Mitgliedsunternehmen durchführte.

 

Mehr als zwei Drittel der deutschen Maschinen- und Anlagenbauer sind betroffen (2010: 62 %). Am stärksten sind es die Hersteller von Textilmaschinen, Kunststoff- und Gummimaschinen sowie Kompressoren, Druckluft- und Vakuumtechnik. Plagiate werden inzwischen vor allem von Komponenten (52%) hergestellt, gefolgt von ganzen Maschinen mit 48 %, und Ersatzteilen mit 36 %. 44 % der Unternehmen geben an, keine Maßnahmen gegen Plagiate ergriffen zu haben.

 

China ist als Herstell- und Vertriebsregion für Plagiate erstmals rückläufig. Dagegen nehmen die Plagiate aus Deutschland zu. Bei den Absatzmärkten der Plagiate ist erkennbar, dass Fälschungen immer stärker weltweit vertrieben werden.

 

*Studie zum Download*

 

Weitere Informationen unter www.vdma.org.

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