Industrie 4.0
07.02.2018

Vision 2018: Gute Vorzeichen für Messe und Branche

Auf einer Vorpressekonferenz zur Vision Anfang Februar in Stuttgart gaben Vertreter des VDMA, der Messe Stuttgart sowie von Bildverarbeitungsunternehmen Einblicke in aktuelle Marktsituation, Trends sowie einen Ausblick auf die Messe Vision im November.

Florian Niethammer, Teamleiter bei der Messe Stuttgart; Mark Williamson, Director Corporate Market Development bei Stemmer Imaging Ltd.; Dr. Olaf Munkelt, Managing Director der MVTec Software GmbH; Lou Hermans, PhD Partner bei Capital-E; Dr. Dietmar Ley, CEO der Basler AG; Dr. Klaus-Henning Noffz, CEO der Silicon Software GmbH und Dr. Heiko Frohn, CTO der Vitronic Dr.-Ing. Stein Bildverarbeitungssysteme GmbH (v.l., Bild: VDE VERLAG)

 

Vom 6. bis 8. November findet die Vision, Leitmesse für Bildverarbeitung, in Stuttgart statt. „Die Branche ist nach wie vor auf Wachstumskurs. Allein in Deutschland ist die Industrielle Bildverarbeitung 2017 um voraussichtlich 18 % gewachsen; in ganz Europa betrug das Umsatzwachstum letztes Jahr zwischen 12 % und 14 %. Alle Prognosen deuten auf ein weiteres erfolgreiches Jahr 2018 hin“, sagte Florian Niethammer, Teamleiter bei der Messe Stuttgart, auf der Pressekonferenz. Ferner verwies er darauf, dass sich schon jetzt - neun Monate vor Beginn der Messe - mehr als 300 Unternehmen angemeldet haben. Insgesamt wird mit über 450 Ausstellern gerechnet.

Bestätigt wurden die Branchenzahlen von Anne Wedel, Leiterin der VDMA-Fachabteilung Industrielle Bildverarbeitung. „Eines steht jetzt schon fest: Die Bildverarbeitungsindustrie hat auch 2017 wieder einen Rekordumsatz erzielt und bleibt auf Wachstumskurs“, sagte sie in Stuttgart. Wird das prognostizierte Wachstum um 18 % erreicht, wird der Branchenumsatz auf 2,6 Mrd. € ansteigen. Für 2018 geht die Branche von einem Wachstum um bis zu 10 % aus; genaue Zahlen will der VDMA im Juni vorlegen.

Als Gründe für das erwartete anhaltende Wachstum der BV-Branche nennt Dr. Klaus-Henning Noffz, CEO der Silicon Software GmbH: "Standards sind der Turbolader des Branchenwachstums. Sie waren mit Grund für den regelrechten Wachstumsboom der Bildverarbeitungsindustrie der letzten Jahre und sind Schlüssel für weiteres Branchenwachstum. Komponenten und Systeme mit standardisierten Schnittstellen beschleunigen die Marktverfügbarkeit neuer Anwendungen und Lösungen. Die Erfolgsgeschichte der Bildverarbeitung setzt sich definitiv weiter fort."

Größte Anwendungsbranchen für Bildverarbeitung in Europa sind Automotve, Electrical/Electronics sowie Food&Beverage. "Die Schlüsseltechnologie kommt aber nicht nur im weltweiten Automations-Wettlauf der klassischen Industriezweige verstärkt zum Einsatz, sondern erobert konstant neue Anwendungsgebiete", weist A. Wedel darauf hin. "Standards, Vernetzung und einfache Integration sowie Digitalisierung bleiben Wachstumstreiber. Embedded Vision und Machine Learning eröffnen völlig neue Bereiche und werden der Branche neue Wachstumsimpulse geben."

Die Vision-Trendthemen 

Die Wachstumsfelder hat auch die Vision für sich entdeckt und deklariert deshalb in diesem Jahr Embedded Vision, Deep Learning und Hyperspectral Imaging als Trendthemen. „Wir stehen vor einem sehr spannenden Vision-Jahr; alle Zeichen stehen weiterhin auf Wachstum. Was die Branche zusätzlich beschäftigt sind die Megatrends Embedded Vision und Deep Learning“, sagte F. Niethammer.

Mit Embedded Vision wandert die Intelligenz der Bildverarbeitung aus den externen PC hinein in die Geräte. Als die großen Treiber der Embedded-Vision-Technologie gibt er derzeit das autonome Fahren, aber auch integrierte Gesichts- und Objekterkennung in Smart Cameras oder Überwachungskameras an. In der industriellen Bildverarbeitung könnten damit beispielsweise intelligente Kameramodule in Maschinen oder Roboter integriert werden und so zum unverzichtbaren Bestandteil bei der Realisierung der Smart Factory werden.

Mark Williamson, Director Corporate Market Development bei Stemmer Imaging Ltd. in Großbritannien, benennt die Anwendungsfelder noch konkreter: "Wir nutzen Embedded Vision seit vielen Jahren in Form intelligenter Kameras. Smart Camera-Technologie war einer der größten Wachstumsmärkte unseres Sektors. Jedoch ging die Entwicklung dieser Produkte mit hohen Investitionskosten einher. Was wir jetzt vor uns haben, sind neue Standards, neue Serienprodukte, die den Einsatz von Embedded-Bildverarbeitungssystemen zu viel geringeren Kosten als bisher ermöglichen." Mit Blick auf die Robotik fügt er an: "Hier sind mobile Roboter, wie automatisierte Fahrzeuge in Lagerhäusern, Staubsauger-Roboter usw., interessant. Diese sind bereits Wirklichkeit; mit ein paar weiteren Innovationszyklen werden sie sich jedoch bald zum Alltag gehören."

"Die erfolgreiche Erstauflage der Embedded Vision Europe Konferenz im vergangenen Herbst in Stuttgart war ein Vorgeschmack darauf, was die Unternehmen im November auf ihren Messeständen zu diesen Themen präsentieren werden", so F. Niethammer.

Deep Learning ist das zweite Trendthema. Es stellt eine komplett neue Herangehensweise dar, wie Bilderkennungsaufgaben zukünftig gelöst werden. "Im Gegensatz zu bisherigen Verfahren wird diesen selbstlernenden Systemen eine Vielzahl von Bildern und Szenarien angelernt, auf die sie während der Prüfung im Produktionsprozess zurückgreifen und so minimalste Abweichungen erkennen. Dabei optimieren sich diese Systeme kontinuierlich weiter", heißt es vonseiten der Landesmesse Stuttgart.

Dr. Olaf Munkelt, Managing Director bei der MVTec Software GmbH, sieht hier große Potenziale aber auch Risiken: "Für Deep Learning benötigt man viele Fehlerteile, um den Algorithmus anzulernen. Diese liegen im industriellen Bereich aber nicht immer in hoher Zahl vor. Vorteilhaft bei Machine Learning ist natürlich, dass man die unterschiedlichen Fehlerklassen nicht mehr explizit einprogrammieren muss, sondern Bilder zum Einlernen genügen. Bei Standardanwendungen wie OCR ist dies durchaus ein guter Ansatz." Mit Blick auf die Vision 2018 ist er überzeugt: "Hier werden wir auf jeden Fall sehen, dass Deep Learning im Zentrum der Bildverarbeitungsindustrie steht."

Mit Blick auf das dritte Trendthema, Hyperspectral Imaging, sagte F. Niethammer: "Eine Technologie, mit der neben der reinen Bildaufnahme auch Spektralinformationen aus verschiedenen Wellenlängen generiert werden, die Aussagen über die chemischen Eigenschaften von Objekten ermöglichen. Hyperspectral Imaging ist in den letzten Jahren finanziell erschwinglich geworden und hat sich in der Bedienbarkeit soweit vereinfacht, dass deren Ergebnisse etwa durch farbliche Markierung unterschiedlicher Stoffe auch ohne Spezialkenntnisse interpretiert werden können."

Ausblick auf die Vision 2018

Die Vision bildet im zweijährigen Turnus das komplette Spektrum der Bildverarbeitungstechnologie ab. Fester Bestandteil der Messe sind erneut die „Industrial Vision Days“, ein Vortragsforum für Bildverarbeitung. Weitere Sonderschauen, die mit Kooperationspartnern realisiert werden, sind das „Application Forum“, die „Integration Area“, der „International Machine Vision Standards“ unter Federführung der EMVA sowie der Gemeinschaftsstand "IPC4Vision", auf dem das Thema Industrie-PC bespielt wird.

Zur Vision 2018 werden Unternehmen aus aller Welt, darunter Marktführer wie Basler, Cognex, Isra Vision, MVTec, Teledyne Dalsa, Sony und Stemmer Imaging, erwartet. Erstmals konnten unter anderem Connect Tech Inc. (Kanada), Micro-Epsilon Messtechnik GmbH & Co. KG (Deutschland), Genesi Elettronica S.R.L. (Italien) und Neadvance Machine Vision S.A. (Portugal) als Aussteller gewonnen werden. Neben den klassischen industriellen Anwendungen haben auch die nicht-industriellen Anwendungen in den letzten Jahren stark an Bedeutung gewonnen. So zeigen die Aussteller unter anderem Applikationen für die Bereiche Verkehr, Lebensmittel- und Getränketechnologie sowie Medizintechnik. Auch im Landwirtschaftssektor ist die Bildverarbeitung auf dem Vormarsch, etwa bei Sortieraufgaben während oder nach der Ernte, dem sogenannten Precision Farming oder durch den vermehrten Einsatz von Drohnen. Hier ergeben sich aus Sicht der Landesmesse Stuttgart in diesem Jahr mit der parallel zur VISION stattfindenden Technik-Fachmesse für Wein, Fruchtsaft und Sonderkulturen Intervitis Interfructa Hortitechnica besondere Synergiepotenziale und Möglichkeiten zum gegenseitigen Austausch.

Die Veranstalter sind zuversichtlich, dass die überaus guten Aussteller- und Besucherzahlen auf der letzten Vision 2016 in diesem Jahr nochmals übertroffen werden.

www.vision-fair.de

 

 

 

 

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Copyright © VDE VERLAG GMBH, zuletzt aktualisiert am 18.02.2018