Industrie 4.0
21.11.2017

Automatisierungs- und Digitalisierungskurs eingeschlagen

Lange Zeit hat sich Weidmüller als Experte für Connectivity-Lösungen am Markt positioniert. Mit der Einführung eines eigenen Remote-IO-Systems wurde 2013 das Portfolio in Richtung Automatisierungstechnik ausgebaut. Nun wurde eine eigenständige Automatisierungs-Division gegründet und mit U-Mation ein Automatisierungsbaukasten eingeführt, in dem sich ab Mitte 2018 auch eine Steuerung sowie HMI wiederfinden.

Auf der SPS IPC Drives präsentiert Weidmüller seinen Automatisierungsbaukasten U-Mation mit U-View und U-Control, zwei innovativen Automatisierungslösungen für den Maschinen- und Anlagenbau der Zukunft (Bild: Weidmüller)

Rund 180 Mitarbeiter werden in der neu gegründeten Division Automation Products & Solutions zusammengefasst. „Wir starten mit einem hoch motivierten Team in einer spannenden Zeit, die von schnellen Veränderungen geprägt ist“, sagt Michael Matthesius, Leiter der Division. Als Beweis dafür, dass es Weidmüller ernst ist, mit seinem tiefen Einstieg in die Automatisierung, hat er eine ganze Reihe neuer Produkte im Gepäck: ­U-Control, U-View und künftig noch U-Motion sowie Industrie-PC. Gebündelt wird das Produktspektrum unter der Dachmarke U-Mation. „Unser Automatisierungs-Baukasten umfasst neben unserem Re­mote-IO-System U-Remote, inklusive Safety-Lösung und IO-Modulen in Schutzart IP20 und IP67, unsere neue Steuerung U-Control, die auf offener, plattformunabhängiger Webtechnologie basiert, sowie U-View, moderne Panel-PC in den Ausbaustufen Basic und Advanced“, fasst der Divisionsleiter zusammen. Abgerundet wird das U-Mation-Angebot durch den Security Router. Über die VPN-Verbindung des Routers lassen sich Maschinen und Anlagen mit der webbasierten Fernwartungslösung U-Link effizient und sicher überwachen. Diese lässt Weidmüller zukünftig auch in die Steuerungs­lösungen U-Control einfließen, um so eine direkte und sichere Verbindung auf deren Daten zu erhalten. Gezeigt werden die Neuzugänge im Portfolio auf der SPS IPC Drives im November in Nürnberg.

Kunden auf Digitalisierungsweg begleiten

Für manch einen mag der Weidmüller-Einstieg ins Automationsgeschäft mit Steuerungstechnik und HMI etwas spät kommen, schließlich sind die Claims lange abgesteckt. „Die Digitalisierung verändert die Welt – auch im industriellen Umfeld. Industrie 4.0 war eine gute Initiative, um den technologischen Wandel in Gang zu bringen. Und mittlerweile ist die Digitalisierung auch im Maschinenbau angekommen. Mit unserem Gesamtangebot im Automatisierungsbereich wollen wir den OEM nun auf seinem Weg hin zu neuen Geschäftsmodellen begleiten. Mit Industrial Analytics und unserer Fernwartungslösung U-Link haben wir bereits viele erfolgreiche Projekte realisiert und unsere Kompetenz dahin gehend unter Beweis gestellt“, sagt M. Matthesius. Auch bei CNC-Maschinen werden bereits erste Analytics-Gespräche geführt. „Mit einem abgestimmten Lösungsangebot für Automatisierung und Digitalisierung wollen wir diesen Weg nun weiter ausbauen“, erklärt er.

Michael Matthesius, Leiter der Weidmüller-Division Automation Products & Solutions präsentiert den Automatisierungsbaukasten U-Mation  (Bild: VDE VERLAG)

Beginn der Erfolgsstory

Seit Einführung von U-Remote im Jahr 2013 wurden bis heute rund 700 Kunden in 42 Ländern mit dem IO-System beliefert. Mittlerweile werden acht Bussysteme unterstützt: Profibus DP, Profinet, Powerlink, Ethercat, Modbus TCP, Devicenet und Ethernet/IP. Dabei spielt es in unterschiedlichen Branchen seine Vorteile aus, zum Beispiel im Anlagenbau bei Bitburger. „Hier gaben die schmale Baubreite von 11,5 mm den Ausschlag für die Wahl des Systems, ebenso wie die gute Beständigkeit gegen hohe Luftfeuchtigkeit und hohe Temperaturen“, erklärt Business-Unit-Leiter Automation Products Dr. Björn Griese. Als zweites Beispiel nennt er den Serienmaschinenbau und führt den CNC-Experten Multicam an. „Hier überzeugte U-Remote aufgrund seiner einfachen Integrierbarkeit in die bestehenden Maschinen. Außerdem wurde der Aspekt, Safety als eigene Scheibe ins System integrieren zu können, als wichtig erachtet.“

Business-Unit-Leiter Automation Products Dr. Björn Griese nennt Details rund um die Messeneuvorstellungen U-Control und U-View (Bild: VDE VERLAG)

Webbasiertes Engineering

Mit seinen Neuvorstellungen will Weidmüller an diese Erfolge anknüpfen. Eine Strategie dabei ist es, sich von den bisherigen Steuerungskonzepten abzuheben. „Der Vorteil unseres Neustarts in diesen Bereich ist, dass wir unsere Lösung an den aktuellen Indus­trie-4.0-Anforderungen ausrichten können“, sagt Dr. B. Griese. Das bedeutet für ihn: „Wir setzen auf webbasiertes Engineering und damit eine plattformunabhängige Anlagenprogrammierung innerhalb eines beliebigen Browsers.“ Die Programmierung selbst erfolgt dann nach IEC-61131-3-Sprachen.

Konkret basiert die Steuerung auf zwei CPU und einer Shared Memory. Die Steuerungsfunktionalität läuft auf einem RTOS-Kernel mit Echtzeit; die Engineering-Software nicht echtzeitfähig unter Linux. „Da das Engineering-Tool bereits in die Steuerung integriert ist, ist keine zusätzliche Installation einer solchen Software erforderlich“, nennt Dr.?B.?Griese als Vorteil. Der Zugriff auf die Engineering-Software kann direkt, über ein Netzwerk oder über eine Cloud erfolgen. Auch die Programmierung ohne angeschlossene Hardware ist eine Option. „Durch dieses webbasierte Engineering ist der Kunde sowohl standortunabhängig – egal ob Fa­brik oder Büro – als auch plattformunabhängig – nicht mehr an Linux oder Windows gebunden – und zudem browserunabhängig – Internet Explorer, Firefox oder Chrome sind denkbar“, fasst der Experte zusammen.

Mit dem Ziel, die Komplexität zu reduzieren, hat Weidmüller bei der Entwicklung zudem großen Wert auf eine durchgängige intuitive Bedienung per Drag-and-drop gelegt. „Unser Tool wird sich zukünftig automatisch an unterschiedliche Ausgabegeräte anpassen – Stichwort: responsives Design – und ermöglicht so eine optimale Bedienung der webbasierten Oberfläche“, informiert Dr. B. Griese weiter.
Zusätzliche Industrie-Software-Applikationen lassen sich nachträglich auf der Hardware von U-Control installieren. Denkbare Industrie-Software-Apps sind Fernzugriff über U-Link, Feldbusmaster, Kommunikationsprotokolle (zum Beispiel OPC UA), ein Visualisierungseditor oder kunden- bzw. applikationsspezifische Funktionsblöcke.

Das Preismodell soll sich dabei wie folgt gestalten: Das auf der Steuerung installierte Engineering-Tool ist kostenfrei. Preispflichtig sind die Apps, die an die Geräte-ID gebunden sind. „Wir planen einen App Store, für den wir uns momentan noch in der Preisfindungsphase befinden“, informiert Detlef Grundke, Produktmanager Automatisierung.

Mit Blick auf den immer wichtiger werdenden Sicherheitsaspekt fügt er an: „Wir haben U-Control unter Berücksichtigung der aktuellen Security-Normen entwickelt. Das heißt, wir bieten unter anderem eine Verschlüsselung der Software als auch einen sicheren Zugang unter Verwendung des HTTPS-Protokolls sowie über eine VPN-Verbindung über das Internet.“

Der Einsatz von offenen Webtechnologien bietet zudem neue Ansätze im Kontext von Industrie 4.0 und vereinfacht die M2M-Kommunikation an einem Fertigungs­standort sowie auch standortübergreifend auf der Welt. U-Control ist zudem für den Einsatz in bereits bestehenden Maschinen und Anlagen als Retrofit geeignet. Die Weidmüller-Automatisierungslösung ist gleichermaßen für Maschinen- und Anlagenbetreiber interessant, die die Vorteile der neuen Web­tech­nolo­gien nutzen möchten.

Detlef Grundke, Produktmanager Automatisierung, zeigte erste Geräte live (Bild: Weidmüller)

HMI im Portfolio   

Ein weiterer Bestandteil im Automatisierungsportfolio von U-Mation sind die Bediengeräte U-View. Die Basic Line umfasst Geräte in den Größen 4,3-Zoll, 7-Zoll und 10-Zoll. Die Advanced Line 7-Zoll-, 10,1-Zoll-und 15,6-Zoll-Geräte; projektabhängig werden auch 5-Zoll- oder 21-Zoll-Geräte angeboten. Alle HMI sind mit einem Linux-Betriebssystem sowie Browser mit HTML?5 ausgestattet. Sie verfügen über Multitouch-Displays und sind frontseitig in Schutzart IP67 ausgeführt. Somit lassen sie sich im industriellen Umfeld zur Überwachung und Steuerung von Maschinen und Anlagen einsetzen. Die Anbindung der HMI an das webbasierte Engineering-Tool erfolgt über einen HTML5-fähigen Browser.

Und so geht es weiter

Auf der SPS IPC Drives werden ­U-Control, U-View und ein IoT-Gateway vorgestellt. Später folgen sollen dann U-Motion und IPC.

„Mit U-Control und unserem webbased Engineering bieten wir ein einzigartiges System, dass es in ähnlicher Form am Markt bislang nicht gibt“, stellt M. Matthesius heraus. „Die Abhängigkeit vom Betriebssystem wird eliminiert und die Verknüpfung zu weiteren Systemen, wie Smartphone, Tablet-PC usw. geschaffen. Mit dieser globalen Zugriffsmöglichkeit mit jedem Browser bieten wir unseren Kunden höchste Zukunftssicherung. Und durch weitere Komponenten in unserem Automatisierungsbaukasten ist zudem eine Anbindung an die Cloud möglich. Hier können dann weitere Services hinzugenommen werden, zum Beispiel analytische Funktionen oder Software-Apps, um den Funktionsumfang der Steue­rung zu erweitern“, verdeutlicht der Divisionsleiter. Zusammenfassend führt M.?Matthesius an „Hard- und Software, Applikations-Know-how und ­Bera­tungs­kompetenz, das sind die markanten Bestandteile unseres Automatisierungsbaukastens. Damit schaffen wir Industrie-4.0-Lösungen, die Digitalisierungs- und Automatisierungstechnologien verbinden.“

www.weidmueller.de

SPS IPC Drives: Halle 9, Stand 351

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Copyright © VDE VERLAG GMBH, zuletzt aktualisiert am 16.12.2017