Industrie 4.0
07.11.2017

Rittal Automation Day: Steuerungs- und Schaltanlagenbau 4.0

Wie lassen sich Prozesse im Steuerungs- und Schaltanlagenbau beschleunigen, Gewinnspannen erhöhen, Personalkosten senken und Lieferzeiten verringern? Antworten auf diese Fragen erhielten rund 50 Geschäftsinhaber, Planer und Verantwortliche aus dem Steuerungs- und Schaltanlagenbau auf dem ersten Rittal Automation Day am 26. Oktober in Haiger.

Wie lassen sich Prozesse beschleunigen? Antworten auf diese Frage erhielten rund 50 Geschäftsinhaber, Planer und Verantwortliche aus dem Steuerungs- und Schaltanlagenbau auf dem ersten Rittal Automation Day am 26. Oktober in Haiger (Bild: Rittal)

Auf dem Rittal Automation Day stellten Experten von Rittal, Eplan und Bauer Systeme im Rittal Innovation Center konkrete und praxisnahe Lösungen für den Steuerungs- und Schaltanlagenbau 4.0 vor. Dabei standen die alltäglichen Herausforderungen der Branche im Fokus.

„Schaltanlagenbauer stehen unter hohem Kostendruck. Sie können diesen in der Regel nicht weitergeben und müssen ihn intern kompensieren“, sagte Jan Henry Schall, Leiter Rittal Innovation Center, zu Beginn seines Vortrags über „Industrie 4.0 im Steuerungs- und Schaltanlagenbau“. Hohe Personalkosten für erfahrene Facharbeiter, geringere Margen an den Geräten und Komponenten, hohe Varianz in der Kundenanforderung sowie zunehmender Wettbewerb aus Niedrigpreisländern seien unter anderem Gründe, weshalb sich der Kostendruck im Steuerungs- und Schaltanlagenbau insgesamt erhöht. „Hinzu kommt, dass hochqualifizierte und hochbezahlte Arbeiter oftmals einfache Installationsarbeiten durchführen und der Mangel an diesen Arbeitskräften die Skalierung der Produktionskapazitäten zusätzlich erschwert“, führt der Experte aus. Weitere Herausforderungen seien: späte Änderungen an den zu fertigenden Anlagen, die zu zusätzlichen Aufwendungen und Kosten führen, sowie manuelles und redundantes Arbeiten mit hohen Fehlerraten.

Virtual Prototyping zahlt sich aus

„Einen entscheidenden Lösungsansatz sehen wir in einer ganzheitlichen Optimierung der Wertschöpfungsprozesse durch ein Virtual Prototyping mit einem durchgängigen Datenkonzept und einem automatisierten Schaltschrankbau“, so Jan-Henry Schall. Dass sich das Virtual Prototyping in der Praxis lohnt, zeigte der Experte anhand einer Fallstudie zur Fertigungszeit eines Schaltschranks. Danach lässt sich ein Schaltschrank, der auf herkömmliche Weise in 58 Stunden aufgebaut wird, bei Einsatz von Virtual Prototyping in 34 Stunden und weniger fertigstellen. Zeitintensive Fertigungsprozesse, wie die Konfektionierung von Verdrahtungsleitungen, die Betriebsmittelbeschriftung, der Klemmleistenaufbau, die mechanische Bearbeitung oder die Verdrahtung, lassen sich auf Basis eines virtuellen Prototypen, bei dem alle notwendigen Fertigungsdaten hinterlegt sind, reduzieren. Ein 3D-Prototyp ermöglicht, Fertigungsdokumente und Fertigungsdaten automatisiert zu erstellen und durchgängig zu ändern - auch „in letzter Minute“.

Automatisierung schon ab 100 Schaltschränken

Welche Chancen hierbei aktuelle Automatisierungslösungen für den Steuerungs- und Schaltanlagenbau bieten, verdeutlichte Tim Kramer als Co-Referent. „Als Vollaustatter bietet Rittal ein umfassendes Ausrüstungsprogramm für den professionellen Werkstatt-Betrieb von manuellen Werkzeugen bis zur vollautomatisierten Maschinentechnik“, so der Leiter Produktmanagement Rittal Automation Systems. Bei der mechanischen Bearbeitung von Schaltschränken, zum Beispiel Gewinde bohren und Fräsen von Flachteilen, lassen sich nach Unternehmensangaben mit dem Bearbeitungszentrum Perforex BC gegenüber einer manuellen Fertigung bis zu 85 % Zeit einsparen. „Bereits ab 100 Schaltschränken pro Jahr lohnt sich die Investition in das Bearbeitungszentrum“, erklärt T. Kramer. Ab 250 Schaltschränken im Jahr könnten Anlagenbauer bereits von den Laserbearbeitungszentren Perforex LC 3030 und LC 3015 zusätzlich profitieren. Weitere Automatisierungslösungen sind etwa das Zuschnittcenter Secarex AC 15, die neuen stationären und mobilen Maschinen zur Stromschienenbearbeitung CW 120-S und CW 120-M sowie der Klemmenbestückungsautomat Athex TC 80 CS.

Verdrahtung vereinfachen

Um die Prozesskette zu vervollständigen, stehen auch Verdrahtungslösungen wie Eplan Smart Wiring zur Verfügung. Gerade das Thema Verdrahtung sei eines der Hauptthemen in der Werkstatt. „40 % bis 70 % der Arbeitszeit im Anlagenbau fällt auf diesen Bereich“, betonte T. Kramer. Eplan Smart Wiring visualisiert die Verdrahtung und stellt sämtliche Daten für die Verdrahtung in 100 % digitaler Form bereit. Anwender können softwareunterstützt Verdrahtungsschritte abarbeiten und profitieren von einer sinkenden Fehlerquote sowie Zeitersparnis. Dies gilt insbesondere für Last-Minute-Änderungen, da die Software den teils aufwendigen Projektvergleich von neuem Soll- und aktuellem Ist-Zustand übernimmt. Rückmeldungen aus der Fertigung direkt zur Auftragssteuerung oder ins Engineering sind weitere Merkmale eines durchgängigen digitalen Workflows.

Live-Demo: Engineering und Konfiguration

Wie sich das Engineering eines Schaltschranks als integrierter Gesamtprozess mit einem durchgängigen Datenfluss und passenden Schnittstellen zu ERP- oder PDM-Systemen effizient realisieren lässt, zeigte Frederik Hellekes, Consultant bei Eplan, in einer Live-Demo. Er demonstrierte die nahtlose Verknüpfung verschiedener Engineering-Lösungen und Konfiguratoren: von der Schaltplanerstellung (Eplan Electric P8), dem 3D-Schaltschrankbau (Eplan Pro Panel) und der Schaltschrankkonfiguration (Rittal Configuration System) über die Klimatisierungsberechnung (Rittal Therm) bis zum Routing und der Bereitstellung von kaufmännischen Daten. Neben den Informationen zur mechanischen Bearbeitung lassen sich über direkte Schnittstellen in ERP-Systeme auch Bestellungen automatisiert auslösen.

Ein besonderer Stellenwert kommt dabei den im Eplan Data Portal hinterlegten Gerätedaten zu. Dies bestätigte auch Oliver Martin von Bauer Systeme in seinem Vortrag „Transformation im Steuerungsbau“. „Wir legen hohen Wert auf gute Daten. Unser Engineering steht und fällt mit einer guten Datenbank“, so der Leiter der Elektrokonstruktion. Darin hinterlegt der Anlagenbauer auch alle notwendigen Geräteinformationen für UL-Anforderungen für den nordamerikanischen Markt. Auf Knopfdruck lassen sich entsprechende Dokumentationen erstellen. Der Elektrotechniker ist insgesamt von der hohen Qualität der Rittal-Daten im Eplan Data Portal überzeugt. Ebenso setzt der Anlagenbauer bei der Elektroplanung auf Engineeringlösungen, wie Eplan Electric P8 und Eplan Pro Panel. Bereits 2005 hat das Unternehmen begonnen, seine mechanischen Bearbeitungsprozesse mit einer Perforex-Anlage zu automatisieren. Mittlerweile kommt auch Eplan Smart Wiring erfolgreich zum Einsatz. „Da können auch Mitarbeiter mit weniger Know-how die Schaltschränke verdrahten und nicht nur die Spezialisten“, so O. Martin.

Rittal Automation Day 2018 in Planung

Der Rittal Automation Day bot den Teilnehmern neben den Fachvorträgen auch die Möglichkeit zu geführten Rundgängen durch das Rittal Innvation Center. Dabei waren neueste Automatisierungslösungen aus erster Hand erlebbar. Aufgrund der hohen Nachfrage findet der nächste Rittal Automation Day im Mai 2018 statt.

www.rittal.com

 

 

Digital Factory Journal: Jetzt kostenlos testen

Mit unserem neuen Fachmedium „Digital Factory Journal“ greifen wir neue Lösungsansätze, Geschäftsmodelle und Anwendungen aus der Praxis auf und berichten darüber mit hoher journalistischer Kompetenz für die Entscheider in der Industrie. Unser redaktioneller Fokus liegt dabei auf Ready-to-Use-Lösungen aus der IT- und Automatisierungswelt.

Bestellen Sie jetzt Ihr kostenloses Jahresabo!

Lesen Sie mehr...

Neuigkeiten zur SPS IPC Drives 2017

Highlights zur SPS IPC Drives 2017

Produktberater für IP20-IO-Systeme

Finden Sie die passenden IP20-IO-Systeme mit dem Online-Produktberater Wie in einem Beratungsgespräch werden Sie interaktiv an die am besten passenden Produkte herangeführt.

Lesen Sie mehr...

Normen

DIN-VDE-Normen einfach online nutzen

Normen aus dem VDE VERLAG

» Mehr Informationen ...

Zum Schmunzeln

„Natürlich führe ich Selbstgespräche. Manchmal braucht man eben eine Expertenmeinung!“

Copyright © VDE VERLAG GMBH, zuletzt aktualisiert am 23.11.2017