Industrie 4.0
13.03.2017

Erfolgreicher 22. Industrial Communication Congress

Am 8. und 9 März 2017 fand der 22. Industrial Communication Congress in Bad Pyrmont statt. Über 200 Teilnehmer kamen zu dem Kongress bei Phoenix Contact, der dieses Jahr das Thema “Die moderne Fabrik: flexibel, sicher, wettbewerbsfähig“ fokussierte.

Ulrich Leidecker, President der Business Unit Industry Management & Automation bei Phoenix Contact, eröffnete die Veranstaltung und informierte über aktuelle Entwicklungen bei Phoenix Contact. Phoenix Contact generierte in 2016 einen Umsatz von 1,977 Mrd. €. Neben Investitionen in neue Fertigungsstätten in Deutschland und in Italien wird auch eine eigene Fertigungsstätte mit 3300 qm in Russland errichtet, da laut U. Leidecker dieser Markt langfristig wichtig bleibt. Die Investition dort beläuft sich auf 5 Mio. €.
Für den Bereich der Automatisierung vollzieht das Unternehmen einen Wechsel zu offenen Lösungen. Offenheit ist laut U. Leidecker die Basis für Innovation: „Nur wenn der Quellcode für jeden einsehbar ist, kann man sichere Lösungen zur Verfügung stellen.“ Beispiele für offene Lösungen von Phoenix Contact sind PLC Next Technology und die Proficloud.

Ulrich Leidecker, President der Business Unit Industry Management & Automation bei Phoenix Contact, eröffnete den ICC 2017

Bei der PLC Next Technology kann jeder Hochsprachenentwickler seine Programme entwickeln. Das patentierte Task Handling der Technologie sorgt dafür, dass sich die unterschiedlichen Programme wie ein IEC-61131-3-Software verhalten. Die Hardware ist mittlerweile fertig. Das erste Release der gesamten Steuerung wird es zur SPS IPC Drives 2017 geben. Auch die Proficloud setzt komplett auf offenen Systeme auf.
Jens Wiesner vom Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik (BSI) hat in seinem Referat auf die Risiken in Bezug auf Security hingewiesen. Für IoT sieht er im industriellen Bereich „noch keine sinnvolle Anwendung“, die das Eingehen der vorhandenen Risiken rechtfertigen. Zugleich lädt er die Unternehmen ein, gemeinsam mit dem BSI Sicherheitsrisiken zu begutachten.
Über flexible wandlungsfähige Produktionssysteme referierte Dr. Johann Härtl, Leiter Entwicklung und Prozesstechnik bei der Kuka Systems GmbH. Volatile Märkte und individualisierte Produkte führen zu einem breiteren Typenmix. Die erforderliche Wandlungsfähigkeit in der Fertigung lässt sich durch mobile Robotik und die Auftrennung von Produktion und Logistik erreichen. Zwischen Scada und Steuerungsebene wird deshalb noch eine Middleware bestehend aus Warehouse Management und Fleet Manager eingeführt.
Dr. Oliver Fenker, Mitglied der Geschäftsleitung bei der Liebherr-Components Biberach GmbH, erläuterte, wie mit einem modularen Ansatz Schaltschrankprojekte effektiver abgewickelt werden können. Dies spielt im Unternehmen eine wichtige Rolle, da pro Jahr knapp 5000 laufende Meter Schaltschränke gefertigt werden. Der modulare Ansatz reduziert die Durchlaufzeit um 18 %. Darüber hinaus verringert sich zum Beispiel die Anzahl technischer Zeichnungen um 83 %. Außerdem lassen sich Einkaufsumfänge bündeln.
Ralf Schubert, Geschäftsführer der Gerhard Schubert GmbH, stellte die erste schaltschranklose Verpackungsmaschine vor. Er geht davon aus, dass in Zukunft alle Verpackungsmaschinen schaltschranklos sein werden. „Wer konsequent schaltschranklos baut, ist gezwungen zur Einfachheit“, ist der Maschinenbauer überzeugt. Das Automatisierungsnetzwerk basiert auf Sercos. Es kommen ausschließlich Servoantriebe zum Einsatz. Der Einsatz von Asynchronmotoren wird vermieden, um die Motoren auf einfache Weise sicher zum Stillstand zu bringen. Nun hofft er auf eine Lösung, damit auch die Energieverteilung schaltschranklos werden kann.
„Software gewinnt im Maschinenbau einen viel wichtigeren Stellenwert. Mechanik wird zum Anhängsel“, ist Dr. Rainer Stetter, Geschäftsführer der ITQ GmbH, überzeugt. Er berichtete darüber, wie schnell und nachhaltig Veränderungen sein können: „'Das war schon immer so‘ ist kein Argument.“ Als Beispiel führt er das Elektroauto an, welches 85 % weniger mechanische Teile benötigt, als Autos mit Verbrennungsmotoren. Komponenten, wie Getriebe, Katalysator, Antriebsstrang, Tank, hydraulische Bremse, Abgasanlage, Verbrennungsmotor, Lichtmaschine und Motorenöl, werden nicht mehr benötigt. Eine wichtige Voraussetzung für die Veränderungen ist die Weiterbildung auf allen Ebenen. In Zeiten von Industrie 4.0 muss sich das Qualifizierungsprofil auch von bereits in Beruf stehenden Ingenieuren weiterentwickeln.
Christian Hennerfeind und Michael Senger von BMW stellten die im Jahre 2015 entstandene BMW Smart Automation Suite vor, ein von BMW eigenentwickeltes Engineeringtool der technischen Planung, welches in immer mehr Anlagen in den BMW-Fertigungswerken weltweit als Standard um Einsatz kommt. Die .Net-geschrieben Applikation stellt auch die Verbindung zwischen SAP-System und Steuerungstechnik her. Jede Steuerung kann in das Tool eingebunden werden, wenn offene Schnittstellen vorhanden sind.
Michael Sandner, Teamleiter bei Volkswagen, berichtete danach über IT-Security in der Industrie 4.0: „Security ist Enabler für Industrie 4.0 in den Wertschöpfungsnetzwerken.“ Sein Aufruf an die Gerätehersteller geht dahin, Security by design zu realisieren. Das Davorschalten von Firewalls sei Industrie 3.0 und funktioniert in Zukunft nicht mehr.

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Zum Schmunzeln

„Hast Du auch so einen Schrittzähler?“ „Nein! Ich fange erstmal langsam an. Ich habe jetzt einen Bewegungsmelder!“

Copyright © VDE VERLAG GMBH, zuletzt aktualisiert am 26.03.2017