14. September 2011

Es läuft, oder besser: es fährt

Editorial aus openautomation 4/2011


Im Jahr seines 125. Geburtstags läuft es für das Automobil bestens. So ist es immer noch wesentliches Transportmittel und das soll es mittelfristig auch bleiben. Für 2011 erwartet der VDA sogar ein Rekordjahr im Hinblick auf das hiesige Produk­tionsvolumen bei Pkw: Mehr als 5,9 Mio. Autos sollen bei deutschen Herstellern bis Ende des Jahres im Inland vom Band laufen. Dabei werden als Motor des Wachstums unter anderem die BRIC-Staaten angegeben. Laut VDA liegt der Marktanteil deutscher Hersteller beispielsweise in China aktuell bei 21 %; es wird erwartet, dass der chinesische Markt 2011 um 8 % steigt. Neben den gigantischen Potenzialen, die auch zukünftig von Asien ausgehen sollen, treiben neue Antriebstechnolo­gien Entwicklungen voran.

Davon profitieren auch deutsche OEM und mit ihnen die Automatisierungsbranche. So hat der deutsche Maschinenbau laut VDMA 2010 rund 14 Mrd. € im Automo­tive-Bereich umgesetzt. Zudem existieren indirekte Beziehungen, da Maschinen und Anlagen oft in vorgelagerte Wertschöpfungsstufen der Automobil­branche geliefert werden. Zusätzliche Potenziale für die Zukunft werden beispielsweise in der Elektromobilität gesehen. „Wir gehen davon aus, dass im Jahr 2025 rund 40 % der neu zugelassenen Fahrzeuge einen Hybrid- oder vollelek­trischen Antrieb ­haben werden. An dieser Entwicklung arbeiten die Automobilhersteller gerade sehr intensiv”, verdeutlicht Ralf Kalmbach, Partner und Mitglied der weltweiten Geschäftsführung bei Roland Berger. Für den deutschen Maschinen- und Anlagenbau bedeute dies ein zusätzliches ­Geschäftspotenzial von 4,8 Mrd. € bis zum Jahr 2020 durch neue Anlagen für die Produktion von Batteriezellen.

Eng verknüpft mit dem Einzug von Batterien und Elektromotoren in die Fahrzeuge ist für Werner Reichelt, Leiter Automobil­management bei Festo, das Thema Leichtbau. „Carbon könnte der Werkstoff der Zukunft werden, der das Gesicht des Rohbaus in den Automobilfabriken verändert.“ Als große He­rausforderung stellt sich dabei für ihn dar, „die Produktionsprozesse so hoch zu automatisieren, dass der Ausstoß und die Effizienz der heutigen Rohbaulinien erreicht werden.“

Für uns bedeutet das wohl im Umkehrschluss, dass wir auch noch in zwanzig Jahren Autofahren und nicht Autofliegen werden.

Inge Hübner


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