09. November 2011

Mit flexiblem IO-System jede Aufgabe lösen

Beitrag aus openautomation 6/2011


Die strategische Ausrichtung des Mindener Unternehmens Wago stellt flexible IO-Systeme in den Vordergrund. Über diese Ausrichtung sowie neue Entwicklungen sprach openautomation mit dem geschäftsführenden Gesellschafter Sven Hohorst, Marco Henkel, Leiter Vertrieb Automation, sowie Jürgen Gorka, Produktmanager Automation.


Sven Hohorst ist geschäftsführender Gesellschafter von Wago

„Wir liegen über Vorjahr und werden voraussichtlich zweistellig wachsen“, so Sven Hohorst zur wirtschaftlichen Situation. Allerdings zeige die zweite Jahreshälfte nicht mehr das Wachstumsmuster der ersten. Für den Geschäftsführer ist diese Entwicklung allerdings nicht erstaunlich: „Wir kommen von einem sehr hohen Niveau. Das Jahr 2010 war extrem gut. Erstmalig haben wir die Umsatzgrenze von 500 Mio. € überschritten.“ Auf diesem hohen Niveau werden die Wachstumsraten flacher. Trotzdem rechnet er auch in 2012 mit weiterem Wachstum auf moderatem Niveau. „Wenn die Rahmenbedingungen stimmen“, schränkt der Geschäftsführer ein.

Dass Wago nicht nur im Bereich Verbindungstechnik gut unterwegs ist, hat sich inzwischen schon lange herumgesprochen. Als einer der Erfinder von dezentralen IP20-IO-Modulen hat das Unternehmen 1995 mit dem modularen Wago-I/O-System einen Marktstandard gesetzt. Dementsprechend entwickelte sich der Bereich Automatisierungstechnik des Unternehmens sehr positiv und überdurchschnittlich. „Heute wird bereits ein Viertel des Umsatzes mit Automatisierungs- und Interface-Technik erzielt. Im Jahr 1995 lag der Anteil noch bei null“, erinnert sich der Geschäftsführer. „Wir sind in der Automatisierungstechnik sehr breit aufgestellt“, setzt er fort. „Momentan profitieren wir weiterhin von der Auftragslage im Maschinenbau.“ Ebenso mache aber die Prozesstechnik große Fortschritte. Die gute Entwicklung der Wago-Automatisierungstechnik wird also „von der Breite des Markts getragen“, so der Unternehmer. „Es gibt keine Sonderkonjunktur aus einzelnen Branchen.“

Die Wago-Manager sind ebenso überzeugt, dass ihre flexiblen modularen IO-Systeme die richtige Wahl für die unterschiedlichen Branchen sind. So ist Wago auch in Bereichen wie den erneuerbaren Energien erfolgreich tätig. Ebenso ließen sich die Systeme zum Beispiel für E-Zapfsäulen und Smart Grids einsetzen. „Wir können sehr flexibel auf sich ändernde Anforderungen reagieren.“, betont J. Gorka. „Gerade im Energiebereich werden Datensammler wie das flexibel einsetzbare Wago-I/O-System benötigt“, ergänzt M. Henkel. Dabei sei von Vorteil, dass auch spezielle Protokolle wie M-Bus bedient werden können. Die Mindener können bei den Protokollen auf eine breite Basis zurückgreifen und die vielfältigen Erfahrungen aus der Gebäudeautomation nutzen, um im Energiebereich zu punkten.

J. Gorka stellt heraus, dass das Wago-I/O-System mit der Unterstützung der Protokolle IEC 60870-5-101, IEC 60870-5-104, IEC 61850 und IEC 61400-25 alle Anforderungen an die Fernwirktechnik erfüllt, die eine wichtige Rolle für Anwendungen im Energiebereich spielt. Dabei kann das Unternehmen auch sehr spezielle Anforderungen problemlos abdecken: „In einem Systemberater-Meeting gab es zum Beispiel die Anforderung, einer Einflussnahme in einem KNX-Netzwerk über IEC 60870 auszuführen“, so J. Gorka. Für Wago kein Problem. „Auch wenn Daten in SQL-Datenbanken eingebunden oder per SNMP, SMS oder auch per E-Mail versendet werden müssen, steht von uns stets eine Lösung zur Verfügung“, ergänzt der Produktmanager. Die Mindener stellen eine Vielzahl von Funktionsbausteinbibliotheken kostenlos zur Verfügung. Dabei werden unterschiedliche Anforderungen abgedeckt, so auch Sonnenstandsnachführung und Protokolladaptionen für Leitsysteme. „Für nahezu jedes Thema gibt es eine Bibliothek“, so J. Gorka.


Die Komponentenphilosophie

Das IP67-System 767 Speedway. Wago-I/O-Systeme gehören zu den führenden dezentralen IO-Systemen im Markt

„Wir haben unser Automatisierungssystem in den letzten Jahren deutlich weiter entwickelt“, berichtet S. Hohorst. So steht ergänzend zu den IO-Systemen von der Kleinsteuerung bis zur hochperformanten Groß-SPS das komplette Spektrum an Steuerungstechnik in unterschiedlichen Leistungsklassen zur Verfügung. Die IO-Systeme bieten zudem mittlerweile über 400 verschiedene Module.

„Unsere IO-Systeme beinhalten beispielsweise Ex-i-, Safety- und IO-Link-Module, darüber hinaus Module für den erweiterten Temperaturbereich. Der Großteil dieser Modulvielfalt verfügt über die unterschiedlichen Zulassungen für den Schiffs- und Offshore-Bereich“, so der Geschäftsführer. Insgesamt steht damit eine im Markt einmalige Vielfalt an Komponenten zur Verfügung, aus denen sich nahezu alle Anforderungen abdecken lassen.

„Aus dieser Vielfalt kann der Kunde das Passende für seine Lösung wählen“, so S. Hohorst. „Neue IO-Systeme können dementsprechend nicht diese Bandbreite abdecken.“ Eine wichtige Rolle spielt laut M. Henkel in diesem Zusammenhang auch die Kundenbetreuung und die Beratungsleistung im Vertrieb. Diese sind bei Wago optimal auf die Anforderungen der Kunden abgestimmt. „Dazu punktet das Wago-I/O-System mit den vielen Zulassungen und der hohen Qualität“, so M. Henkel.

„Unser IO-System bietet dem Kunden stets eine sehr kosteneffiziente Lösung“, unterstreicht S. Hohorst. „Da es sich bereits seit vielen Jahren in der Praxis erfolgreich bewährt, können sich unsere Kunden darauf verlassen, dass es funktioniert.“ Die 16-kanaligen IO-Module wurden im Markt sehr gut angenommen. Die Vorteile liegen klar auf der Hand: Die IO-Module reduzieren Platz und sparen Kosten. Mit der hohen Kanalrate können sich die Anwender flexibel ihre benötigten Kanäle zusammenstellen“, so J. Gorka.

Das Thema der Geschwindigkeit wird laut S. Hohorst überbewertet, da in den meisten Anwendungen keine sehr hohen Geschwindigkeiten erforderlich sind. „Allein die erforderliche Filterzeit konterkariert oftmals High Speed“, so M. Henkel. „Vielmehr kommt es auf Flexibilität, Bandbreite und Funktionalität an; dafür gibt es im Markt nichts Vergleichbares“, ist der Geschäftsführer überzeugt. Dies zeigt sich auch in den verwendeten Feldbussen. „Profibus liegt immer noch klar vorn“, so der Vertriebsleiter. Er ergänzt, dass selbst Modbus RTU noch in vielen Projekten zur Anwendung kommt. „Der Mainstream ist nicht High-End“, bestätigt S. Hohorst. Trotzdem deckt Wago auch das High-End-Thema ab: „Wir gehörten zu den ersten, die einen von der ETG zertifizierten Ethercat-Koppler angeboten haben.“

Ebenso wird das Thema Safety systematisch weiterentwickelt. „Unser Portfolio wird ausgebaut mit allen Funktionalitäten, die unsere Anwender benötigen“, schließt der Geschäftsführer an. Diese systematischen Weiterentwicklungen sieht er momentan als vorrangiges Thema; „es geht weniger um Sprunginnovationen.“ Als Beispiel führt J. Gorka ein Zählermodul für den Ex-Bereich an, welches wiederum viele neue Anwendungen in diesem Bereich erschließt. Dieser Zähler wird neben anderen Weiterentwicklungen der Automatisierungskomponenten zur SPS/IPC/Drives 2011 präsentiert. Dazu zählen außerdem neue Steuerungen und neue IP67-Module.

Der Vor- und Rückwärtszähler (750-633) in Ex i-Ausführung ist ein IO-Modul für das Wago-I/O-System. Der Zähler erfasst binäre Signale mit Namur-konformen Pegeln und überträgt den Zählerstand innerhalb des Systems an den programmierbaren Controller oder per Feldbus an eine übergeordnete Steuerung. Die Zählrichtung vor- oder rückwärts lässt sich über den U/D-Eingang (Up/Down) einstellen. Der Zählvorgang kann mit Hilfe eines Steuerbytes gesetzt und rückgesetzt werden. Der digitale Ausgang DO lässt sich mittels Steuerbyte oder abhängig vom Zählerstand aktivieren. Die maximale Schaltfrequenz des Zählers beträgt 20 kHz. Das 24 mm breite Modul zeigt seinen Status über LED an: grün für Up/Down, CLK und ­DO-Status sowie rot für Up/Down- und CLK-Fehlerstatus. Feld- und System­ebene sind galvanisch getrennt und der Ausgang ist kurzschlussfest ausgeführt. Die Versorgung des Moduls erfolgt über eine separate DC-24V-Einspeisung in Ex-i-Ausführung.

Auch im Interface-Bereich haben sich Wago-Komponenten laut S. Hohorst sehr gut auf dem Markt etabliert. Ein abgestimmtes Zusammenspiel von Gehäuselösung und Elektronik ist das Erfolgsrezept für ein rundum gelungenes Gerät. Genau dieses hat das Unternehmen mit den Messumformern, den Trennverstärkern und den Optokopplerbausteinen der Jumpflex-Serie verwirklicht. „Auch von den Relaisbausteinen verkaufen wir mehr als je zuvor“, schließt der Geschäftsführer an.


Eng am Kunden

Ethernet Controller für Wago-I/O-System

Zusätzlich zu dieser „Komponentenphilosophie“ bietet Wago für einige Branchen – u.a. in der Gebäudeautomation – durchgängige Systemlösungen. „Dieser Trend wird sich zukünftig sicher noch verstärken“, erwartet S. Hohorst. Das heißt aber nicht, dass der Komponentenbereich vernachlässigt wird. Ganz im Gegenteil: „Für leistungsfähige Systeme werden schließlich leistungsfähige Komponenten benötigt. Das eine tun, ohne das andere zu lassen“, bringt es der Geschäftsführer auf den Punkt.

„Ein System ist auch immer das, was der einzelne Kunde darunter versteht“, ergänzt M. Henkel. „Ein System ist nur dann ein System, wenn der Kunde es als solches erkennt.“ So lassen sich mit Kreativität neue Systeme schaffen. „Der Markt inspiriert uns dabei“, betont S. Hohorst „Mit unseren Steuerungen, HMI, Remote-IO, IP20- und IP67-Modulen sowie der Engineering-Software sind alle wichtigen Bausteine vorhanden, um weitere Systeme entstehen zu lassen.“ Diese werden organisch weiterentwickelt, damit alle Anforderungen des Markts abgedeckt werden können.

„Eine wichtige Rolle für den engen Kontakt mit den Kunden spielt mittlerweile unser engagiert, kundennah agierendes Beratungsteam, welches auch auf Messen bereitsteht“, so M. Henkel. „Unser Team sucht gemeinschaftlich mit dem Kunden nach Lösungen für Probleme, für die der Lösungsweg bisher unbekannt ist.“ Als Beispiel nennt der Vertriebsleiter die in heterogenen Automatisierungsarchitekturen immer wieder auftretenden Schnittstellenprobleme. „Innerhalb von 10 min. bis 20 min. wird zum Beispiel auf der SPS/IPC/Drives im Zuge des ‚Live-Cooking’ gemeinsam mit dem Anwender auf drei Beratungsständen ein Lösungsansatz erarbeitet“, ergänzt der Vertriebsspezialist. „Dieser Ansatz wird dann beispielhaft ausprogrammiert und dem Kunden sofort zur Verfügung gestellt bzw. per E-Mail an den Arbeitsplatz gesendet – entsprechend dem Motto: Wenn der Kunde nach Hause kommt, war Wago schon da.“ Diese Methode der Kundenbetreuung ist mutig: Eine zweite Chance gibt es meist nicht. Doch die Flexibilität des IO-Systems führt hier laut M. Henkel stets zu einem Lösungsansatz und am Ende steht ein Ergebnis zur Verfügung. Dabei kommen die Anwender oft mit unkonventionellen Fragen auf das Unternehmen zu. Oft sind es keine Standardaufgaben der Automatisierung, sondern Randgebiete der „What-ever-Automation“. Als Beispiel nennt er die Veranstaltungs- und Bühnentechnik.


Integrierte Systeme oder flexible Lösungen
„In der Vergangenheit war es meist so, dass die teuerste Automatisierungskomponente in einer Lösung zuerst gesetzt war, zumeist die Steuerung oder der Antrieb“, weiß M. Henkel. Doch in vielen Automatisierungsprojekten wird die Frage der Ankopplung immer wichtiger, so zum Beispiel bei der Migration oder dem Retrofit. „Gerade die Bedeutung des Retrofit-Bereichs wächst“, so J. Gorka. Bei diesen Projekten komme die Flexibilität des Wago-I/O-Systems voll zum Tragen.

Laut M. Henkel gibt es heute zwei Kundengruppen: Die eine bevorzugt integrierte und in der Regel geschlossene Systeme und verfügt oftmals nicht mehr über das Know-how, um eigene Lösungen zu kreieren. „Wir verfolgen nicht den Ansatz der geschlossenen Systeme“, schließt S. Hohorst hier an. Aber es gibt auch noch eine große Anwendergruppe, oft mittelständische Kunden, die „lieber die Rosinen herauspicken und eigene Lösungen aus den besten am Markt verfügbaren Komponenten zusammenstellen“, so M. Henkel. „Unsere Kunden wissen über die eigenen Probleme noch am besten Bescheid. Wir helfen, diese Probleme zu lösen“, betont S. Hohorst mit Verweis auf die Beratungsleistung des Hauses Wago.

„Mit dem Wago Automation Cockpit bieten wir eine integrierte Entwicklungsumgebung für die Konfiguration, Projektierung, Programmierung und Inbetriebnahme von Bediengeräten, Kopplern sowie den Controllern des Wago-I/O-Systems“, so S. Hohorst. Dabei wächst die Software laut J. Gorka „mit den Produkten“. Basis für die Steuerungsprogrammierung bildet CoDeSys. „Bei uns ist die Software keine Doktrin“, stellt der Geschäftsführer dazu heraus. „Unsere Komponenten fügen sich ideal in die Umgebung unserer Kunden ein.“ Dazu würde es nicht passen, wenn die Wago-Software in den Mittelpunkt der Applikation gesetzt werden muss.

Die Integration der Elrest-Produkte in das Wago-Portfolio ist lange abgeschlossen, heute werden gemeinsam neue Produkte entwickelt. Als Beispiel dafür nennt J. Gorka das Control-Panel mit Target-Visualisierung. „Wichtig ist bei Beteiligungen und Partnerschaften, dass die Unternehmenskultur zueinander passt“, weiß der Unternehmer. „Mit Elrest gibt es eine fruchtbare Zusammenarbeit.“ Dabei wird Elrest auch weiterhin im Markt eigenständig unterwegs sein. Der Geschäftsführer kann sich zukünftig auch andere Beteiligungen dieser Art vorstellen, wenn es passt: „Weitere Angebote sind willkommen.“

Ronald Heinze

Weitere Informationen unter www.wago.com.

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