23. März 2011

Prägende Entwicklungen

Editorial aus der openautomation 1-2/2011

Muss eine Innovation in einem Zeitalter, das von Schnelligkeit geprägt ist, eigentlich kurzzyklisch oder langzyklisch ausgerichtet sein? Für die Siemens-Division Industry stellt Ralf-Michael Franke, CEO der Business Unit Industrial Automation Systems, heraus: „Wir sind bezüglich unserer Innovationen nicht kurzzyklisch organisiert.“ Und mit Blick auf das im letzten Jahr vorgestellte TIA Portal, das nur ein erster Schritt in eine bis ins Jahr 2030 ausgerichtete Softwarestrategie ist, wird die Siemens-Definition von „langzyklisch“ greifbar.

Gut, nur wer ein Ziel hat, kann irgendwo ankommen. Und vielleicht sind einige Unter­nehmen tatsächlich zu zögerlich, wenn sie Langfristplanungen kürzer stecken, weil sie Unsicherheitsfaktoren eine stärkere Gewichtung einräumen. Dennoch stellt sich die Frage, was braucht so viel Zeit, um erst ca. 2030 abgeschlossen zu sein? „Unsere langfristige Vision ist die digitale Fabrik“, lautet die Antwort von R.-M. Franke. „Und für deren Umsetzung wird Software immer wichtiger.“

Nun brauchen Umbrüche bekanntlich Zeit und dürfen nicht von heute auf morgen vollzogen werden. Das hat die Einführung des TIA Portals einmal mehr unter Beweis gestellt. So hat bereits dieser erste Schritt zu weitreichenden Erderschütterungen geführt, zum Beispiel bei den Direktkunden: Sie bangen um die Migra­tionsfähigkeit früherer Projekte und befürchten Schnelligkeitsprobleme bei der integrierten Softwarelösung. Auch die Fraktion der S7-Nachahmer zeigt sich beunruhigt. Ihre Befürchtungen gehen vor allem dahin, dass Siemens das TIA Portal patentrechtlich stärker abgesichert haben könnte, als dies beispielsweise bei Step7 der Fall war. Wie wird deren Zukunft aussehen?

Das TIA Portal – ein erster Schritt also, der die Automatisierungslandschaft nachhaltig prägt. Seien wir nun auf die nächsten Bausteine gespannt, die rund um das Portal nach der Integration der Sinamics-Produkte die der Simotion- und danach der Sinumerik-Welt vorsieht. Organisatorisch getrennt, aber in der Architektur vereint, verfolgen die Industry-Divisionen den Anspruch, auch zukünftig alle Industrien auf der Welt bedienen zu können. Dabei will man ein „Taktschläger“ in der technischen Domäne werden, vergleichbar mit SAP in der Domäne der Transaktionen.

Inge Hübner

Und wenn Sie wissen möchten, welche Antworten R.-M. Franke auf die interessierenden Fragen rund um das TIA Portal gibt, lesen Sie hier das zugehörige Interview.


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