23. Juli 2010

Leitdisziplin Automation

Editorial aus der etz 7/2010
„Der Optimist erklärt, dass wir in der besten aller möglichen Welten leben, und der Pessimist fürchtet, dass dies wahr ist“, schrieb der amerikanische Autor James Branch Cabell. Wenn es um die Automation geht, ist derzeit Optimismus angesagt. Automation ist eine starke Branche, macht andere Branchen stark und wird deshalb weiter wachsen. Mit diesem neuen Selbstbewusstsein zeigte sich die Branche Automation auf dem gleichnamigen Kongress Mitte Juni in Baden-Baden: „Zur Lösung der großen Herausforderungen der Menschheit braucht es die Automation“, so Roland Bent, Geschäftsführer bei der Phoenix Contact GmbH & Co. KG in Blomberg, in seiner Keynote. Die Krise ist bei den meisten Anbietern Vergangenheit. Nicht wenige Hersteller von Automatisierungstechnik kämpfen sogar bereits wieder mit Lieferengpässen.

Dabei werden die Anwendungsfelder der Automation immer vielfältiger: Ein wichtiger Trend ist die Automation im gesamten Lebenszyklus – vom Design und Engineering über Betrieb und Optimierung bis zur Diagnose und Wartung. „Während es in den vergangenen Jahren vor allem um punktuelle Verbesserungen ging“, betont Dr. Kurt Bettenhausen, Vorsitzender der VDI/VDE-Gesellschaft Mess- und Automatisierungstechnik (GMA), „ist man heute in der Lage, eine Anlage komplett digital zu planen und zu begleiten.“ Damit können sich seiner Meinung nach produzierende Fabriken viel schneller auf die wachsenden wechselnden Anforderungen einstellen.

Doch Automation findet längst nicht mehr nur im Maschinen- und Anlagenbau statt. Entsprechend der GMA-Umfrage 2010 weist inzwischen sogar das Anwendungsfeld Energietechnik nahezu gleichgroße Potenziale auf. Die Automation verspricht auch Antworten auf die Herausforderungen zum Beispiel in der Medizin- und in der Umwelttechnik. In vielen Anwendungsgebieten werden zunehmend smarte und einfach handhabbare Automatisierungslösungen gefordert. Unternehmen, wie Phoenix Contact und Eaton Automation, fassen solche Lösungen unter dem Stichwort „Lean Automation“ zusammen.

Im Gegensatz zur hohen Bedeutung der Automation für den Industriestandort und für die gesamte Gesellschaft steht laut R. Bent allerdings die geringe öffentliche Wahrnehmung der Automatisierungstechnik. Er sieht es daher als „nationale Aufgabe für alle gesellschaftlichen Kreise, einer breiten Öffentlichkeit klar zu machen, dass die Zukunft Automation braucht, dass die Automation Zukunft ist“.

Ronald Heinze


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