18. November 2010

Luxusproblem

Editorial aus der etz S4/2010

Mit Stuxnet hat es die Automatisierungstechnik nun doch mal zu Medienpräsenz auf fast allen Nachrichtenkanälen geschafft. Wenn auch mit falschem Vorzeichen. Denn spätestens seit dem Kongress Automation 2010, auf dem Roland Bent, Geschäftsführer von Phoenix Contact, den hohen gesellschaftlichen Nutzen und die gleichzeitig fehlende Außenwirkung der „unter dem Blech“ versteckten Automatisierungstechnik herausstellte, ist sich die Branche einig: Automatisierungstechnik muss mehr in das Licht der gesellschaftlichen Öffentlichkeit gerückt werden; nicht zuletzt aufgrund des Fachkräfteproblems. Die Botschaft: Automatisierung ermöglicht mehr Produktivität, höhere Sicherheit, mehr Komfort und leistet darüber hinaus einen entscheidenden Beitrag für eine höhere Energieeffizienz.

„Eine der wesentlichen Herausforderungen für uns als Spezialisten in Messtechnik und Automation ist es, die Leistungen und vor allem den nachhaltigen Nutzen unserer Fachgebiete transparent in der gesellschaft­lichen und politischen Öffentlichkeit der jeweiligen Zielgruppe entsprechend aufbereitet darzustellen“, bekräftigt auch Dr. Kurt D. Bettenhausen, Vorsitzender der GMA.

In Kürze beginnt mit der SPS/IPC/Drives wieder die Leistungsschau der
Automatisierungstechnik. Das Wachstum sowohl bei Ausstellern als auch bei Besuchern ist – nicht zuletzt angesichts der positiven Wirtschaftsentwicklung – bereits vorprogrammiert. Auch das Ihnen vorliegende Sonderheft etz S4 widmet sich komplett dieser Veranstaltung und stellt etwa 200 Produkte und Lösungen vor, die in Nürnberg gezeigt werden. Einziger Wermutstropfen: Die Branche wird Ende November in Nürnberg wieder überwiegend unter sich bleiben. Politikprominenz wird nicht erwartet, eine breitere öffentliche Wahrnehmung ebenso wenig.

Aber ist es nicht eine besondere Stärke der Automatisierungstechnik, dass sie ihre Hausaufgaben in der Gesellschaft ohne großes Streben nach Anerkennung bestens erfüllt und Fördergelder allenfalls im kleinen mittelständischen Rahmen fließen? Angesichts der Umsatzzahlen, die bei vielen Automatisierungsunternehmen den Höchststand von 2008 wieder erreichen und sogar bis über 45 % in 2010 im Vergleich zum Vorjahr zulegen werden, erscheint die Diskussion um die nicht ausreichende gesellschaft­liche Anerkennung eher als Luxusproblem.

Doch wie meinte Oskar Wilde: „Man versehe mich mit Luxus. Auf alles Notwendige kann ich verzichten.“

Ronald Heinze


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