09. November 2011

In gewinnorientierter Veränderungslaune

Beitrag aus openautomation 6/2011


Zur SPS/IPC/Drives zeigt sich Turck in vielfacher Hinsicht innovativ: Ein neuer Geschäftsführer, Komplettübernahme der Anteile an MTX, weiterer Ausbau des RFID-Geschäfts und diverse Produktneuheiten werden im umsatzstärksten Jahr innerhalb der Firmengeschichte präsentiert.


Wenn es so kommt, wie es sich Christian Wolf vorstellt, wird Turck in diesem Jahr den höchsten Umsatz in der Firmengeschichte erwirtschaften. So prognostiziert der Geschäftsführer der Hans Turck GmbH & Co. KG in Mülheim einen konsolidierten Gesamtumsatz von mehr als 430 Mio. € für 2011. Das entspricht einem Wachstum im Vergleich zum Vorjahr um 25 %. Analog zum Umsatz wurde die Zahl der Mitarbeiter auf weltweit über 3.000 gesteigert. Als Gründe für diese positive Geschäftsentwicklung nennt C. Wolf: „Das liegt zum einen an der bis heute günstigen Konjunkturentwicklung in unseren Zielmärkten, aber auch daran, dass wir unsere Wachstumsstrategie konsequent umsetzen und weiterverfolgen.“ So habe Turck wie geplant auch in diesem Jahr in Märkte und Fertigungskapazitäten investiert und beispielsweise neue Landesgesellschaften in den Wachstumsmärkten Brasilien und Türkei gegründet. Aber auch in den Standort Deutschland wird investiert: 15 Mio. € kostet der Ausbau der Fertigungskapazitäten in Halver. Diese werden um ca. 18.500 qm erweitert. Zudem werden die USA mit Investitionen von 6 Mio. US-$ für eine 4.000-qm-Erweiterung der Kapazitäten in Minneapolis bedacht.


Stabswechsel in Halver

Guido Frohnhaus ist neuer Geschäfts­führer der Werner Turck GmbH & Co. KG in Halver

Auch personell wurden die Weichen für die Zukunft gestellt und der Generations- und Strukturwechsel in der Turck-Gruppe nun vollständig vollzogen. So scheidet altersbedingt der Unternehmensgründer Werner Turck aus der Unternehmensgruppe aus. Er wird aber noch weiterhin die Geschicke der Firmen Turck Duotec und Escha TSL lenken. Sein Nachfolger ist Guido Frohnhaus, der zuletzt fünf Jahre technischer Leiter der Turck-Landesgesellschaft in den USA sowie zehn Jahre in der Geschäftsleitung eines Automobilzulieferers tätig war. Damit ist er neben Markus Turck Geschäftsführer der Werner Turck GmbH & Co. KG in Halver und verantwortlich für die Bereiche Entwicklung und Fertigung.

Mit diesem Schritt werden jetzt sowohl die Werner Turck GmbH & Co. KG mit Sitz in Halver als auch die Hans Turck GmbH & Co. KG mit Sitz in Mülheim jeweils von einem Mitglied der Gründerfamilien und einem weiteren Geschäftsführer geleitet. In Mülheim führen Christian Wolf und Ulrich Turck, Sohn des Mitbegründers Hans Turck, die Unternehmensgeschicke. Gemeinsam mit M. Turck und G. Frohnhaus bilden sie die strategische Geschäftsführung der übergreifenden Turck Holding.


MTX zu 100 % übernommen
G. Frohnhaus ist gleichzeitig Geschäftsführer der „MT ElektroniX GmbH“ (MTX). In dieser Funktion hat er die nun verlautbarte 100%ige Übernahme an dem Detmolder Unternehmen begleitet. So war MTX bislang ein 50/50-Joint-Venture von Turck und der Eaton Automation Holding. Ihr Schwerpunkt liegt auf der Entwicklung von Automatisierungskomponenten, vor allem IO-Module und Feldbus-Gateways. Im Zuge ihrer strategischen Weiterentwicklung sind beide Gesellschafter nun übereingekommen, die MTX-Aktivitäten zu 100 % in die Verantwortung von Turck zu übertragen. Entsprechend hat Turck Eaton seine 50 % der Anteile abgekauft. In einem Dienstleistungsvertrag wurde die weitere Zusammenarbeit festgelegt. So ist sichergestellt, dass Eaton-Produkte, die aus den gemeinsamen Aktivitäten entstanden sind, auch künftig von MTX für Eaton weiterentwickelt werden.

„Seit der Gründung des Joint Ventures vor fast zehn Jahren sind zahlreiche innovative Lösungen, wie unsere IO-Systeme BL67 und BL20, in Detmold entwickelt worden“, sagt G. Frohnhaus. „Beide Partner haben – ebenso wie unsere Kunden – von dieser Kooperation über viele Jahre maximal profitiert. Inzwischen sind die individuellen Strategien beider Unternehmen unterschiedlich, sodass MTX mit einem 100-Prozent-Gesellschafter effi­zienter arbeiten kann. Für Turck bedeutet dies, dass wir die Entwicklungsaktivitäten nun gezielter steuern können, um die steigenden Anforderungen unserer Kunden möglichst zeitnah in innovative Lösungen umzusetzen.“


Ausweitung der RFID-Aktivitäten

Christian Wolf ist Geschäftsführer der Hans Turck GmbH & Co. KG in Mülheim

Ein anderer Bereich, in dem Turck ebenfalls schon einige Jahre aktiv ist, und diesen noch für ausbaufähig hält, ist der RFID-Sektor. Hier verstärkt das Unternehmen seine Aktivitäten rund um das HF/UHF-RFID-System BL Ident nun auch im reichweitenstarken UHF<>Bereich. Dazu wurde mit dem Partner Deister Electronic eine Technologie und Vermarktungskooperation vereinbart. Sie regelt einen langfristigen Technologie- und Know-how-Transfer im UHF-RFID-Sektor. Dem Kooperationsvertrag zufolge kann Turck die Deister-UHF-Technologie im Bereich der Automatisierungstechnik weltweit alleine oder gemeinsam mit Deister vermarkten, weiterentwickeln und bei Bedarf auch selbst produzieren. Außerhalb der Automatisierungstechnik wird Deister Electronic die Technologie weiterhin selbst vermarkten.
„Diese Kooperation ist für beide Partner ein Meilenstein in der Unternehmensentwicklung, von dem die Kunden unmittelbar profitieren“, so C. Wolf. „Wir können auf der ausgefeilten UHF-Technologie von Deister aufbauen und diese für den Bereich Automatisierungstechnik mit unserem Anwendungs-Know-how zielgerichtet weiterentwickeln.“ Dem fügt Anatoli Stobbe, geschäftsführender Gesellschafter der Deister Electronic, hinzu: „Anwender erwarten zunehmend passgenaue Systemlösungen, die aufeinander abgestimmt sind. Deswegen arbeiten die Entwicklungs- und Projektabteilungen beider Kooperationspartner in einem definierten Bereich jetzt sehr eng zusammen. Für uns bedeutet diese Koopera­tion aber auch, dass wir mit Turck einen starken Vertriebspartner im Bereich der Automatisierungstechnik gewonnen haben. Wir werden uns neben der Automatisierungstechnik auf weitere Anwendungsfelder konzen­trieren.“


Innovationen zur SPS/IPC/Drives … aus dem Bereich RFID
RFID ist auch ein Ausstellungsschwerpunkt von Turck auf der kommenden SPS/IPC/Drives. Innovativ zeigt man sich hier mit anwendungsoptimierten RFID-Komponenten. So wird BL Ident um Schreib-Leseköpfe und Datenträger für die Fleischindustrie erweitert: Ein spezieller Tag für Hochtemperatur-Anwendungen komplettiert das Programm. Der neue Schreib-Lesekopf TNSLR-Q42TWD-H1147 mit zugehörigem Tag ist speziell für Anwendungen mit erhöhtem Reichweitenbedarf in nassen Umgebungen, in denen die UHF-Technologie nicht funktioniert, entwickelt worden. Der Kopf basiert auf der 13,56-MHz-HF-Technologie, erreicht aber bis zum Dreifachen der üblichen Reichweiten. So lassen sich in Verbindung mit Turcks 12-mm-Datenträgern Maximalabstände von 35 mm in Metall realisieren. Die Technik ermöglicht es beispielsweise, Schreib-Lesevorgänge zur zuverlässigen Identifizierung von Fleischhaken bei laufenden Transportbändern durchzuführen.

Des Weiteren rüstet Turck sein RFID-System BL Ident mit robusten, hochtemperaturfesten Tags in Schutzart IP69K für spezielle Anwendungen aus. Die Datenspeicher vom Typ TW-Q51-HT-B128 sind für Arbeitstemperaturen von –25 °C bis 85 °C geeignet. Die Lagertemperatur kann dabei von –55 °C bis 240 °C betragen.


Rund um die Remote-IO

Remote-IO-System für Zone 1 und 2 ermöglicht validierte Anbindung der Feldinstrumen­tation an Leitsysteme im laufenden Betrieb

Eine andere Messeinnovation bringt das Zone-1-Remote-IO-System Excom mit: Es ist jetzt auch für den Einsatz in Zone 2 optimiert. Zudem wurden die Systemfunktionen mit neuer Firmware sowie DTM (Device Type Manager) erweitert. In Zone 2 lässt sich das System aufgrund der geringeren Anforderungen mit kleineren Netzteilen in Modulbauweise und einer kompakteren Backplane mit noch geringerem Platzbedarf betreiben. Mit der neuen Firmware und dem DTM lassen sich das Excom-System und die angeschlossene Feldinstrumentierung nun ohne vorherige Anschaltung zum Leitsystem in Betrieb nehmen.

Auch beim laufenden Betrieb kann der Anwender neue Messstellen oder Module hinzufügen und diese im Vorfeld testen und in Betrieb nehmen, ohne die Änderung im Leitsystem-Engineering schon berücksichtigen zu müssen. Auf diesem Weg werden nur Anlagenerweiterungen im Leitsystem eingebunden, die bereits validiert sind. Mir der neuen Firmware besteht nun auch die Möglichkeit eines Updates über die Kommunikationsschnittstelle.


Aus dem FF- und Profibus-PA-Portfolio
Außerdem komplettiert Turck sein Portfolio für die Prozessautomation mit einer neuen Multibarrriere und Firmware für den Diagnostic Power Conditioner (DPC). Die Multibarriere MBD40 in Schutzart IP20 ist eine kompakte vier- und achtkanalige Lösung zum Anschluss eigensicherer Stromkreise an Foundation-Fieldbus- oder Profibus-PA-Netze. Die Multibarriere kann in einem erweiterten Temperaturbereich zwischen –40 °C (optional –55 °C) und 70 °C zuverlässig betrieben werden.

Daneben verfügt der Diagnostic Power Conditioner DPC-HSEFD für Foundation Fieldbus mit seiner neuen Firmware über erweiterte Funktionen, wie einen inte­grierten Webserver, der dieselben Möglichkeiten für Konfiguration und Parame­trierung bietet wie die DTM-basierte Lösung. Ein interner Diagnosepuffer speichert zudem nun detektierte Alarme aus den überwachten FF-Segmenten, sodass eine stetige Überwachung durch eine DTM-basierte externe Software nicht mehr notwendig ist. Die gepufferten Diagnose- und Alarmdaten lassen sich Auslesen und an weitere Programme, zum Beispiel Excel, übergeben. Über ein Snap-on für Emersons AMS-Suite werden nun auch die Foundation-Fieldbus-H1-Alarme an das Asset Management von Emerson gesendet. So erhält das Wartungspersonal Klartext-Informationen über die Güte und Qualität der H1-Kommunikation.


Und darüber hinaus
Neben diesen Neuerungen vervollständigen die Spezialisten mit vier Schaltnetzteilen der Reihe IM82-24 ihr Interface-Technik-Programm. Ihren Anspruch als Komplettanbieter für Interface-Komponenten unterstreichen sie darüber hi­naus mit sechs neuen Überspannungsschutzgeräten für MSR-Interface-Module. Und auch die Sensorsparte hat mit den magnetostriktiven LTX-Linearwegsensoren in Stabbauform Neues zu bieten. So ist mit diesen eine optimierte Positionserfassung in Hydraulikzylindern möglich.


Ausblick
Sowohl produktseitig als auch organisatorisch sorgt Turck für Gesprächsstoff auf der Nürnberger Messe. Dabei soll beides nachhaltig wirken. Bereits für das Jahr 2012 zeigt sich C. Wolf optimistisch und geht von einem Wachstum um rund 10 % aus. Um dieses zusätzlich zu sichern, sollen die Erfolgsfaktoren entlang der Unternehmenswertschöpfungskette weiterentwickelt werden: „Vom Einkauf über Distribution, Logistik, Vertrieb, F&E, Service bis zu den Finanzen haben wir zahlreiche Stellschrauben, mit denen wir die Unternehmens-Performance noch weiter optimieren können”, erklärt der Geschäftsführer. Vor allem anderen stünde aber das Thema Employer Branding. „Qualifizierte und zufriedene Mitarbeiter sowie eine attraktive Arbeitgebermarke werden in der heutigen Zeit immer entscheidender für einen Unternehmenserfolg. In diesem Bereich wird Turck seine Aktivitäten deutlich verstärken“, so C. Wolf.

Inge Hübner

Weitere Informationen unter www.turck.de.

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