14. März 2011
Planziel: Nr. 1 in industrieller Sicherheitstechnik
Beitrag aus openautomation 1-2/2011
Im Zug der Übernahme der Mehrheitsanteile an Bartec durch den Investor Capvis formulierte Bartec-Geschäftsführer Dr. Ralf Köster das Ziel, das Unternehmen zur weltweiten Nummer 1 im Bereich industrieller Sicherheitstechnik zu positionieren. openautomation fragt nach dem Stand der Zielerreichung und erkundigt sich ferner nach den Wachstumsperspektiven und aktuellen Entwicklungen.
Dr. Ralf Köster, Vorsitzender der Geschäftsführung der Bartec-Gruppe
Offen für Zukäufe
Die Technor Safe Ex AS in Stavanger/Norwegen: durch ihren Zukauf wurde Zugewinn in mehrfacher Hinsicht erreicht
Zur Positionierung im weltweiten Ranking gibt er an: „Wir sehen uns im Ex-Bereich auf Platz 2. Platz 1 hält das amerikanische Unternehmen Cooper.“
In diesem Zusammenhang verweist Dr. R. Köster aber auch darauf, dass jegliche Vergleiche immer betrachterabhängig seien. In Zahlen gesprochen, wird für das laufende Geschäftsjahr 2010/11 ein Umsatz von 240 Mio. € erwartet; die Zahl der Mitarbeiter liegt bei 1.400.
Die Akquisitionsstrategie
Sorgen, dass Bartec von anderen akquisitionsbereiten Mitstreitern 2011 überholt werden könnte, macht sich der Vorsitzende der Geschäftsführung keine. So befände man sich aktuell selbst in Gesprächen hinsichtlich potenzieller Akquisitionen. „Wir halten selbstverständlich weiterhin an unserer Buy-and-Build-Strategie fest“, sagt der Experte und fügt an: „Wir kaufen grundsätzlich keine Restrukturierungsfälle und nur Unternehmen, die im Ex-Bereich tätig sind.“
Bezüglich der prinzipiellen Akquisitionsstrategie erklärt der Vorsitzende der Geschäftsführung weiter: „Jedes potenzielle Zukaufobjekt wird genau geprüft. So werden beispielsweise Akquisitionen, die vor dem Hintergrund der Ausweitung der Produktpalette geschehen, immer nur dann getätigt, wenn die Produkte auch über das Vertriebsnetz vertrieben werden können.“ Wichtig sei zudem, dass die Identität des Unternehmens nach dem Kauf gewahrt bliebe. „Das bedeutet einerseits, dass wir in der Regel mit dem gleichen Management weiterarbeiten und andererseits den Namen in Kombination mit Bartec beibehalten“, so der Vorsitzende der Geschäftsführung. Auch diese Aussagen lassen sich anhand der beiden letzten Zukäufe belegen, der Bartec Vodec und der Bartec Technor. „Die Namensbeibehaltung ist im gleichen Maße für die Kundenbindung wie auch für die Motivation der Mitarbeiter, die sich mit der Marke identifizieren, wichtig“, erläutert Dr. R. Köster.
Das Länder-Ranking
Nach Umsätzen ist Deutschland heute noch immer das Top-1-Land für Bartec, gefolgt von Amerika und China. „Allerdings ist unser Geschäft oftmals projektorientiert, sodass das Top-3-Ranking im nächsten Jahr auch anders aussehen könnte”, gibt Dr. R. Köster zu bedenken, wobei Platz 1 für Deutschland gesetzt sei. Mit Blick auf die nächsten fünf Jahre rechnet er damit, dass China, Indien und Russland deutlich aufgeholt haben werden.
„Unser Geschäft wird getrieben von Öl und Gas. Damit sind wir in einem sehr gesunden Umfeld mit unseren Produkten und Lösungen unterwegs. Sie kommen überall dort zum Einsatz, wo Öl gefördert, verarbeitet oder eingesetzt wird. Mit Blick auf die Ressourcen in Russland bzw. der früheren Sowjetunion ist es nur allzu verständlich, dass hier große Potenziale für uns liegen“, untermauert er seine Fünf-Jahres-Prognose und verweist ferner auf die Gründung einer eigenen Gesellschaft in Kasachstan im letzten Jahr. „Hier müssen wir mit Mitarbeitern vor Ort sein, die die Sprache sprechen und das Land und die Prozesse kennen“, sagt der Geschäftsführer. Diese Anforderung ist allerdings nicht allein gültig für Kasachstan. „In allen größeren Regionen mit für uns wichtigen Branchen möchte der Kunde auf eine Bartec-Präsenz mit Service und Supportleistung zurückgreifen können“, erklärt er weiter.
In China ist das Unternehmen mit zwei Produktionsstätten vor Ort. „In Changzi sind wir seit vielen Jahren mit einem Joint-Venture-Partner aktiv im Bereich Mining. Hier wird deutsche Sicherheitstechnik hergestellt und in China vertrieben. 2009 haben wir zusätzlich ein Gebäude bei Shanghai eingeweiht, in dem wir auf drei Etagen primär für den chinesischen Markt produzieren, aber auch Produkte für den europäischen Massenmarkt fertigen“, erklärt Dr. R. Köster. Insgesamt beschäftigt Bartec derzeit ca. 250 Mitarbeiter in China. Dabei stellt der Experte das Reich der Mitte als eine der größten Wachstumsregionen heraus: „Das Land befindet sich in einem massiven Aufbau, in dem Giganten unterwegs sind.“ Als Beispiel führt er den chinesischen Mineralölkonzern Sinopec an, das nach seinen Angaben siebtgrößte Unternehmen der Welt nach Börsenkapitalisierung, das allein in China 32 000 Tankstellen betreibt. „Vor dem Hintergrund dieser Entwicklungen und dem sich daraus ergebenden Potenzial für unser Unternehmen müssen wir in diesen Ländern mit eigenen Produktionsstätten vertreten sein, um hier den Anschluss nicht zu verpassen“, ist er überzeugt.
Neben China und Russland sieht er zudem große Möglichkeiten in Brasilien und dem Mittleren Osten. Mit Blick auf das Jahr 2016 prognostiziert er als die Top-3-Länder für Bartec: China, Indien und Russland. „Brasilien ist noch etwas unsicher zu bewerten. Hier müssen wir erst noch die Umsetzung derzeit angedachter Projekte abwarten“, erklärt er.
Weitere Internationalisierung
Insgesamt verfügt Bartec weltweit über zehn Produktions- und 28 eigene Vertriebsgesellschaften. „Es ist unerlässlich, dass wir immer wieder in eigene Gesellschaften im Ausland investieren. Das ist ein elementarer Faktor, der unser zukünftiges Wachstum sichern wird.“ Zur Verdeutlichung führt er das Systemgeschäft an, das es erforderlich mache, über Prozess-Know-how zu verfügen und Service- und Supportleistung vor Ort anzubieten. Über Händler könne dies nicht abgedeckt werden. „Es gibt aber auch durchaus Nischenmärkte, in denen sich Händler auf bestimmte Produkte spezialisiert haben, und in denen es Sinn macht, diesen Vertriebsweg zu wählen”, stellt er parallel heraus. Recorder zur Erfassung von Erderschütterungen, die Bartec in der Schweiz herstellt, nennt er hier als Beispiel. Diese Produkte werden über ein spezialisiertes Händlernetzwerk vertrieben.
Neue Produkte mit Umsatzpotenzial
Seit Ende 2010 neu in der Bartec-Produktpalette: Das Mobiltelefon Pegasus. Es wurde speziell für den Einsatz im explosionsgefährdeten Bereich entwickelt
In diesem Zusammenhang stellt auch die Ausweitung der Produktpalette einen wichtigen Part dar. So hat Bartec beispielsweise seinen Automatisierungsbereich, der im Wesentlichen Bedienstationen, Mobile Computing und Bustechnologie umfasst, Ende letzten Jahres um ein Ex-geschütztes Handy erweitert. Ein kleines Gerät, in dem Dr. R. Köster großes Umsatzpotenzial sieht. „Pegasus ist eine Eigenentwicklung, die speziell für die Anforderungen im Ex-Bereich entwickelt wurde. Zu seinen Highlights gehören die Totmann-Schaltung sowie eine Trackingfunktion, die es ermöglichen, zu erkennen, wo in der Anlage der Werker mit dem Handy unterwegs ist bzw. möglicherweise nach einem Unfall liegt“, erläutert der GF-Vorsitzende. Möglich macht diese Option der integrierte GPS-Empfänger nebst einer Software, die zum Online-Tracking eingesetzt werden kann. Als weitere Besonderheit stellt er die Tastatur heraus, die auch mit Handschuhen bedienbar ist. Außerdem sei das Ex-Handy in einem weiten Temperaturbereich von –20 °C bis 60 °C einsetzbar.
„Dieses für uns neue Tätigkeitsfeld passt sehr gut zu unserem Sortiment von Barcode-Scannern, das als einziges am Markt über integrierte Ex-fähige RFID-Scanner verfügt“, informiert Dr. R. Köster und verweist auf die Zusammenarbeit in diesem Bereich mit Motorola. Zur Positionierung sagt er: „Mit unseren ,Mobile Computern‘ sind wir Weltmarktführer.“ Aktuelle Entwicklungen folgen auch hier den Trends zu kompakterer Bauform, besserer Handhabbarkeit sowie Varianten mit reduziertem Funktionsumfang bei geringerem Preis, die vor allem in Indien und China nachgefragt werden. „Wer, wie wir, international tätig ist, muss seine Produkte auf die unterschiedlichen Anforderungen in den verschiedenen Ländern abstimmen“, sagt der Geschäftsführer und verdeutlicht: „Wir Deutsche legen großen Wert auf einen hohen Funktionsumfang, den wir auch bereit sind, entsprechend zu honorieren. In China und Indien sind die funktionalen Anforderungen andere und gleichzeitig bekommt der Preis ein höheres Gewicht.“

Die Polaris-Touch-Panel mit LED-Technologie sind in den Größen 5,7 Zoll, 10,4 Zoll und 12,1 Zoll erhältlich. Im nächsten Step folgen Widescreen-Formate
Die Touchpanel-Strategie
Ebenfalls Ende letzten Jahres neu vorgestellt wurde ein weiteres Modell der Touchpanel-Serie Polaris, das mit LED-Technologie ausgeführt ist. Erhältlich in den Größen 5,7 Zoll, 10,4 Zoll und 12,1 Zoll sind die Geräte zur Bedienung einfacher Maschinen, wie Mischer, Trockner oder Betankungsstationen, sowie zur Steuerung und Überwachung komplexer Maschinen, wie Reaktoren, Zentrifugen oder Kugelmühlen, konzipiert. Alle Polaris-Modelle sind für den Einsatz in der Ex-Zone 1, 2, 21 und 22 ausgelegt. „Die LED-Display-Technologie stellt den optimalen Kontrast auch bei weiten Betrachtungswinkeln oder ungünstigen Lichtverhältnissen sicher“, so der CEO. Im nächsten Step sollen Widescreen-Formate folgen. „Industrietaugliche Displays
im Widescreen-Format werden frühestens 2011 auf den Markt kommen. Wenn die Technik für den industriellen Einsatz ausgereift ist, werden wir diese dem Kunden von 15 Zoll bis 24 Zoll zur Verfügung stellen“, so Dr. R. Köster. Für den Moment fügt er an: „Derzeit erhalten wir noch keine ernsthaften Nachfragen nach Widescreen-Formaten. Der Kunde muss die Notwendigkeit solcher Geräte erst einmal erkennen und vor allem die höheren Kosten dafür budgetiert haben.“ So seien diese nicht nur in der Anschaffung teurer als herkömmliche Geräte, sondern auch die Leittechnik müsse entsprechend angepasst werden. „Im Moment sehen viele Kunden noch nicht den Mehrwert, der diese deutlichen Zusatzkosten rechtfertigen würde“, so Dr. R. Köster.
Neuheiten in 2011
Weitere Potenziale rechnet er sich für das Remote-IO-System Antares aus, das sich durch sein kompaktes und futuristisches Design verbunden mit innovativer Technik auszeichnet. Erstmals vorgestellt wurde es bereits auf der Achema 2009. „Mitte dieses Jahres werden wir mit der überarbeiteten Version des Systems an den Markt gehen. In der Erstversion gab es einige Probleme, die wir nun aber gelöst haben”, gibt Dr. R. Köster offen zu. Die Probleme im ersten Step seien auf die Overshot-Technologie zurückzuführen gewesen. „Aufgrund der Wärmeentwicklung konnten wir bei der Erstausführung nicht die Zuverlässigkeit gewährleisten, die unserem Standard entspricht. Die neue Version wird diese erfüllen“, so der Geschäftsführer. Trotz der Schwierigkeiten in der Startphase setzt er große Erwartungen in das Remote-IO-System. Als Highlights nennt er die kompakte und modulare Bauweise bei hoher Leistungsfähigkeit. „Die international notwendigen Protokolle, zum Beispiel Profibus, Profinet IO, Ethernet/IP und Modbus TCP, werden von Beginn an unterstützt“, informiert er.
Als weitere Neuheit in 2011 wird das Mobiltelefon Pegasus mit Bluetooth ausgestattet werden. „Wir wollen dem Kunden mit dem Ex-Handy möglichst viele Funktionen, die er vom ,normalen Telefon’ gewohnt ist, anbieten“, nennt er die Entwicklungszielrichtung. In etwas fernerer Zukunft soll es zusätzlich optimierte Versionen vom Tracking- und Ortungssystem geben.
„Beim Mobile Scanning mit RFID-Technologie haben wir erste Lösungen in Nürnberg vorgestellt. Dazu wird es optimierte Versionen geben“, informiert er weiter.
Ausblick
Mit Blick in die unternehmerische Zukunft sieht Dr. R. Köster den Markt für industrielle Sicherheitstechnik sehr positiv. Große Wirkung habe dabei Deep Water Horizon gezeigt. „Kein großes Unternehmen will à la BP an den Pranger gestellt werden. Entsprechend wird in neue Technik investiert“, so der Marktbeobachter. Als Top-Themen in diesem Zusammenhang nennt er Redundanz und den Einsatz von State-of-the-Art-Technologie. „Diese Entwicklung wird sich auch in unseren Auftragsbüchern niederschlagen“, freut er sich. Als begünstigend nennt er in diesem Zusammenhang die Innovationskraft im eigenen Haus: „Wir sind ein innovatives Unternehmen – was uns auch kontinuierlich durch Preise und Auszeichnungen von externer Stelle bestätigt wird. Innovationen sind der Schlüssel zum Erfolg – heute und morgen. Entsprechend werden wir die künftigen Kundenanforderungen an industrielle Sicherheitstechnik wie gewohnt zur vollsten Zufriedenheit lösen.“
Inge Hübner
Weitere Informationen unter www.bartec.de.
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