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06.11.2008

Future Dialog: „Die Zukunft der Automatisierung“

„Die Zeit wird kommen, da unsere Nachkommen sich wundern, dass wir so offenbare Dinge nicht gewusst haben“, meinte der römische Philosoph Lucius Annaeus Seneca...

„Die Zeit wird kommen, da unsere Nachkommen sich wundern, dass wir so offenbare Dinge nicht gewusst haben“, meinte der römische Philosoph Lucius Annaeus Seneca. In einer von der openautomation-Redaktion moderierten Diskus­sions­runde mit Experten auf dem Industrial Communication Congress in Bad Pyrmont im September dieses Jahres sollte versucht werden, dieser fast 2000 Jahre alten Weisheit etwas entgegenzusetzen.

Dr. Markus Winzenick ist Geschäftsführer im Fachverband Automation im ZVEI

Dr. Markus Winzenick ist Geschäftsführer im Fachverband Automation im ZVEI

Die alljährlich von Phoenix Contact ausgerichtete Veranstaltung bietet durch die Kombination aus Vorträgen und Workshops eine Plattform zur Erörterung der industriellen Kommunikation. Im Rahmen einer Diskussionsrunde stellten die Experten fest, dass die industrielle Kommunikationstechnik auch in Zukunft eine Schlüsselfunktion behält. „Während zur Jahrtausendwende der Übergang zu ethernetbasierenden Feldbussystemen zu beobachten war, zeichnet sich jetzt der Trend ab, Web-Technologien in die Automatisierungstechnik einfließen zu lassen“, erkennt Dr. Markus Winzenick, Geschäftsführer im Fachverband Automation im ZVEI.

 

In der „konsequenten Nutzung von vorhandene Informationstechnologien mit dem Web als Interface“ sieht auch Johannes Kalhoff von Phoenix Contact ein viel versprechendes Zukunftspotenzial. „Neben dem reinem Interface zum Menschen übernimmt die Mensch-Maschine-Kommunikation einen immer größer werdenden Anteil. Hier können Web-Mechanismen ihre Vorteile der automatischen Verbindungsfindung und Standardisierung ausspielen“, ergänzt J. Kalhoff.

Johannes Kalhoff ist im Corporate Technology Management der Phoenix Contact GmbH & Co. KG tätig

Johannes Kalhoff ist im Corporate Technology Management der Phoenix Contact GmbH & Co. KG tätig

Der Wunsch nach durchgängiger Vernetzung mit Anbindung an das Internet ruft allerdings nicht nur Begeisterung hervor. Es stellt sich die Frage, ob das die Anforderungen der Kunden trifft, oder ob hier etwas gemacht wird, weil es machbar ist. Dr. M. Winzenick sieht eher die Kostenreduzierung als Motivation der Entwicklung und zieht einen Vergleich: „Ähnlich wie auch die Ablösung der Prozessrechner durch Industrie-PC in den 1990-er Jahren nicht in der technischen Überlegenheit der PC begründet war, ist auch hier wieder der Kostendruck die Triebfeder der Entwicklung. Es ist ohnehin eine logische Weiterentwicklung, bereits anderweitig vorhandene Technologien einzusetzen und kommt dem Bedürfnis der Anwender nach einem bekannten look and feel entgegen.“ Trotzdem müssen noch ein paar Hausaufgaben erledigt werden: „Es ist klar, dass dabei auch neue Probleme, wie IT-Security und Software-Updates, importiert werden, die es zu lösen gilt.“ Insgesamt überwiegen aber die Vorteile. „Automatisierung ist kein Selbstzweck und wäre unverkäuflich, wenn die Kunden keinen Nutzen daraus ziehen könnten. Grundsätzlich Neues lässt sich aber in der Regel nicht nur auf der Basis von konkreten Kundenwünschen entwickeln“, ergänzt Dr. Martin Lang, Vice President Product Engineering bei Rittal.

Dr. Martin Lang ist Vice President Product Engineering bei der Rittal GmbH & Co. KG

Dr. Martin Lang ist Vice President Product Engineering bei der Rittal GmbH & Co. KG

„Effizienzsteigerung durch einen höheren Integrationsgrad von Teilfunktionalitäten in den einzelnen Modulen, bei gleichzeitiger Reduzierung der Anzahl von Schnittstellen“, formuliert Uwe Gräff, Leiter der Business Unit Netware Interface Control bei Festo, die Leitlinie für künftige Entwicklungen und bestätigt die überragende Bedeutung der Vernetzung: „Die Steigerung der Funktionsdichte erfordert für Diagnose und Parametrierung mehr Kommunikation.“ Die Komplexität der Systeme hat sich in den vergangenen Jahren bereits deutlich erhöht, während die schulische und auch betriebliche Ausbildung der Servicetechniker unverändert geblieben ist. Interessant ist daher, wer künftig die Systeme warten und instand halten soll. J. Kalhoff bestätigt, dass vorübergehend solch eine Überforderung wahrgenommen werden kann, aber bereits nach kurzer Eingewöhnungszeit und fortschreitender Produktentwicklung soll der Anwender von der „Einfachheit in der Nutzung der neuen Produkte“ überzeugt werden und sich deren „Handhabbarkeit stark vereinfachen“. Als eine Herausforderung für die Entwickler sieht M. Lang das Thema Instandhaltung: „Bereits heute gibt es in den Anlagen eine Unzahl von intelligenten Geräten und Komponenten, von denen jedes über ein eigenes Engineeringwerkzeug verfügt. Hier zu einer Vereinheitlichung zu kommen, ist eine wichtige Aufgabe für die Zukunft.“

Uwe Gräff ist Leiter der Business Unit Netware Interface Control bei der Festo GmbH & Co. KG

Uwe Gräff ist Leiter der Business Unit Netware Interface Control bei der Festo GmbH & Co. KG

„Mit der steigenden Informationsdichte werden auch neue Anforderungen an die Leittechnik gestellt. Gleichzeitig ebnet dies neue Wege der Prozessführung, welche zum Beispiel geeignete Strategien zur Steigerung der Energieeffizienz ermöglichen. Die zunehmende Flexibilisierung mit der einhergehenden Komplexität wird den Engineeringaufwand in allen Bereichen deutlich erhöhen und neue Konzepte mit unterstützenden Tools hervorbringen“, analysiert Dr. M. Lang. „Mit Blick auf die Lebenszykluskosten werden auch Service und Instandhaltung an Bedeutung gewinnen“, fügt er ergänzend hinzu.

Einen völligen Umbruch im Bereich der Automatisierung vermag sich indes aber wohl niemand so recht vorzustellen. „Denkbar ist eine rasche Entwicklung von sich selbst organisierenden Sensornetzwerken. Das hätte weitreichende Konsequenzen beim Engineering von Automatisierungskonzepten“, wagt dann M. Winzenick doch eine vorsichtige ­Prog­nose.

 

Ronald Heinze

 

Weitere Informationen unter

www.zvei.org,

www.festo.com,

www.phoenixcontact.com sowie

www.rittal.de.

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