26. Juni 2011
Für perfekte Fahrzeuge: Hersteller und Zulieferer arbeiten Hand in Hand
Kunden und Gesetzgeber verlangen nach Fahrzeugen mit neuen Funktionen und Komponenten – da sind die Hersteller gefordert. Egal, ob Kundenwunsch, langsam versiegende Rohstoffe oder neue Gesetzgebungen, das Fahrzeug von morgen benötigt nicht nur neue Antriebsarten, es soll auch immer komfortabler werden. Dafür müssen die Hersteller perfekt abgestimmte und neue Fahrzeugkomponenten entwickeln, die mittlerweile zu 90 % durch Software gesteuert werden.
Um diesen Entwicklungsprozess über mehrere Jahre und teilweise mit unzähligen Beteiligten aller möglichen Disziplinen planen, steuern und dokumentieren zu können, berät die Seven Principles AG (www.7p-group.com) mit einem speziellen Team Hersteller und Zulieferer. Denn die Grundsteine dafür, dass eine Entwicklung zum Erfolg wird, liegen nach Auffassung des Business- und IT-Prozess-Optimierers aus Köln in der Qualität des Entwicklungsprozesses begründet.
Oh nein, schon wieder so eine kleine Parklücke. Da wird das Einparken zum Albtraum. Es sei denn, das Auto hat einen automatischen Einparkassistenten. Er sorgt dafür, dass das Fahrzeug nirgendwo aneckt. Er lenkt automatisch, der Fahrer muss – wenn auch nur aus versicherungstechnischen Gründen – nur noch Gas geben und bremsen. Ein Segen für so manchen Autofahrer und damit ist aus dem Einparkassistenten eine gern genommene Sonderausstattung geworden. „Dahinter steckt eine komplexe Software und viele Komponenten, die ineinander greifen. Bis solch eine Funktion eingebaut werden kann, bedarf es eines langen Entwicklungsprozesses, den alle Beteiligten genau abstimmen sollten“, betont Björn Dietrich, Senior Berater bei Seven Priciples. „Ständig sollten die Hersteller dabei prüfen, ob die beschriebenen Fahrzeugfunktionen auch weiterhin vom Markt gewünscht werden“, ergänzt er.
Gemeinsame Entwicklungsprojekte von Fahrzeugherstellern und Zulieferern machen deutlich, dass neue Technologien einen langen Entwicklungsprozess durchlaufen. Um die Einparkhilfe zur Marktreife zu bringen, brauchte es Jahre. Und doch kann solch ein Highlight zu einem Flop werden, wie es das Beispiel des automatisch absenkenden Seitenspiegels beim Rückwärtsfahren zeigte. Die Fahrer dachten, der Spiegel wäre defekt, während die Funktion eigentlich zum Schutz der teuren Felgen vor der Bordsteinkante gedacht war. Mittlerweile hat der Hersteller dieses Feature aus der Serienproduktion verbannt.
Früh über Martchancen Gedanken machen
Diese Beispiele demonstrieren, dass sich Fahrzeughersteller früh über die Marktchancen eines Produktes Gedanken machen sollten. Gleichzeitig müssen sie in dieser Phase möglichst alle Akteure wie auch die Werke und den Service an der Entwicklung beteiligen. So wird sich auch die Zahl der Lieferanten ändern, da sich die horizontale Wertschöpfungskette bei den Herstellern zunehmend verringert. Es wird wichtiger, dass sich die Beteiligten gut abstimmen. Das ist nicht immer einfach. Denn gerade in der Automobilindustrie treffen mit den Maschinenbau-Ingenieuren, den Elektronikern und den Softwareentwicklern drei starke Disziplinen aufeinander. Während die Maschinenbau-Ingenieure in längeren Entwicklungszyklen denken, sind die Zyklen der Elektrik- und der Elektronik-Entwicklung wesentlich kürzer und die dazugehörige Software unterliegt noch schnelleren Releases. Aus diesen unterschiedlichen Entwicklungszyklen resultiert eine nicht zu unterschätzende Komplexität.
Für Fahrzeuge ist es wichtig, dass sie von Beginn an fehlerfrei funktionieren. Im Klartext bedeutet dies, dass eine fehlerhafte Software nichts in einem Auto zu suchen hat. Welch negativen Einfluss eine defekte Elektronik auf Fahrzeuge haben kann, zeigt das Beispiel Mercedes. Vor sieben Jahren musste das Unternehmen eine große Rückrufaktion bei Modellen der E-Klasse starten, weil die Elektronik nicht funktionierte. Es hat lange gedauert, bis das Vertrauen der Verbraucher in die E-Klasse zurückkehrte.
Um solchen Pannen zu entgehen, müssen Fahrzeughersteller und Zulieferer von Beginn an eng zusammenarbeiten. Seniorberater Björn Dietrich schlägt dafür beispielsweise als Ansatz für ein gemeinsames Vorgehen das sogenannte V-Modell vor. Es definiert eine klare Struktur für die Produktentwicklung. Das modulare Prozessmodell beginnt mit der Beschreibung der Kundenwünsche, geht über die funktionelle Anforderung und die Konfiguration sowie die technische Spezifizierung und die detaillierte Design und Systementwicklung hinaus. Während dieses Prozesses muss immer wieder getestet und überprüft werden, ob die jeweiligen Entwicklungsergebnisse den Lastenheften entsprechen. „Diese Rückkoppelung ist immens wichtig, denn sonst kann aus vielversprechenden Ideen ein unrentables Produkt entstehen“, stellt Björn Dietrich fest. Die Entwicklungskosten sind ein weiterer Punkt, der nicht aus den Augen verloren werden darf. Diese müssen sich wieder amortisieren, denn sonst stehen Aufwand und Ertrag nicht im gewünschten Verhältnis zueinander. Es gibt aber Lösungsansätze, die eine Kostenexplosion bei der Entwicklung von Fahrzeugen verhindern.
Durchgängiges Konfigurationsmanagement
So schlägt 7P-Spezialist Björn Dietrich vor, ein durchgängiges domänenübergreifendes Konfigurationsmanagement für Mechanik, Elektrik/Elektronik und Software zu implementieren. Dies unterstützt die wichtige Kommunikation aller Prozessbeteiligten, durch eine neue Qualität der unterschiedlichen Sichten auf das Fahrzeugprojekt, von der funktionalen bis zur geometrischen Sicht, und führt zu erheblichen Kosteneinsparungen. Diese durchgängige und aktuelle Qualität der Entwicklungsinformationen wird im Hinblick auf das kontinuierlich weiter wachsende elektronische Gesamtsystem immer wichtiger.
Das Gleiche gilt für die Zusammenarbeit aller am Prozess Beteiligten. „Sie benötigen transparente Prozesse, um Zusammenhänge besser zu verstehen und fundierte Entscheidungen treffen zu können“ sagt Björn Dietrich. Um dieses Ziel zu erreichen, empfiehlt 7P auf Reifegradmodelle wie Software Process Improvement and Capability Determination (Spice) oder Capability Maturity Model Integration (CMMI) zu setzen. Sie dienen dazu, gerade in den softwareabhängigen Unternehmensbereichen die Prozesse in der Organisation zu verbessern. Nur wenn erfolgskritische Unternehmensprozesse beschrieben vorliegen, können Verbesserungspotentiale hinsichtlich Entwicklungskosten, <>zeiten und der Produktqualität gehoben werden. „Da die Maturity Modelle nichts über das WIE aussagen, können diese um Vorgehensmodelle wie dem Configuration Management II (CMII) ergänzt werden“, sagt Dietrich. „Hinzu kommt, dass nur durch ein konsequentes Leben des Konfigurations> und Änderungsmanagements sichergestellt wird, dass die Prozesspartner auch die aktuellsten Informationen vorliegen haben.
Das verschärft sich besonders dann, wenn viele Entwicklungen nach außen vergeben werden und sich das Unternehmen auf die Kernkompetenzen beschränkt“, betont er: „Die Kommunikation ist ein wesentlicher Bestandteil des Entwicklungsprozesses, da dieser von der Kreativität jedes einzelnen lebt. Entscheidungen müssen schnell getroffen werden, haben aber langfristige Auswirkungen. Hinsichtlich der steigenden Komplexität durch weitere Fahrzeugvarianten und der zukünftigen technischen Möglichkeiten wird es noch viele Herausforderungen geben, die wir noch gar nicht kennen – aber auf die wir uns schon jetzt vorbereitet müssen.“
Doch auch falsch interpretierte Marktbeobachtungen können einen Automobilhersteller unter Zugzwang setzen. So haben es beispielsweise die deutschen Automobilhersteller versäumt, die Hybridtechnik richtig einzuschätzen. Sie hielten diese Antriebsform nur für eine unbedeutende Zwischenlösung und setzten verstärkt auf Wasserstoff als Treibstoff. Da es aber bis heute noch keine vollwertigen alternativen Antriebe gibt, die den Verbraucher unabhängig von fossilen Brennstoffen werden lassen, wünscht der Markt genau diese Hybridtechnologie. Diese falsche Markteinschätzung führte zu Fehlentwicklungen in der deutschen Automobilindustrie und einem Verlust an Marktanteilen in diesem Käufersegment: Werden im Entwicklungsprozess solche Tendenzen nicht zeitgerecht erkannt, lähmen sie die Entwicklung und führen zu aufwandsintensiven Maßnahmen. Grundvoraussetzung für ein erfolgreiches Management des Entwicklungsprozesses ist daher auch eine Spiegelung der Entwicklungsergebnisse mit den Marktanforderungen, um sicherzustellen, dass die entwickelten Funktionen auch benötigt werden, sagt Seven- Principles-Spezialist Dietrich. Dann wird aus einem langwierigen Entwicklungsprozess auch ein Erfolgsmodell.
>>> Kommentar schreiben
>>> zur Comment Area














