02. April 2012
Energieeffizienz – Bedeutung für Unternehmen
Beitrag aus openautomation 1-2/2012
Viele Manager großer Unternehmen entscheiden sich häufig nur dann für die Realisierung eines Energiesparprojekts, wenn der ROI maximal ein Jahr beträgt. Experten von Danfoss Solutions rechnen vor, welche Gewinne bei solch falschen Ansätzen verschenkt werden.
In den letzten Jahren haben Konzerne deutlich gespürt, wie sensibel Anleger auf schlechtere Unternehmensprognosen reagieren. Infolge haben Unternehmer einen genauen Blick auf die Faktoren, die einen direkten Einfluss auf ROI und ähnliche Kennzahlen haben. Doch zeigt die Praxis: eine zu starke Fokussierung auf bestimmte Kenngrößen kann letztendlich zu einer Behinderung der Investitionen und zu Fehlentscheidungen für die langfristige Entwicklung des Unternehmens führen.
So scheint im ersten Augenblick eine kurze Rückzahlzeit für in Energiesparmaßnahmen investierte Kosten von nur einem Jahr ein guter Ansatz. Hier gilt es jedoch, zu hinterfragen, ob eine kurze Rückzahlzeit wirklich die wesentlichen Kenngrößen, wie Return on Capital Employed (Kapitalverzinsung) oder die Weighted Average Cost of Capital (gewichtete durchschnittliche Kapitalkosten), beeinflussen? Ferner muss hinterfragt werden, ob der Energieverbrauch überhaupt ausreichend dokumentiert ist, um Einsparmaßnahmen bewerten zu können. Häufig ist dies nicht der Fall.
Zu kurze Amortisationszeiten sind kontraproduktiv
Viele Unternehmen geben für ein Energiesparprojekt eine Amortisationszeit von maximal einem Jahr vor. Dies ist der Erfassung der dafür anfallenden Kosten im Budget für laufende Kosten geschuldet. Allerdings sind diese Projekte eher auf kurzfristige Erfolge angelegt, und häufig lassen sich damit keine langfristigen Veränderungen beispielsweise in Prozessen erreichen.
Diese (kurzfristigen) Projekte bieten durchaus eine attraktive Verzinsung und können Einsparungen der Energiekosten von 3 % bis 5 % pro Jahr erbringen. Ein Beispiel: Beträgt die Energierechnung eines Unternehmens 8 Mio. € pro Jahr, bringt ein solches Projekt Einsparungen von beispielsweise 400.000 €. Die Verzinsung des eingesetzten Kapitals bei einem Jahr Amortisation erreicht 95 %. Und trotzdem: Würde das gleiche Unternehmen die Rendite des eingesetzten Kapitals auf 25 % bis 30 % reduzieren, was die Rückzahlzeit auf 2,5 Jahre erhöht, könnte es 20 % Einsparungen, also 1,6 Mio. € erreichen. Trotz kleinerer Rendite sind die gesamten Einsparungen in der Anlage also wesentlich höher und tragen damit deutlich stärker zu einer besseren Bilanzierung bei – von den positiven Auswirkungen auf die Umwelt ganz abgesehen.

Beispielrechnung für Einsparpotenzial: Rückzahlzeit: 1 Jahr vs. 2,5 Jahre: Die Grafik zeigt die empirisch ermittelten Durchschnittswerte, basierend auf der Erfahrung von Danfoss Solutions bei Energiesparprojekten. Kurzfristig angelegte Projekte erzielen zwar eine hohe Kapitalrendite, doch wird dabei erhebliches Einsparpotenzial verschenkt, das sich insgesamt aber positiv auf die Gesamtbilanz auswirkt und langfristig eine attraktive Rendite bietet. Insgesamt sollten Unternehmen daher auch die langfristigen Auswirkungen bei Energiesparprojekten mit in die Kalkulation einbeziehen
Meist zögern Unternehmen aber, Amortisationszeiten von mehr als 2,5 Jahren zu akzeptieren. Diese Erfahrung hat Danfoss Solutions gemacht, ein Unternehmensteil von Danfoss, der sich als Berater und Generalunternehmer mit Energiesparprojekten in der Industrie beschäftigt. Dabei können diese Projekte wesentlich mehr erreichen. So liegen die durchschnittlichen ROI immer noch bei bis zu 40 % und übertreffen damit die typischen 10 % bis 20 % „normaler“ Investitionsvorhaben in der Industrie. Zusätzlich bieten sie ein Einsparpotenzial bei den Energiekosten von bis zu 15 %. Bei Amortisationszeiten von bis zu vier Jahren liegen dieselben Einsparungen schon bei 20 % bis 30 % – langfristig gesparte Kosten, die direkt in die Bilanz eingehen.
Und: Steigende Energiepreise sorgen dafür, dass Projekte, die heute eine Amortisationszeit von fünf bis sechs Jahren haben, bereits 2020 nur noch drei Jahre benötigen – und damit interessanter werden.
Also muss das Ziel sein, nicht nur auf eine schnelle Amortisationszeit zu bauen, sondern die Größen in die Kalkulation solcher Projekte mit einzubeziehen, die für das Unternehmen wirklich wichtig sind: Cashflow und EBIT.

Beispielrechnung: Einsparungen vs. Verzinsung: Die Kapitalrendite eines Energiesparprojekts im Vergleich zu der angestrebten Kapitalverzinsung von ca. 15 % einer typischen Investition in Technologie in einem Unternehmen. Daraus erkennt man, dass Energiesparprojekte, die noch oberhalb dieser typischen Kapitalrendite liegen, bis zu 25 % an langfristigen Einsparungen bei den Energiekosten erzielen können
Energieverbrauch – ein strategischer Faktor
Meist konzentrieren sich Unternehmen auf die für sie vordergründig wirklich wichtigen Dinge: eine leistungsfähige Produktion, eine gute und angepasste Forschung und Entwicklung, hohe Qualität, Sicherheit der Produkte und der Produktion und Ähnliches. Energie ist etwas, was das Unternehmen braucht, um zu funktionieren und zu produzieren. Dabei herrscht vielfach die Meinung vor, dass die Einflussmöglichkeiten auf das Betriebsergebnis in diesem Bereich nicht sonderlich groß sind. Oder etwa doch?
Kostenentwicklung bei der Energie
In der ersten Dekade des 21. Jahrhunderts stiegen die Energiekosten pro Jahr um ca. 10 % bis 15 %. Am Beispiel einer Brauerei wird die Bedeutung bewusst gemacht: 2010 betrugen die Personalkosten 2,57 € pro Hektoliter. Die Kosten für Energie in Form von Öl, Gas und Strom lagen im Vergleich dazu bei 2,50 € pro Hektoliter. Mit obiger Steigerungsrate bei den Energiekosten liegt der Preis schon 2015 bei 3,57 € pro Hektoliter. Gleichzeitig, so Experten, sinken die Personalkosten pro Hektoliter durch höhere Automatisierung und optimierte Prozesse weiter. Das heißt, die Energiekosten steigen wesentlich schneller als die Personalkosten. Dabei gaben die Unternehmen die Personalkosten bislang als einen strategischen Grund für Verlagerungen von Produktionsstandorten an. Gleichzeitig waren sie das Ziel ständiger Optimierung.
Investitionen in Energiesparmaßnahmen
Bislang gelten Energiesparmaßnahmen noch als wenig interessant – auch wenn sich langsam das Bewusstsein ändert. Strategische Investitionen, beispielsweise in regenerative Energien, sind langfristig angelegt und zielen nicht auf kurzfristige Gewinne, sondern auf langfristige Vorteile. Bei den mehr vom operativen Geschäft beeinflussten Energiesparprojekten gilt eher der kurzfristige Ansatz mit kurzen Amortisationszeiten.
Wie lässt sich diese Denkweise ändern? Um die Vorteile solcher Projekte mehr hervorzubringen, ist es vorteilhaft, die kurzfristigen Ziele aus dem operativen Tagesgeschäft mit langfristigen Managementtechniken sowie einem fortschrittlichen Energiemanagement zu verknüpfen.
In der Praxis sieht eine solche Investition drei Bereiche vor:
• technische Teilprojekte mit einer Amortisationszeit von zwei bis vier Jahren,
• ein Energiemanagementsystem für eine gezielte Kontrolle, Beeinflussung und Optimierung des Energieverbrauchs auf langfristiger Basis sowie
• die Schulung der Mitarbeiter für einen sorgsameren Umgang mit Energie.
Insgesamt bietet sich so ein jährliches Einsparpotenzial bei den Energiekosten von 10 % bis 20 %, gleichzeitig aber eine IRR von 25 % bis 40 %, was diese Investition attraktiv macht.
Die Cashflow-Betrachtung
Auch bei der Betrachtung des Cashflows muss ein Umdenken stattfinden, um den Fokus aufgrund strategischer Bedeutung mehr auf Energiesparprojekte zu lenken. Die Zauberformel hier heißt Esco mit EPC. Dabei steht Esco für „Energie Service COmpanys“, die über garantierte Energieeinsparung für einen kurz- und mittelfristig erreichbaren positiven Cashflow sorgen. Dazu bieten sie ihren Kunden beispielsweise die Finanzierung von Energiesparprojekten über sogenannte Energy Performance Contracts (EPC) an, die den Anwendern Leistungsgarantien geben und so deren interne Verzinsung des Kapitals bzw. Einsparungen optimieren. Dabei hängt die Entlohnung dieser Esco-Unternehmen direkt vom Erfolg der Maßnahmen und den erreichten Zielen ab.

Schematische Darstellung des Anlaufs eines typischen Ensave-Programms
Gleichgültig, ob über Energy Performance Contract finanziert oder nicht: Solche Energiesparprojekte zeigen einen positiven Cashflow. Wenn nicht sofort, dann spätestens innerhalb der folgenden zwei bis drei Jahre. Diesen kann das Unternehmen dann nutzen, um weitere Umweltprojekte anzustoßen und für eine langfristig angelegte nachhaltige Produktion zu sorgen. Insgesamt führt das zu positiven Aspekten sowohl in wirtschaftlicher als auch in umweltpolitischer Hinsicht, was letztlich allen zugutekommt. Denn die Umwelt geht uns alle an.
Lars Gronbaek
Lars Gronbaek ist Director Sales bei der Danfoss Solutions Holding in Dänemark.
Weitere Informationen unter www.danfoss.de.
Beitrag als PDF downloaden
>>> Kommentar schreiben
>>> zur Comment Area











