27. April 2012
ZVEI: Elektrische Automatisierungstechnik wächst 2012 um 5 %
Auf der Pressekonferenz während der Hannover Messe stellte der ZVEI-Fachverband Automation die aktuellen Wirtschaftszahlen vor und nahm auch zu den Zukunftsaussichten Stellung. Dabei berichtete Dr.-Ing. Gunther Kegel, Vorstandsvorsitzender des ZVEI-Fachverbands Automation und Vorsitzender der Geschäftsführung der Pepperl+Fuchs GmbH über die Lage der Fabrikautomation, während Dipl.-Ing. Michael Ziesemer, Vizepräsident des ZVEI, Vorstandmitglied des ZVEI-Fachverbands Automation und Mitglied des Executive Boards der Endress+Hauser AG, die Lage in der Prozessautomatisierung beleuchtete.
Da sich die stabilen Auftragseingänge der letzten Monate des Jahres 2011 auch 2012 fortgesetzt haben, erwartet man bei der elektrischen Automatisierungstechnik für das laufende Jahr ein Wachstum von 5%. 2011 steig der Umsatz in der Automation um über 17 % auf knapp 47,7 Mrd. €. Die Auftragseingänge wuchsen gegenüber dem Vorjahr um 10,9 %. Dr.<>Ing. Gunther Kegel präzisierte: „Die Auftragseingänge in den drei Fachbereichen der Automation, elektrische Antriebe, Prozessautomation und Schalt> und Steuerungstechnik, zeigen alle einen über das Jahr gesehen positiven Verlauf, wobei die Schalt- und Steuerungstechnik inklusive der Sensorik bezüglich des Auslandsgeschäftes eine überdurchschnittlich positive Entwicklung genommen hat.“
Bezüglich des Weltmarkts schätzt der ZVEI, dass die Automatisierungstechnik aufgrund des beobachteten langjährigen Durchschnitts von 6% bis 8% pro Jahr und der Erfahrungen der letzten zwölf Monate um knapp 8% gewachsen ist. Damit könnte der Weltmarkt Automation im Jahr 2010 ein Volumen von 315 Mrd. € erreicht haben und 2011 weiter auf 335 Mrd. € gestiegen sein.
Konjunktur stagniert auf höchstem Niveau
2011 führte Deutschland Erzeugnisse der elektrischen Automation im Wert von 15,9 Mrd. € ein. Dies entspricht einem Anstieg von 15,4 % gegenüber dem Vorjahr. Der Export legte nach einem Plus von 25 % im letzten Jahr noch einmal um 12,7 % zu. Er liegt nun mit 30,6 Mrd. € auf einem Allzeithoch. Deutschland sei damit immer noch eine der führenden Exportnationen in Sachen elektrischer Automatisierungstechnik so Dr.-Ing. Gunther Kegel: „China ist in erster Linie ein Absatzmarkt und kein Schreckgespenst. Durch unseren Technikvorsprung und unsere Innovationskraft müssen wir auch keine Angst haben, dass sich das in naher Zukunft ändert.“

Auftragseingang Automation

Automation: Importe 2011

Automation: Exporte 2011
Die momentane Situation der Konjunktur lässt sich laut Dr.-Ing. Gunther Kegel am besten als Stagnation auf höchstem Niveau beschreiben. Gründe hierfür sind:
• Psychologie der Euro- und Schuldenkrisen.
• Schwacher Absatz in den „Süd-Euro-Ländern“.
• Hoher Ölpreis mit negativer Wirkung auf die Gesamtkonjunktur.
• China verordnet sich selbst ein langsameres Wachstum.
• Windkraftanlagen können nicht in gewünschtem Umfang realisiert werden, da Qualität und Ausdehnung der Netze unzureichend ist.
• Kürzung der Solar-Subventionen.
Aus diesen Gründen habe der VDMA seine Wachstumsprognose von 4% auf ca. 0% gesenkt.
Verhaltener Optimismus
Die stabilen Auftragseingänge und Umsätze in der Fabrikautomation der letzten Monate des Jahres 2011 haben sich im ersten Quartal 2012 in etwa fortgesetzt. So zeigt sich statistisch ein leichtes Wachstum gegenüber dem Vorjahreszeitraum. Daher prognostiziert der ZVEI für das Gesamtjahr 2012 ein Wachstum in der Größenordnung von 5%. „Die Kernthemen der Elektroindustrie „Energiewende“ und „E-Mobility“ haben die Automatisierungsindustrie noch nicht erreicht“, so Dr.-Ing. Gunther Kegel. „Diese beiden Megatrends werden über die nächsten 24 Monate hinaus, zusätzliche Wachstumsimpulse generieren, da die Querschnittstechnologien der Automation hier einen gewichtigen Beitrag zur Gestaltung dieser Trendthemen leisten wird.“
Energieeffiziente Antriebe
Zum Trendthema Energiesparen hob Dr.-Ing. Gunther Kegel hervor: „Die vom ZVEI berechnete Einsparmöglichkeit von 88 Mrd. kWh durch moderne elektrische Antriebe und Prozessautomatisierung besteht immer noch!“ Alleine, wenn man die in Deutschland derzeit laufenden etwa 35 Mio Elektromotoren durch Energiesparmotoren ersetzen und dort wo sinnvoll mit elektronischer Drehzahlregelung versehen würde, könnten jährlich 38 Mrd. kWh Strom eingespart werden.
Auf Nachfrage betonte Dr.-Ing. Gunther Kegel aber, dass keine weiteren gesetzlichen Regelungen erforderlich seien, um dieses Potenzial zu nutzen: „Die geringe Bereitwilligkeit Energiesparmotoren einzusetzen hat vor allem zwei Gründe – die kurzfristige Sicht vieler Einkäufer berücksichtigt immer noch nicht die Lebenszykluskosten – zudem haben wir zu wenig Fachkräfte um die Antriebe sukzessive austauschen zu können.“
Energiesparen in der Prozesstechnik
Dipl.-Ing. Michael Ziesemer berichtete über die Lage in der Prozessautomatisierung, die auf ein erfolgreiches Jahr 2011 zurückblicken kann. „Zum zweiten Mal in Folge konnten wir bei den weltweiten Auftragseingängen und Nettoumsätzen zweistelliges Wachstum erzielen,“ so Dipl.-Ing. Michael Ziesemer. „Damit ist es letztes Jahr gelungen, das Vorkrisenniveau des Jahres 2008 deutlich zu übertreffen.“
Für das laufende Jahr wird ein reduziertes Wachstum im mittleren einstelligen Bereich erwartet. Nach den hohen zweistelligen Wachstumsraten in den Jahren 2010 und 2011 wird 2012 dann das Spitzenjahr im Absatz für die Prozessautomatisierung.
Für die Investition in die Prozessautomatisierung gibt es eine Vielfalt von Gründen, so Dipl.-Ing. Michael Ziesemer: „Anlagensicherheit, Umweltschutz und Kosten sind immer ein Thema. Aber in besonderer Weise beschäftigt unsere Kunden heute das Thema Energieeffizienz. Verfahrenstechnische Branchen sind Branchen, die alle in hohem Maße Energie verbrauchen. Im Schnitt der verfahrenstechnischen Industrien gehen wir davon aus, dass sich der Energieverbrauch um 25 % senken lässt. Das ist natürlich nicht von einem auf den anderen Tag machbar, langfristig und projektbezogen ist es jedoch durchaus möglich.“
Weitere Informationen unter www.zvei.org.
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