09. November 2011
Offene PC-basierte CNC für Laserschweißanlage
Beitrag aus openautomation 6/2011
Im modernen Schiffbau werden Decks und Zwischenwände als Module verschweißt. Damit sich diese vom Heck bis zum Bug reibungslos ineinander fügen, muss jede Schweißnaht höchst präzise ausgeführt sein. Mit ihrem „offenen“ Steuerungssystem sorgt IBH Automation dafür, dass die Produktion auf einer der größten Laserschweißanlagen der Welt optimal arbeitet.
Die Ansprüche der Meyer Werft an die Maschinen, die für die Produktion eines solchen Schiffs benötigt werden, sind hoch. Das gilt auch für die Schweißanlage. Sie ist mit einem 12-kW-CO2-Laser von Trumpf und einer 900-A-MIG-Stromquelle ausgestattet. „Durch diese Anlage wird die Anzahl der Verbindungsstellen über die Länge eines Schiffs erheblich reduziert und damit werden Kosten gespart“, verkündet der Maschinenbauer der Laserschweißanlage, die Held Systems Deutschland GmbH.
Hohe Anforderungen auf breiter Front
Insgesamt arbeiten bei diesem Projekt mehrere Partner zusammen. Mit dabei ist auch die IBH Automation Gesellschaft für Steuerungstechnik mbH. Sie liefert die Steuerung der Schweißnahtverfolgung sowie das Management der Schnittstellen und realisierte gleichzeitig die Dateninformationsübertragung. Mehr als 30 Sercos-Achsen hat die Steuerung zu bewältigen. „Und wir mussten sehr viele Schnittstellen managen“, berichtet IBH-Geschäftsführer Roland Jaensch. Eine Anbindung in diesem Umfang bildet fast ein eigenes Arbeitsfeld.
Die Aufgabe der Maschine ist es, auf liegende Panelbleche, die später im Innenbereich der Schiffe das Deck und die Zwischenwände bilden, zur Versteifung senkrecht stehende, sogenannte Aufsetzer, zu verschweißen. Bis zu 30 m sind die Versteifungsstücke lang, die mit dem Laserhybrid-Schweißverfahren verbunden werden. Im Schweißportal wird die Naht zwischen Aufsetzer und Panelblech selbstständig gesucht und verbunden. Sobald ein Aufsetzer verschweißt ist, wird das Panel zur nächsten Naht weiter transportiert. Nur bei Störungen, beispielsweise wenn der Spalt zu breit ist oder wenn Schmutz den Vorgang zu stören droht, muss der Bediener eingreifen.
CNC-integrierte Schweißnahtführung
IBH-Geschäftsführer Roland Jaensch demonstriert die übersichtliche Bedienoberfläche seines Steuerungspanels (Bild: IBH Automation/Traffic AfW K&D)
Dies ist dadurch möglich, dass die Spezialisten in die CNC-Betriebssystem-Software eingegriffen haben: Als sogenannter Compile-Zyklus wird die Schweißnahterkennung auf die CNC aufgesetzt. Bei Maschinenbauern ist diese Schnittstelle beliebt, weil sich darüber bestimmte Funktionen und eigene Softwareentwicklungen in C++ einfach in die CNC-Software einbinden lassen. „Damit kann jeder OEM eigenes Know-how in die Steuerung einbringen“, verdeutlicht R. Jaensch.
Neben der CNC-integrierten Schweißnahtführung wurde bei der Anlage auf der Meyer Werft eine Online-Nahtgeometriekontrolle eingesetzt. Über Profibus ist sie an die IBH-Steuerung angeschlossen. Dabei werden in beide Richtungen Datenpakete übertragen. Die Steuerung übermittelt auch während der aktiven CNC-integrierten Schweißnahtführung Parameter zum Nahtsensor. „Somit werden Parameteränderungen ‚on-the-fly’ möglich“, benennt R. Jaensch den Vorteil. Dr. W. Schwabe ergänzt: „Da der Nahtsensor neben der Position der definierten Schweißnaht, wie Überlappstoß, I-Naht oder Kehlnaht, auch weitere Daten, wie Spalt oder Winkel der Kehlnaht, übertragen kann, werden anwendungsspezifische Datenstrukturen kommuniziert.“ Im Kern der Schweißanlage arbeitet eine kompakte Macro 8005 NT (New Technologie) der Kornwestheimer.
Weitere Highlights
Die Bedienoberfläche der IBH-Steuerung ist übersichtlich aufgebaut und einfach zu bedienen (Bild: IBH Automation/Traffic AfW K&D)
Vorteile bietet zudem die PC-Basis der Steuerung, da sie kostengünstig viele Andockmöglichkeiten von Hause aus mitbringt. Und auch bei der riesigen Laserschweißanlage ist die Philosophie des offenen Systems laut R. Jaensch „voll aufgegangen“. Bei dieser Anlage in der Meyer Werft wurde die Steuerung mittels zweier IBH-Hochleistungs-Industrie-PC realisiert. Deren standardisierte Architektur erlaubt es dem Kunden, Features vom klassischen PC zu nutzen. So kann beispielsweise die Datensicherung problemlos selbst vorgenommen werden. Die standardisierten Schnittstellen, wie Ethernet oder USB, die im Consumer-Markt üblich sind, erlauben ein Datenhandling ohne Spezialkenntnisse. Die Steuerung kann deshalb einfach in ein vorhandenes PC-Netzwerk eingebunden werden. Unterstützung bietet der IBH-Service via Remote Control; der Kunde erhält somit möglichst weitreichende Produktionssicherheit.
Zudem wird der Kunde bei der Inbetriebnahme unterstützt, da sich die Dokumentation auf der Maschine befindet. So wurden gezielt Teile der Dokumentation als HTML und PDF ausgelesen und in die Visualisierung eingebunden. Der Bediener kann sich so mithilfe von gewohnten Browser-Funktionen („Such/Finden“-Optionen) im Steuerungs-Bedienmenü an der Maschine informieren.
Zum Thema Zukunftssicherheit seiner Steuerungen erklärt R. Jaensch: „Im Grunde altern die offenen IBH-CNC nicht, denn die technische Entwicklung bringt schnellere Prozessoren und verbesserte Arbeitsspeicher. Neuerungen können immer wieder als Upgrade zur Leistungsverbesserung einfließen.“ Dabei berichtet der Geschäftsführer aus seiner mehr als 30-jährigen Erfahrungen rund um die Macro-Baureihe. Viele Werkzeugmaschinen mit diesen Steuerungen verrichten noch heute zuverlässig ihren Dienst.
Fazit
Dass im globalen Wettbewerb auch auf deutschen Werften weiterhin Schiffe gebaut werden können, hängt sicher nicht zuletzt von solchen Lösungen ab, wie sie auf der Meyer Werft realisiert wurden. Hoch spezialisierte und innovative Partner fanden zusammen, um im Wettstreit der Werften für Papenburg einen wichtigen Vorsprung herauszuholen.
Martina Derezis
Martina Derezis ist bei der IBH Automation Gesellschaft für Steuerungstechnik mbH als Leiterin MarCom tätig.
Weitere Informationen unter www.ibh-cnc.com.
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