Industrie 4.0
26.06.2013

Automation 2013: Cloud Computing für Industrie 4.0 von entscheidender Bedeutung

Dr. Kurt D. Bettenhausen ist Vorsitzender der VDI/VDE-Gesellschaft Mess- und Automatisierungstechnik (GMA) "Das Internet der Dinge, Cyber-Physical Systems, Cloud Computing, die zunehmende Vernetzung und natürlich das Projekt Industrie 4...

Dr. Kurt D. Bettenhausen ist Vorsitzender der VDI/VDE-Gesellschaft Mess- und Automatisierungstechnik (GMA)

Dr. Kurt D. Bettenhausen ist Vorsitzender der VDI/VDE-Gesellschaft Mess- und Automatisierungstechnik (GMA)

"Das Internet der Dinge, Cyber-Physical Systems, Cloud Computing, die zunehmende Vernetzung und natürlich das Projekt Industrie 4.0 prägen derzeit die Diskussionen der Automatisierer. Und noch mehr: Diese Tatsache ist teilweise in der breiten Öffentlichkeit angekommen", sagte Dr. Kurt D. Bettenhausen, Vorsitzender der VDI/VDE-Gesellschaft Mess- und Automatisierungstechnik (GMA), anlässlich eines VDI-Gesprächs während des Kongress 2013 am 25. Juni. "Noch nie stand das, was wir Automatisierer tun, so positiv und erwartungsbehaftet im Fokus der Öffentlichkeit."

 

Die aktuellen Entwicklungen in der Automation sind durch die zunehmende lokale Vernetzung von Komponenten und Softwarewerkzeugen geprägt. Der nächste Schritt ist, globale Netze für automatisierungstechnische Anwendungen zu nutzen. Unter dem Motto „Automation (in the) Cloud“ diskutieren Fachleute auf dem 14. VDI-Kongress Automation in Baden-Baden die Chancen und Risiken der offenen Kommunikation der Automatisierungssysteme über die klassischen Anlagengrenzen hinweg. Hier wurde auch das Ergebnis einer aktuellen VDI-Umfrage "Automation (in the) Cloud" vorgestellt.

 

Umfrageergebnisse zu Automation Cloud

"Die Cloud wird die Automation verändern. Dies war für uns Anlass, unsere Mitglieder zum Thema „Automation (in the) cloud“ zu befragen und die Meinungen zur aktuellen Nutzung, zu den Erwartungen und zu den Erfahrungen mit der Cloud einzuholen", so Dr. K. D. Bettenhausen. An der Umfrage haben 275 Mitglieder der VDI/VDE-Gesellschaft Mess- und Automatisierungstechnik (GMA) mitgewirkt.

 

Das wesentliche Ergebnis der Umfrage lautet zusammengefasst: Der Einzug der Cloud in der Automation kommt – allerdings erst so richtig in fünf Jahren. Bisher nutzen nur etwa die Hälfte aller deutschen Unternehmen die Cloud – und das auch nur in wenigen Bereichen.

Umfrageergebnis: Glauben Sie, dass sich Cloud Computing in der industriellen Automation durchsetzen wird?

Umfrageergebnis: Glauben Sie, dass sich Cloud Computing in der industriellen Automation durchsetzen wird?

Umfrageergebnis: Wann erwarten Sie eine „selbstverständliche“ Nutzung der Cloud in der Automation?

Umfrageergebnis: Wann erwarten Sie eine „selbstverständliche“ Nutzung der Cloud in der Automation?

Umfrageergebnis: Welche Rolle werden deutsche Anbieter bei der Anwendung der Cloud in der Automation spielen?

Umfrageergebnis: Welche Rolle werden deutsche Anbieter bei der Anwendung der Cloud in der Automation spielen?

„Cloud-Computing, zunehmende Vernetzung und die Ideen der Cyber-Physical Production Systems (CPPS) werden die Landschaft der Automation grundlegend verändern. Sie sind die Voraussetzungen für den nächsten Schritt in der industriellen Produktion – und damit für die Idee der Industrie 4.0“, so der GMA-Vorsitzende. Durch das Speichern und das Zugreifen auf Produktions- und Produktdaten über cloudbasierte Architekturen stehen Daten auch mobil zur Verfügung und sorgen für eine stärkere Unterstützung des Nutzers. Das belegt auch die Umfrage: Über 60 % der Experten sehen die zentrale Datenhaltung als größten Nutzen der Cloud an, gefolgt von der Effizienz bei der Nutzung von Speicher- und Rechenkapazitäten sowie der einfacheren Wartung von Software.

 

IT-Sicherheit ist der kritische Erfolgsfaktor

Längst ist bekannt, dass das Cloud Computing auch Risiken birgt. In der Umfrage werden hierzu von den Experten mit Abstand die unzureichende IT-Sicherheit und der Umgang mit sensiblen Daten am häufigsten genannt. Es wird Handlungsbedarf für technische und auch organisatorische Maßnahmen gesehen. Die GMA ist bereits aktiv geworden: Ihre Richtlinie VDI/VDE 2182 „Informationssicherheit in der industriellen Automation“ beschreibt in sechs Blättern das grundsätzliche Vorgehen zwischen Betreiber, Integrator und Hersteller von Automatisierungskomponenten. An zweiter und dritter Stelle der meistgenannten Risiken stehen mögliche Zuverlässigkeitsprobleme wegen Verbindungsausfall sowie rechtliche Probleme je nach Standort der Cloud.

 

Skeptisch sehen die befragten Experten auch die Rolle deutscher Anbieter bei der Anwendung der Cloud in der Automation. Nur gut ein Drittel der Befragten sehen deutsche Anbieter auf der Erfolgsspur, über die Hälfte sehen Unternehmen anderer Nationen vorn. Etwa 7 % geben sogar an, dass deutsche Unternehmen keine Rolle spielen werden. Entwickler geben deutschen Unternehmen noch am ehesten eine Chance. Diejenigen, die in Produktion und Wartung tätig sind, sehen für deutsche Unternehmen fast keine Aussichten.

 

Bei KMU noch viele Fragen offen

Die vielen Veränderungen in der Automation führen aber auch zu Verunsicherungen. Gerade KMU haben Schwierigkeiten, die zukünftige Situation auf ihr Unternehmen zu projizieren. So scheint der propagierte Effizienzgewinn von 30 % für sie kaum erreichbar zu sein. „Der Beratungsbedarf ist groß, da grundsätzlich keine pauschalen Antworten gegeben werden können. Daher benötigen wir in Deutschland auch auf regionaler Ebene Anlaufstellen, die Auskunft und Beratung geben können“, meint Prof. Dr.-Ing. Detlef Zühlke, Wissenschaftlicher Direktor Innovative Fabriksysteme am DFKI Kaiserslautern. „Die momentan vom Bund geförderten Leuchtturmprojekte helfen den meisten KMU nicht unmittelbar. Wir müssen uns daher neben den ‚Leuchttürmen‘ auch um die ‚Straßenbeleuchtung‘ kümmern, um diesen Firmen den Weg in das neue Zeitalter zu zeigen“, so Prof. D. Zühlke. Hilfreich hierfür seien auch Modellanlagen, an denen Mechanismen der zukünftigen Kommunikation und Architekturen transparent erläutert und praxisnah getestet werden können – beispielsweise die gemeinsam betriebene Modellanlage der gemeinnützigen Technologieinitiative SmartFactoryKL e.V. mit dem DFKI in Kaiserslautern.

 

Prof. D. Zühlke weist aber auch darauf hin: "Die Erfahrungen im Bereich der Produktion haben gezeigt, dass Veränderungen nicht von heute auf morgen passieren - können. Insofern wird Industrie 4.0 sicher ein länger andauernder Prozess sein, bei dem wir uns gerade erst ganz am Anfang befinden. Dies macht die Situation für KMU ebenfalls nicht einfacher. Die Durchgängigkeit von Kommunikationssystemen durch die Adaption von existierenden Internetstandards und die Interoperabilität von Softwarewerkzeugen – damit also die Cloud – werden sicher schon kurzfristig spürbare Veränderungen über alle Fabrikebenen mit sich bringen."

 

Die Mensch-Maschine-Kommunikation gewinnt weiter an Bedeutung

Die Anlagen werden komplexer und damit wird die Informationsmenge, die genutzt werden kann, deutlich ansteigen. „Es wird darauf ankommen, diese Informationen für den Menschen so aufzubereiten, dass er sie sinnvoll und einfach nutzen und sichere Entscheidungen darauf aufbauen kann. Dies wird ein großes Arbeitsgebiet für die Automation“, glaubt Prof. D. Zühlke. So sehen es auch die Mitglieder der GMA, die in einer Umfrage vom Herbst 2012 die Mensch-Maschine-Kommunikation als zweiwichtigstes Erfordernis der Automation angeben.

 

Zum diesjährigen Automatisierungskongress sind wieder rund 500 Teilnehmer angereist. Weitere Informationen unter www.automatisierungskongress.de.

 

Der 15. VDI Kongress findet am 1.und 2. Juli 2014 in Baden-Baden statt.

 

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Copyright © VDE VERLAG GMBH, zuletzt aktualisiert am 02.09.2014