27. Januar 2009
Siemens: Konjunkturflaute – na und!
„Auch wir durchlaufen schwierige Zeiten. Aber wir stimmen nicht in den Chor derer ein, die mit düsteren Äußerungen die Stimmung weiter in den Keller ziehen. Wir sind von unserem Können, unseren Potenzialen und unseren Chancen überzeugt und setzen unseren eingeschlagenen Weg mit Selbstvertrauen, mit Kraft und mit Entschlossenheit fort“, sagte Siemens-CEO Peter Löscher auf der Hauptversammlung in München am 27. Januar 2009. Das abgelaufene Geschäftsjahr fasste er mit den Worten zusammen: „Neuorganisation, Kostensenkung, Portfolioschärfung, Compliance. Der Kurs stimmt. Wir sind gut und schnell vorangekommen.“
Umsatz steigt 2008 doppelt so schnell wie Weltwirtschaftswachstum
Peter Löscher, Siemens-CEO: "Der Kurs stimmt. Wir sind gut und schnell vorangekommen.“
Regional erreichte Siemens die prozentual größten Zuwächse im Umsatz auf einem seiner traditionsreichsten Märkte: Russland. Auch dort wurde ein Rekordzuwachs beim Auftragseingang erzielt, nämlich ein Plus von 84 %. Ebenfalls hohe Zuwachsraten waren in Indien und in China zu verzeichnen. In China wurde erstmals ein Umsatzvolumen von nahezu 5 Mrd. Euro erreicht. In den USA, dem größten Siemens-Einzelmarkt, konnte der Konzern ebenfalls erneut zulegen: um 7 % beim Umsatz und um 14 % beim Auftragseingang. “Und besonders erfreulich ist, dass wir auch in Deutschland beim Auftragseingang im vergangenen Jahr mit einem Plus von organisch 6 % deutlich vorangekommen sind. Das Ergebnis der Sektoren lag mit 6,5 Mrd. Euro nahezu auf dem Niveau des Rekordjahrs 2007. Wir haben dieses Ergebnis trotz der Sonderbelastungen aus Großprojekten im Energiesektor und bei Mobility erreicht”, so P. Löscher. Mit Blick in die Zukunft fügt er an: “Trotz dieser Einflüsse und trotz hoher Volatilität der Rohstoffmärkte und erster Eintrübungen der Realwirtschaft in Folge der Finanzkrise haben unsere Sektoren ein hervorragendes Ergebnis erzielt. Daran zeigen sich die grundsätzliche Robustheit und die Stärke unserer Sektorgeschäfte. Und diese Stärke zeigt sich auch darin, dass wir mit einem Rekord-Auftragsbestand von 85 Mrd. Euro in das schwierige Jahr 2009 gehen konnten.”
2009: Konjunkturflaute ist Herausforderung
Auch mit den ersten drei Monaten des Geschäftsjahrs 2009 (Geschäftsjahr: 1. Oktober bis 30. September) zeigte sich der Siemens-Chef zufrieden. Das Unternehmen verfüge über ein solides Fundament und als integrierter Technologiekonzern über eine klare Ausrichtung. Allerdings werde 2009 angesichts des konjunkturellen Umfelds kein leichtes Jahr. Das zeigt sich auch schon im Sector Industry. Dort sind die Auftragseingänge im ersten Quartal des neuen Geschäftsjahrs im Vergleich zum Vorjahreszeitraum um 11 % auf 9,831 Mrd. Euro zurückgegangen. Der Gesamtumsatz hingegen konnte im gleichen Zeitraum von 9,174 Mrd. Euro (Q1/2008) auf nun 9,351 Mrd. Euro (Q1/2009) gesteigert werden, allerdings war das Ergebnis rückläufig: Q1/2008: 994 Mrd. Euro, Q1/2009: 907 Mrd. Euro. Als Grund für den Rückgang wird unter anderem die bisherige Cash Cow Automatisierungstechnik gesehen.
Insgesamt kommentierte P. Löscher das erste Quartal wie folgt: „Wir haben beim Auftragseingang besser abgeschnitten als die meisten unserer Wettbewerber. Unser Umsatz legte kräftig zu. Der Auftragseingang lag weiterhin über dem Umsatz. Wir haben den Vorjahreswert beim Ergebnis der Sektoren deutlich übertroffen. Deshalb halten wir an den Gewinnzielen für 2009 fest. Deren Erreichung ist heute allerdings noch ambitionierter geworden. Wir werden uns das jedes Quartal sehr genau ansehen. Siemens geht mit Selbstvertrauen, Kraft und Entschlossenheit durch das Jahr 2009.”
Besser auf die wirtschaftliche Krise vorbereitet als der Wettbewerb
P. Löscher: "Wir halten an den Gewinnzielen für 2009 fest".
- Erstens: Diese Krise trifft die ganze Welt, wenn auch in unterschiedlicher Stärke, und sie ist heftiger als alle Einbrüche der letzten Jahrzehnte.
- Zweitens: Jede Krise hat auch ihren Umkehrpunkt. Es wird Heulen und Zähneknirschen geben, aber danach geht es auch wieder aufwärts. Das ist gewiss und darauf ist Verlass.
- Drittens: Siemens kann sich der Krise genauso wenig entziehen wie jedes andere Unterneh-men. Aber Siemens ist gut vorbereitet. Zudem ist man überzeugt davon, dass in der Krise auch Chancen liegen und diese werden genutzt.
“Wir gehen mit Selbstvertrauen, mit Kraft und mit Entschlossenheit durch das Jahr 2009 und weiter in die Zukunft”, so P. Löscher. Er nennt fünf Gründe, die diesen Optimismus stützen:
- 162 Jahre Unternehmensgeschichte und damit Erfahrung,
- nahezu abgeschlossene Neuorganisation und Aufstellung in drei Sektoren,
- finanzielle Solidität,
- hervorragende Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter sowie
- Selbstvertrauen und Zuversicht als Unternehmenskultur und damit die Grundorientierung, die auf den Unternehmenswerten „innovativ, exzellent und verantwortungsvoll“ basiert.
2008 hat Siemens die Neuausrichtung des Konzerns nahezu abgeschlossen. Mit der Aufstellung in den drei Sektoren Industry, Energy und Healthcare hat sich das Unternehmen auf die Megatrends Gesundheitsversorgung, Energieeffizienz und Umweltschutz ausgerichtet. In einem weiteren Schritt erhöhte das Unternehmen die Transparenz und reduzierte die Kostenbasis seiner Organisation, indem es Verwaltungsaufgaben der über 70 Regionalgesellschaften in 20 regionale Cluster bündelte. Diese Maßnahme war auch Teil des weltweiten Programms zur Senkung der allgemeinen Vertriebs- und Verwaltungskosten, mit dem Siemens bis 2010 1,2 Mrd. Euro einsparen will. Dabei hatte sich das Unternehmen mit den Arbeitnehmervertretern darauf geeinigt, auf betriebsbedingte Kündigungen zu verzichten. „Die Einigung hat im Übrigen einmal mehr gezeigt, dass Betriebsverfassung und Mitbestimmung, so wie Arbeitnehmer- und Arbeitgeberseite sie bei Siemens verstehen und praktizieren, einen klaren, offenen und konstruktiven Dialog fördern und nachhaltiges Handeln unterstützen“, so P. Löscher.
Positionierung als führende Green Company
“Unsere drei Sektoren setzen mit ihrer Innovationskraft und mit heute bereits verfügbaren Produkten und Lösungen Maßstäbe in Zukunftsmärkten, insbesondere auf dem Feld des Klimaschutzes durch Energieeffizienz. Unser Umweltportfolio ist das größte weltweit. Allein 2008 haben wir damit ein Geschäftsvolumen von rund 19 Mrd. Euro erreicht. Wir sind damit die führende Green Company auf der Welt. Siemens ist grün und Siemens wird noch grüner”, so der Siemens-CEO. Dabei zeige bereits das Volumen dieser Geschäfte, dass es dabei nicht um Nischenaktivitäten gehe. Statt dessen gehe es um Produkte und Lösungen in allen Divisionen und auf der ganzen Breite von Siemens. Als Beispiel nennt er energieeffiziente Antriebstechniken, wie drehzahlgesteuerte Elektromotoren oder um Windkraftanlagen und um Gas- und Dampfkraftwerke mit Spitzenwirkungsgraden. Um Systeme für das Verkehrs- und Parkplatzmanagement und damit um die Optimierung des Verkehrsflusses oder auch um Energiespar-Contracting in der Gebäudesanierung.
Investitionen in Energieeffizienz und Klimaschutz steigen
Für wirksamen Klimaschutz gibt es nicht nur einen Hebel. Es gibt tausende Hebel – nämlich überall dort, wo Treibhausgas-Emissionen reduziert oder vermieden werden können, zum Beispiel in der Stromerzeugung, den Fertigungen, im Gebrauch, im privaten Haushalt, in der Industrie, in öffentlichen Gebäuden oder im Verkehr. Gleichzeitig es gibt rasch wachsende Märkte, weil sich die Erkenntnis durchgesetzt hat, dass Handeln auf diesem Feld weitaus rationaler und kostengünstiger ist, als passiv zu bleiben. “Investitionen in Energieeffizienz und Klimaschutz lohnen sich, und der Investitionswille nimmt weltweit zu”, so P. Löscher. So auch gerade in der Finanzkrise, wie sich an der Ausrichtung der öffentlichen Infrastrukturprogramme zeigt. “Ob in Deutschland, in China, in den europäischen Ländern, in Russland oder in den Plänen des neuen amerikanischen Präsidenten: Überall nehmen die Modernisierung der Infrastruktur und die Beschleunigung des Austauschs alter gegen moderne Technologien breiten Raum ein, etwa im Kraftwerkspark oder der Gebäudeinstandsetzung oder bei Automobilen und der Verkehrsinfrastruktur. Das sind unsere Märkte. Das ist unser Geschäft. Und das sind zusätzliche Chancen für uns, gerade in der Krise und überall auf der Welt!”
International gute Ausgangsbasis
Aber nicht nur die Innovations- und Lösungskraft der drei Siemens-Sektoren werden als Erfolgsfaktoren gesehen, sondern ebenso die globale Präsenz. “Keiner unserer Wettbewerber ist weltweit ausgewogener aufgestellt als wir. Keiner hat eine so lange und gewachsene Vertrauensbasis: in China, in Russland und in den USA, in Japan und der Türkei, in Indien und Südafrika, in Brasilien und in Großbritannien. Oder auch in kleineren Ländern wie Singapur, wo wir vergangenes Jahr den 100. Gründungstag von Siemens im Land begehen konnten, oder in Indonesien, wo dieses Jahr der 100. Gründungstag der Regionalgesellschaft ansteht”, sagt der CEO weiter. Diese gute Ausgangsbasis soll intensiv weiter genutzt werden. Zum Beispiel wird mit der Führungsmannschaft des Unternehmens verstärkt Flagge in den Regionen gezeigt. Die Quartalstreffen des Vorstands mit dem erweiterten Führungskreis sollen nicht mehr allesamt in Feldafing am Starnberger See abgehalten werden, sondern mehrmals im Jahr in die Regionen gehen und Begegnungen mit Kunden und Partnern in den Mittelpunkt stellen. So werde man kommende Woche in Moskau sein und Ende des Jahres in Asien. Außerdem hat der Vorstand im Dezember in Abu Dhabi getagt und wird im Frühjahr in Brasilien sein. Im Juni soll zu einer großen internationalen Medienveranstaltung nach New York eingeladen werden. “Wir tun das auch ganz ausdrücklich fern unserer eigenen Heimat – und zwar gerade auch in der unmittelbaren Nähe der Stammsitze unserer Hauptwettbewerber –, um die internationale Öffentlichkeit über unsere Innovationen und Erfolge zu informieren”, so P. Löscher.
Optimiertes Supply Chain Management hebt Potenzial zur Kostensenkung
Als Hebel dafür nennt er die Innovationskraft, den Qualitätsanspruch als Ingenieurunternehmen mit deutschen Wurzeln und letztlich den guten Name von Siemens. Ein ganz wesentlicher Faktor für Erfolg in diesen Segmenten sei aber auch das Ausschöpfen des Potenzials, das Siemens auf der Beschaffungsseite hat. So liege das weltweite Einkaufsvolumen bei 40 Mrd. Euro. Oder anders ausgedrückt. Mehr als die Hälfte des Siemens-Umsatzes basiert auf der Wertschöpfung Dritter. “Es ist völlig klar, dass sich da weitere Möglichkeiten bieten, Potenziale zur Kostensenkung auszuschöpfen: zum Beispiel durch verbesserte Zusammenarbeit mit Lieferanten, durch die Zusammenführung von Volumina oder auch durch verstärkte Einkaufspartnerschaften in Emerging Markets. Das sind wesentliche Gründe dafür, dass wir das Supply Chain Management zu einem Vorstandsressort aufgewertet haben.”
Weitere Informationen unter www.siemens.com.
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