29. April 2011
Sicherheit mit ST programmierbar
Beitrag aus openautomation 3/2011
Zur Hannover Messe hat ABB eine neue Sicherheitssteuerung präsentiert. Sie zeichnet sich durch die Programmierung der Sicherheitsfunktionen mit der Programmiersprache Structured Text, ein patentiertes Verfahren zur Überprüfung der Anwenderprogramme und die nahtlose Integration in die AC500-Automatisierungsplattform aus.
Zur Hannover Messe präsentierte ABB die Sicherheitssteuerung AC500-S. Sie basiert auf der Standardplattform AC500
Mit der Erfahrung aus 15 Jahren präsentiert ABB nun die nächste Generation von Sicherheitssteuerungen. Am Namen „AC500-S“ bereits zu erkennen, basiert sie auf der Automatisierungsplattform AC500. Diese umfasst neben der Steuerungstechnik Feldbus-Master und <>Slaves sowie Erweiterungen. „Natürlich stand auch hier die Migration von bestehenden Safety-Applikationen im Pflichtenheft. Daher wurde parallel zur Kommunikation Profisafe über Profinet auch die sichere Kommunikation über den CS31-Feldbus integriert“, informiert die Produktmanagerin. Die Erweiterung bestehender AC500-Systeme um Safety-Funktionalität wird durch das Zustecken der zertifizierten, gelben Sicherheitsmodule und durch Implementierung des Sicherheitsprogramms in das vorhandene Anwenderprogramm realisiert. Auch hier ist wieder eine beliebige Mischung von Safety> und Standardsignalen möglich, sowohl zentral als auch dezentral. „Es erfolgt automatisch eine redundante Verarbeitung der Sicherheitsfunktionen über die aufsteckbare Sicherheits-CPU“, so R. Stockmann-Fuchs weiter. Eine Integration in bestehende Automatisierungskonzepte sei über Standardfeldbusse und -vernetzungen realisierbar.
Die Kommunikations- und Programmierhighlights
Rita Stockmann-Fuchs ist Produktmanagerin bei der ABB Automation Products GmbH in Ladenburg
Ein wesentliches Highlight ist die Programmierung der Sicherheitsfunktionen unter Codesys-V2.3- und V3-Konfiguration auch mit der Programmiersprache ST nach DIN EN 61131-3, zusätzlich zur Programmierung per Kontaktplan und Funktionsplan. „Die Anwender können dadurch komplexe Berechnungen und kundenspezifische Bibliotheken in ihrem Applikationsprogramm einfach realisieren“, verdeutlicht die Expertin. Durch die Bibliotheken gemäß PLCopen Safety profitieren sie zudem durch ein standardisiertes Look & Feel der Sicherheitsfunktionsbausteine von niedrigeren Engineeringkosten. Durch die Unterstützung komplexer Safety-Arithmetikfunktionen, wie sin, cos, tan, sqrt usw., lassen sich beispielsweise Arbeitsbereiche von Kranen, Robotern sowie Bühnentechnik oder auch Lastmomente statisch und dynamisch überwachen.
Analysetool für die Sicherheitsprogrammierung
Eine weitere Besonderheit des AC500-S-Systemkonzepts ist das Safety Code Analysis Tool (PS501-SCA). Dabei handelt es sich um ein patentiertes Verfahren zur Überprüfung des Anwenderprogramms mithilfe eines eigenen Source Code Checker. Das PS501-SCA ist vom TÜV Süd als „T2“-Tool (Offline Tool) nach DIN EN 61508-4 zugelassen. Dadurch ist die Verifikation des Sicherheitsprogramms nach DIN EN 61508-3 möglich. „Unser Tool zeigt automatisch die Programmabschnitte an, die nicht den Safety Guidelines entsprechen“, verdeutlich R. Stockmann-Fuchs. „In Summe lässt sich mit ihm das Engineering bei der Programmzertifizierung erheblich reduzieren“, nennt sie als Anwendervorteil.

Sicherheitsprogrammierung und Datenaustausch beim AC500-S Systemkonzept
Fazit
Das Anwendungsfeld der neuen Sicherheitssteuerung ist weitreichend. So kann sie sowohl bei Roboteranwendungen, in Kranen, Windenergieanlagen, Druckmaschinen, zur Pressensteuerung als auch beim Material Handling oder im sonstigen Maschinenbau zum Einsatz kommen. „Hier ermöglicht unsere Sicherheitssteuerung überall die einfache Integration von Sicherheitsfunktionalität für höchste Sicherheitsanforderungen nach SIL3 und PL e. Sie kann für die komplette Programmierung von Sicherheits- und Betriebsfunktionen eingesetzt werden. Dabei erfolgt der Datenaustausch zwischen Standard- und Safety-CPU automatisch“, so R. Stockmann-Fuchs. Mit Blick auf den größten Kundennutzen fasst sie zusammen: „Ob durch die Programmierung der Sicherheitsfunktionen mit der Programmiersprache ST, das Source Code Analysis Tool oder durch die nahtlose Integration in die AC500-Automatisierungsplattform, der Kunde profitiert von deutlichen Zeit- und damit Kosteneinsparungen.“
Inge Hübner
Weitere Informationen unter www.abb.de/plc sowie per E-Mail unter industrieautomation@de.abb.com.
Normenübersicht
DIN EN 61508 (VDE 0803):2005-10 Funktionale Sicherheit sicherheitsbezogener elektrischer/elektronischer/programmierbarer elektronischer Systeme – Teil 0: Funktionale Sicherheit und die IEC 61508. Berlin · Offenbach: VDE VERLAG
DIN EN 62061 (VDE 0113-50):2010-05 Sicherheit von Maschinen. Funktionale Sicherheit sicherheitsbezogener elektrischer, elektronischer und programmierbarer elektronischer Steuerungssysteme. Berlin · Offenbach: VDE VERLAG
DIN EN 61508-3 (VDE 0803-3):2011-3 Funktionale Sicherheit sicherheitsbezogener elektrischer/elektronischer/programmierbarer elektronischer Systeme – Teil 3: Anforderungen an Software. Berlin · Offenbach: VDE VERLAG
DIN EN 61508-4 (VDE 0803-4):2011-2 Funktionale Sicherheit sicherheitsbezogener elektrischer/elektronischer/programmierbarer elektronischer Systeme – Teil 4: Begriffe und Abkürzungen. Berlin · Offenbach: VDE VERLAG
DIN EN ISO 13849-1:2008-12 Sicherheit von Maschinen – Sicherheitsbezogene Teile von Steuerungen – Teil 1: Allgemeine Gestaltungsleitsätze. Berlin: Beuth
DIN EN 61131-3:2003-12 Speicherprogrammierbare Steuerungen – Teil 3: Programmiersprachen. Berlin: Beuth
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