14. Oktober 2011
IBV: Umsatzrekord in 2010 und gute Aussichten
Die IBV-Branche hat sich von der Krise erholt und 2010 ein Umsatzplus von 32 % erreicht. Für dieses Jahr wird eine weitere Steigerung um 20 % erwartet. Motor sind die internationalen Märkte, allen voran Asien und Amerika.
„Mit einem fulminanten Umsatzzuwachs von 32 % auf den Spitzenwert von 1,26 Mrd. € hat die deutsche Bildverarbeitungsbranche 2010 ihren Einbruch vom vorausgegangenen Krisenjahr innerhalb nur eines Jahres überwunden“, so Dr. Olaf Munkelt, Vorsitzender des Vorstands VDMA Industrielle Bildverarbeitung. „Das ist die höchste Wachstumsrate, die wir jemals in unserer jährlichen Bildverarbeitungsstatistik verzeichnet haben“, bilanziert er weiter. Auch im laufenden Jahr verzeichnet die Bildverarbeitungsbranche hohe Auftragseingänge. Deshalb geht VDMA Industrielle Bildverarbeitung von einer weiteren Steigerung des Branchenumsatzes im Jahr 2011 von mindestens 20 % aus. Damit würde die Marke von 1,5 Mrd. € überschritten.
Exportanteil steigt mit Highlight Asien
Vor allem die Exporte waren der Treiber der kräftigen Erholung: Die Lieferungen ins Ausland stiegen um 40 % gegenüber dem Krisenjahr 2009 an. Aber auch das Inlandsgeschäft erfreute sich einem Wachstum um 23 %. Damit setzt sich der Internationalisierungstrend der deutschen Bildverarbeitungsindustrie fort: Die Exportquote stieg von zuvor 52 % auf 56 %. Das Exportvolumen übertraf die bisherigen Rekordwerte von 2008; der Inlandsumsatz blieb 2010 allerdings noch unter dem Vorkrisenniveau.
Der Umsatz in Asien erhöhte sich gegenüber 2009 um 66 % und übertraf damit alle Erwartungen. „Der absolute Shootingstar 2010 war China. Der Umsatz mit diesem Land verdreifachte sich gegenüber 2009“, sagt Dr. O. Munkelt. Doch auch Nordamerika hat sich 2010 mit einem sehr deutlichen Umsatzplus von 45 % gegenüber 2009 als Absatzmarkt zurückgemeldet (Nord- und Südamerika insgesamt: +41 %). Mit einem Anteil von 12 % am Gesamtumsatz bleibt Nordamerika der wichtigste Handelspartner für die industrielle Bildverarbeitung aus Deutschland. Die Exporte in die europäischen Länder sind 2010 gegenüber 2009 um 27 % gestiegen und haben damit das Niveau von 2008 wieder erreicht.

Industrielle Bildverarbeitung Deutschland: Gesamtumsatz im Inland und Export (Quelle: VDMA)
Erfolgreiches Kamerageschäft
Maßgeblich zur schnellen Erholung des Branchenumsatzes trug die Entwicklung im Kamerabereich bei. Derzeit wird mit Kameras bereits knapp ein Drittel des gesamten Bildverarbeitungsumsatzes erzielt. Dabei erleichtert die zunehmende Standardisierung von Schnittstellen, zum Beispiel mittels Genicam, „GigE Vision“, USB oder „CoaXPress“, den Einsatz von Bildverarbeitungskameras in allen Einsatzfeldern. Auch technologische Innovationen beflügeln über höhere Leistungsfähigkeit das Kamerageschäft. So entwickelt sich die Cmos-Technologie schnell weiter und wird zunehmend eingesetzt. Da sich die Bildverarbeitung als Zukunftsbranche ständig neue Anwendungsfelder auch außerhalb der Industrieproduktion erschließt, rechnet der VDMA mit einer weiter steigenden Nachfrage nach Kameras. Insgesamt können die deutschen Hersteller von Bildverarbeitungskameras auf ein sehr dynamisches Jahr 2010 zurückblicken: Ihre Umsätze stiegen um fast 62 %.
Automatisierung hoch im Kurs
Weltweit steigt der Bedarf an Automatisierungstechnik. Die Gründe hierfür sind vielschichtig: Neben der Kosteneffizienz von Anlagen, geht es insbesondere um die Erhöhung der Produktqualität. Automatisierungslösungen bieten hier Vorteile, vor allem beim Einsatz von Systemen für die lückenlose Rückverfolgbarkeit, wie bei sicherheitskritischen Komponenten. Extrem hohe Produktionsvolumina, zum Beispiel bei der Herstellung von Solarzellen oder medizinischen Produkten zum Einmalgebrauch, lassen sich wettbewerbsfähig nur durch einen hohen Automationsgrad realisieren. Die Erhöhung der Funktionsdichte von Produkten durch Miniaturisierung erfordert ebenfalls eine zunehmende Automatisierung der Fertigung. Sie ist daher längst nicht mehr auf Hochlohnländer beschränkt. So gehen nach dem Krisenjahr 2009 weltweit die Roboterlieferungen in die Höhe: Nach Angaben der International Federation of Robotics (IFR) stiegen die Roboterlieferungen im Jahr 2010 nach Europa um 45 %, nach Amerika um 87 % und nach Asien um 127 %. Die industrielle Bildverarbeitung profitiert von dieser Entwicklung, da sie eine Schlüsseltechnologie für alle Automatisierungsaufgaben ist, als Auge des Roboters oder als universelles Werkzeug zur Qualitätsinspektion und Produktionsoptimierung.

Gesamtumsatz* Industrielle Bildverarbeitung 2010: Deutschland und Exportregionen (Quelle: VDMA)
Automobilindustrie und Elektromobilität
Nach wie vor ist die Automobilindustrie die wichtigste Kundenbranche der industriellen Bildverarbeitung in Deutschland. Nachdem sie ihre Investitionen 2009 massiv gekürzt hatte, ging die Nachfrage der Automobilindustrie nach Bildverarbeitungssystemen 2010 um 69 % nach oben. Damit wurde gut ein Viertel des Umsatzes mit dieser Kundenbranche realisiert. Weiteres Potenzial für den Einsatz von Bildverarbeitung in der Automobilproduktion ergibt sich in der absehbaren Zukunft durch die Notwendigkeit, den CO2-Ausstoß drastisch zu reduzieren. Zum einen erfordern neue Leichtbauansätze aus Faserverbund-Werkstoffen, die Automatisierung von Produktionsprozessen, um die erforderliche Qualität und Sicherheit zu vertretbaren Kosten zu erzielen. Hierbei wird die optische Inspektion ein unverzichtbarer Baustein sein. Zum anderen wird die Elektromobilität zum vordringlichen Thema. Für 1 Mio. Elektroautos werden je nach Bauart zwischen 35 und 100 Mio. Batteriezellen benötigt. Die Wirtschaftlichkeit der Elektromobilität hängt stark von den verfügbaren Batterien und deren Herstellkosten ab. Hier kommt der Bildverarbeitung eine wichtige Rolle in der Optimierung der Herstellverfahren zu.
Bildverarbeitung erschließt sich ständig neue Märkte
Insgesamt wird Bildverarbeitung immer mehr zur Standardtechnologie in allen Lebensbereichen, zum Beispiel in Mobiltelefonen, Spielekonsolen, in Arztpraxen oder als Linienrichter im Sport. Das sichert den Anbietern von Bildverarbeitungstechnologie auch weiterhin gute Marktchancen.
Weitere Informationen unter www.vdma.org/vision.
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