23. Mai 2012

Endress+Hauser: 1,5 Mrd. Euro Umsatz in 2011

Klaus Endress ist Chief Executive Officer (CEO) der Endress+Hauser-Gruppe

“Wir blicken auf ein ,Best Year’ zurück: auf ein Jahr, das so viel Umsatz, so viel Beschäftigung, so viel Gewinn gebracht hat wie keines zuvor – aber auch auf ein Jahr, das unsere Erwartungen weit übertroffen hat”, läutete Firmenchef Klaus Endress die Bilanzpressekonferenz am 22. Mai in Basel/Schweiz ein. Er verweist in diesem Zusammenhang noch einmal auf die zahlreichen Ereignisse, die das Jahr 2011 immer wieder unsicher gemacht hätten. Beispielhaft nennt er die Aufstände und Revolten in Nordafrika und dem Nahen Osten, das Erdbeben in Japan, die Staatsschuldenkrise in Europa sowie Überschwemmungen in Thailand. Dass sich 2011 dennoch zu einem derart erfolgreichen Jahr entwickelt hat, schreibt er auch viel dem Engagement E+H-MitarbeiterInnen zu. “Sie alle haben es durch ihren Einsatz möglich gemacht, dass wir heute von einem ,Best Year’ sprechen”, so K. Endress.


16 % Umsatzwachstum
Insgesamt erwirtschaftete die Endress+Hauser-Gruppe im letzten Jahr rund 1,5 Mrd. Euro und steigerte damit ihren Umsatz im Vergleich zum Vorjahr um 16 %. Die Zahl der Mitarbeiter wuchs um 800 auf 9.414 zum Ende 2011. Der Gewinn nach Steuern lag bei 177 Mio. Euro (+40 %); die Eigenkapitalquote beträgt fast 70 %. “Ein besonderes Kennzeichen des vergangenen Jahres ist, dass wir uns außerordentlich breit abstützen konnten in unserem Wachstum – sowohl sektoral als auch regional”, sagt Micheal Ziesemer, Stellvertreter des CEO und verantwortlich für den Vertrieb. Dabei sei das Geschäft in allen strategischen Abnehmerbranchen gewachsen. Umsatzmäßig die gewichtigste Branche ist die chemische Industrie; auf Platz 2 befindet sich die Nahrungs- und Genussmittelindustrie. Platz 3 belegt die Öl- und Gasindustrie, in der die Verkäufe 2011 um fast die Hälfte gesteigert werden konnten. Der Rahmenvertrag mit dem Energiekonzern Shell wird dabei als Beleg angegeben, dass sich das Unternehmen als Lieferant in der Branche etabliert habe.

“Unter den Regionen sticht erneut Amerika heraus. Es gibt keinen einzigen nord- oder südamerikanischen Markt, der nicht zweistellig gewachsen ist”, so M. Ziesemer. Dabei sei die Dynamik dort noch deutlich stärker als in Asien gewesen. “In Asien hat erneut Korea den höchsten Zuwachs erbracht. Kräftig zulegen konnten auch Indien, China und selbst Japan”, sagt er weiter. Als unerwartet bezeichnet er das zweistellige Wachstum in Europa. Hier hätten Länder, wie Russland und Norwegen, herausgeragt. “Besonders gut entwickelt haben sich daneben jene Volkswirtschaften, deren Maschinen und Anlagen in aller Welt gefragt sind. Hierzu zählen beispielsweise Dänemark, Schweden, die Schweiz sowie Deutschland, das für uns nach wie vor der umsatzstärkste Markt ist”, sagt M. Ziesemer.


Langfristige Megatrends als starke Treiber
Als starke Treiber des guten Geschäftsverlaufs nennt M. Ziesemer langfristige Megatrends, wie die Nachfrage nach Energie und Ressourcen oder die Notwendigkeit von Energieeffizienz und Umweltschutz. Wichtige, für die Zukunft zentrale Fragen ließen sich nur mithilfe der Mess- und Automatisierungstechnik lösen. Zum besseren Verständnis füht er ein Beispiel aus dem Bereich wachsende Nachfrage nach Rohstoffen an: “Diese Nachfrage treibt die Preise in die Höhe. Die Folge: Bislang wertloser Elektronikschrott ist plötzlich eine wertvolle Ressource. 60 verschiedene Rohstoffe stecken in jedem Handy, darunter Duzende Metalle und sogar seltene Erden. Wir haben nun die erste, hochautomatisierte Anlage zum Recycling von Elektronikschrott mit Messtechnik ausgerüstet – ein Schritt in Richtung Urban Mining.”


Investitionen und Akquisitionen
2011 zeichnete sich zudem aber auch in anderer Hinsicht aus: Nach zwei Jahren der Zurückhaltung steigerte die Firmengruppe die Investitionen um 49 % auf 85 Mio. Euro. Vor allem die Produktionskapazitäten wurden erweitert, so in Maulburg, Gerlingen und Waldheim (Deutschland), Greenwood (Indiana, USA) und Cernay (Frankreich). Der niederländische Vertrieb bezog in Naarden ein neues Gebäude. In Saudi-Arabien gründete Endress+Hauser eine Vertriebsgesellschaft, in Vietnam ein Vertretungsbüro.

Die gute Kapitalausstattung ermöglichte der Firmengruppe zwei strategische Zukäufe. So er-warb Endress+Hauser eine Minderheitsbeteiligung an Finesse Solutions. Das US-Unternehmen ist auf Einweg-Lösungen für biotechnologische Fertigungsprozesse spezialisiert. Klaus Endress sieht hierin eine „Schlüsseltechnologie“ für viele Zweige der Verfahrenstechnik. Zukunftsträchtig ist dem Firmenchef zufolge auch der Kauf von Systemplan im deutschen Durmersheim. Das Ingenieurbüro berät Unternehmen in Fragen der Energieeffizienz und rundet das entsprechende Angebot von Endress+Hauser an Messtechnik, Software und Ingenieurleistungen ab.


Ausblick
“Wir rechnen für 2012 mit einer Abschwächung der Konjunktur, aber nach wie vor mit Wachstum im oberen einstelligen Bereich”, blickt K. Endress zuversichtlich auf das Laufende Geschäftsjahr. Konkret fügt er an: “Gut 7 % mehr Umsatz in lokalen Währungen haben wir uns vorgenommen. Konsolidiert in Euro erwarten wir sogar plus 11 %.” Derzeit liege man noch etwas unter den Zahlen, was zum jetzigen Zeitpunkt jedoch nicht ungewöhnlich sei; vor allem China erfülle bislang nicht die Erwartungen.

„Wir blicken voller Zuversicht nach vorn. Davon zeugen die mehr als 700 Stellen, die wir 2012 schaffen wollen”, so K. Endress. Davon sollen rund 400 Arbeitsplätze in Europa entstehen und mehr als 200 in der eigenen Region. “Von unserer Zuversicht zeugen auch 140 Mio. Euro, die wir investieren wollen – vor allem in den Ausbau unserer Produktionsstätten.” Gestärkt werden Standorte in Deutschland, Frankreich und der Schweiz, aber auch in den USA, China sowie Brasilien, wo eine neue Fertigungsstätte für Durchfluss-, Füllstand- und Druckmesstechnik entsteht.

K. Endress weist aber auch auf die Volatilität der Welt hin, die Unsicherheit mit sich bringe. Er zitiert den Ökonom Peter Drucker, der sagte: “Alles ist sichtbar, nur nicht gesehen”, und leitet daraus für das eigene Handeln ab: “Wir müssen auf die schwachen Signale achten, müssen weiter wachsam und beweglich bleiben.” So ist er schlussendlich überzeugt: “Wenn wir bei allem was wir tun, Maß nahemenan Markt und Kunden, können wir di Möglichkeiten, die sich uns bieten, bestmöglich nutzen. Dann werden wir 2012 hoffentlich erfolgreich bleiben – unabhängig davon, was das Jahr noch an Wendungen für und bereithält.”

Weitere Informationen unter www.endress.com.


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