15. November 2010

Selbstläufer-Marketing

Editorial aus der openautomation 6/2010

Marketingexperten zerbrechen sich branchenweit ihre Köpfe, wie neue Themen am schnellsten und mit maxi­malem Verbreitungsgrad in den Markt hineingetragen werden können. Dabei hätten sie eigentlich nur Anwesenheit auf der diesjährigen Hannover Messe zeigen und im Nachgang die Branchentitel lesen müssen. Hier hat die EPSG mit „openSafety“ vorgemacht, wie es geht. Gut, man mag einwenden, dass die Resonanz nicht rein positiver Natur war, aber medienwirksam war der Auftritt in jedem Fall – und das Thema verbreitet.

Zur Erinnerung: „openSafety“ wurde als einheitlicher Sicherheitsstandard für alle Feldbussysteme und im ersten Schritt für vier Echtzeit-Ethernet-Systeme präsentiert: Powerlink, Sercos III, Modbus TCP und Ethernet/IP. Das Manko: nicht jede hinter den erwähnten Ethernet-Protokollen steckende Nutzerorga­nisation war im Vorfeld informiert worden und nicht jede wollte un­gefragt involviert sein. Das Ergebnis: die EPSG erhielt eine Lehrstunde in Sachen Logonutzungsrechte; „openSafety“ hingegen wurde heftiger diskutiert – und das Thema weiter verbreitet.

Im gleichen Zug wurden Stimmen laut, dass niemand einen solchen offenen Sicherheitsstandard bräuchte und ihn schon gar niemand haben wolle. Unterstützer sollte es auch nicht geben.

Nun schreiben wir ein gutes halbes Jahr später, es ist SPS/IPC/Drives: Das nächste Logo eines Echtzeit-Ethernet-Systems reiht sich neben die bisherigen an der „openSafety“-Präsentationswand am EPSG-Stand ein. Zudem untermauert B&R seine Entscheidung für den Sicherheitsstandard und wird selbst „openSafety“-Lösungsanbieter. Unterstützer gibt es nun doch, zum Beispiel Bihl+Wiedemann und Schmersal, die erste „openSafety“-Produkte zeigen. Thomas Dahmen, Leiter Produktmanagement bei Schmersal, meint: „,open­Safety‘ als offenes Protokoll scheint uns eine interessante Ergänzung zu den bereits etablierten Standards und wir werden die Trends intensiv beobachten.“ Parallel wurden nun auch noch Maschinen- und Anlagenbauer gefunden, die die Sicherheitslösung einsetzen – jedenfalls finden sich deren Pro-Statements in einer breit angelegten Kampagne wieder.

Und auch wenn sich die EPSG und B&R im Zusammenhang mit ihrem Sicherheitsstandard weit von einem Marketing-Schachzug distanzieren, muss man doch eines feststellen: So funktioniert Marketing;
... und das Thema wird noch weiter verbreitet.

Inge Hübner


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