09. November 2011

CCTV-Komplettlösung für Linde Group

Beitrag aus openautomation 6/2011


Industriegas-Produktionsanlagen sind klassische Einsatzbereiche für explosionsgeschützte Technik. Bis vor einigen Jahren waren CCTV-Systeme hier noch unüblich. R. Stahl hat heute diverse Lösungen im Sortiment, die beispielsweise im ungarischen Linde-Werk zum Einsatz kommen. Zudem wurde durch die Übernahme von Anteilen an der niederländischen Orlaco-Gruppe das Portfolio um weitere Kamerasysteme angereichert.


Neben Dome-Kameras bietet R. Stahl auch andere explosions­geschützte Kameratypen

In Anlagen zur Gaserzeugung, -verarbeitung und -aufbereitung fanden Videoüberwachungssysteme lange Zeit kaum Anwendung, da ihre Installation dort mit hohem Aufwand verbunden war. So mussten konventionelle Kameras meist in großen und schweren druckgekapselten Ex-d-Gehäusen untergebracht werden. Elegantere Alternativen schufen spezielle Entwicklungen einiger Hersteller. Zu den ersten ihrer Art zählen zum Beispiel die in Kazincbarcika eingesetzten explosionsgeschützten Dome-Kameras vom Typ EC-750 von R. Stahl. Eine Reihe von Geräten dieser Baureihe stellt im Linde-Werk den Kern einer Komplettlösung zur Anlagenüberwachung aus der Warte dar.


Viele Features unter der Haube
Für die Anwendung im Werk der Linde Gáz Magyarország Zrt war ein Kamerasystem gefordert, das nicht nur Bewegtbilder aus Bereichen der Zone 1 und 2 live in eine Leitstelle übertragen kann, sondern sich von dieser Zentrale aus auch fernsteuern lässt. R. Stahl lieferte daher neben Ex-geschützten PTZ-Kameras (Pan, Tilt, Zoom) auch Steuerungstechnik zur Remote-Bedienung, Videoserver und vorkonfigurierte Software. Zum System gehören außerdem Zubehörkomponenten, von Joysticks und Mäusen bis hin zu redundant ausgelegten Stromversorgungen und Lichtwellenleitern zur Datenübertragung. Das eingesetzte Kameramodell EC-750 ist aus Edelstahl gefertigt und für einen Umgebungstemperaturbereich von –20 °C bis mindestens 60 °C ausgelegt. Zudem ist es in Schutzart IP68 ausgeführt. Die unter einer durchsichtigen Kuppel sitzende Ex-Dome-Kamera mit 18-fach-Zoomoptik bietet gute Rundumsicht, da sie bei einem Nei-gungswinkel von 180° horizontal frei über 360° schwenkbar ist. Das intelligente Gerät kann außerdem bis zu 64 programmierbare Positionen und Pfade automatisch abfahren.


Vernetzte Beobachter

Ob fünf oder mehr als 1 000 Kameras die Software Seetec unterstützt praktisch beliebig komplexe CCTV-Lösungen

Eine EC-750 überträgt FBAS- (Farb-Bild-Austast-Synchron-)Fernsehsignale in voller PAL-Auflösung (460 TVL). Sie lässt sich grundsätzlich in einem analogen Überwachungssystem zur Betrachtung im Vollbild und zur Aufzeichnung verwenden. Zudem können sie neben anderen Bildquellen auf einem Splitscreen angezeigt werden. Vor allem aber sind die Si­gnale über Videoserver in digitale Daten wandelbar und somit in ein Ethernet-Netzwerk einkoppelbar. Zur direkten Integration in digitale Netze verfügt die EC-750 über eine eigene IP-Schnittstelle.

Im ungarischen Linde-Werk wurde das netzwerkbasierende digitale Videoüberwachungssystem so konzipiert, dass es mit relativ geringem Aufwand um weitere Kameras erweitert werden kann. Für einfache Bedienung sorgt die Kameramanagement-Software Seetec. Die Bilder beliebig vieler Geräte lassen sich zur Fernabfrage über das Internet verfügbar machen, sodass prinzipiell eine Reihe weltweit verteilter Produktionsstandorte zentral überwacht werden kann. Dank zeitgemäßer Komprimierungsverfahren wie H.264 benötigen die Videodaten wenig Speicherplatz. Die Datenbank mit Aufnahmen lässt sich schnell und effi­zient durchsuchen.


Neue Optionen durch niederländische Akquisition
Anlagenbetreibern steht für maßgeschneiderte Systeme nach Bedarf noch weitere optische Hardware zur Verfügung. Mit der Integration der Ex-Produkte des niederländischen Kameraherstellers Orlaco sowie der zeitgleichen Gründung der R. Stahl Camera Systems als neuem Kompetenzzentrum für CCTV-Systeme (Closed Circuit Television) verbreiterte sich im Jahr 2011 das Sortiment der von R. Stahl angebotenen Kameratypen. Neben der in Kazincbarcika installierten EC-750 ist beispielsweise die auf extreme Umgebungsbedingungen ausgelegte EC-740 erhältlich, die unter anderem mit einem beheizten Linsenglas ausgestattet ist. Sie erreicht einen mechanischen Schutz von IP69K und ist bei Temperaturen von –40 °C bis 75 °C einsetzbar. Dieses Modell ist als reine Zoom-Kamera oder wahlweise mit vollwertiger PTZ-Funktion erhältlich. Spezialist für enge Einbauräume ist die kugelförmige EC-710 konzipiert, deren Durchmesser 55 mm beträgt. Trotz ihres Ex-Gehäuses aus Edelstahl wiegt die kompakte Kamera nur 435 g. Demnächst wird mit der Wärmebild-Kamera EC-800 außerdem ein Gerät ins Programm aufgenommen, mit dem Objekte und Personen auch ohne Licht zuverlässig beobachtet werden können. In völliger Dunkelheit oder bei sehr schlechten Sichtverhältnissen bleiben Bewegungen dank der Wärmebilder selbst über Distanzen von mehr als 200 m nicht unbemerkt.


Skalierbar nach Bedarf

Zu Überwachungs-Komplettpaketen gehört eine leistungsfähige Netzwerklösung, die beispielsweise die Fernsteuerung der Kameras im Feld von der Leitwarte aus erlaubt

Eine CCTV-Paketlösung von R. Stahl macht es möglich, je nach Anlagengröße und den Erfordernissen einer Anwendung, Signale einiger weniger oder auch vieler Hundert Kameras benutzerfreundlich in Prozessbilder einzubinden und bei Bedarf an beliebigen Bedienplätzen anzuzeigen. Sehr einfache Systeme können auf Wunsch konventionell verkabelt und ein analoges Bildsignal gegebenenfalls nur an genau einen Monitor übertragen werden. Am anderen Ende des Leistungsspektrums gibt es die Option, Hunderte oder sogar über Tausend IP-fähige Kameras zu installieren, die ihre Signale in ein Netzwerk einspeisen. In diesem können dann Bedienstationen aller Art auf die Videodaten zugreifen. Damit sind Anzeigen beliebig konfigurierbar. Beispielsweise lassen sich Einzelansichten einer Vor-Ort-Kamera zu Kontrollzwecken direkt in die Bedienoberfläche eines Prozessleitsystems integrieren. Natürlich können auch Multi-Monitor-Schirme mit zahlreichen Bildquellen in einem Überwachungszentrum eingerichtet werden. Für viele kleine und mittlere Systeme ist die Videosoftware „ISview“ gut geeignet. Mit ihr lassen sich an einem Monitor Live-Signale von bis zu zwölf Bildquellen in Multiple-Quad-Ansicht darstellen. Alternativ können umschaltbare Einzelanzeigen im Fenster- oder Vollbildmodus laufen. Neben IP-Kameras sind mit „ISview“ auch Videoserver einbindbar. Die auf dem Vapix-API aufsetzende Software wird pro angeschlossener Kamera lizenziert, sodass sich der Kostenaufwand genau nach der Dimensionierung des CCTV-Verbunds richtet.


Für sehr komplexe
Safety- und Security-Systeme hingegen, mit zahlreichen Kameras und zum Beispiel auch mit unterschiedlichen User-Leveln, kann wie in Kazincbarcika die Videosoftware Seetec zum Einsatz kommen. Sie integriert zwischen fünf und über 1.000 Kameras, einschließlich Steue­rungsmöglichkeiten unterschiedlicher Komponenten.


Fazit
Durch den Einsatz moderner Videotechnik zur Überwachung lässt sich in explosionsgefährdeten Bereichen von Industrieanlagen nicht nur Arbeitszeit für Rundgänge einsparen. Betriebsprozesse werden mit den flexibleren und umfassenderen Beobachtungsmöglichkeiten auch effizienter kontrollierbar. Dabei sorgen Aufzeichnungsfunktionen dafür, dass selbst bei erst mit Verzögerung erkannten Störungen schnell und einfach Ursachen ermittelt werden können. Mit vielfältigen unterschiedlichen Kameratypen in Ex-geschützten Ausführungen sowie skalierbaren Video-, Fernsteuerungs- und Aufnahmesystemen stellt R. Stahl ein breites Hard- und Softwareportfolio samt Know-how für maßgeschneiderte CCTV-Lösungen zur Verfügung.

Horst Friedrich
Horst Friedrich ist Leiter Produktmanagement und Softwareentwicklung bei der R. Stahl HMI Systems GmbH in Köln.

Weitere Informationen unter www.stahl.de.

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