08. November 2010

Automation – back to good old times

Die deutsche Automatisierungsbranche ist zurück auf ihren Wachstumspfaden. Das zeigen auch aktuelle Zahlen des ZVEI. Im Fokus: Die elektrischen Antriebe und die Prozessautomation. Beide sollen in diesem Jahr um 12 % wachsen.


Klaus Helmrich, CEO der Division Drives Technologies im Siemens-Sektor Industry, wurde auf der Mitglie­derversammlung des Fachbereichs Elek­trische Antriebe im ZVEI-Fachverband Automation zum neuen Vorsitzenden gewählt

Für dieses Jahr erwartet die elektrische Antriebstechnik ein Umsatzwachstum von 12 %. „Nachdem der Branchenumsatz 2009 um 28 % von 10,6 Mrd. € auf 7,6 Mrd. € gesunken ist, könnte damit Ende 2010 bereits ein Drittel des Verlusts aufgeholt sein“, so Klaus Helmrich, neuer Vorsitzender des Fachbereichs Elek­trische Antriebe im ZVEI-Fachverband Automation. Weiter sagte der CEO der Division Drives Technologies im Siemens-Sektor Industry: „Wenn das jetzige Wachstumstempo anhält, wird die Rückkehr auf das Vorkrisen-Niveau deutlich schneller vollzogen als bislang erwartet, und die 10-Mrd.-€-Marke wird bald wieder geknackt.“

Der Aufschwung in der elektrischen Antriebstechnik wird von den positiven Entwicklungen in den Hauptabsatzmärkten gespeist. Die starke Nachfrage aus dem Maschinenbau beflügelt die Produktion von Industriemotoren und Antriebsstromrichtern zur Drehzahlregelung. Die Produktion von Kleinmotoren profitiert von den starken Order-Eingängen aus dem Bereich Automotive und wächst 2010 zweistellig. Dagegen durchlebt das von Projekten geprägte Geschäft mit Hochspannungsmaschinen die Krise zeitversetzt. Nach dem Rekordjahr 2009 steht diesem Bereich der Antriebstechnik ein starker Rückgang im Jahr 2010 bevor.

Den Aufschwung bremsen die teilweise stark steigenden Rohstoffkosten und Lieferengpässe bei Vorprodukten und Bauelementen. Gleichwohl blickt die international wettbewerbsfähige Branche optimistisch in die Zukunft. „Die Wachstumstreiber Energieeffizienz und Elektromobilität werden die Nachfrage nach Produkten und Dienstleistungen der elektrischen Antriebstechnik weiter beflügeln und für ein nachhaltiges Wachstum sorgen“, so K. Helmrich.


Prozessautomation wächst um 12 %

Michael Ziesemer, COO und stellvertre­ten­der Vorstandsvorsitzender der En­dress+Hauser-Gruppe und Vizepräsi­dent des ZVEI, wurde auf der Mitglieder­ver­sam­mlung für drei weitere Jahre zum Vorsitzenden des Fachbereichs Mess­technik und Prozessautomatisierung gewählt

Die elektrische Prozessautomation befindet sich ebenfalls auf strammem Wachstumskurs. Michael Ziesemer, Vorsitzender des ZVEI-Fachverbands Automation: „Weltweit rechnen wir dieses Jahr mit einem Wachstum von 12 % bei den Auftragseingängen.“ Mit einer Steigerung in dieser Größenordnung hätte vor einem Jahr keiner gerechnet. So prognostizierte der ZVEI im Herbst 2009 höchsten ein moderates Wachstum um 3 % bis 4 % in 2010.

2009 war das Geschäft in diesem Segment weltweit um 16 % eingebrochen. Nach den aktuellen Zahlen wird das Niveau von 2008 in diesem Jahr allerdings noch nicht ganz erreicht. „2011 erwarten wir noch einmal eine Zunahme unserer Auftragseingänge um weltweit 5 % bis 7 %“, ist die neue Zielrichtung, die M. Ziesemer steckt.

Das Wachstum ist weltweit breit verteilt mit Spitzen in den BRIC-Staaten. Dabei hat sich vor allem das Russland-Geschäft stark belebt, das 2009 deutlich eingebrochen war. Neben Indien und China fungiert Osteuropa insgesamt als Konjunkturmotor. Deutschland, Europa und die USA bilden zwar nicht die Wachstumsspitzen, tragen aber in erfreulicher Weise zum positiven Ergebnis bei. In Deutschland sind dafür vor allem die Branchen Pharma, Nahrungsmittel, Metall- und Hüttenindustrie sowie der Maschinen- und Anlagenbau verantwortlich.

Technologisch sehen sich die deutschen Prozessautomatisierer nach wie vor weltweit führend. Der Trend zu mehr Energieeffizienz und Klimaschutz unterstützt die positive Entwicklung. Eine Untersuchung des ZVEI hat ergeben, dass durch moderne Automatisierungstechnik, zum Beispiel bei der Zustandsüberwachung an Durchflussleitungen und bei der Produktionsoptimierung in Prozessreaktoren in Deutschland pro Jahr 7 Mrd. € Energiekosten eingespart werden könnten. Das entspricht 43 Mio. t CO2-Äquivalente oder den Emissionen von sieben großen Steinkohlekraftwerken je 2.000 MW.

Weitere Informationen unter www.zvei.org.

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