09. November 2011
Energiemanagement nach DIN EN 16001
Beitrag aus openautomation 6/2011
Das Thema Energiekosten gewinnt bei der Wirtschaftlichkeitsbetrachtung eines Unternehmens immer mehr an Bedeutung. Entscheider werden sowohl mit steigenden Verbrauchskosten konfrontiert als auch mit höheren Auflagen im Bereich Steuern und Abgaben. Intelligentes Energiemanagement nach der DIN EN 16001 deckt Einsparpotenziale auf und sichert gleichzeitig den Zugang zu steuerlichen Anreizen.
Das Energiemanagementsystem „e3m“ umfasst „e3m Box“, „e3m Connector“, „e3m Data Center“ und „e3m Client“
Bei der DIN EN 16001 handelt es sich um eine klassische Managementnorm, die sich in Struktur und Aufbau an bestehende Managementnormen anlehnt, zum Beispiel für die Bereiche Qualität (9001) oder Umwelt (14001). Sie ist nicht branchenspezifisch und kann von unterschiedlichen Unternehmen bzw. Organisationen angewendet werden. Besonders interessant ist sie in Deutschland für produzierendes Gewerbe, da steuerliche Vergünstigungen an die Einführung der Norm gebunden sind oder dieses in Planung ist.
Das Thema hat gerade in den letzten Monaten stark an Bedeutung gewonnen, auch wenn die Weichenstellung schon einige Jahre zurückliegt. Als Meilenstein sind hier die Meseberger Beschlüsse der Bundesregierung zu nennen, die im Rahmen des integrierten Energie- und Klimaprogramms (IEKP) bereits 2007 eine vierstufige Einführungsphase für betriebliches Energiemanagement bis Ende 2012 definiert haben. Der 31. Dezember 2012 ist zudem der Stichtag für viele Unternehmen zur Einführung eines Energiemanagements nach DIN EN 16001. So sind für energieintensive Betriebe Vergünstigungen im Bereich der Stromkosten an die Einführung der Norm gekoppelt. Für Unternehmen, die bis zu diesem Stichtag kein Energiemanagement nach der Norm nachweisen können, entfallen Vergünstigungen ganz oder teilweise.
Die Vergünstigungen betreffen konkret die Stromsteuer sowie die Umlage nach dem Erneuerbare Energien Gesetz (EEG). Für beide Bereiche existieren bereits Härtefallregelungen für das produzierende Gewerbe. Zukünftig wird nur in den Genuss von Steuerermäßigungen kommen, wer ein von unabhängiger Stelle zertifiziertes Energiemanagementsystem vorweisen kann. Dies bedeutet im Umkehrschluss, dass die Vergünstigungen für die Unternehmen entfallen, die kein Energiemanagement einführen. Die Zertifizierung des Energiemanagements, und somit der Nachweis der Voraussetzung für Vergünstigungen wird von einem durch die Deutsche Akkreditierungsstelle (DAkkS) zugelassenen Zertifizierungsunternehmen durchgeführt.
Grundanforderungen für Energiemanagement
Die „e3m Box Smint“ ist eine abgespeckte Variante der „e3m Box“ in kompakter Bauform
Welche Anforderungen stellt die DIN EN 16001 an Systeme zur Erfassung und Auswertung der Messwerte? Wer in der Norm eine technische Antwort auf diese Frage sucht, wird nicht fündig werden. Die Norm schreibt nicht vor, welche technischen Eigenschaften ein Verbrauchszähler haben muss, sie urteilt weder über geeignete Bussysteme zur Vernetzung der Zähler, noch gibt sie die Eigenschaften der Monitoring- und Auswertesoftware vor. Es gibt kein nach DIN EN zertifiziertes Energiemanagementsystem als Produkt; zertifiziert werden ausschließlich Unternehmen, nicht Produkte.
Praxisbeispiel
Moderne Energiemanagementsysteme können dem Anwender der Norm aber viele Aufgaben abnehmen bzw. automatisieren. Anhand des Energiemanagementsystems „e3m“ von Emation wird deutlich, was dies in der Praxis für ein Produktionsunternehmen bedeutet:
Energiemanagement beginnt mit dem Erfassen der Messwerte. Zum Aufdecken der energetischen Einsparpotenziale reicht es nicht aus, die Werte nur einmal am Tag oder einmal im Monat zu erfassen. Für die Messwerte hat sich in der Praxis eine Erfassung im 15-min-Intervall bewährt; andere Zeitintervalle sind ebenfalls möglich. Gemessen werden die Verbrauchszähler für alle Energiemedien, sowohl die Hauptmedien Strom, Gas und Wärme als auch abgeleitete Medien, wie Kälte, Druckluft oder Dampf. In die Betrachtung fließen zudem alle relevanten Daten von automatisierungstechnischen Anlagen der Gebäudehülle (Heizung, Lüftung und Klimatisierung) sowie ausgewählte Daten der Produktionsanlagen (Öfen, Pressen, Erfassung von Stückzahlen/Mengen) ein. Dies stellt gleich mehrere Anforderungen an das Energiemanagementsystem, denn es muss mit Systemen unterschiedlicher Hersteller kommunizieren können. Dies gelingt auch standortübergreifend. In der „e3m“-Produktfamilie übernimmt die „e3m Box“ die Aufgabe des zentralen Informationsknotenpunkts im Gebäude. Die Box stützt sich hierbei auf Standards, wie Bussysteme, TCP/IP-Kommunikation und Webtechnologie.
Eine Besonderheit des „e3m Data Center“ ist die modulare Portalansicht
Das aktive Energiemanagementsystem beschränkt sich nicht auf das „lesende“ Erfassen der Messwerte, es ist ebenso möglich, aktiv „schreibend“ einzugreifen. Beispielhaft zu nennen ist das Scheduling-Modul für ein zeitgesteuertes Schalten von Anlagen oder das Spitzenlastmanagement, mit dessen Hilfe sich der Stromtarif optimieren lässt.
Standortübergreifende Betrachtungen
Besondere Anforderungen an das Energiemanagement stellen Unternehmen, die eine standortübergreifende Betrachtung erfordern. Viele schlanke Systeme scheitern an dieser Anforderung, da sie ausschließlich für die Betrachtung eines einzelnen Standorts konzipiert wurden. „e3m“ wird mit seiner Webtechnologie und dem modularen Aufbau dieser Aufgabe gerecht, auch im weltweiten Einsatz. Das System bietet ein mandantenfähiges Konzept zur Benutzerautorisierung. Auf diese Weise sieht jeder Anwender die für ihn relevanten Daten in der für ihn passend aufbereiteten Form und in seiner Sprache. Von der einfachen Übersichtsseite für den Schichtleiter, über eine detaillierte technische Sicht für den Energiemanager bis hin zu betriebswirtschaftlichen Betrachtungen auf Controlling- oder Geschäftsleitungsebene. Eine einfache Zusammenarbeit mit externen Unternehmen, zum Beispiel für den Bereich Energieconsulting oder auch die Zertifizierung, ist auf Basis dieser Technologie ebenfalls möglich.
Run auf die Norm erwartet
Die Verbindung aus DIN EN 16001 als Leitfaden und einem leistungsstarken Energiemanagementsystem bildet die Grundlage für eine systematische Analyse und ist Wegbereiter einer höheren Energieeffizienz. Die Kopplung an steuerliche Vergünstigungen bietet zusätzlichen Anreiz und kombiniert ökonomische mit ökologischen Faktoren. Für die Zukunft ist zu erwarten, dass die DIN EN 16001 eine Anforderung in der Lieferkette bildet: Ein Unternehmen, welches Energieeffizienz in der Firmenpolitik verankert hat, wird nur noch mit ebenfalls energieeffizienten Zulieferern zusammenarbeiten, eine Entwicklung, die wir bereits aus dem Bereich Qualitätsmanagement kennen.
Durch den Stichtag 31. Dezember 2012 sind viele Unternehmen aus der abwartenden Haltung in eine Einführungsphase übergegangen. Für 2012 wird im Markt ein „Run“ auf die DIN EN 16001-Zertifizierungsunternehmen prognostiziert. Ein rechnergestütztes Energiemanagementsystem ermöglicht eine einfache Umsetzung der Norm im Unternehmen, zeigt Optimierungspotenziale auf und bildet so den Schlüssel für Energiekosteneinsparungen.
Frank Baier
Frank Baier ist im technischen Vertrieb der Emation GmbH in Merenberg tätig.
Weitere Informationen unter www.e3m.de
Beitrag als PDF downloaden
>>> Kommentar schreiben
>>> zur Comment Area














