25. Mai 2012

Erfolg mit vierfacher Sicherheit

Beitrag aus openautomation 3/2012


Mit einem 27%igen Umsatzplus und einer Reihe Neuheiten präsentierte sich Pilz gut gelaunt auf der Hannover Messe. 2012 will der Komplettanbieter für Sicherheits- und Standardautomatisierung weiter expandieren und hat zudem umfangreiche Erweiterungen geplant.


Renate Pilz ist geschäftsführende Gesellschafterin der Pilz GmbH & Co. KG in Ostfildern

214,3 Mio. € und damit einen Rekordumsatz in der Firmengeschichte erwirtschaftete die Pilz GmbH & Co. KG in ihrem abgelaufenen Geschäftsjahr 2011. Die Zahl der Mitarbeiter im Konzern wuchs weltweit um 6,6 % auf 1.500, am Standort Ostfildern waren zum
31. Dezember 2011 735 beschäftigt. Der Exportanteil stieg im vergangenen Jahr um 2,8 Prozentpunkte und lag zum Jahresabschluss bei 67,5 %. Wichtigste Auslandsmärkte für Pilz sind die unmittelbaren europäischen Nachbarn sowie die USA, China und Japan. Zu den Ländern mit dem stärksten Umsatzwachstum 2011 zählen China mit einem Plus von über 50 % sowie Mexiko. Mit der Gründung der indischen Tochtergesellschaft Pilz India Pvt Ltd ist der Automatisierungsexperte seit 2011 mit 28 Tochtergesellschaften und Niederlassungen weltweit vertreten.

Pilz positioniert sich als Lösungsanbieter für die industrielle Automatisierung mit den Säulen Komponenten, Systeme und Services am Markt. Das Produktportfolio umfasst Sensorik, Steuerungstechnik und Aktorik. „In 2011 entwickelte sich die Sensorik mit einem Umsatzplus von 40 % besonders positiv“, informiert die geschäftsführende Gesellschafterin Renate Pilz. „Der Bereich Beratung, Engineering und Training wächst stark und ist inzwischen ein weiteres Standbein des Unternehmens“, sagt sie weiter. Dabei durchzieht der Anspruch, vierfache Sicherheit in der Automation zu bieten, alle drei Standbeine. Gemeint sind damit technische, wirtschaftliche, persönliche und ökologische Sicherheit für Mensch, Maschine und Umwelt.

Technisch, persönlich, ökologisch und wirtschaftlich – dies sind die vier Dimensionen der Sicherheit, die die Marke Pilz als „Botschafter der Sicherheit“ Mensch, Maschine und Umwelt bietet

Das Sicherheits­schaltgerät Pnozcompact bietet maximale Sicherheit auch für Basissicher­heits­funktionen

Schaltgeräte bieten noch immer viel Raum für Innovation
Innovationen stellen einen wichtigen Baustein innerhalb des Erfolgskonzepts des Unternehmens dar. Entsprechend hoch sind die F&E-Aufwendungen: Im letzten Jahr lag das Entwicklungsbudget bei 31,6 % vom Gesamtbudget.


Eine der bedeutendsten Entwicklungen in der Firmengeschichte war die des weltweit ersten Sicherheits-Schaltgeräts im Jahr 1987. Es wurde unter dem Namen Pnoz (Pilz-Not-Aus-Zwangsgeführt) in den Markt eingeführt und avancierte nach Unternehmensangaben binnen kurzer Zeit zum weltweit meist eingesetzten Sicherheits-Schaltgerät. Seitdem wurde das zugehörige Portfolio deutlich ausgebaut. Und dass man trotz der 25-jährigen Geschichte des Produkts noch immer Innovationspotenziale heben kann, wurde auf der Hannover Messe gezeigt. Hier ging ein neues Gerät der Kompaktklasse an den Start. Als erstes Gerät dieser Familie verfügt das Pnoz c1 über ein seitlich auf dem Gerät abgebildetes Blockschaltbild mit Anschlussbeispiel. Dies soll eine schnelle Installation ermöglichen, im Servicefall visuell unterstützen und letztendlich dazu beitragen, Maschinenstillstandszeiten zu reduzieren. Weiterführende Informationen können über einen auf dem Gerät aufgebrachten QR-Code für den direkten Zugriff auf Online-Inhalte mit aktuellen technischen Informationen zum Produkt abgerufen werden. Das funktionale Sicherheitsschaltgerät ermöglicht eine zweikanalige Beschaltung mit Querschlusserkennung, die entweder einen manuellen oder auch einen automatischen Start erlaubt.


Neuheiten rund um das Automatisierungssystem



Mit PAS STL als weiterem Mitglied der Familie der IEC-61131-3-Editoren schafft Pilz die Möglichkeit, dass Sicherheits- und Standardfunktionen einheitlich und komplett auf derselben, standardisierten Basis programmiert werden können

Außerdem wurden in Hannover mit dem Editor PAS STL sowie den Steuerungen Pssuniversal Multi zwei wichtige Weiterentwicklungen im Automatisierungssystem PSS 4000 vorgestellt. Beide Neuerungen unterstreichen den Ansatz des Systems: Einfaches Umsetzen komplexer Automatisierungsprojekte für Standard- und Sicherheitsaufgaben.


Mit dem Editor PAS STL (Structured Text Language) nach IEC 61131-3 steht nun der Editor „Strukturierter Text“ sowohl für Standard- als auch für Sicherheitsaufgaben zur Verfügung. Damit lässt sich das Steuerungssystem Pssuniversal PLC neben den bereits bestehenden Editoren PAS IL (Instruction List, Anweisungsliste) und dem grafischen Pro­gramm­editor Pasmulti nun mit einem weiteren standardisierten Editor programmieren.


Die Editoren sind einheitlich auf der Software-Plattform PAS4000 angelegt, sodass auch ein einheitliches Handling sichergestellt ist. Die einfache Kombinationsmöglichkeit der „klassischen“ Programmiersprachen nach IEC 61131-3 und dem Programmeditor Pasmulti zeichnet die Lösung aus: Der Programmierer kann alle Möglichkeiten und Freiheitsgrade eines frei programmierbaren Steuerungssystems nutzen. Sind alle Funktionen getestet und geprüft, können diese auf der Bausteinebene einfach gekapselt und via Pasmulti zur standardisierten Wiederverwendung bereitgestellt werden. Pasmulti erweitert damit seinen Einsatzbereich vom reinen Programmeditor hin zum elementaren Mittel für Strukturierungs- und Standardisierungsaufgaben.


„Mit PAS STL als weiterem Mitglied der Familie der IEC-61131-3-Editoren schafft Pilz die Möglichkeit, dass Sicherheits- und Standardfunktionen einheitlich und komplett auf derselben, standardisierten Basis programmiert werden können“, sagt Harald Förster, Leiter Customer Support bei Pilz. „Erstmals können in PAS4000 im Umfeld der industriellen Automatisierung auch Anweisungsliste (PAS IL) und Strukturierter Text (PAS STL) als LVL (Limited Variability Language) eingestuft werden. Das hat der TÜV Süd bestätigt.“ Dadurch erfüllen die beiden Editoren die Anforderungen an die Erstellung sicherheitsbezogener Anwendersoftware (SRASW) nach den relevanten Normen, wie DIN EN 62061 (VDE 0113-50)und DIN EN ISO 13849-1.


Eine weitere wichtige Neuerung betrifft die Skalierbarkeit von Sicherheitslösungen. Hierzu trägt die neue Geräteklasse Pssuniversal Multi bei. „Die vorhandenen PLC-Steuerungen im Systemverbund PSS 4000 erfahren so eine Abrundung in Richtung Einzelmaschinen sowie verkettete Anlagen“, informiert H. Förster. Auch Pssuniversal Multi bietet dank der Programmierbarkeit über den grafischen Programmeditor Pasmulti eine einfache Bedienung. „Ein wesentlicher Vorteil ist die Offenheit“, sagt der Spezialist und verdeutlicht: „Die Steuerungen können über das sichere Echtzeit-Ethernet Safetynet p vernetzt werden und zudem über andere Industrial-Ethernet-Protokolle mit weiteren Geräten kommunizieren. Als offenes Steuerungssystem ist es beispielsweise auch über die Profibus-DP-Schnittstelle einfach in vorhandene Automatisierungsstrukturen integrierbar.“


Module für den Bahnbereich
Darüber hinaus hat Pilz das Automatisierungssystem PSS 4000 mit einer neuen Serie von Modulen für den Einsatz in der Bahntechnik erweitert. Hintergrund ist, dass das Unternehmen seine Geschäftstätigkeit im vergangenen Wirtschaftsjahr mit Blick auf die Bahnbranche nochmals ausgeweitet hat. Ziel der Aktivitäten ist der Einsatz von industrieerprobten Automatisierungslösungen für die Modernisierung der bestehenden Sig­nal- und Stellwerkstechnik. „Das Inte­resse an unseren Lösungen auf Seiten der Bahnindustrie ist für Pilz eine Bestätigung, dass unsere Produkte auch den hohen Sicherheitsanforderungen der Schiene entsprechen“, so R. Pilz.


Die neuen Module mit „-R“ (Railway) in der Produktbezeichnung zeichnen sich unter anderem durch eine besonders robuste Bauweise aus. „Die Gesamtlösung erfüllt die erhöhten Sicherheits- und Umweltanforderungen bis hin zu SIL 4 nach Cenelec 5012x“, sagt Armin Glaser, Leiter Produktmanagement bei Pilz. Anwender aus der Bahnindustrie würden dabei von einer standardisierbaren Industrielösung und somit reduziertem Aufwand bei der Zulassung profitieren. Die <>R-Module sind in unterschiedlichen Applikationen im Bahnbereich einsetzbar. Dazu zählen Steuerungsfunktionen von Arbeitsmaschinen im Gleisbau und in Triebfahrzeugen sowie Steuerungs oder Überwachungsfunktionen im Signalbereich. Auch die Signalüberwachung bei Bahnübergängen, Leit- und Sicherheitstechnik oder der Stellwerkskopplung gehören dazu.


„Mit unseren <>R-Modulen im Automatisierungssystem PSS 4000 verdeutlichen wir, dass Steuerungslösungen aus der Industrie für die Modernisierung der Signaltechnik im deutschen Schienennetz in Frage kommen“, erklärt A. Glaser. „Standardisierte Lösungen, einfache Projektierung und Programmierung sowie niedrige Investitions und Betriebskosten sind Vorteile beim Einsatz industrieerprobter Sicherheitssteuerungen“, fasst er zusammen. Dafür eignet sich das Automatisierungssystem PSS 4000 mit erweiterbaren und dezentralen Steuerungen sowie Ethernet-basierten Kommunikationssystemen.


Wirtschaftlicher Ausblick
Neben der Bahntechnik kommen Lösungen von Pilz in allen Bereichen des Maschinen- und Anlagenbaus zum Einsatz, darunter auch in der Verpackungs- und Automobilindustrie sowie in den Branchen Windenergie und Pressen. Mit diesem breiten Branchenfokus und der Innovationskraft im Bereich der Sicherheits- und Standardautomation sieht sich das Unternehmen gut für die Zukunft aufgestellt. Auch flächenmäßig hat man sich für das weitere Wachstum vorbereitet. So wurde die Fläche des bestehenden Firmengeländes am Stammsitz in Ostfildern durch mehrere Zukäufe verdreifacht. Ab 2014 soll hier ein neues Produktions-, Logistik- und Kundenzen­trum entstehen. „Wir stellen damit die Weichen für das weitere Wachstum des Unternehmens an unserem Stammsitz“, so R. Pilz. Mit Blick auf das laufende Geschäftsjahr gibt sie an, sehr gut gestartet zu sein. „Mit unserem Auftragseingang liegen wir bislang komplett im Plan“, sagt sie konkret. Für 2012 prognostiziert sie ein Umsatzwachstum von 10 %.


Weitere Informationen unter www.pilz.de.


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