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19.05.2010

Die Marschroute gesteckt

Seit Mai 2009 ist Hartmut Pütz Executive Vice President Factory Automation bei Mitsubishi Electric. Sein Hauptfokus liegt darin, das japanische Unternehmen in Europa bekannter zu machen und es als Lösungsanbieter zu positionieren...

Seit Mai 2009 ist Hartmut Pütz Executive Vice President Factory Automation bei Mitsubishi Electric. Sein Hauptfokus liegt darin, das japanische Unternehmen in Europa bekannter zu machen und es als Lösungsanbieter zu positionieren. Alleinstellungsmerkmale sieht er dabei in dem breiten Produktangebot.

 

„Mitsubishi Electric rangiert auf Platz 2 der Weltspitze im Bereich Factory Automa­tion. Platz 1 wird von Siemens gehalten“, erklärt H. Pütz die Positionierung seines Unternehmens gemessen am Umsatz. „In Japan und in den asiatischen Ländern sind wir quasi an erster Stelle gesetzt – unser Marktanteil in Japan liegt bei deutlich über 60 %. In Europa haben wir jedoch noch viel Aufholarbeit zu leisten“, sagt er weiter und nennt damit zugleich eines seiner größten Ziele innerhalb der European Business Group.

 

Die Wege zur Neupositionierung in Europa

Hartmut Pütz ist Executive Vice President Factory Automation – European Business Group der Mitsubishi Electric Europe B.V. mit Sitz in Ratingen

Hartmut Pütz ist Executive Vice President Factory Automation – European Business Group der Mitsubishi Electric Europe B.V. mit Sitz in Ratingen

Das Erfolgsmotto hinter dem Handeln des Executive Vice President lautet: Tue Gutes und rede darüber. „Wir haben viele herausragende Produkte und Bereiche, in denen wir einzigartig sind. Allerdings sind diese in Europa oft nur wenig bekannt“, so H. Pütz. Als Beispiele nennt er die Erfolge mit den Kompaktsteuerungen oder die Motion-Control-Lösungen in Bezug auf Geschwindigkeit und Positioniergenauigkeit. „Außerdem sind wir weltweit einer der wenigen Roboterhersteller, der echtzeitansteuerbare Roboter anbietet“, betont er zudem. Mit Blick auf das Gesamtangebot erklärt er: „Im Vergleich zu anderen großen Wettbewerbern offerieren wir dem Kunden eines der breitesten und durchgängigsten Sortimente – von der Automatisierungstechnik über die CNC-Technologie bis hin zur Robotik.“ Dabei gibt er durchaus zu, dass bislang im Vertrieb mehr der Verkauf der Einzelprodukte, zum Beispiel die Klassiker Kompakt- und Klein-SPS im Vordergrund standen. „Eines meiner Ziele ist es, dem Kunden unsere Alleinstellungsmerkmale näher zu bringen. So profitiert er am meisten von der Komplettlösung aus einer Hand“, ist er überzeugt. Für eine bessere Kundenansprache wurden deshalb drei Zielmärkte definiert: Wasser/Abwasser und Infrastruktur; Lebensmittel- und Konsumgüter inklusive Life Sciences sowie regenerative Energien. „In diesen Märkten waren wir auch schon zuvor tätig – allerdings als Komponentenanbieter“, so H. Pütz. „Wir haben vor ca. einem halben Jahr begonnen, die Zielmärkte zu definieren und zu analysieren, die wir mit Gesamtlösungen aus dem Haus Mitsubishi Electric adressieren wollen.“ Die vertrieb­liche Umstrukturierung ist nun in vollem Gang. Ziel ist es, dass in Zukunft Lösungskunden in den genannten Zielmärkten vom Mitsubishi-Electric-Vertriebsteam betreut werden. H. Pütz: „Unser Direktvertrieb wird damit branchenbezogen tätig werden. Ein Vorteil dabei: Bei industriespezifischen Lösungen tritt der Preis in den Hintergrund.“

Die Mitsubishi-Electric-Automatisie­rungswelt – Roboter, SPS, Drive Systems, MMI, Leistungsschalter, CNC – alles aus einer Hand

Die Mitsubishi-Electric-Automatisie­rungswelt – Roboter, SPS, Drive Systems, MMI, Leistungsschalter, CNC – alles aus einer Hand

Bekannte Strategie weiter im Fokus

Während vertriebsseitig Anpassungen auf dem Plan stehen, wird die strategische Ausrichtung weiterverfolgt. Hier hat die Produkt­ausrichtung mithilfe der vertikalen und horizontalen Integration Priorität. Bei Mitsubishi wird dies unter dem Namen e-F@ctory zusammengefasst. Das Ziel dahinter lautet: Steigerung des Outputs bei paralleler Minimierung des Energieeinsatzes im Produk­tionsprozess. „Dazu ist es gleichzeitig erforderlich, den Ausschuss zu minimieren“, verdeutlicht der CEO. Entsprechend müsse der Produktionsprozess besser, schneller und effizienter gesteuert werden. „Das ist es, was wir mit der horizontalen Integration der Produktionsprozesse erreichen können. Dabei ist es egal, um welchen Prozess es sich handelt, wichtig ist die durchgängige Bereitstellung der Prozesswerte in Echtzeit, die letztendlich dazu dient, die Produktionsprozesse effizienter zu gestalten.“

Das MES-Modul für die modularen Steuerungen verbindet die Produktion direkt mit den betriebswirtschaftlichen Anwendungen von SAP und sorgt durch einfache Parametrierung für trans-parente Prozesse im Unternehmen

Das MES-Modul für die modularen Steuerungen verbindet die Produktion direkt mit den betriebswirtschaftlichen Anwendungen von SAP und sorgt durch einfache Parametrierung für trans-parente Prozesse im Unternehmen

Im Mittelpunkt des e-F@ctory-Konzepts steht die durchgängige Kommunikation zwischen den Systemen der Produktions- und der ERP-Managementebene. In diesem Zusammenhang bietet Mitsubishi Electric verschiedene MES-Lösungen an, die Gateway-Rechner und deren Programmierung ersetzen. Meilensteine setzt das Unternehmen mit dem MES-Interface-IT-Modul. „Bei vielen MES-Lösungen ist der erste Ansatz oftmals zu komplex, da sie aufwendige IT-Systeme und langwierige Implementierungszeiten mit sich bringen“, nennt der Geschäftsführer seine Erfahrungen aus Kundengesprächen. „Mit dem MES-IT-Interface-Modul bieten wir Kunden die Möglichkeit, eine Kommunika­tion zwischen der Fertigung und der Leitebene in zehn Minuten aufzubauen. Das Modul stellt unsere derzeit leistungsfähigste Lösung dar, um Produktionsdaten direkt aus der Steuerung mit den Datenbanksystemen der weltweit führenden Hersteller betriebswirtschaftlicher Software auszutauschen“, erklärt er weiter. Dazu wird das Modul auf den Baugruppenträger der „iQ Platform“ auf das SPS-Modul aufgesteckt. Mittels Software erfolgen Konfiguration und Parametrierung und somit die Verbindung von Prozess­ebene und Leitsystem innerhalb von einigen Minuten; eine Programmierung ist nicht erforderlich. „Das MES-IT-Modul bietet aber nicht nur hinsichtlich der Verbindung mit Leitsystemen und Datenbank Flexibilität, sondern auch bei der Anbindung von Komponenten auf der Fertigungsebene“, nennt H. Pütz einen weiteren Vorteil. So ermöglicht eine Auswahl an Treibern neben dem Anschluss an eigene Automatisierungskomponenten auch den von SPS- und Visualisierungssystemen von Fremdherstellern.

„Noch einen Schritt weiter geht eine in Zusammenarbeit mit Ubigrate entwickelte MES-Lösung. Sie basiert auf einer leistungsfähigen Software-Plattform des Unternehmens und nutzt neben dem C-Controller als Standardbaustein der modularen Steuerungstechnik auch die Kommunikations-Software EZ-Socket aus unserem Haus“, informiert H. Pütz. Diese Kombination ermöglicht eine direkte Anbindung der „iQ Platform“ an etablierte SAP-Schnittstellen und damit die reibungslose Übertragung von Echtzeitdaten über eine Vielzahl von Kommunikationswegen. Zudem bietet die Software-Plattform von Ubigrate bereits komplett fertige Grundfunktionen für einzelne SAP-Module, wie Warehouse Management (WM), Extended Warehouse Management (EWM), Logistics Execution Systems (LES) und Task Resource Management (TRM). „Die Entwicklungsprozesse für die Anbindung an SAP-Systeme werden hierdurch vereinfacht und beschleunigt, während das Entwicklungsrisiko und die Kosten sinken“, nennt der CEO als Vorteile.

Durchgängige Kommunikation von der Shopfloor- bis zur ERP-Managementebene

Durchgängige Kommunikation von der Shopfloor- bis zur ERP-Managementebene

Weiterentwicklung der Produktpalette

Im traditionellen Hardware-Geschäft setzt das Unternehmen weiter auf SPS. So soll der langfristige Support für Maschinen- und Anlagenbauer abgesichert werden, zu dem laut H. Pütz die kurzlebige PC-Technologie nicht passt. Dementsprechend ist das Unternehmen derzeit in vielen Migrationsprojekten involviert, bei denen Anwendungen von den A-Serie-SPS in die neue „iQ Platform“ umgestellt werden. „Weiterhin wird die ,iQ Platform durch neue Module in ihrer Funktionalität erweitert“, erklärt der CEO.

Zudem soll die Baureihe der dezentralen IO-Module Melsec ST erweitert werden, damit zukünftig nicht nur CC-Link und Profibus, sondern auch Protokolle, wie Ethercat und Profinet, unterstützt werden.

Im Bereich der regenerativen Energien ist das Unternehmen im deutschsprachigen Raum vor allem bei der Herstellung von Solar-Panels engagiert. „Wir haben große Kunden in diesem Bereich“, unterstreicht der Geschäftsführer. Auch bei der Steuerung von Solarkraftwerken spielt das Unternehmen vorn mit. „Gemeinsam mit Schwesterbereichen aus unserem Gesamtkonzern können wir sogar komplette Solarkraftwerke – vom Solarpanel bis zur Steuerung – aus einer Hand anbieten“, informiert er.

 

Energieeffizienz ist Unterpunkt

Interessant ist, dass weder im Zusammenhang mit der bestehenden Produktpalette noch bei den Aussagen zu neuen Produkten der derzeitige Marketingschlager Energieeffizienz genannt wurde. „Energieeffizienz ist für uns ein Unterpunkt unter dem Hauptziel der Optimierung der Produktionsprozesse, das wir unter e-F@ctory zusammenfassen. Dieses Ziel haben wir uns seinerzeit gesetzt und halten nach wie vor daran fest“, erklärt H. Pütz und stellt damit gleichzeitig ein Kernelement in der japanischen Unternehmensführung heraus. Gesteckte übergeordnete Ziele werden langfristig verfolgt und nicht schnell aufgrund neuer Trendthemen über Bord geworfen. „Statt dessen integrieren wir aktuelle Themen, wie die Energieeffizienz, in unsere Marschroute“, verdeutlicht er. Auch die Umsatzzahlen würden nicht in dem Maß die Strategie bestimmen, wie dies beispielsweise in amerikanischen Unternehmen der Fall sei. „Und selbst die Wirtschaftskrise hat nicht dazu geführt, dass wir unseren Hauptfokus geändert haben“, sagt der CEO. Er gibt aber auch zu, dass die „Umsetzungsgeschwindigkeit durch die Krise etwas reduziert werden musste“. So seien in Europa und Deutschland organisatorische Änderungen erforderlich gewesen. Nicht von Budgetkürzungen betroffen gewesen wäre hingegen der F&E-Bereich.

 

Ausblick

Wirtschaftlich profitiert das Unternehmen derzeit vom beginnenden exportgetriebenen Wiederaufschwung. Unter dem Motto „Wir bringen Sie nach Südostasien“ führt Mitsubishi Electric OEM-Tage durch, bei denen deutschen Maschinen- und Anlagenbauer Unterstützung bei der Eroberung des asia­tischen Markts angeboten wird. „Für unsere Kunden hat das den Vorteil, dass sie unsere gute Reputation und Infrastruktur nutzen können“, so H. Pütz. Von dem vielseitigen Angebot des Unternehmens können sich potenzielle Kunden auch auf den kommenden Fachmessen Automatica, Motek, IFAT und SPS/IPC/Drives sowie auf regionalen Schwerpunktseminaren überzeugen.

Mit Blick auf den diesjährigen Umsatz ist General Manager H. Pütz optimistisch, dass die Mitsubishi Electric Business Unit Industry Automation diesen in 2010 um mehr als 10 % im Vergleich zum Vorjahr steigern wird. „Wir wollen stärker wachsen als der Markt und nehmen diesen Optimismus aus unseren Aktivitäten und Ideen“, schließt H. Pütz ab.

 

Inge Hübner, Ronald Heinze

 

Weitere Informationen unter www.mitsubishielectric.de. Beitrag als PDF downloaden

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