09. November 2011
Motor-Feedback erstmals rein digital
Beitrag aus openautomation 6/2011
Die Motor-Regler-Kommunikation in der elektrischen Antriebstechnik steht vor einer digitalen Evolution. Die neue Schnittstelle Hiperface DSL spart Kosten und Platz und bietet gleichzeitig ein hohes Maß an Investitions- sowie Maschinensicherheit. Damit eröffnet das Motor-Feedback über die Motorleitung neue Möglichkeiten bei der Architektur von Servoantriebs-Systemen.
1985 entwickelte die Max Stegmann GmbH als Kommunikationsschnittstelle das patentierte synchron serielle Interface SSI. Mit der Universal-Schnittstelle Hiperface setzte das Unternehmen aus Donaueschingen einen erneuten Standard. Das Besondere: Für alle Anwendungen wird nur eine Schnittstelle am Drehzahlregler benötigt; zwischen Drehzahlregler und Feedback-System genügt eine Art von Signalleitung. Die asynchrone Halbduplex-Schnittstelle hat sich seit ihrer Markteinführung im Jahr 1996 als Standard am Markt etabliert und wird heute von vielen Antriebsherstellern weltweit eingesetzt.
Seit 2002 gehört die Max Stegmann GmbH zur Sick AG und firmiert unter dem Namen Sick Stegmann GmbH. Dieser Unternehmensbereich hat nun eine neue Schnittstelle entwickelt: das Hiperface DSL (Digital Servo Link). Diese ist nicht mehr hybrid, das heißt analog-digital, aufgebaut, sondern erstmals rein digital. Sie kommt mit einem Minimum an Verbindungsleitungen zwischen Frequenzumrichter und Motor-Feedback-System aus. Unter anderem aufgrund ihrer hohen Kosteneinsparpotenziale bringt sie die Voraussetzungen mit, sich bei Motor-, Regler- und Systemherstellern sowie bei Maschinenbauern und deren Endkunden als Schnittstellen-Standard der Zukunft zu etablieren.
Die Hintergründe
Bislang waren Servoantriebs-Systeme mit zwei separaten Anschlusssteckern für die Energieversorgung und die Datenübertragung ausgeführt
Erfolgreicher Marktangang
Nur noch ein Anschlussstecker statt bisher zwei – das fällt optisch als allererstes an einem Motor auf, in dem ein Motor-Feedback-System mit Hiperface DSL integriert ist
Das bringt das digitale Motor-Feedback über das Motorkabel
Reglerseitig werden weder Analogbauteile noch ein separater Reglereingang für externe Sensordaten benötigt. Die Implementierung wird durch die Verwendung von FPGA (Field Programmable Gate Arrays) oder Asic (Application Specific Integrated Circuits) erleichtert, da die gesamte Logik in einem Baustein abgelegt wird. Den jeweils passenden IP-Core gibt es ebenfalls für eine einfache Implementierung. Motorseitig ergeben sich unter anderem durch den Wegfall des Anschlusssteckers für das Motor-Feedback-System und den verringerten Verkabelungsaufwand Kostenvorteile. Motoren-, Regler- und Systemhersteller profitieren darüber hinaus von der Optimierung des Reglerkreises durch eine automatische Synchronisation zum Reglertakt sowie davon, dass sich mehr Freiheiten beim Motordesign ergeben – was gerade bei kleinen Servomotoren ein wichtiger Aspekt ist.
Das Singleturn-Motor-Feedback-System EKS36 und die Multiturn-Version EKM36 sind die weltweit ersten Motor-Feedback-Systeme
Diagnosen per Histogramm ermöglichen umfangreiche Fernüberwachungen zur präventiven Wartung, erhöhen so die Verfügbarkeit der Antriebe wie auch der weltweit im Einsatz befindlichen Maschinen und vermeiden Kosten im Fall eines unnötigen Servicesupport vor Ort.
Zertifiziert bis SIL3
Die Datenübertragung per Hiperface DSL ist sicherheitstechnisch für Applikationen bis SIL3 nach DIN EN 61508 (VDE 0803) bzw. Performance Level e nach DIN EN ISO 13849-1 geeignet. In Bezug auf die Erfüllung von Sicherheitsfunktionen sowie der Vorgaben der Maschinen-richtlinie und die Definitionen in den relevanten Normen sind Motoren-, Regler- und Systemhersteller, Maschinenbauer und Endanwender auf der sicheren Seite. Bei den Motor-Feedback-Systemen EKS36 und EKM36 bietet Sick zertifizierte Geber bis SIL2 an. Damit ist sichergestellt, dass die digitale Motor-Geber-Schnittstelle grundsätzlich auch in Safety-Applikationen eingesetzt werden kann.
Mit Hiperface DSL und dem erstmals rein digitalen Protokoll kann die Geberkommunikation zukünftig über nur zwei Adern integriert in der Motorleitung realisiert werden. Die ersten Motor-Feedback-Systeme mit dem neuen Schnittstellenstandard haben Kunden überzeugt, dass der digitale Weg der richtige ist. Mit entscheidend dafür sind die Vorteile hinsichtlich Technologie, Wirtschaftlichkeit und Investitionssicherheit. Und da die Datenübertragung an sich wie auch die erste Produktfamilie sicherheitstechnisch zertifiziert sind, ist Hiperface DSL auf für sicherheitsgerichtete Applikationen die Motor-Regler-Schnittstelle der Zukunft ausgerichtet.
Bernd Appel
Bernd Appel ist Leiter Business Unit Motorfeedback-Systeme bei der Sick Stegmann GmbH in
Donaueschingen.
Weitere Informationen unter www.sick.com.
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