13. Februar 2012
VDMA: Rekordwerte bei deutscher Werkzeugmaschinenindustrie
2011 war für die deutsche Werkzeugmaschinenindustrie ein herausragendes Jahr: die Branche erwirtschaftete 13,1 Mrd. Euro. „Mit 33 Prozent ist das der höchste Zuwachs, der je erreicht wurde“, sagt Martin Kapp, Vorsitzender des VDW (Verein Deutscher Werkzeugmaschinenfabriken), anlässlich der Jahrespressekonferenz des Verbands in Frankfurt/M.
Martin Kapp, Vorsitzender des VDW (Verein Deutscher Werkzeugmaschinenfabriken)
Als überproportional wachsend wurde mit 38 % auch der Inlandsmarkt angegeben. So hätten die Automobilindustrie, ihre Zulieferer und der Maschinenbau vom Weltmarktboom profitiert und ihre deutschen Produktionsstätten mit moderner Fertigungstechnik ausgestattet.
Die Importe zogen um 43 % an. Bis auf wenige Ausnahmen konnten alle Lieferländer ihre Ausfuhren nach Deutschland steigern, zum großen Teil zweistellig. An der Spitze lagen traditionell die Schweiz und Japan.
Im November 2011 arbeiteten rd. 67.800 Männer und Frauen in der Werkzeugmaschinenindustrie. Das waren 4,4 % mehr als binnen Jahresfrist.
Mit 93,8 % waren die Kapazitäten 2011 voll ausgelastet. Der Auftragsbestand reicht mit zuletzt 9,5 Monaten im Oktober 2011 deutlich in das laufende Jahr hinein. Das Ergebnis gehört zu den historischen Spitzenwerten. Trotz hoher Kapazitätsauslastung schmilzt der Auftragsbestand kaum ab. „Das bietet ein gutes Polster für das laufende Jahr“, zeigte sich M. Kapp zufrieden.
Im Gesamtjahr 2011 stieg der Auftragseingang um 45 %. Inlands- und Auslandsnachfrage wuchsen im Gleichschritt um 46 % bzw. 45 %.
Moderates Wachstum in 2012
Auf der Basis der hohen Werte von Auftragseingang, Auftragsbestand und Kapazitätsauslastung erwartet der VDW für 2012 für die deutsche Werkzeugmaschinenproduktion einen Anstieg um weitere 5 %. Gestützt wird die Prognose auch durch makroökonomische Frühindikatoren. Der VDW-Prognosepartner Oxford Economics schätzt den Zuwachs für die Weltwirtschaft 2012 auf 2,5 %. Stärker wachsen die Industrieproduktion und damit verbunden vor allem die Investitionen der wichtigen Abnehmerbranchen für die Werkzeugmaschinenindustrie. Zugpferd ist nach wie vor Asien mit Thailand, China, Taiwan, Japan und Indien als Vorreiter. In Deutschland signalisiert der ifo-Geschäftsklimaindex für die gewerbliche Wirtschaft, die wichtigen Abnehmerbranchen der Werkzeugmaschinenindustrie und für die Branche selbst steigende Zuversicht.
„Die verfügbaren Daten lassen einen Abbruch der internationalen Investitionstätigkeit unter derzeit gegebenen Umständen nicht erwarten“, sagt M. Kapp. „Jedoch befindet sich die deutsche Werkzeugmaschinenindustrie bei allen Kennzahlen auf hohem Niveau. Allein deshalb wird sich das Wachstum im laufenden Jahr beruhigen“, so der VDW-Vorsitzende weiter. Speziell bei der Nachfrage sei 2012 nicht mehr mit Zuwächsen zu rechnen. Es gebe immer noch eine gewisse Verunsicherung durch gesamtwirtschaftliche Risiken, wie Euroschuldenkrise oder Finanzmarktturbulenzen. Deshalb warteten insbesondere die mittelständischen Kunden ab, denn Ungewissheit sei Gift für jede Investitionsentscheidung.

Auftragseingang und Umsatz in der deutschen Werkzeugmaschinenindustrie der letzten zehn Jahre
Der deutsche Werkzeugmaschinenbau im Vergleich
Die größten Herausforderungen für die Werkzeugmaschinenindustrie in den kommenden Jahren sind unter anderem der wachsende Bedarf zur Internationalisierung und der Ausbau des Innovationsvorsprungs. Hier sieht M. Kapp die Branche auf dem richtigen Weg.
Mit einer Exportquote von fast 70 % hat die Werkzeugmaschinenindustrie ausländische Märkte bisher vorrangig von Deutschland aus bedient. Die wachstumsträchtigen Absatzmärkte verschieben sich jedoch mit hoher Geschwindigkeit Richtung Asien. Hat die Branche zehn Jahre zuvor 61 % der Ausfuhren in Europa abgesetzt, ein Viertel in Amerika und nur 11 % in Asien, haben sich die Verhältnisse heute komplett umgekehrt. 2011 gingen jeweils 42 % nach Europa und Asien und nur noch 15 % nach Amerika.
Damit sind die Deutschen in Asien erheblich besser aufgestellt als alle anderen europäischen Wettbewerber. „Bei gleicher Ausgangslage im Jahr 2000 kommt heute keiner der anderen Europäer auf einen Exportanteil nach Asien von über 30 %“, stellt M. Kapp klar. Dies gelte auch für die Lieferungen in die BRIC-Staaten. Selbst Japan erreicht hier kaum höhere Raten als Deutschland. Pendant zur starken Stellung Japans in China ist die herausgehobene Position der Deutschen in Russland.
Die Aktivitäten in Asien zu verstärken und speziell den Aufbau der Produktion voranzutreiben ist ein Gebot der Stunde, um dort am Wachstum auch künftig angemessen zu partizipieren. Zum einen geht es darum, diese Märkte breitenwirksam zu erschließen. Zum anderen weist staatlicher Dirigismus insbesondere in China darauf hin, dass dies in Zukunft der Export allein nicht mehr leisten kann.
Nachhaltigkeit in der Produktion als Erfolgsfaktor
Technologie- und Innovationsvorsprung sind Pluspunkte, die die führende Weltmarktstellung der deutschen Werkzeugmaschinenindustrie begründen. Mit mehr als 4 % vom Umsatz im Jahr 2010 lag die F&E-Quote höher als in den meisten Jahren des vergangenen Jahrzehnts.
Mit neuen Produkten konnten die Firmen nach der Krise durchstarten und anspruchsvolle Hightech-Märkte, wie die Automobilindustrie, den Flugzeugbau oder die Medizintechnik, erfolgreich bearbeiten. Die hohen Anforderungen in diesen Anwenderbranchen verlangen eine angepasste, flexible Produktionstechnik, die die deutsche Werkzeugmaschinenindustrie bietet.
Themen, wie Energieeffizienz, Materialeinsparung und Nachhaltigkeit in der Produktion, liefern ebenfalls Anstöße für die Entwicklung neuer Produkte. Hersteller, Komponentenlieferanten und Kunden tun sich hier vielfach zusammen. Die Branche engagiert sich außerdem in verschiedenen Forschungsprojekten, um neue Lösungen für nachhaltige Produktion und Prozesse zu finden. Mit Blue Competence bieten der VDW und der VDMA den Firmen eine Plattform, auf der sie ihre Lösungen vermarkten können. „Neue Entwicklungen sind unsere Stärke, mit der wir unsere internationale Wettbewerbsposition ausbauen können“, resümiert VDW-Vorsitzender M. Kapp.
Weitere Informationen unter www.vdma.org.
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