05. Januar 2009

Nachruf Dr. h.c. Georg H. Endress

Am 14. Dezember 2008 ist der Gründer der Endress+Hauser-Gruppe, Dr. h. c. Georg H. Endress, nach kurzer, schwerer Krankheit verstorben – wenige Wochen vor seinem 85. Geburtstag.

Die Endress+Hauser-Gruppe trauert um ihren Gründer Dr. h. c. Georg H. Endress. Der Unternehmer starb nach kurzer, schwerer Krankheit am Sonntag, 14. Dezember 2008, wenige Wochen vor seinem 85. Geburtstag im Kreis seiner Familie in Arlesheim/Schweiz

Kern des Lebenswerks von Dr. G. H. Endress bildet der Aufbau der Endess+Hau­ser-Gruppe. Ihre Wurzeln gehen bis ins Jahr 1953 zurück. Damals gründete der junge Schweizer Ingenieur mit dem erfahrenen Bankkaufmann Ludwig Hauser im badischen Lörrach die L. Hauser KG – einen Vertrieb für Füllstandmessgeräte. Die beiden gegensätzlichen Charaktere ergänzten sich gut: Endress’ Weitblick und Hausers Umsicht bildeten die Grundlage des Erfolgs. 1956 kamen die ersten eigenen Messgeräte auf den Markt. Zug um Zug wurden neue Absatzmärkte und Arbeitsfelder erschlossen. Dr. G. H. Endress entwickelte das Unternehmen – seit Ludwig Hausers Tod 1975 im Alleinbesitz der Familie Endress – mit Intelligenz und Tatkraft. Auf dieser Grundlage wurde aus den kleinen Anfängen im Lauf der Zeit ein international agierendes Unternehmen der industriellen Mess- und Automatisierungstechnik mit heute mehr als 8.300 Beschäftigten weltweit. „Ich wollte mir, meiner Familie und der Welt beweisen, dass ich eine Idee zum Erfolg bringen kann“, antwortete Dr. G. H. Endress einmal auf die Frage, weshalb er Unternehmer geworden ist. Und mit dem ihm eigenen Humor pflegte er hinzuzufügen: „Als unser drittes Kind unterwegs war, forderte mich meine Frau auf, etwas zu tun – so wurde ich Unternehmer.“

Mit Charisma und Wortgewalt verstand es Dr. G. H. Endress, andere für seine Visionen zu begeistern – und Menschen an sich zu binden, die auf ihren Gebieten besser waren als er selbst. Seine Mitstreiter lernten ihn als zuverlässigen, loyalen, wenn nötig harten, aber gerechten Chef kennen. Bei alledem blieb GHE, wie er kurz, aber respektvoll genannt wurde,
bescheiden und umgänglich. „Popularität ist nicht mein Fall“, sagte er einmal. „Ich höre viel lieber, wenn mir jemand sagt, dass ich eine gute Firma habe und hervorragende Mitarbeitende, als wenn mir jemand auf die Schulter klopft und sagt, ich sei toll.“


Mit Herzblut für den Regio-Gedanken gekämpft
Seinen unternehmerischen Erfolg verstand Dr. G. H. Endress als Verpflichtung, gesellschaftliche Verantwortung zu übernehmen. Ein Anliegen war ihm das Miteinander in der deutsch-französisch-schweizerische Region am Oberrhein, in der heute noch die Hälfte aller Beschäftigten der Firmengruppe arbeitet: Nach dem Schwinden der geografischen Grenzen in Europa sollten auch die mentalen Barrieren fallen. Er stieß die trinationale Lehrlings- und Ingenieurausbildung an, ebenso die BioValley Initiative, ein Netzwerk im Bereich der Life Sciences. Er wirkte im Wirtschaftsverband Industrieller Unternehmen Badens (WVIB) sowie in der RegioGesellschaft Schwarzwald-Oberrhein. Beide Vereinigungen ernannten ihn zum Ehrenpräsidenten.

Neben vielen anderen Würdigungen wurde Dr. G. H. Endress 1984 mit dem Bundesverdienstkreuz I. Klasse ausgezeichnet. 1990 erhielt er die Ehrendoktorwürde der Universität Basel. 1994 wurde er Ehrensenator der Universität Freiburg sowie Träger der Verdienstmedaille des Landes Baden-Württemberg. 2000 wurden ihm die Insignien eines Ritters der französischen Ehrenlegion (Chevalier de la Légion d’Honneur) überreicht. Er erhielt diese höchste Auszeichnung des französischen Staats für seinen Beitrag zur Völkerverständigung und seine Verdienste um die wirtschaftliche Entwicklung des Elsass. Außerdem ist er Ehrenbürger der Stadt Indianapolis in den USA und der deutschen Gemeinde Maulburg im Wiesental.

Fortführung des Lebenswerks
G. H. Endress hatte sich bereits 1995 aus dem operativen Geschäft zurückgezogen und die Leitung der Firmengruppe seinem zweitältesten Sohn Klaus Endress übertragen. Gleichwohl nahm er bis kurz vor seinem Tod als Mitglied des Verwaltungsrats regen Anteil an der erfolgreichen Entwicklung von Endress+Hauser. Dem großen beruflichen und ehrenamtlichen Engagement zum Trotz nahm die Familie für Dr. G. H. Endress stets eine Schlüsselstellung ein. Seit 1946 war er mit Alice Vogt verheiratet. Der Ehe entsprangen acht Kinder. Alle vier Söhne sowie eine Tochter sind heute im Unternehmen tätig.

Die Kinder mit ihren Familien, die jeweils 12 % der Anteile an der Firmengruppe halten, werden Dr. G. H. Endress’ unternehmerisches Werk weiterführen. In einer Charta bekennen sich die Mitglieder der zweiten und dritten Generation der Familie dazu, Endress+Hauser als erfolgreiches Unternehmen in Familienbesitz zu erhalten – als Unternehmen, das nachhaltigen Prinzipien verpflichtet ist und zu seiner ganzheitlichen Verantwortung steht. Dr. G. H. Endress’ Engagement für die Region am Oberrhein und sein Einsatz zur Förderung junger Menschen wird von der gemeinnützigen Georg H. Endress Stiftung fortgeführt, die mit 4 % der Firmenanteile ausgestattet ist.

Weitere Informationen unter www.endress.com.


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