Leitungen, Steckverbinder & Interface
12.10.2017

Drehgeberhersteller präsentieren offene Motor-Feedback-Schnittstelle

Auf der Motek in Stuttgart haben die Sensor- und Drehgeberhersteller Baumer, Hengstler und Kübler die offene, standardisierte Motor-Feedback-Schnittstelle SCS open link erstmals der Öffentlichkeit präsentiert. Die neue Schnittstelle ermöglicht den hoch performanten Austausch bidirektionaler Daten zwischen Motor und Drive, zum Beispiel Positionsdaten des Encoders.

Gebhard F. Kübler (Kübler), Jochen Feller (Hengstler) und Karsten Just (Baumer) präsentieren die neue Motor-Feedback-Schnittstelle "SCS open link" (Bild: Baumer/Hengstler/Kübler)

Die drei Marktbegleiter verstehen sich als die Initiatoren einer wachsenden Community, die sich für die Etablierung eines offenen Schnittstellenstandards einsetzt. Ziel dabei ist es, Antriebsherstellern zukünftig eine größere Flexibilität bei der Auswahl des zu ihrer Anwendung passenden Drehgebers zu ermöglichen. Durch eine neutrale Zertifizierung soll die Kompatibilität von Geräten verschiedener Hersteller untereinander sichergestellt werden.

„Am Markt für Servoantriebe verspürt man ein starkes Bedürfnis nach kompatiblen Motor-Feedback-Systemen, mehr Flexibilität und einem zukunftssicheren, nichtproprietären Standard. Zusammengefasst besteht ein dringender Wunsch nach einer offenen, sicheren Ein-Kabel-Lösung. Diese Anforderungen werden durch die neue Schnittstelle ,SCS open link' erfüllt. Zudem werden die Markttrends hinsichtlich steigender Performance und funktionaler Sicherheit nachhaltig erfüllt“, sagte Gebhard F. Kübler, geschäftsführender Gesellschafter der Kübler Gruppe, auf einer Pressekonferenz während der Motek am 10. Oktober in Stuttgart.

„SCS“ steht für Single Cable Solution. "Eine hoch performante Ein-Kabel-Lösung, realisiert über zwei Adern", stellt G. Kübler heraus und verdeutlicht weiter: ",open' steht für eine nicht proprietäre, offene Schnittstelle, die einen bewährten zertifizierten Standard verspricht. Und ,link' unterstreicht die Bedeutung als Motion-Protokoll für die Verbindung zwischen rotativem oder linearem Motor-Feedback-Encoder und dem Antriebsregler." Darüber hinaus würde die hohe Bedeutung von Sicherheit durch die Eignung der Schnittstelle für Anwendungen bis SIL3 / PL e dokumentiert. Um die Zukunftssicherheit der neuen Lösung zu verdeutlichen, führte er die Möglichkeiten des Condition Monitorings sowie des  Anschlusses weiterer Sekundärsensoren an. Industrie 4.0 Szenarien seien somit bereits heute realisierbar. Die neue Schnittstelle zeichne sich zudem durch ein transparentes Lizenzmodell aus, das die Offenheit auch hinsichtlich möglicher weiterer Anbieter sicherstellt.

Jochen Feiler, Geschäftsführer der Hengstler GmbH, stellte die technischen Besonderheiten von "SCS open link" und den damit verbundenen Kundennutzen vor. Dabei beantwortete er zunächst die Frage: Wie offen ist offen?. "Hierbei liegt tatsächlich der Schwerpunkt auf einer zukunftssicheren und klaren Regelung der Nutzungsrechte sowie der Möglichkeit, dass die drei Gründungsmitglieder der Erweiterung des Sensor-Hersteller-Kreises grundsätzlich positiv gegenüberstehen." Klar sei aber auch, dass die Community aus Kundensicht ins Leben gerufen wurde. „Wir haben vom Markt klar signalisiert bekommen, dass eine weitere geschlossene Schnittstelle nicht gewünscht ist“, sagt J. Feiler. Zudem hebt er die Vorteile von "SCS open link" für Antriebs- und Maschinenhersteller hervor: „Ein zentraler Punkt ist die hohe Flexibilität durch Angebote verschiedener Drehgeberhersteller und die einfache Implementierung von ,SCS open link' auf Basis eines Mikrokontrollers, durch die eine hohe Innovationskraft sowohl auf Maschinen- als auch Motorenebene sichergestellt wird“. J. Feiler weist ferner darauf hin, dass die neue Schnittstelle auf der von Hengstler entwickelten Schnittstelle Acuro link basiere und dazu komplett rückwärts kompatibel sei.

Karsten Just, Geschäftsführer Vertrieb und Marketing der Baumer Group, stellet zudem heraus: „Der Zusammenschluss dreier namhafter Drehgeberherstellern stellt ein absolutes Novum dar, und die Bedeutung des Begriffs Community steht hierbei im Mittelpunkt. Auf einer gemeinsamen Webseite (www.scs-open-link.org) werden ab sofort alle relevanten Informationen zur Schnittstelle bereitgestellt. Die Webseite dient als Kontaktpunkt sowohl für interessierte Anwender als auch für weitere potentielle Lizenznehmer. Das Angebot an ,SCS open link'-fähigen Sensoren und die Marktbearbeitung wird von jedem einzelnen Mitglied separat vorangetrieben. Auf der kommenden SPS IPC Drives in Nürnberg wird es somit von allen drei Gründungsmitgliedern individuelle Produkte und Lösungsansätze geben.“ K. Just kündigt im Anschluss an die Pressekonferenz noch eine kleine Hausmesse an. Hier stellten sich zahlreiche, bereits zum "SCS open link"-Community-Netzwerk gehörende Stecker- und Kabelhersteller vor. Mit dabei sind die Unternehmen Helukabel, Igus, Lapp, Phoenix Contact, SAB Bröckskes, Tecni-Kabel und TE Connectivity.

Details zu "SCS open link"

"SCS open link" ist eine mit besonderem Fokus für Motor-Feedback-Anwendungen entwickelte Schnittstelle. Sie ermöglicht einen hoch performanten Austausch bidirektionaler Daten zwischen Motor und Drive, wie beispielsweise Positionsdaten des Encoders. Durch die Möglichkeiten zur Übertragung weitere Daten von Sekundärsensoren, beispielsweise für die Temperaturüberwachung oder das Condition Monitoring, erfüllt die Schnittstelle zudem die heutigen und zukünftigen Anforderungen von Industrie 4.0 und IIoT.

"SCS open link" ist als Ein-Kabel-Lösung konzipiert und unterstützt 2- und 4-Draht-Anwendungen. Die neue Schnittstelle ermöglicht Kabellängen bis 100 m, Übertragungsraten bis 10 MBaud und Reglerzyklen bis 32 KHz. Für Funktionale Sicherheit ist das Protokoll zertifiziert bis SIL3 und Kategorie 3. Die Kompatibilität von Geräten untereinander wird sichergestellt durch eine neutrale Zertifizierungsstelle.

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